Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 22 von 57)

Warum bist du nicht mehr im Glamoresse?

Von Oktober 2015 bis März 2020 (also 4,5 Jahre) hatte ich ein Zimmer im Glamoresse, einem Bizzar-Studio in Hamburg-Billbrook. Viele meiner Kunden haben mich dort kennengelernt. Wenn sie mich jetzt nach dem Lockdown in meiner Wohnung treffen, werde ich häufig gefragt: „Warum bist du denn nicht mehr im Glamoresse? Hat es dir dort nicht mehr gefallen?“

Als im März 2020 der Lockdown kam, hatte ich meinen Raum im Glamoresse schon gekündigt. Ich hatte einen Teilzeit-Job angenommen (der dann leider die Corona-Krise nicht überstanden hat). Nach dem ersten Lockdown schrieb mich die Kollegin an und fragte, ob ich wiederkommen würde. Mir war die Situation zu unsicher, also habe ich das abgelehnt. Mittlerweile liegt die Corona-Krise (hoffentlich) hinter uns, und es kristalisiert sich immer mehr heraus, dass ich wohl nie zurückgehen werde.

Der Hauptgrund dafür ist, dass Sexarbeit nicht mehr meine einzige Tätigkeit ist. Das Zimmer im Glamoresse zu mieten ist sehr teuer; es rechnet sich nur, wenn ich 5-6 Tage die Woche dort bin, also in Vollzeit. Im Moment mache ich nur eine handvoll Dates in der Woche – und es geht mir sehr gut damit!

Das Zimmer in meiner Wohnung bietet nicht die erotischen Spielmöglichkeiten wie es im Glamoresse möglich war (z.B. im Schwarzen Studio). Andererseits gefällt es vielen Kunden, weil es ruhiger und persönlicher ist. Für mich hat es den großen Vorteil, dass es neutraler ist. Ich nutze den Raum nicht nur für erotische Treffen, sondern auch für ´Massagen und für Yoga und Coaching. Ins Glamoresse hätte ich keine Kunden bringen können, wenn es nicht um erotische Treffen ging.

Ich habe mich im Glamoresse wohlgefült und habe sehr positive Erinnerungen an die Zeit dort. Manchmal gehen Dinge jedoch einfach vorbei und es ist Zeit weiterzugehen. Das erlebe ich in vielen Lebensbereichen so. In den letzten Monaten laufe ich regelmäßig an einem Tanzstudio vorbei, in dem ich früher 2-3 Mal in der Woche war. Manchmal habe ich dann den sentimentalen Gedanken, dass ich ja mal wieder hingehen könnte. Aber das Gefühl ist nicht mehr dasselbe. Genauso geht es mir, wenn ich am Glamoresse vorbeifahre. Es gibt viele schöne Erinnerungen, aber es gibt keinen Weg zurück.

Ghosting

Den Begriff „Ghosting“ kenne ich ursprünglich aus dem privaten Dating. Dort wird ein plötzlicher Kontaktabbruch als „Ghosting“ bezeichnet. Eine Person ist plötzlich nicht mehr erreichbar, reagiert nicht auf Anrufe, Nachrichten etc – völlig ohne Erklärung.

Jede Sexarbeiterin, die ich kenne, hat Telefonnummern in ihrem Handy, die gekennzeichnet sind mit einem Vermerk für „nicht reagieren“. In meinem Telefon gibt es auch solche Nummern. Viele Kunden beklagen sich darüber, wenn eine Sexarbeiterin nicht mehr auf Anfragen reagiert. Die meisten Frauen machen das jedoch nicht grundlos.

Der simpelste Grund: Jemand hat mich schon mal versetzt. Ich gebe keine zweiten Chancen, wenn jemand einen Termin vereinbart und dann nicht bestätigt oder nicht zum Termin kommt. Manchmal schreibe ich eine kurze SMS, häufig spare ich mir das auch – ich kriege eh nie eine Reaktion, wenn jemand sich so verhält. Also werde ich eigentlich zuerst geghostet. Ich speichere die Nummer und reagiere dann nicht auf erneute Anrufe.

Ähnlich ist es, wenn jemand einen Termin sehr kurzfristig absagt (weniger als zwei Stunden vorher). Da beantworte ich dann eine erneute Anfrage meist mit einer kurzen SMS: „Ich habe kein Interesse mehr an Treffen mit dir.“ Auf Diskussionen darüber lasse ich mich nicht ein, weitere Nachrichten beantworte ich nicht mehr. Ja, es kann immer mal was dazwischen kommen. Aber 80% sind Ausreden, und ich mache mir nicht die Mühe da zu differenzieren (außer bei Stammkunden).

Schwieriger ist die Situation, wenn ich aus anderen Gründen entscheide, einen Kunden nicht mehr sehen zu wollen. Manchmal fühle ich mich einfach mit jemandem nicht wohl. Dabei geht es meist nicht mal darum, dass meine Grenzen überschritten werden, sondern viel häufiger um Chemie. Manchmal hat ein Kunde einfach eine andere Vorstellung von der Stimmung eines Dates, von dem grundlegenden Vibe der gelebten Erotik. Wenn ich Glück habe, erlebt das auch die andere Seite so, und er vereinbart keinen neuen Termin.

Wenn jemand einen neuen Termin mit mir vereinbaren möchte, mit dem ich mich nicht wohlfühle, kommt es vor, dass ich einfach ghoste. Manchmal schreibe ich eine kurze SMS: „Ich habe kein Interesse an einem (weiteren) Treffen mit dir.“ Das Problem ist, dass ich darüber nicht diskutieren möchte. Ich meine, es sind erotische Treffen – entweder es passt oder eben nicht. Es ist keine Beziehung, an der man arbeitet a la „ich werde mich ändern“.

Vielen Männern fällt es schwer, ein Nein von einer Sexarbeiterin zu akzeptieren. Selbst wenn ich eine klare Ansage gemacht habe, bekomme ich manchmal noch monatelang immer wieder Anrufe oder Nachrichten.

Magische Hände

Immer wieder sagen Kunden zu mir, ich hätte „Magische Hände“. Darüber freue ich mich jedes Mal sehr!

„Anfassen ist simpel, Berühren ist Kunst.“ ist ein Zitat, das gerne genutzt wird von Menschen, die Massagen geben. Aber wo genau liegt der Unterschied?

Ich habe im Laufe der Jahre viel über Massagen gelernt, durch Kurse und auch einfach durch Erfahrung. Das Thema Berührungen hat mich schon immer fasziniert. Nicht mal so sehr die verschiedenen Massage-Techniken, sondern mehr noch die Frage: worauf kommt es an, um den anderen wirklich zu berühren?

Meiner Meinung nach geht es vor allem um zwei Dinge: Um Langsamkeit und um Absicht.

Es dauert eine Weile, Berührungen auf der Haut zu spüren. Gerade Anfänger massieren häufig viel zu schnell. Am Anfang kann man eigentlich nicht langsam genug massieren. Der Körper braucht Zeit, sich an die Berührung zu gewöhnen und ins Spüren zu kommen. Und der Geist braucht Zeit, um im Moment anzukommen und die Gedanken zur Ruhe zu bringen.

Berührungen sollten absichtslos sein. Also, Absichtslosigkeit ist die Absicht vieler Massagen… Klingt kompliziert? Eigentlich gar nicht. Bei Berührungen geht es darum, sich darauf einzulassen, was derjenige braucht, der gerade berührt wird. Beim Anfassen steckt meist eine Absicht dahinter: Ich möchte etwas erreichen, beim anderen oder für mich. Das kann funktionieren, kann aber auch sehr negative Gefühle hervorrufen.

Jemanden wirklich zu berühren ist es, was eine Massage auch für den Gebenden so spannend macht. Ich liebe es, mich reinzufühlen in die kleinsten Reaktionen des anderen: eine leichte Veränderung der Hautspannung, ein leiser werden des Atems, das Nachgeben der Muskeln…

Dann brauch es hinterher gar keine Koplimente, sondern Körper und Reaktionen sagen mir schon alles, was ich wissen möchte. Über Komplimente freue ich mich natürlich trotzdem!

Prostitution als der einfachste Weg

Vor vielen Jahren habe ich mal in einem Buch folgende Aussage gelesen: „Frauen, die sich prostituieren, gehen den einfachsten Weg. Sie sind nicht bereit, sich den Problemen in ihrem Leben zu stellen und nach anderen Lösungen zu suchen.“ Damals habe ich mich über diese Aufgabe furchtbar aufgeregt; wer wird schon gerne als jemand gesehen, der sich dem Leben nicht richtig stellt?! Mittlerweile denke ich, dass in der Aussage doch etwas Wahrheit steckt.

Den meisten Menschen ist bewusst, dass Prostitution keine einfache Tätigkeit ist, sondern viel emotionale Stärke und Selbstsicherheit braucht. Trotzdem fangen einige Frauen ziemlich naiv mit Sexarbeit an, mit Gedanken wie „Ich kann das ja mal ausprobieren.“ Das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt von Prostitution: man kann relativ schnell und einfach einsteigen. (Theoretisch kann man genauso schnell und einfach wieder aussteigen. Warum das in der Praxis selten klappt, ist ein Thema für einen anderen Blog.)

Ich habe auch so angefangen. Nur nebenbei, eine handvoll Termine, dann habe ich erst mal wieder aufgehört. Selbst als ich später fünf Tage die Woche in einem Club gearbeitet habe, war das irgendwie „nebenbei“ und relativ locker. In manchen Bordellen gibt es nicht einmal Schichtpläne, sondern die Frauen können kommen und gehen wie sie wollen; wer da ist verdient Geld, wer nicht da ist eben nicht. Bei welcher anderen Tätigkeit gibt es diese Möglichkeit?

Das Problem dabei ist, dass man sich an diese Freiheit gewöhnt. Es wird einfach, nur so in den Tag hinein zu leben. Man arbeitet bis man genug Geld verdient hat, dann macht man frei bis man wieder Geld braucht. Keine Planung notwendig, man kann voll im Moment leben. Der Verdienst in der Prostitution ist meist hoch genug, dass das funktioniert, solange man den eigenen Lebensstandard nicht zu hoch schraubt (was manchen Anfängerinnen schwer fällt).

Wenn man einer normalen, angestellten Arbeit nachgeht, ist nicht nur ein hohes Maß an Disziplin und Zuverlässigkeit nötig (und vorab ein Bewerbungsprozess), sondern man muss auch seine Finanzen planen, da es halt nur ein Mal im Monat Gehalt gibt. Für viele Menschen mag diese Feststellung lächerlich klingen, da sie schon im frühen Erwachsenenalter gelernt haben, mit Geld umzugehen. Prostituierten fehlt diese Fähigkeit häufig. Sie sprechen von „Handgeld“ als das Geld, was sie für tägliche Ausgaben brauchen, und haben manchmal jemanden anders, der sich um den ganzen anderen Kram kümmert. (Auch das Zuhälter-Thema braucht einen eigenen Blog.) Viele Prostituierte leben sehr in den Tag hinein, gerade wenn sie jung sind.

Von dieser Perspektive aus betrachtet ist Prostitution durchaus der einfachste Weg – der leider auch in eine Sackgasse führen kann, wenn man sich auf diese Einfachheit verlässt und nicht irgendwann anfängt, Pläne für den Rest des Lebens zu machen.

Kannst du nicht doch…

In den letzten Wochen häufen sich die Anfragen nach kurzfristigen Treffen: „Ich weiss, du machst eigentlich nie Termine für denselben Tag, aber kann ich nicht vielleicht doch heute noch zu dir kommen?“ Häufig kommen diese Anfragen im Laufe des Abends, also nach 18:00. Ich kann verstehen, dass einige Männer dann alleine zu Hause oder im Hotel sitzen und sich nach Gesellschaft sehnen. Aber ich möchte Dir das gerne mal aus meiner Perspektive schildern:

Gehen wir mal davon aus, dass ich an dem Abend keinen Arbeitstermin habe, weder in Form eines Dates noch in einem meiner anderen Tätigkeiten. Ich arbeite theoretisch sieben Tage die Woche, und an diesem Abend habe ich eigentlich keine Verpflichtung und kann meine Zeit selber planen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich dann zu Hause sitze und hoffe, dass doch noch eine Anfrage kommt!

Die Realität ist eher, dass ich mir spätestens am frühen Nachmittag überlegt habe, wie ich den Abend verbringen möchte. Ich habe mich zu einer Yoga-Stunde angemeldet, mich mit einer Freundin verabredet oder fahre spät noch zu meinem Pferd. Dann kommt diese Anfrage, ob ich nicht doch Zeit für ein Date hätte. Ich gebe zu, es gab Zeiten in meinem Leben, da hätte ich mich jetzt vor dem Yogastudio umgedreht und wäre zurück in die Wohnung gefahren, hätte die Freundin angerufen und den Termin so kurzfristig abgesagt, hätte den Sattel wieder vom Pferd genommen und es einfach zurück in die Box gestellt. Ich bin froh, heute nicht mehr so rücksichtslos mit meinem Privatleben umzugehen!

Aber gehen wir mal davon aus, dass ich genau das mache. Ich breche ab, was auch immer ich zum Zeitpunkt der Anfrage gerade gemacht habe, und fahre in die Wohnung, sagen wir mal mit 30 Minuten Fahrzeit (was knapp geschätzt ist). Dort brauche ich ca 20 Minuten, um den Raum vorzubereiten; diesen nutze ich nämlich auch für andere Dinge. Ich muss also die Möbel umstellen, den Futon ausrollen und neu beziehen, die Heizung hochdrehen und mich ums Licht kümmern. Dann muss ich duschen, mich rasieren, meine Nägel lackieren, etwas MakeUp auflegen – noch mal mindestens 30 Minuten. Jetzt sind wir also bei einem Zeitrahmen von mindestens 1,5-2 Stunden zwischen Anfrage und frühestmöglichem Zeitpunkt des Treffens; bei einem Anruf um 19:00 macht das ein Treffen um 21:00. Die meisten Männer werden (zu Recht) sagen, dass ihnen das zu spät wird.

Gehen wir von dem ungewöhnlichen Fall aus, dass ich zum Zeitpunkt der Anfrage in der Wohnung bin. Dann geht es mir wie den meisten Menschen am Abend: Ich habe nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag jetzt den Feierabend eingeläutet und freue mich auf einen ruhigen Abend. Vielleicht sitze ich am Schreibtisch und schreibe, oder ich liege entspannt mit einem Buch in der Badewanne. Es geht mir dann bei plötzlichen Arbeitsanfragen wie den meisten Menschen: Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich mache sehr, sehr gerne Sexarbeit, aber Sexarbeit ist trotz allem Arbeit – siehe Vorbereitungen oben, und wenn mich jemand für Erotik bezahlt, erwartet er (zu Recht) Aufmerksamkeit und Motivation und keine Einstellung a la „okay, dann nehme ich das eben noch mit“.

Es wird also auch in Zukunft keine spontanen Treffen mit mir am Abend geben. Meist sind alle Anfragen für denselben Tag zu spontan. Selten bringe ich am Nachmittag ein spontanes Date unter, oder kann den Abend freihalten, wenn die Anfrage früh genug am Tag kommt. Für die spontane Lust am Abend sollte man sich aber bitte an Frauen wenden, die im Schichtdienst arbeiten und es gewohnt sind, sich spontan bereit zu halten (was keine Kritik an diesem System sein soll).

Vertrautes oder Neues

Ich mag Gewohnheiten. Ich freue mich immer wieder aufs Neue auf Treffen mit Stammkunden, die ich schon lange kenne und mit denen sich Vertrautheit entwickelt hat. Ich genieße es zu wissen, wie sich die Stimmung eines Treffens entwickeln wird, und dass wir die Vorlieben des anderen kennen und im Laufe der Zeit ein gemeinsames Spiel entwickelt haben.

Für manche Kunden geht es beim Besuch einer Sexarbeiterin darum, immer wieder etwas Neues zu erleben: eine andere Frau, eine neue Spielart, ein Versuch der Steigerung…

Bei Treffen mit mir ist das selten der Schwerpunkt. Es geht eher um Ruhe, Ausgleich, Nähe, sanfte Erotik. Manchmal kommen Kunden auch mit bestimmten Wünschen; Dingen, über die sie schon länger nachdenken und die sie nun endlich ausprobieren möchten, oder auch neuen Ideen, die sie gerade faszinieren.

Ich freue mich, wenn jemand mit neuen Ideen zu mir kommt, und setze diese gerne um – baue sie in ein schon vertrautes Spiel ein oder kreiere auch etwas völlig Neues. Das passt zu dem, was ich oben mit „ein gemeinsames Spiel entwickeln“ meine.

Ich bin jedoch meist ziemlich überfordert, wenn jemand von mir neue Ideen erwartet. Ich habe in meiner Sexualität schon sehr viel ausprobiert, und mir geht es mittlerweile mehr um Menschen und Begegnungen und nur noch selten um Techniken. Gerade in der Sexarbeit sehe ich es als meine Aufgabe, mich auf meinen Gegenüber einzustellen – da treten dann meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse häufig in den Hintergrund.

Wenn ich jemanden regelmäßig treffe, kommen mir manchmal neue Ideen, was demjenigen gefallen könnte. Dafür muss ich aber ein gutes Gefühl für die Person kriegen – mit regelmäßig meine ich also ein Mal im Monat, nicht zwei Mal im Jahr.

Mit „sag doch mal, was du gerne ausprobieren möchtest“ kann ich nichts anfangen. Es geht dabei selten wirklich um mich, sondern es wird von mir erwartet, eine Fantasie meines Gegenübers zu erraten. Das Risiko, dass ich das Treffen ruiniere, weil meine Wünsche und Fantasien halt zu weit von denen meines Kunden entfernt sind, ist ziemlich groß – und Gedanken lesen kann ich leider nicht.

Deswegen: Verrate mir einfach, wonach Dir ist, oder genieße das, was Du von mir kennst und Dir vertraut ist. Da haben wir beide am meisten von.

Logik des Geldes

Heute Morgen hatte ich mal wieder so einen Mail-Kontakt, der mich den Rest des Tages den Kopf schütteln ließ:

Er: „Hi würdest Du XXX machen? Würde es auch entsprechend bezahlen.“
Ich: „Kann ich nicht.“
Er: „Schade, würde echt gut zahlen.“

Wenn ich sage „Ich kann das nicht.“ kann das Unterschiedliches meinen:

– Es ist mir körperlich nicht möglich.
– Ich habe das nötige Wissen nicht.
– Es zählt zu meinen Tabus.

In allen drei Fällen macht es überhaupt keinen Sinn, mich mit mehr Geld überzeugen zu wollen. Falls ich mich darauf einlassen sollte, wäre das Ergebnis nämlich so:

– Ich sage etwas zu, was bei mir körperlich nicht funktioniert. Es wird nicht plötzlich funktionieren, nur weil ich mehr bezahlt kriege. Ich sage also etwas zu, bei dem mir klar ist, dass ich es dann nicht machen kann und der Kunde frustriert sein wird (zu Recht). Falls ich doch versuche, etwas zu erzwingen, gehe ich ein hohes gesundheitliches Risiko ein.
– Ich versuche mich an etwas, von dem ich keine Ahnung habe. Im besten Fall wird der Kunde frustriert, weil es nicht so wird wie er sich das vorgestellt hat. Im schlimmsten Fall setze ich den Kunden unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken aus.
– Ich mache etwas, das mir zuwider ist oder das ich für nicht verantwortbar halte, und verstoße dadurch gegen meine eigene Integrität. Damit füge ich mir selbst psychischen Schaden zu, der noch Zeit zum Heilen brauchen wird, wenn ich das verdiente Geld längst ausgegeben habe.

In allen drei Fällen sehe ich weder für mich noch für den Kunden einen Sinn darin. Ich muss also alle, die an einem Treffen mit mir interessiert sind, bitten, sich auf mein Urteil darüber zu verlassen, was ich kann und was nicht. Ist besser für beide!

Nachtrag:
Ich habe in den Jahren, in denen ich SDL bin, einige Male Kunden erlebt, denen es nicht wirklich um etwas Bestimmtes ging, sondern rein darum, mich dazu zu bringen, etwas zu tun das ich vorher abgelehnt habe. Das sind Machtspielchen. Das finde ich respektlos und breche den Kontakt sofort ab.

(Re-Post vom 16. Januar 2017)

Blog-Empfehlung

Vor ein paar Tagen bin ich über das Profil einer Autorin auf ihrer Homepage gelandet. Erster Eindruck: Oh, schick – und irgendwie vertraut. Lösung: sie benutzt dasselbe Programm und auch dieselbe Template-Vorlage wie ich für diesen Blog.

Dann habe ich etwas mehr gelesen und neben Werbung für ihre Bücher eine ganze Reihe von interessanten Blog-Artikeln gefunden und viele Literaturtipps. Deswegen möchte ich Euch diese Seite jetzt empfehlen.

Falls Ihr Euch für BDSM interessiert und nach spannenden Romanen oder Blog-Texten zu dem Thema sucht, schaut gerne mal hier vorbei:

https://margauxnavara.com/

Kommentare zu Blogs

Diesen Blog erstelle ich mit dem Programm WordPress und einem vorgegebenen Template, das ich lediglich mit meinen eigenen Texten fülle. Standardmässig hat diese Seite auch eine Kommentarfunktion, die ich bis jetzt nicht weiter beachtet habe.

Vor zwei Wochen hatte ich dann plötzlich eine Flut von Kommentaren, die meisten von einem einzigen Leser. Einige waren durchaus sinnvoll, aber vieles war die Darstellung einer eigenen Meinung und ein Kommentar sogar eine Anfrage nach einem Treffen (was ich so öffentlich ziemlich daneben finde).

Seitdem denke ich wieder darüber nach, wie ich mit Kommentaren zu meinen Blogs umgehen will. Da ich jeden Kommentar von Hand freischalten muss, kann ich theoretisch auch einfach alle Kommentare löschen. Oder mich doch mal damit beschäftigen, ob und ggf wie ich diese Funktion ausschalten kann.

Welchen Sinn haben Kommentare eigentlich? Meiner Meinung nach geht es darum, etwas zu dem jeweiligen Text zu sagen, z.B. einen Aspekt zu ergänzen oder auf andere Sichtweisen hinzuweisen. Viele nutzen Kommentare aber eher, um über eigene Vorlieben zu berichten – das nervt mich total! Auch Anmerkungen, die sich nicht auf den Text an sich, sondern auf mich als Person beziehen, empfinde ich häufig als übergriffig.

Ein Blog ist für mich etwas anderes als ein Forum. Mein Blog ist mein Bereich, und ich muss mich hier weder rechtfertigen noch alles tolerieren. Im Gegensatz dazu geht es in einem Forum darum, sich über ein Thema auszutauschen und gleichberechtigt zu diskutieren. Auf vielen Internetseiten vermischen sich die beiden Bereiche mittlerweile, aber hier möchte ich das nicht.


Weitere Texte von mir zu diesem Thema sind „Blogs und Kommentare“ vom 28. November 2018 und „Mobbing“ vom 23. Juni 2020.

Flüchtlinge und Zwangsprostitution

Bei den Flüchtlingen aus der Ukraine handelt es sich, im Gegensatz zur Flüchtlingswelle 2015, überwiegend um Frauen und Kinder. Vielen wird von Privatpersonen Hilfe angeboten, in Form von privaten Unterkünften, Hilfestellung bei Wohnungssuche, Anträgen, Kleidung und Gebrauchsgegenstände, etc. Die überwiegende Anzahl dieser Hilfsangebote ist zweifelsohne selbstlos, einfach ausgelöst durch das Leid direkt vor unserer Haustür.

In der letzten Woche gibt es aber auch Stimmen von Flüchtlingsorganisationen und -helfern, die geflüchtete Frauen zu mehr Vorsicht mahnen. Leider gibt es durchaus auch Menschen, die die Notlage dieser Frauen ausnutzen, um „Gefälligkeiten“ zu erzwingen oder Abhängigkeiten herzustellen. In diesem Zusammenhang steht auch schnell das Wort „Zwangsprostitution“ im Raum.

Für mich ist Zwangsprostitution ein schwieriges Thema. Ich möchte nicht abstreiten, dass es Zwangsprostitution in Deutschland gibt, sowohl in Form von Menschenhandel als auch (viel häufiger) in Form von Ausnutzung von Notlagen und Abhängigkeiten. Andererseits stellen viele Prostitutonsgegner es so hin, als wäre jede Form von Prostitution Zwangsprostitution oder zumindest sehr massiven wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Damit bringen sie mich und jede andere Frau, die dieser Tätigkeit freiwillig nachgeht, in die Position, höchst private und intime Entscheidungen und Geschichten darlegen und rechtfertigen zu müssen. Die Steigerung davon ist es, nicht nur diese Geschichten zu verdrehen, sondern auch die psychische Gesundheit und Entscheidungsfähigkeit von Frauen in der Prostitution in Frage zu stellen.

Ziemlich weit oben auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) liegt das Buch „Entmenschlicht“ von Huschke Mau, einer der führenden Prostitutionsgegnerinnen in Deutschland und Verfechterin des „Nordischen Models“. Sie vertritt ziemlich genau die gerade beschriebenen Auffassungen. Im Zusammenhang mit ihrer Geschichte kann ich das nachvollziehen und schätze durchaus auch viele ihrer Texte. Trotzdem finde ich ihren eingleisigen Blick und ihre Kompromisslosigkeit falsch. (Rezession des Buches folgt, sobald ich es gelesen habe.)

Zwangsprostitution und Sexarbeit (als Oberbegriff für freiwillige Prostitution in all ihren unterschiedlichen Aspekten) sind für mich zwei völlig unterschiedliche Dinge – so wie vielleicht der Unterschied zwischen Sklaverei und Lohnarbeit. Das eine gehört zu Recht bekämpft, das andere hat eine Funktion in der Gesellschaft.

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