Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Monat: Februar 2021

Das Rotlicht

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Einige Branchen leiden mehr unter den Corona-Maßnahmen als andere, und Sexarbeit ist mit am meisten betroffen. In den Medien ist dabei häufig vom „Rotlicht“ die Rede, und auch auf Demonstrationen und Veranstaltungen von Sexarbeiterinnen und Betreibern wird dieser Begriff häufig benutzt. Was genau ist „das Rotlicht“?

Klassisch betrachtet ist das Rotlicht der Bereich einer Stadt, in dem (meist mehrere) Bordelle stehen und/ oder Frauen auf der Straße ihre Dienste anbieten. Genau dieser Bereich ist es auch, der in der Öffentlichkeit (z.B. in den Medien) immer wieder auftaucht, manchmal in Form einzelner Sexarbeiterinnen, häufig in Form von Betreibern von Bordellen u.ä.

Das ist insofern logisch, da diese Menschen hauptberuflich mit Sexarbeit ihr Geld verdienen (direkt oder indirekt) und jetzt finanziell am härtesten vom Lockdown betroffen sind. Auch müssen sie nur selten auf Arbeitgeber, Familie o.ä. Rücksicht nehmen. In diesem Sinne bin ich dankbar für alle, die unserer Branche ein Gesicht geben und sich in der Öffentlichkeit und politisch engagieren!

Sexarbeit ist mittlerweile jedoch viel breiter gefächert . Sehr viele Sexarbeiterinnen machen das nur zeitweise oder nur nebenbei, und es arbeiten auch längst nicht mehr alle in Bordellen oder auf der Straße, sondern viele sind unabhängig als Escort oder in Termin- oder Privatwohnungen tätig.

In der Öffentlichkeit überwiegt immer noch das Bild des Bordellbetreibers, der Geld mit „seinen Mädchen“ verdient. Das ist sehr nah dran am Zuhälter und ruft damit die Prostitutionsgegner auf den Plan. Dieses Bild ist aber falsch! Bordellbetreiber bieten eine Dienstleistung für die arbeitenden Frauen und garantieren ihre Sicherheit und Anonymität. Man kann natürlich immer über Details diskutieren (Preise, Weisungsgebundenheit), aber die wenigsten Frauen sind so abhängig wie es häufig dargestellt wird.

Insofern ist es eher eine negative Entwicklung, dass in der jetzigen Situation das klassische Rotlicht wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit rückt und die Vielfalt von Sexarbeit nur am Rande erwähnt wird. Das spiegelt sich auch in den aktuell zunehmenden Bemühungen, das „Nordische Modell“ in Deutschland einzuführen.

Blues

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Es ist schon eine Weile her, dass ich einen persönlichen Blog geschrieben habe darüber, wie es mir geht und was ich so mache. Tja, es ist mitten im Winter, und die Corona-Lockdown-Situation ist auch nicht besser geworden.

Letztes Wochenende hat es geschneit und selbst hier in Hamburg hat es malerische weiße Bilder gegeben. Ich bin trotz der Kälte viel draußen, um den Kopf frei zu bekommen. Viel machen kann man ja nicht im Moment, also gehe ich spazieren oder bin zu Hause.

Manchmal frage ich mich, wie ich nach dem Lockdown in ein aktives Leben zurückfinden soll. Im Moment ist mein Alltag so runtergefahren, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, nicht mehr auszuschlafen und Serien zu gucken, sondern stattdessen meine Tage mit Arbeit, Sport und Freunden zu füllen.

Buch: „Hure spielen“

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Im Moment habe ich ziemlich viel Muße zum Lesen und krame immer wieder in meinen Regalen nach Büchern, die ich mal gekauft aber noch nicht gelesen habe. Gerade lese ich auch vermehrt wieder Bücher über Sexarbeit; sie geben mir die Möglichkeit zu reflektieren, was ich bisher erlebt habe und wie ich nach Corona weitermachen möchte.

Zuletzt habe ich „Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit“ von Melissa Gira Grant gelesen. Das Buch ist 2014 erschienen und bezieht sich überwiegend auf Sexarbeit in den USA. Zuerst hat mich das irritiert, da die juristische und gesellschaftliche Situation für Sexarbeit in den USA ganz anders ist als in Deutschland. Aber dann hab ich trotzdem viele spannende Gedankengänge entdeckt.

Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, wie Sexarbeiterinnen von der Gesellschaft gesehen werden. Sie vertritt die Meinung, dass Sexarbeiterinnen nur selten die Möglichkeit gegeben wird, über ihre Erfahrungen und Vorstellungen zu sprechen, sondern dass sie ständig mit der Erwartung überfrachtet werden bestimmte Geschichten zu erzählen. Damit werden sie nicht als Personen wahrgenommen, sondern nur in ihrer gesellschaftlichen Rolle.

Einen besonderen Part widmet die Autorin auch der „Helferindustrie“, an der sie kein gutes Haar lässt. Ihrer Meinung nach geht es auch diesen Organisationen nicht darum, Sexarbeiterinnen wirklich zu helfen, sondern nur darum bestimmte Geschichten und gesellschaftliche Vorstellungen zu verkaufen – und damit Geld zu verdienen. (Ein Eindruck, den ich durchaus auch hier in Deutschland habe.)

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit vielen spannenden Ansätzen, das jedoch Konzentration und Mitdenken erfordert.