Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 1 von 58)

Wellnest

Letztes Jahr war icih ein Mal mit einem Gast im My Wellness in Harburg, einer Location, in der man Sauna-Suiten zur privaten Nutzung buchen kann (Link zum Beitrag in den Kommentaren). Letzte Woche war ich mit einem anderen Gast in einer ähnlichen Anlage in Altona, dem Wellnest.

Die Suiten im Wellnest sind kleiner als im My Wellness, kompakter im Aufbau. Auf den ersten Blick wirkte es dadurch etwas unübersichtlich, aber ich fand es gemütlicher. Es gibt eine kleine Sauna, einen großen Whirlpool, eine großzügige Regendusche und eine kleine Liegefläche – alles völlig ausreichend, um es sich zu zweit gemütlich zu machen.

Wir hatten zwei sehr schöne, aufregende Stunden mit der Möglichkeit zu ungewöhnlicheren Spielen. Eigentlich wollten wir drei Stunden bleiben, wurden aber von der Evakuierung des Stadtviertels wegen einer Bombenräumung unterbrochen – was in dem Moment sehr ärgerlich war, beim Essen danach (in einem Restaurant mit ausreichender Entfernung nach Altona) konnten wir schon darüber lachen. Das Wellnest hat kulant gleich die gesamte Zeit als Gutschein gutgeschrieben, so dass wir da Erlebnis zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen können.

Diskretion geht in beide Richtungen

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Anfrage, die ich ohne Zögern sofort abgelehnt habe. Als erstes war alles harmlos, wir hatten schon einen Termin abgesprochen, und dann schrieb er plötzlich: „Mich würde auch ein kurzer Spaziergang zu Beginn des Treffens reizen. Gemeinsam mit dir Hand in Hand laufen und vielleicht schon erste Küsse austauschen. Ist so ein Faible von mir…“

Die meisten Kunden mögen es, dass meine Wohnung in einem durchschnittlichen Wohngebiet ist und sie mich unaufällig besuchen können. Es ist aber nicht so, dass meine Nachbarn mich nicht kennen; es gibt so einige Menschen hier im Viertel, die mich freundlich grüßen, wissen in welchem Haus ich wohne, und mich auch schon mit Freunden oder mit meinem Partner gesehen haben.

Es ist nicht so, dass ich überhaupt nicht mit Kunden in der Öffentlichkeit gesehen werden möchte. Ich war durchaus schon mit Stammkunden essen, auch vor oder nach einem Date bei mir, so dass wir zusammen gekommen oder gegangen sind. Ich lege aber Wert auf eine gewisse Diskretion: ein freundschaftlicher Umgang ist wunderbar, eine Umarmung zur Begrüßung oder zum Abschied überhaupt kein Problem. Zärtlichkeitsbekundungen in der Öffentlichkeit sind aber meinem Partner vorbehalten.

Letztes Jahr habe ich darüber einen Kunden verloren. Wir waren einige Male zusammen unterwegs, und ein Mal hat er mich danach zurück gefahren – und wollte dann vor der Wohnungstür im Auto noch mit mir rumknutschen und war beleidigt, als ich das ablehnte. Seine Begründung: „Jetzt hab ich dich bezahlt und du lässt dich nicht mal mehr anfassen!“ Unser letztes Treffen war noch schlimmer. Diesmal waren wir zumindest nicht in meiner Gegend, sondern etwas außerhalb von Hamburg. Im Restaurant saß er neben mir, die Hand auf bis zwischen meinen Beinen, und ich fand es einfach nur unangebracht. Bei der Verabschiedung im Auto wir dann dieselbe Szene, und er hat danach davon abgesehen mich wieder zu buchen – was wohl zum besseren war.

Dieses eindeutig erotische Fummeln im Restaurant mag ich übrigens auch mit meinem Partner nicht. Ich finde es unangebracht, unbeteiligte Dritte zu ungewollten Beobachtern erotischer Spiele zu machen. Wenn ich damit spielen möchte, beobachtet zu werden, gehe ich auf eine sexpositive Party, in eine frivole Bar, einen Swingerclub o.ä. – halt in Umgebungen, wo ein solches Verhalten erwünscht ist und niemanden stört. Konsens gilt bei sowas für alle Beteiligten, auch für unfreiwillige.

Wellness Plus

Eines der Dinge, die ich an meiner Arbeit besonders liebe, ist die inhaltliche Vielfalt bei den Treffen, die ich habe. Manchmal geht es um Leidenschaft, manchmal um Nähe, manchmal darum etwas Neues zu entdecken oder geheime Ideen auszuleben, manchmal auch einfach um eine entspannte Zeit oder intensive Gespräche. Gerade hatte ich einen Termin, bei dem Erotik nur eine kleine Nebenrolle spielte.

Er war sehr viel älter als ich, in einem Alter, in dem körperliche Fitness kein nebensächliches Thema mehr ist. Sein Wunsch war es, zu Beginn mit mir duschen zu gehen. Ich stand also mit ihm unter dem warmen Wasserstrahl, seifte ihn sorgfältig ein, berührte seinen Körper, ließ mich zwischendurch in den Arm nehmen, bevor ich den Schaum abspülte und ihm ein Handtuch reichte.

Für die Intimrasur gingen wir schon ins Bett. Er lag entspannt auf dem Rücken, ich saß zwischen seinen Beinen, eine Schale mit Wasser neben mir. Mit einem Handtuch feuchtete ich den Intimbereich wieder an, verteilte dann sorgfältig Rasierschaum. Es dauerte eine Weile, bis ich die langen Haare mit dem (Einweg-)Rasierer entfernt hatte. Mit der Hand prüfte ich, dass Peniswurzel, Hoden und Preineum schön glatt waren, bevor ich die Haut mit Kokosöl einrieb, um sie zu beruhigen.

Sanft glitten meine Hände über ihn, fühlten seinen harten Schaft, streichelten und stimulierten ihn. Irgendwann krabbelte ich neben ihn und machte mit meinem Mund weiter, während seine Hände über meinen Körper glitten. Er stoppte mich nach relativ kurzer Zeit, und ich rollte ein Kondom über und setzte mich auf ihn. Langsam und sinnlich ritt ich ihn zu einem Höhepunkt.

Da danach noch Zeit übrig war, bot ich ihm eine Massage an, die er gerne annahm. Mit Creme massierte ich seine komplette Rückseite, strich in langen Bewegungen über Rücken, Po und Beine, massierte die Muskeln und verband zum Abschluss alles mit langen Strichen. Eigentlich hätte ich ihn danach einfach noch mal ins Bad geschickt, aber diesmal war die Stimmung so fürsorglich, dass ich stattdessen einen feuchten, warmen Waschlappen holte und ein kleines Handtuch, um die Creme-Reste von seiner Haut zu streichen.

Danach konnte er natürlich trotzdem noch ins Bad, bevor wir uns wieder anzogen und den Termin gemütlich ausklingen ließen.

„Termin auf Anfrage“

Bei kaufmich habe ich unter „Aktuelles“ immer die aktuell noch freien Zeiten der nächsten Tage stehen, und viele meiner Kunden nutzen das gerne, wenn sie Termine mit mir vereinbaren möchten. Ganz furchtbar finde ich Anbieterinnen, die noch nicht mal ungefähre Zeiten im Profil stehen haben, sondern nur „auf Anfrage“ – jeder Mensch hat unterschiedliche Lebensrhythmen, und so wie ich abends nach zehn nicht ansprechbar bin, sind es manche morgens vor elf nicht.

Viele der Termine, die ich dort anbiete, sind trotzdem eine Frage des Vorlaufs. Ich habe feste Trainingszeiten, und wenn ich in der Zeit einen Termin habe, muss ich das Training vorher absagen/ verschieben, und das mindestens am Nachmittag vorher. In den letzten Monaten hatte ich wieder vermehrt Probleme mit Unzuverlässigkeit, nicht nur von Neukunden, sondern auch von Stammkunden. Manchmal bin ich dann schon versucht, bestimmte Termine lieber unter „auf Anfrage“ zu setzen, statt sie allgemein anzubieten.

„Auf Anfrage“ heißt in diesem Fall für mich, dass ich den Termin gerne vergebe an Stammkunden, die ich als zuverlässig kenne, oder aber für längere Termine.Wenn ich aber für einen Termin mein Training absage, am Wochenende extra in Hamburg bleibe (statt an die Ostsee zu fahren), oder auch wenn es ein Termin um die Mittagszeit ist, der den ganzen Tag zerreißt, lehne ich das bei Neukunden schon mal ab.

Manchmal komme ich mir ein bisschen unfair dabei vor, oder als würde ich die Möglichkeit Geld zu verdienen ablehnen. Im Endeffekt hängt jedoch vieles bei meiner Arbeit davon ab, wie wohl ich mich mit dem fühle was ich mache und wie sehr ich im Glechgewicht bin, und wenn ich genervt bin vom dritten versetzten Termin in einer Woche und weil mein Privatleben völlig auf der Strecke bleibt, dann hat da niemand was von.

Summer Body

Jedes Jahr im Frühling machen Zeitschriften und Fitnesstudios Werbung wie „Jetzt noch schnell den perfekten Summer Body kriegen!“, meist wollen sie dann Fitnesstraining oder Diäten verkaufen. Summer Body meint dabei einen Körper, der perfekt im Bikini aussieht: schlank, durchtrainiert, glatte Haut, gebräunt.

Seit letztem Wochenende habe ich einen Körper, der sich sehr nach meinem Sommerkörper anfühlt – auch wenn das nicht aussieht wie in der Werbung und sich auch nicht so anfühlt. Ich war drei Tage auf der Ostsee, davon viele Stunden nackt. Zum ersten Mal seit vielen Jahren bin ich wirklich braun geworden, am ganzen Körper, nicht nur ein wenig an den Armen. Ich liebe es!

Die Bräune ist natürlich nicth so gleichmässig, wie es beim Nutzen eines Solariums der Fall wäre, sondern variiert über den Körper. Außerdem sind meine Beine voller blauer Flecken, Spuren meines aktiven Lebens. Und durchtrainiert? Na ja, ich bin ja sportlich. Jetzt im Sommer fühle ich mich allerdings mehr nach langen Fahrradtouren, Spaziergängen und Ausritten und weniger nach stricktem Fitnesstraining, und ich möchte auch mal ein Eis genießen und nicht ständig auf meine Ernährung achten. Und wer will schon ständig den Bauch einziehen und auf die Haltung achten, wenn es eigentlich ein entspannter Tag ist?

Ja, ich liebe meinen Sommerkörper und fühle mich sehr wohl gerade, mit all den Unperfektheiten. Im Übrigen: Wer nackt badet, braucht keine Bikinifigur.

Been There, Done That

In der letzten Zeit fällt es mir schwer, neue Themen für diesen Blog zu finden. Häufig schreibe ich über meinen Alltag, auch eher private Dinge (von denen ich nicht weiß, ob sie interessieren), oder ab und zu über besondere Begegnungen oder Erlebnisse. Schon immer versuche ich die ewigen Jammer-Themen zu vermeiden, auch wenn sich natürlich auch bei mir der ein oder andere Beitrag über Unzuverlässigkeit u.ä. eingeschlichen hat.

Wenn ich mir überlege, über ein bestimmtes erotische Thema zu schreiben oder eine Session zu beschreiben, verliere ich meist die Motivation, wenn mir auffällt, dass ich darüber schon mal geschrieben habe. Manchmal ändere ich dann einen alten Beitrag ab, manchmal übernehme ich ihn auch einfach komplett (wie den letzten Beitrag über Facesitting).

Ich führe diesen Blog seit dem 28.06.2015 (die ersten Jahre noch auf kaufmich) und dies ist der 569. Beitrag. Irgendeine Form von Sexarbeit mache ich schon mein ganzes Leben lang (also seit 1998, als ich 18 wurde), und so wie im Moment arbeite ich seit 2014 (2014-2019 in Studios, seit 2020 in eigener Wohnung). Ich will nicht behaupten, schon alles gesehen und gemacht zu haben (zum Glück), aber schon sehr vieles.

Ich mag meine Arbeit immer noch, aber manchmal fehlt mir die Vielfalt, die sie vor Corona hatte. Immer noch treffe ich sehr unterschiedliche Männer und habe verschiedene Arten von Dates, aber die Tiefe und Vielfältigkeit ist ein wenig verloren gegangen. Manchmal frage ich mich, wieviel Zukunft und Entwicklungsraum es da noch gibt, oder ob es mehr Sinn macht, mich auf andere Dinge zu besinnen bzw zurückzubesinnen – wie Tantra, Körperarbeit und Yoga, wofür ich vor Corona eine separate Praxis hatte.

Facesitting

Jahrelang war ich davon überzeugt, Oralsex passiv am besten genießen zu können, wenn ich entspannt auf dem Rücken liege, die Beine locker auseinander fallen und er zwischen meinen Beinen hockt und mich mit seiner Zunge verwöhnt.

In letzter Zeit habe ich meine Meinung geändert! Was ich früher eher etwas komisch fand, finde ich nun total geil: Facesitting. Im wörtlichen Sinne: mich auf sein Gesicht setzen.

Während er auf dem Rücken liegt, knie ich mich mit weit gespreizten Beinen über ihn. Das gibt ihm erst mal einen tiefen Einblick auf mein Lustzentrum, auf meine schon gespreizten Lustlippen. Dann kann er sich langsam herantasten, mit seiner Zunge erst etwas zaghaft anfangen zu lecken, um sie dann tief in meinem Schoß zu vergraben.

Von diesem Punkt an liegt es in meiner Macht, wie tief ich seine Zunge möchte – und manchmal sogar, wie viel Raum ich ihm noch zum Atmen gebe. Ich kann mein Gewicht auf den Oberschenkeln balancieren oder leicht gegen seine Brust lehnen und ihm so alle Freiheiten lassen.

Oder ich kann mich tief auf sein Gesicht rutschen lassen, meine Lustlippen in sein Gesicht drücken; ihm dabei in die Augen sehen, vielleicht mit einer Hand an seinen Kopf greifen, um ihm klarzumachen, dass ich seine Zunge jetzt tief und ausdauernd will.

Wenn ich richtig geil und nass bin, kann ich mit meinem Becken auf seinem Gesicht vor und zurück rutschen; meinen Saft über sein Gesicht verteilen, ihn zwingen meinen Duft tief einzuatmen – und ihm vielleicht sogar damit den Atem nehmen.

(Re-Post vom 08.09.15)

Beziehungsstatus

Über den Beziehungsstatus einer Sexarbeiterin zu reden ist immer ein schwieriges Thema, vor allem Kunden gegenüber. Einige Sexarbeiterinnen behaupten grundsätzlich, Single zu sein, um sich damit interessanter zu machen – was meiner Meinung nach ziemlich nach hinten losgehen kann. Ansonsten wird der Partner oft genauso zur Projektionsfläche wie die Sexarbeiterin selbst und ihm wird irgendeine Rolle zwischen Zuhälter und Schwächling/ Cuckhold zugeschrieben. Viele Kunden projizieren auch ihre eigenen moralischen Werte und meinen betonen zu müssen, dass „sie das ja nie tolerieren könnten bei ihrer Partnerin“.

Ich habe viele Jahre in festen Beziehungen gelebt, bei denen meine Arbeit überhaupt kein Thema war. Meine Partner hatten mich so kennengelernt, wussten wie ich meine Arbeit sehe und wie ich zwischen Beruf und Privatleben trenne, und konnten meinen offenen Umgang mit Sexualität genießen. Als ich 2023 wieder Single wurde, machte ich mir über meine Arbeit gar nicht so viele Gedanken. Ich datete überwiegend über eine sexpositive Plattform – und war erstaunt, wie viele Männer dann doch ein Thema damit hatten – und wie viele es dann nicht schafften, freundlich zu sagen: „Nein, danke, das passt nicht für mich.“, sondern meinten das ignorieren und/ oder mich ändern zu können.

Generell bin ich auch als Single nicht unglücklich. Aber auch wenn ich meine Arbeit liebe, wünsche ich mir auch in meinem Privatleben Sex; dort wünsche ich mir eine Person, mit der ich vertraut bin, bei der ich mich sicher fühle und bei der ich auch meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse in den Vordergrund stellen kann und auf die aktuelle Tagesform Rücksicht nehmen. In den letzten zweieinhalb Jahren hatte ich dafür eine Affäre; wir haben uns 1-3 Mal die Woche getroffen, für entspannte Abende mit Essen, Kino o.ä. und viel Sex. Körperlich waren wir ein perfektes Match, aber vom Rest hat leider nicht viel gepasst, und wir waren über die Monate ständig On/Off, was emotional einfach anstrengend war.

Letzten Dezember habe ich angefangen, wieder gelegentlich auf Kinky Partys zu gehen, und Silvester habe ich mich dort prompt verliebt. Jetzt lebe ich also seit vier Monaten wieder in einer Beziehung, die sich nicht nur auf Dates beschränkt, sondern mit der ich einen Alltag lebe – und das fühlt sich sehr schön, aber auch sehr ungewohnt an. In den letzten Jahren habe ich viel Zeit alleine verbracht und mich daran gewöhnt, bei der Planung von Terminen (egal ob beruflich oder privat) auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Plötzlich werde ich regelmäßig gefragt, wie lange ich abends denn arbeite/ unterwegs bin und wie wir das Wochenende planen. Vor zwei Wochen war ich das erste Mal mit ihm übers Wochenende in Heiligenhafen, wo er ein Boot liegen hat; mir eröffnet sich dort eine völlig neue Welt, auf dem Wasser ist man wirklich raus aus allem, und zwei Tage fühlen sich fast an wie eine ganze Woche Urlaub.

Mir ist klar, dass ich nicht jedes Wochenende frei machen kann, sondern einige Kunden habe, die nur am Wochenende Zeit und Muße für Treffen mit mir haben, und die ich natürlich weiterhin treffen möchte. Es bleibt also spannend, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt und wie ich da einen Rythmus finden werde. Ich will nicht nur meine Arbeit nicht vernachlässigen, sondern auch meine eigenen Hobbys brauchen weiterhin Raum. Neben aller Verliebtheit sind wir zum Glück alt genug, um vernünftig und achtsam mit dem Leben des anderen umzugehen und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Emotional sind Verliebtheit und Sexarbeit eine eigenartige Mischung. Auf der einen Seite bin ich so auf meinen neuen Partner fixiert, dass es bewusste Anstrengung braucht, mich auf Dates einzulassen. Andererseits bringe ich das Hochgefühl, den Schwung und auch die erotische Spannung, unter der ich stehe, mit in die Dates, was diesen eine ganz eigene Dynamik verleihen kann. Gerade über Treffen mit Stammkunden freue ich mich wie immer sehr. Treffen mit neuen Kunden fallen mir gerade schwerer, aber auch die kann ich genießen.

Mein Partner ist noch dabei, sich an meinen Job zu gewöhnen. Er hat Erfahrung als Swinger, kann sich also durchaus mit mir über schöne Erlebnisse freuen. Gleichzeitig ist diese Welt neu für ihn und manchmal überwiegt die Sorge, ob es mir wirklich gut geht damit. Noch überlege ich, was ich erzähle und was nicht, und plapper nicht so drauflos wie ich es bei guten Freunden tue. Trotzdem erzähle ich regelmäßig von meiner Arbeit, nicht von den erotischen Details, sondern eher von dem Alltagskram über Sress bei Terminvereinbarungen etc, oder auch einfach ob ich einen guten Tag hatte oder ob es eher nervig war.

Terminvergabe

Sexarbeiterinnen handhaben den Umgang mit Zeit sehr unterschiedlich. Für manche ist eine gebuchte Stunde die Zeit von dem Moment, in dem sie dem Gast die Tür öffnen, bis zu dem Moment, wenn sie sie wieder hinter ihm schließen. Andere sehen das großzügiger und rechnen nur die reine Spielzeit. Meine Lösung ist immer irgendwo in der Mitte. Ich rechne Spielzeit plus 15-20 Minuten für Vorgespräch und Duschen. Generell ist es mir wichtiger, dass sich ein Termin rund anfühlt, als genau auf die Zeit zu achten.

Deswegen lasse ich zwischen zwei Terminen mindestens eine Stunde Zeit frei. Diese Stunde ist zum einen für die oben angesprochenen 15-20 Minuten extra, etwas Spiel falls jemand zu früh/ zu spät kommt, und Zeit für mich, um zu duschen, den Raum aufzuräumen und neu vorzubereiten und auch noch einen Kaffee zu trinken.

Vorgestern war es mir nicht möglich, die Zeit so zu legen. Ich hatte morgens um zehn einen Termin und nachmittags eine private Verpflichtung. Dann kam der Anruf eines lieben Stammkunden, der leider auch nur an diesem Tag Zeit hatte. Ich legte den Termin dann so, dass zwischen den zwei Terminen eine halbe Stunde war und ich danach noch eine halbe Stunde hatte, bevor ich losmusste.

Ehrlich gesagt: Es hat mich gestresst. Mein erster Gast kam fast 20 Minuten zu spät, ich habe dann die Spielzeit etwas gekürzt (mit Ansage, ich hatte ihm auch angeboten den Termin alternativ auf den nächsten Tag zu schieben) und musste halt deutlich die Uhr im Auge behalten, auch beim Gespräch danach. Auch mein zweiter Kunde war daran gewöhnt, dass ich großzügig mit der Zeit umging, und ich war in der unangenehmen Situation, irgendwann darauf hinweisen zu müssen, dass ich keine Zeit mehr habe.

Im Endeffekt hatte ich ein schlechtes Gewissen und frage mich gleichzeitig: wieso eigentlich? Das so locker zu sehen mit der Zeit, ist meine Entscheidung und nichts, worauf Kunden einen Anspruch haben. Ich kenne genug Sexarbeiterinnen, die Termine sogar bündig legen, also ohne irgendwelche Zeit extra, und das Aufräumen im Beisein des Kunden erledigen, während dieser sich anzieht. Und das man irgendwann auf die (abgelaufene) Zeit hingewiesen wird, ist auch nichts besonderes, nicht nur in dieser Branche. Ich sollte mir also wohl ein dickeres Fell und ein wenig mehr Egoismus zulegen, wenn es um den Umgang mit meiner Zeit geht; diese ist schließlich meine wertvollste Ressource.

Neuer Raum

Seit etwa drei Wochen ist jetzt mein Raum umgeräumt, und statt der Matte auf dem Boden gibt es ein Bett. Von meinen Kunden habe ich bis jetzt eigentlich nur positives Feedback dazu bekommen; für die meisten scheint das Bett mit seiner Höhe angenehmer zu sein, oder sie sehen das zumindest neutral.

Ich bin da ehrlich gesagt nicht glücklich mit. Für bizzare Sessions ist die Einrichtung des Raumes wie sie jetzt ist toll, und für mal eine Stunde Sex ist es okay. Für längere Sessions und für Massagen gefällt es mir nicht.

Die Matratze hab ich so hart wie möglich gekauft, Härtegrad H5, und trotzdem ist sie mir noch zu weich. Wenn ich mich darauf bewege, überträgt sich meine Bewegung. Ich kann nie mal eben etwas ablegen, ohne dass es fast sofort deutlich verrutscht; dafür habe ich jetzt eine Beistelltisch, zu dem ich mich aber strecken muss.

Auf dem Boden habe ich mich immer auf einer Ebene bewegt, was sich für mich fließend angefühlt hat. Auf dem Bett turne ich ständig rauf und runter, was für mein Gefühl Unruhe reinbringt – wo Ruhe doch genau das ist, was mir immer am wichtigsten ist und was ich vermitteln möchte.

Ich werde das Bett nicht wieder abschaffen, aber wohl häufiger mal umräumen. Demnach kann es passieren, dass Termine mehr oder weniger zufällig auf dem Bett oder auf dem Boden stattfinden. Wenn es Dir wichtig ist, eine bestimmte Raumeinrichtung zu haben, sag mir das bitte bei der Terminvereinbarung.

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