Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 21 von 57)

Perfekte Illusion

Vor kurzem sagte jemand zu mir, die Zeit mit mir sei eine perfekte Illusion. Ich verstand, was er damit sagen wollte, aber meine Gedanken dazu sind ein wenig anders.

Ich versuche nicht, Illusionen zu erschaffen. Meine Stärke ist es, Stimmungen zu erschaffen. Dabei will ich niemandem etwas vorgaukeln, sondern eine Einladung aussprechen, sich in die Situation hinein zu entspannen und zu genießen. Vielleicht ist es ein wenig vergleichbar mit einem Musiker, der mit seiner Musik seine Gäste in eine bestimmte Stimmung versetzen kann. Dasselbe tue ich mit einem Zusammenspiel aus Atmosphäre im Raum und Berührungen.

Ob ich jemandem dabei etwas vorspiele? Diese Frage kann ich nicht mal genau beantworten. Wenn ich mit einem meiner Kunden zusammen bin, stelle ich meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse in den Hintergrund und konzentriere mich ganz auf meinen Gegenüber. Frei nach dem Motto „Fake it till you make it“ kann ich dann oft nicht einmal selbst unterscheiden, welcher Teil meiner Lust und Hingabe echt ist und was „nur“ der Situation geschuldet.

Wie echt ist also nun das Treffen mit einer Sexarbeiterin? Ich erlebe es so, dass das, was während des Treffens geschicht, in den meisten Fällen echt ist. Aber ein solches Treffen hat klar definierte Grenzen, und es wäre ein Fehler, das Geschehn innerhalb dieser Grenzen nach draußen bringen zu wolllen und davon Gefühle oder Verbindungen über dieses Treffen hinaus abzuleiten.

Huschke Mau

In dieser Woche habe ich schon zwei Mal mit Freunden darüber diskutiert, ob es Sinn macht, manchen Menschen Aufmerksamkeit zu geben oder ob man sie am besten ignoriert. Konkret geht es um Huschke Mau. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem der Gesichter der Prostitutionsgegner in Deutschland gemacht und tingelt damit durch diverse Medien. Sie hat eine Organisation gegründet, die Frauen beim Ausstieg hilft (Netzwerk Ella) und setzt sich für das Nordische Model ein.

Ich habe vor einigen Jahren einen Text von ihr gelesen, der „Wiedereinstiegsgedankenkreisel“ hieß (damals hatte ich ihren Namen noch nie gehört). In diesem Text fand ich viele meiner eigenen Gedanken und Verhaltensweisen wieder, wenn auch überspitzt. Seitdem folge ich ihr bei Facebook und lese immer wieder Texte von ihr – mit immer weniger Spaß, denn in ihren Augen sind Freier grundsätzlich gewaltbereite Täter und Frauen immer Opfer.

Vor kurzem hat sie eine Talkshow verlassen, weil die anderen Teilnehmer nicht bereit waren, ihren Standpunkt zu teilen. Im Nachhinein regte sie sich dann darüber auf, dass sie als „Ex-Prostituierte“ bezeichnet worden war – sie sei doch mittlerweile Doktorantin und hätte viel mehr erreicht. Sie sitzt aber in dieser Talkshow und beruft sich auf ihre Geschichte und vergleichbare Schicksale, wenig auf die diversen Daten und Meinungen, die es zu dem Thema gibt. Wenn sie die Rolle so klar annimmt, warum wehrt sie sich dann im Nachhinein dagegen?!

Huschke Mau hat eine Vergangenheit voller Gewalt, beginnend mit einem gewalttätigen Elternhaus, aus dem sie mit 17 flieht. Das ist eine tragische Geschichte, aber gleichzeitig keine typische. Die Frauen, die ich in der Sexarbeit kennengelernt habe, hatten sehr unterschiedliche Geschichten und Beweggründe – die wenigsten davon waren so dramatisch wie die von Huschke Mau.

Wenn ich Gedanken zu Huschke Mau und ihren Thesen formuliere, komme ich mir vor, als wollte ich einem Opfer häuslicher Gewalt von meiner glücklichen Beziehung erzählen. Die Erfahrungswelten sind so weit auseinander, dass sich einfach kein gemeinsamer Nenner finden lässt. Theoretisch redet man über dasselbe (über Beziehungen bzw über Sexarbeit), aber vergleichbar ist es doch überhaupt nicht.

Letztes Jahr hat Huschke Mau ein Buch herausgebracht, dem sie den Titel „Entmenschlicht“ gegeben hat. Es lag einige Monate ungelesen in meinem Regal, und jetzt habe ich mich dazu durchgerungen, es zu lesen. Es macht keinen Spaß, aber ich finde es wichtig, auch in diese Seite der Diskussion einen Einblick zu haben. Buchbesprechung folgt, wenn ich es durch geschafft habe.

Wachs

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder das Vergnügen, mit einem meiner Lieblingsspielzeuge zu spielen: mit einer Kerze und heißem Wachs.

Viele Menschen bringen Spiele mit Wachs mit SM und Schmerzen in Verbindung und lehnen sie daher ab. Ich sehe Wachs als einen sinnlichen Reiz, dessen Intensität ich variieren kann. Wenn ich die Kerze sehr hoch halte, ist es nicht mehr als ein warmer Tropfen, ähnlich wie warmes Öl (und doch irgendwie anders). Je tiefer ich mit der Kerze komme, desto heißer wird es.

Manchmal denke ich darüber nach, Wachs auch in eine Massage einzubinden. Gerade in Verbindung mit eingeölter Haut fühlt es sich sehr gut an. Einziger Nachteil ist, dass es sich nicht so einfach wegwischen lässt, sondern hinterher einen ziemlichen Aufwand beim Reinigen braucht.

Das perfekte Leben

„My goal is to build a life I don’t need a vacation from.“

Letzten Montag war ich morgens beim Yoga, und nach einer anstrengenden Stunde verabschiedete uns die Lehrerin mit den Worten: „Danke, dass Ihr Eure Woche mit Yoga mit mir begonnen habt. Ich wünsche Euch eine schöne Woche, mit so wenig Arbeit wie möglich!“ Solche Sätze triggern mich immer!

Ich kann nicht nachvollziehen, dass Menschen so über ihre Arbeit denken. Ich meine, mir ist klar, dass die meisten nicht jeden Morgen mit totaler Begeisterung zur Arbeit gehen. Aber seinen Job so wenig mögen, dass man ihn ständig nur hinter sich bringen will? Immer nur auf den nächsten Urlaub wartet/ das Wochenende/ die Rente? Das ist doch kein Leben!

Ich fühle mich sehr privilegiert, da meine Arbeit mir sehr, sehr viele Freiheiten lässt. Ich kann fast alles selbst gestalten und bin auch zeitlich wenig festgelegt. Dafür ist mein Leben mit sehr viel Unsicherheit verbunden, zeitlich und finanziell. Ich habe durchaus Phasen, in denen ich mir mehr Struktur und Sicherheit wünschen würde – aber im Großen und Ganzen überwiegt die Freude über meine Freiheit.

Ein anderer Aspekt: Ich mag es, Enscheidungen zu treffen und dann zu diesen Entscheidungen zu stehen. Wenn ich eine Arbeit annehme (wie zuletzt vor zwei Jahren eine Teilzeittätigkeit), dann will ich jetzt gerade diesen Job machen (und das Geld verdienen, das damit verbunden ist). Warum sollte ich etwas zusagen, dass ich von Anfang an nicht will?! Ganz ehrlich: man kann auch von Sozialhilfe leben und seine Freizeit genießen. Vielen Menschen geht es jedoch zum Glück nicht nur um Geld, sondern auch um das Gefühl, etwas Nützliches zu tun und damit Teil der Gesellschaft zu sein. Das wird meiner Meinung nach viel zu häufig nicht beachtet.

Ein guter Freund von mir mag Gedankenspiele in der Art von: Was würdest du machen, wenn du im Lotto gewinnst? Wohin würdest du gerne mal reisen? Etc. Mir fällt da häufig nicht so viel zu ein, oder ich finde sowas einfach blöd. Ich mag mein Leben! Ja, ich habe auch Probleme, um die ich mich kümmern muss, bin mal schlecht drauf oder würde einfach gerne im Bett bleiben und die Decke über den Kopf ziehen. Aber es ist mein Leben, ich habe es selbst so gestaltet. Was würde es über mich aussagen, wenn ich da völlig unzufrieden mit wäre? (Ich mag übrigens keine Opfer-Mentalität. Wenn ich mit meinem Leben nicht zufrieden wäre, wäre es meine Aufgabe, das zu ändern.)

Manchmal denke ich, ich bin zu zufrieden und nicht „hungrig“ genug. Mit mehr Ehrgeiz könnte ich bestimmt sehr viel mehr erreichen, als ich jetzt habe (finanziell, aber auch was Status angeht). Ich mag meine Arbeit, meine Kunden und meinen Alltag. Es gibt noch Dinge, die ich machen und erreichen möchte. Ich fühle mich jedoch nicht getrieben, sondern gebe mir und den Dingen Zeit sich zu entwickeln. Es geht mir gut!

Das Gute im Menschen

In der Sexarbeit ist es immer noch üblich, dass das Geld zu Beginn des Treffens bezahlt wird. Diese Regel geht auf die Zeit zurück, als Prostitution als sittenwidrig galt und Geld aus Prostitution daher nicht auf Rechtswegen eingeklagt werden konnte. Mittlweile ist das anders (seit Einführung des Prostitutionsgesetzes zum 01.01.2002 *), doch diese Gewohnheit wurde beibehalten – meiner Meinung nach häufig ein Zeichen des gegenseitigen Misstrauens, dass zwischen Sexarbeiterinnen und ihren Kunden herrscht. (Und nebenbei: auch wenn es theoretisch möglich ist, bei Unstimmigkeiten die Polizei zu rufen und das gerichtlich zu klären, will das kaum eine Sexarbeiterin.)

Ich möchte hier ein bisschen aus meinen Erfahrungen plaudern, die sind nämlich überwiegend ganz anders. Anlass für diesen Blog ist ein Erlebnis, das ich letzte Woche hatte. Ich hatte einen Termin am Freitagmorgen recht früh, mit einem Kunden den ich in der Woche zuvor zum ersten Mal getroffen hatte. Vierzig Minuten vor dem Termin bekam ich eine SMS: Er müsse den Termin leider absagen, sein Corona-Schnelltest sei gerade positiv gewesen. Ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben, dass ich solche kurzfristigen Absagen häufig als Ausrede empfinde und dann keine zweite Chance gebe. Diesem Mann habe ich das jedoch sofort geglaubt, beruhend auf dem bisherigen Kontakt. Es ging sogar noch weiter: Nachdem ich ihm gute Besserung gewünscht habe, bestand er darauf, mir das Geld für den Termin zu überweisen. Ich habe erst versucht das abzulehnen, ihm dann jedoch meine Verbindung gegeben.

Das war in meinen ganzen Jahren als Sexarbeiterin erst das zweite Mal, dass mir jemand einen gebuchten Termin bezahlt hat, weil er kurzfristig absagen musste. Halt, stimmt nicht ganz, zwei Mal hatte ich das auch bei langjährigen Stammkunden, aber da ging es um etwas anderes: bei dem einen hatte ich extra ein Zimmer gebucht, das er dann bezahlt hat, und bei dem anderen es ist zum x-ten Mal vorgekommen, dass ihm kurzfristig was dazwischen gekommen ist, und diesmal bestand ich auf das Geld (für einen Termin, nicht für alle ausgefallenen). Sonst fällt es bei Stammgästen unter Kulanz, wenn wirklich mal was dazwischen kommt (ist ja dann meist ein echter Notfall), oder bei Neukunden ist es halt mein Pech.

Zurück zum Thema vom Anfang: Ich bestehe nicht darauf, das Geld zu Beginn des Termins zu bekommen. Viele Kunden geben es mir von sich aus am Anfang. Manchmal passiert es, dass jemand das danach vergisst und ich sanft erinnere. Zwei oder drei Mal ist es sogar schon passiert, dass wird es beide vergessen haben. Jedes Mal bekam ich innerhalb von einer Stunde einen Anruf: „Ich hab dir gar kein Geld gegeben! Wie machen wir das jetzt?“ Ich habe das Geld jedes Mal bekommen, per Überweisung oder beim nächsten Treffen.

Ja, ich bin auch schon um Geld betrogen worden – drei oder vier Mal, in über fünfzehn Jahren. Da war es dann meist nicht mal das Geld (obwohl das in einem Fall echt auch weh tat), sondern viel mehr das Gefühl, betrogen und nicht repektiert worden zu sein. Das hat mir auf Wochen den Spass an der Arbeit verdorben, und ich musste mich zwingen, nicht jedem weiteren Kunden mit Misstrauen zu begegnen. Wenn ich darüber nachdenke, wie häufig ich von Menschen in „seriösen“ Berufen höre, dass sie hinter ihrem Geld herlaufen – egal ob es Handwerker, Ärzte u.a. – ist das bei mir harmlos. Also: Ich habe echt tolle Kunden! Danke!


* Bitte nicht verwechseln: Es gibt das Prostitutionsgesetz (ProstG) von 2002, durch das Prostitution in Deutschland legal wurde. Darin wird Prostitution als Dienstleistung definiert und es sollte den sozialen Status von Prosituierten verbessern. Seitdem können sich Prostituierte z.B. gesetzlich krankenversichern – und eben auch ihren Lohn einklagen. Seit 2017 gibt es zusätzlich das Prostitutionsschutzgesetzt (ProstSchG), dass Sexarbeitenden und den Betreibern von Prostitutionsbetrieben eine Reihe von Pflichten auferlegt, u.a. die Registrierung von Sexarbeitenden und eine Genehmigungspflicht für Betreiber. Dieses Gesetz wird von vielen als Schikane empfunden und die angebliche Schutzwirkung für Sexarbeitende wird stark angezweifelt.

Selbststimulation

Vor ein paar Tagen habe ich über die Verbreitung von Pornos geschrieben und darüber, welche Auswirkungen diese auf unser Bild von Sex haben. Heute möchte ich ein verwandtes Thema ansprechen: die Frage, wie ich meinen Körper behandle, wenn ich mich selbst stimuliere.

Lange Zeit galt Masturbation als schädlich und verwerflich und es wurde versucht, sie zu unterdrücken. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Ansicht gewandelt. Gerade Sexualtherapeuten halten Selbstbefriedigung für wichtig, da sie ein guter Weg ist, die eigenen Reaktionen und Wünsche kennenzulernen – in der Pubertät, aber auch noch danach.

Mittlerweile werden Menschen, die sich nicht selbst befriedigen, eher skeptisch betrachtet, als irgendwie verklemmt und ohne Zugang zum eigenen Körper. Das finde ich übertrieben. Eine Sexarbeiterin hat während des ersten Lockdowns einen Blog geschrieben darüber, dass sie selten masturbiert, weil sie einfach viel Kontakt und Erotik mit anderen Menschen lebt, und wie sehr ihr das im Lockdown plötzlich fehlt. Das kann ich gut nachvollziehen. Ich masturbiere zwar, aber meist eher als Einschlafhilfe als mit echter Begeisterung.

Das andere Ende des Extrems sind Menschen, die sehr exzessiv masturbieren, und/oder häufig mit Hilfsmitteln. Vibratoren sind ein tolles Spielzeug und eine besondere, intensive Art der Stimulation. Auf Dauer senken sie jedoch die Sensitivität; der Körper gewöhnte sich an sehr starke Reize und es wird schwieriger, sich mit der (scheinbar geringeren) Stimulation durch die eigenen Finger zum Orgasmus zu bringen.

Ähnlich ergeht es Männern, die Selbstbefriedigung zur schnellen Triebabfuhr nutzen. Häufig konditionieren sie sich damit selber auf eine sehr harte, schnelle Stimulation, und kriegen dadurch auf Dauer Probleme, beim Sex oder bei Berührungen durch jemanden anders zum Höhepunkt zu kommen. Solche Männer erlebe ich durchaus auch bei mir häufiger, die meine Berührungen und den Sex zwar genießen, es dann aber selbst „zu Ende bringen“ müssen.

Im Tantra versuchen wir das Gegenteil: Dort gibt es sogenannte Selbstliebe-Rituale, in denen es darum geht, sich selber ganz viel Zeit für die Berührung des eigenen Körpers zu nehmen. Im Grunde ist es eine Tantra-Massage, die man sich selbst gibt – mit allen Möglichkeiten einer solchen Massage.

Also, denk gerne mal darüber nach, wie Du mit Deinem Körper umgehst, wenn Du Dich selber anfasst, und welche Auswirkungen das auf Deine gesamte Sexualität hat!


In den Kommentaren findet Ihr noch einen Link zu einem Youtube-Video, in dem ein Mann von seinen Erfahrungen mit Selbststimulation in der Tantra-Ausbildung bei Diamond Lotus in Berlin berichtet und seine Gedanken dazu und zu dem Thema generell schildert. Fand ich sehr spannd, schaut gerne mal rein.

Porno ist Leistungssport

Seitdem es das Internet gibt, hat die Verbreitung von Pornographie massiv zugenommen. Manche Soziologen sprechen gar von einer „Pornofizierten Gesellschaft“ und beklagen, wie sehr Porno-Ästhetik in den Mainstream hinübergeschwappt ist.

Generell habe ich nichts gegen Pornos. Pornos sind jedoch wie Aktionfilme: Es wird nach Highlights gesucht, es muss möglichst aufregend sein, Pausen und Pannen sind nicht vorgesehen. Und während niemand auf die Idee kommen würde, sich selbst mit Schauspielern und Stuntmen in Aktionfilmen zu vergleichen, scheint vielen Menschen nicht bewusst zu sein, dass auch die Hochglanz-Bilder aus Pornos weit von dem Sex entfernt sind, den normale Menschen haben.

Porno-Darsteller müssen hohe Anforderungen erfüllen, sowohl was ihr Aussehen angeht als auch bezüglich ihrer Leistungen. Bei Männern wird dann auch gerne mit Viagra nachgeholfen, bei Frauen hilft einfach Zähne zusammenbeißen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Was in einem Gangbang-Video so geil aussieht, ist wahrscheinlich nur in den wenigsten Fällen wirklich Spaß, sondern häufig harte Arbeit für alle Beteiligten.

Wenn jetzt jemand zu mir kommt und unbedingt das erleben möchte, was er vor ein paar Tagen in einem Porno gesehen hat, führt das häufig zu Enttäuschungen. Es gibt bestimmte Dinge, die ich nicht trainiere und demnach meinem Körper auch nicht unbedingt zumuten möchte. Wenn ich die Aktive bin, scheitert es auch mal an den körperlichen Möglichkeiten meines Spielpartners.

Ich würde mir bei aller Geilheit wünschen, dass sich mehr Männer einen Moment Zeit nehmen, um über die Technik bestimmter Spielarten nachzudenken und über die damit verbundenen Risiken – und dann realistisch zu beurteilen, ob das möglich ist und wirklich das, was sie erleben wollen (und ob sie ggf bereit sind, Zeit fürs lernen und üben zu investieren).


Ich habe schon mal über Pornos geschrieben, am 3. Juli 2019 in meinem Blog „No Porn just a Sex Film“.

Preisgestaltung

Während der Pandemie wurde immer wieder der Verdacht geäußert, dass Sexarbeiterinnen gezwungen wären, mit ihren Preisen nach unten zu gehen und/oder ihren Service zu erweitern. In den letzten Monaten gehen meine Beobachtungen eher in die andere Richtung: die Anzahl der Frauen in der Sexarbeit hat abgenommen, und einige Frauen nutzen dass, um jetzt ihre Preise deutlich zu erhöhen.

Über Preise in der Sexarbeit wurde schon immer heftig diskutiert. Häufig zogen Kunden den Vergleich zu ihren eigenen Stundenlöhnen heran – ein Vergleich, der deutlich hinkt, da viele Sexarbeiterinnen auch massive Kosten haben und Umsatz und Gewinn dadurch sehr weit auseinanderliegen, und zudem keine Frau in der Lage ist, wirklich Vollzeit zu arbeiten (selbst wenn die Nachfrage da wäre, ist dies körperlich und psychisch nicht machbar).

Vor kurzem habe ich (in einem anderen Zusammenhang) folgende Aussage gelesen: „My prices are based on my talent – not your budget!“ („Meine Preise basieren auf meinem Talent – nicht deinem Budget!“) Diese Aussage ist gerade sehr modern und wird z.B. von vielen Business Coaches propagiert. Auch in anderen Bereichen werden meiner Meinung nach völlig überzogene Preise aufgerufen, und wenn jemand etwas dagegen sagt, wird das als mangelnder Respekt gegenüber der Anbieterin ausgelegt – das muss es dir halt wert sein, und ich bin mir das selber wert, diese Preise zu verlangen!

Ich ziehe da für mich persönlich eine moralische Grenze. Es fällt mir leichter, solche Preise zu akzeptieren bei Frauen, die wirklich dafür gearbeitet haben (u.a. indem sie lange im Geschäft sind und sich einzigartige Konzepte erarbeitet haben), als bei Berufsanfängerinnen und/oder esoterisch anmutenden Begründungen. Bei vielem sage ich auch einfach: okay, kannst du machen, zahle ich aber nicht – so wie es dem Kunden mancher Sexarbeiterin wohl auch gehen wird.

Zurück zu meinem Blick als Anbieterin: Meine Preise sind immer lange konstant geblieben. Während der Pandemie sind sie eher gesunken, da ich mein Konzept dahingehend geändert habe, dass ich einen fixen Stundenpreis nehme und keine Extras mehr berechne (aber auch nicht weniger nehme, wenn ich z.B. nur Massage mache). Entgegen der obigen Aussage habe ich auch das Budget meiner Kunden im Auge. Manchen fällt es leicht, meine Preise zu zahlen; für manche ist es aber auch eine nicht unerhebliche Summer in ihrem Budget. Ich hatte nie den Ehrgeiz, High Class Escort zu werden und Urlaub in Luxushotels zu machen – das ist einfach nicht meine Welt. Ich freue mich für die Frauen, die das für sich leben; ich bleibe lieber in meinem Mittelschicht-Alltag und treffe mich mit ebensolchen Kunden.

Risikenbewertung

Mir gehen die Lockerungen der Corona-Verordnungen zu schnell. Die totale Aufhebung der 2G/3G-Regeln, das Fallen der Maskenpflicht an sehr vielen Orten… Es erinnert mich an den letzten Sommer. Da haben wir auch gedacht, es wäre vorbei, und im Herbst ging es (vorhersehbar) wieder los.

Gefühlt habe ich in meinem Bekanntenkreis gerade viele Corona-Fälle. Nicht so sehr in meinem Freundeskreis, aber in meinen Yoga-Gruppen fallen sagen regelmäßig Leute ab, weil sie Corona haben, und auch einige meiner Kunden erzählen, dass sie eine Infektion hinter sich haben.

Ich bin verunsichert und weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Einerseits genieße ich es, auch mal wieder an Yoga-Stunden teilzunehmen, bei denen 16 Menschen im Raum sind – die Energie ist so unglaublich toll! Andererseits wollte ich gerne zum Dom, habe aber davon Abstand genommen, als ich auf Bildern das Gedränge gesehen habe. Ebenso habe ich vor ein paar Tagen Konzertkarten verfallen lassen; mit 2G-Regel und Abstand wäre ich wohl hingegangen, aber so ist mir das Risiko in Konzertsaal, Kino etc noch zu groß.

Vor vielen Jahren hatte ich einen schweren Unfall (mit einem Motorroller), und seitdem denke ich anders über Risikobewertung. Ich frage mich nicht nur, wie gefährlich etwas ist, sondern auch, wie viel es mir wert ist. Beispiel Sportunfälle: Es kam für mich nie in Frage, das Reiten aufzugeben; beim Motorrad fahren, Ski fahren u.a. überwiegt für mich das Risiko den Nutzen – es ist mir einfach nicht wichtig genug, ich kann gut darauf verzichten.

Die gleiche Logik wende ich auch auf Infektionsrisiken an: Bei erotischen Treffen oder Yogastunden ist mir das Erlebnis das Risiko wert. Bei Konzerten oder Kino ist es das nicht. Im Moment genieße ich einfach den Frühling, meist eher außerhalb der Stadt. Die nächsten Veranstaltungskarten habe ich für den Sommer, ein verschobener Termin für die „Rocky Horror Show“; ich bin gespannt, wie dann mein Gefühl dazu sein wird.

Geschichte: Sieh mich an

Sieh mich an – wie ich nackt auf dem Bett liege, entspannt, die Arme über dem Kopf abgelegt. Lass deinen Blick über meine Körper gleiten. Fang unten an, folge der Linie meiner Beine, das linke gestreckt, das rechte leicht angewinkelt. Der Flaum meiner Schamhaare. Über den Bauch zu meinen Brüsten. Bleib nicht dort hängen mit deinem Blick, sondern folge der Linie meines Halses, über mein Gesicht, und sieh mir in die Augen.

Lasse deine Aufmerksamkeit einfangen von der Bewegung meines Armes, den ich langsam nach unten ziehe, an meinem Körper entlang. Die Hand kommt auf meinem Bauch zu liegen. Sieh hin, wenn ich langsam die Beine spreize und meine Hand dazwischen schiebe.

Sieh zu, wenn meine Finger die Schamlippen teilen, dir den Blick auf den intimsten Teil meines Körpers erlauben. Beobachte meine Finger, die meine Perle reiben. Zwei Finger, die von der Seite Druck ausüben, Lust erzeugen. Beobachte, wie sich meine Muskeln anspannen, wie das Becken nach vorne kippt.

Sieh mich an, wenn meine Augen sich schließen. Wenn mein Atem schneller geht, mein Mund sich öffnet, mein Kopf in den Nacken fällt.

Sieh hin, wenn meine Finger schneller über meine Perle reiben. Wenn sie kurz tiefer gleiten und meine Nässe verteilen. Sieh das Glänzen zwischen meinen Beinen, höre das leise Geräusch, das meine nassen Finger verursachen, wenn sie mich immer heftiger stimulieren.

Sieh mich an, wenn mein Atem zu Stöhnen wird, wenn mein Körper sich weiter anspannt, meine Finger sich schneller und schneller bewegen. Sieh hin, wenn meine Beine anfangen zu zittern und sich das Beben dann in mein Becken fortsetzt. Beobachte, wie meine intimen Muskeln zucken, wenn ich komme.

Heben den Blick, sieh wie meine Augen sich langsam wieder öffnen. Begegne meinem Blick. Sieh mich.


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