Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 1 von 57)

Neuer Raum

Seit etwa drei Wochen ist jetzt mein Raum umgeräumt, und statt der Matte auf dem Boden gibt es ein Bett. Von meinen Kunden habe ich bis jetzt eigentlich nur positives Feedback dazu bekommen; für die meisten scheint das Bett mit seiner Höhe angenehmer zu sein, oder sie sehen das zumindest neutral.

Ich bin da ehrlich gesagt nicht glücklich mit. Für bizzare Sessions ist die Einrichtung des Raumes wie sie jetzt ist toll, und für mal eine Stunde Sex ist es okay. Für längere Sessions und für Massagen gefällt es mir nicht.

Die Matratze hab ich so hart wie möglich gekauft, Härtegrad H5, und trotzdem ist sie mir noch zu weich. Wenn ich mich darauf bewege, überträgt sich meine Bewegung. Ich kann nie mal eben etwas ablegen, ohne dass es fast sofort deutlich verrutscht; dafür habe ich jetzt eine Beistelltisch, zu dem ich mich aber strecken muss.

Auf dem Boden habe ich mich immer auf einer Ebene bewegt, was sich für mich fließend angefühlt hat. Auf dem Bett turne ich ständig rauf und runter, was für mein Gefühl Unruhe reinbringt – wo Ruhe doch genau das ist, was mir immer am wichtigsten ist und was ich vermitteln möchte.

Ich werde das Bett nicht wieder abschaffen, aber wohl häufiger mal umräumen. Demnach kann es passieren, dass Termine mehr oder weniger zufällig auf dem Bett oder auf dem Boden stattfinden. Wenn es Dir wichtig ist, eine bestimmte Raumeinrichtung zu haben, sag mir das bitte bei der Terminvereinbarung.

Respekt und Anerkennung

Letzten Mittwoch hätte ich am Vormittag einen langen Termin gehabt mit einem Stammkunden, um 9:00. Wir kennen uns schon eine Weile; manchmal war er etwas spät dran, aber immer zuverlässig. Bei so frühen Terminen lasse ich mein Morgenyoga ausfallen und bin mindestens eine Stunde vorher da, um den Raum und mich in Ruhe vorzubereiten.

Diesmal schrieb er mir um halb acht eine Nachricht, dass er den Termin leider absagen müsse wegen eines Notfalls. Ich glaubte ihm das, wie schon gesagt war er bisher immer zuverlässig, und es schien ihm ernsthaft leid zu tun. Für mich war es trotzdem mehr als nur ein bisschen ärgerlich. (Ich warf dann spontan den ganzen Tagesplan um und fuhr zum Pferd.)

Heute bekam ich per Post einen Umschlag, als Absender nur Initialen, kein Brief – nur ein gepolsterter Umschlag mit Geld. Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich das zuordnen konnte, und dann habe ich mich sehr darüber gefreut.

Da er ein guter Stammkunde ist, hätte ich den Terminausfall zur Not auch unter Kulanz gebucht, um ihn nicht als Kunden zu verlieren. (Es ist so gut wie unmöglich, dieses Geld einzuklagen, und in vielen Fällen kostet es mich nur den Kunden komplett, wenn ich auf (Teil-)Zahlung bestehe. Manchmal versuche ich es trotzdem, da ich dann eh keinen gesteigerten Wert auf weitere Termine lege.)

Umso mehr freue ich mich über diese Geste – nicht nur wegen des Geldes, sondern noch mehr wegen des Gefühls von Respekt (vor meiner Zeit) und Anerkennung (für meine Arbeit), die sie mir vermittelt.

Vielen Dank, es bedeutet mir viel!

Umgestaltung meines Raumes

Vor etwa zehn Tagen habe ich angefangen, meinen Raum umzugestalten. Schon ein bisschen länger habe ich darüber nachgedacht, ob ein Bett nicht manchmal doch besser wäre als meine große Spielwiese auf dem Boden. Andererseits will ich auf die große Matte nicht verzichten, gerade für lange Massagen.

Jetzt habe ich ein stabiles, relativ hohes Bett gekauft. Außerdem habe ich an einer Wand eine Fesselmöglichkeit angebracht, als Alternative zu meinem Bondagerahmen, den ich nur zu speziellen Sessions aufbaue, da er sehr viel Platz wegnimmt.

Noch wirkt das Ganze etwas unausgereift. Ich verbringe viel Zeit damit, Möbel hin und her zu schieben und nach der optimalen Anordnung zu suchen, und teste verschiedene Möglichkeiten aus, das Zimmer zu gestalten. In Zukunft wird es also mehrere Einrichtungsmöglichkeiten geben, die ich relativ flexibel umstellen kann – für unterschiedliche Spiele und Stimmungen.

Ich hoffe, dass es mir trotzdem gelingen wird, den Raum gemütlich zu gestalten und ihn zu einer Erweiterung meiner Persönlichkeit zu machen. Für einige wird es erst mal eine Umgewöhnung sein – ich freue mich darauf, dass Du Dich mit mir auf dieses Abenteuer einlässt!

Feedback und Anregungen sind jederzeit willkommen.

Termin oder Verabredung?

Bei kaufmich werden die Treffen mit einer Sexarbeiterin als Date bezeichnet, und auch ich benutze diesen Begriff immer wieder. Alternativ sage ich einfach Treffen oder auch mal Termin. Bei Termin habe ich aber das Gefühl, dass das von vielen Männern nicht gerne gehört wird, weil es halt geschäftlicher verstanden werden kann.

Andererseits ist genau das heute mein Thema: Treffen mit mir sind Termine und keine unverbindlichen Verabredungen, wie man sie mit Freunden oder halt auch Dates hat. Immer wieder passiert es mir, dass jemand mich anruft um einen Termin zu machen und dann anfängt: „Ja, ich bin ja dann vorher noch da und da und weiss nicht genau wie lange das dauert, also irgendwann ab …“ oder „Ich komme dann aus XY und weiß ja nicht, wieviel Verkehr auf den Straßen ist, also wohl irgendwann am Nachmittag.“ Das funktioniert nicht!

Wenn ich mich mit Freunden verabrede, ist das Freizeit. Da kann ich dann schon mal locker sagen: ja, heute Abend, wir schreiben uns noch zusammen – ich hab Feierabend und les halt noch ein Buch, falls es später wird. Wenn ich Kunden treffe, ist das meine Arbeit, und die muss organisiert werden. Ich blocke für jeden Termin noch eine gute Stunde zusätzlich, um etwas Spiel zu haben und damit ich hinterher in Ruhe aufräumen und duschen kann. Jeder Termin von 1 Stunde dauert also für mich zwei, und damit ist die Anzahl der Termine am Tag begrenzt.

Wenn ich jetzt anfange, flexibel zu bleiben für die Männer, die sich nicht genau festlegen wollen, dann komme ich nicht nur nicht auf meine nötigen Termine, sondern habe auch keinerlei Freizeit mehr, in der ich etwas anderes machen kann als in der Wohnung zu warten. Also bitte, nehmt ein Treffen mit mir so ernst wie jeden anderen Termin (Arzt, Frisör, Massage etc) – und wenn Ihr nicht sicher seit, legt ihn etwas später und geht noch einen Kaffee trinken wenn Ihr früh dran seit.

Winterurlaub

Nun ist das Jahr 2026 schon 6 Wochen alt und die Zeit irgendwie sehr schnell vergangen. Anfang Januar hat der Schnee mein Leben auf Pause gedrückt, ich hatte nur wenige Dates und habe auch sonst nicht viel gemacht. Mittlerweile ist es zum Glück wieder getaut und ich habe die Hoffnung, dass die ganz kalten Tage hinter uns liegen – mir fehlt mein Fahrrad, die Bewegung an der frischen Luft, die Freiheit ständig unterwegs zu sein…

Im Februar habe ich wieder mehr Dates, und gleichzeitig ist die Zeit eng geworden. Am Samstag fliege ich in meinen jährlichen Geburtstagsurlaub, diesmal geht es für fünf Tage nach Lissabon. Bis dahin hab ich noch ein paar Dates und auch weiter Training mit meinem Pferd, lasse mich aber nicht stressen. Ich freue mich sehr auf die Auszeit, um danach mit neuer Energie in den Alltag und hoffentlich in den Frühling zu starten.

Persönliches Sicherheitsgefühl

Eigentlich habe ich immer gesagt, ich mache weder Haus- und Hotelbesuche noch Escort. Ich fühle mich einfach in meiner eigenen Umgebung am wohlsten und mag es, wenn alles genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist und ich keine Kompromisse eingehen muss. Ab und zu treffe ich mal Männer außerhalb meiner Wohnung, die ich dann aber immer schon kenne.

Vor ein paar Monaten habe ich dann doch Hotelbesuche mit ins Angebot genommen, zugegeben etwas halbherzig und mit klaren Hürden (Mindestbuchungsdauer 2 Stunden, nur Hamburger Innenstadt, plus Fahrtkosten). Ich hatte nur eine handvoll Anfragen und aus keiner davon ist etwas geworden.

Für letzten Samstag hatte ich wieder so eine Anfrage, vereinbart mit gut einer Woche Vorlauf. Wir hatten in der Woche einige Male kurz geschrieben, es schien alles klar. Am Freitag kamen dann plötzlich noch weitere Anfragen, von Dingen die ich für längst geklärt hielt. Ich war irritiert und bat um einen Anruf am nächsten Tag – dieses ewige WhatsApp hin und her ist für mich eh nie vertrauenserweckend.

Samstag merkte ich dann, dass ich mich überhaupt nicht mehr gut fühlte mit dem Gedanken an den Termin. Ein paar Stunden habe ich das noch vor mir her geschoben und hin und her überlegt (das Geld wäre für mich auch nicht unerheblich gewesen), aber im Endeffekt habe ich den Termin dann von meiner Seite auf abgesagt. Er fragte noch, ob wir ihn Montag nachholen könnten, aber auch das habe ich abgelehnt und auch das Angebot von Hotelbesuchen wieder komplett aus meinem Angebot herausgenommen.

Vielleicht überlege ich mir das in Einzelfällen noch mal, oder halt wenn ich jemanden schon kenne. Aber insgesamt fühle ich mich einfach nicht wohl mit dieser Art von Terminen (und wohl auch nicht mit dieser Art von Kunden).

Frohe Weihnachten

Nun sind die stillen Tage da; die Wintersonnenwende liegt hinter uns und die Raunächte vor uns. Dies ist traditionell einen Zeit der Einkehr und der Rückbesinnung und Neuausrichtung.

Ich möchte diese Zeit wie immer nutzen, mich bei allen meinen Gästen des letzten Jahres zu bedanken. Es gab viele wundervolle Begegnungen mit liebgewonnenen Stammgästen und neuen Kunden. DANKE

Ich wünsche allen besinnliche Weihnachtstage und erholsame Raunächte, mit viel Freude und Licht in der Dunkelheit. Ich freue mich auf viele sinnliche Begegnungen im nächsten Jahr.

P.S. Ich werde nur den 24. und 25. Dezember bei meinern Familie verbringen, ab dem 26. sind wieder Treffen möglich, ebenso an Silvester und Neujahr.

Fast vergessen

Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, haben danach noch ein wenig geplaudert, und er steht schon an der Tür, als ich sage: „Ich bekomme noch etwas.“ Er reagiert nicht, und ich wiederhole es, und er zuckt merklich zusammen. „Oh, Mist, das ist mir jetzt aber peinlich“, sagt er und greift in die Hosentasche, um mir das Geld zu geben.

Es passiert immer wieder mal, dass ich Kunden an das Geld erinnern muss, und es war noch nie so, dass ich demjenigen dabei Absicht unterstellt habe. Ich sehe es eher als Kompliment, dass die Atmosphäre so entspannt und gemütlich war, dass dieser Aspekt völlig in den Hintergrund getreten ist. Demnach muss es auch niemandem peinlich sein.

Ab und zu passiert es sogar mal, dass beide das Geld vergessen. Vor drei Wochen war ein lieber Stammgast bei mir, wir hatten einen gemütlichen Herbstabend. Ich habe danach nicht sofort aufgeräumt, sondern war erst duschen und sass dann im Bademantel mit einem Kaffee auf der Couch, als mein Telefon schellte und ich seinen Namen auf dem Display hatte – es war ihm also eher aufgefallen als mir; mir fällt es meist beim Aufräumen des Zimmers auf, wenn das Wegpacken des Geldes mit zur Routine gehört. Er hat mir das Geld dann per Paypal geschickt. Auch in anderen Fällen habe ich das Geld immer bekommen, spätestens beim nächsten Termin.

Ich erzähle solche Geschichten gerne (obwohl ich immer etwas Angst habe, mich damit verletzlich zu machen). Ja, ich bin auch mal um Geld betrogen worden bei dieser Arbeit – aber es ist sehr viele Jahre her und mittlerweile überwiegen diese guten Erfahrungen. Ich finde es wichtig, für einen fairen Umgang miteinander zu werben und nicht in ständigem gegenseitigen Mißtrauen zu leben.

Aktuelle politische Diskussionen

In den letzten Wochen bin ich immer wieder mal gefragt worden, ob ich mir Sorgen über ein eventuelles Prostitutionsverbot durch die Einführung des Nordischen Modells mache. Im Moment wird dieses Thema in der Politik und den Medien wieder sehr gepusht.

Ich verfolge diese aktuelle Diskussion nur am Rande, da sie schon seit einigen Jahren geführt wird und ich mir also schon so einige Gedanken darüber gemacht habe. Als 2017/18 das Prostitutionsschutzgesetz eingeführt wurde, war das nur für Sexarbeiterinnen und Betriebe ein Thema, Kunden hat es so gut wie gar nicht betroffen. Das Nordische Modelle lässt jetzt Sexarbeiterinnen relativ außen vor (indem sie grundsätzlich als unwissende Opfer gesehen werden) und konzentriert sich auf die Kunden und indirekt natürlich auch auf Bordelle.

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das Nordische Modell in Deutschland in den nächsten Jahren kommen wird, oder höchstens in einer sehr verwässerten Version. Die feministische Zeitschrift Emma hat Deutschland mehrfach als „das Bordell Europas“ bezeichnet und damit auf die sehr liberale Gesetzgebung hier Bezug genommen. Ein solcher völliger Paradigmenwechsel wäre sehr ungewöhnlich.

Prostitution wird sich nie völlig abschaffen lassen, sondern sie wird nur erschwert. Als Folge wird eine offene Kommunikation darüber schwierig und Anbieterinnen und Kunden verwickeln sich schnell in ein Versteckspiel, mit dem keinem gedient ist. Ich glaube nicht, dass sich für mich persönlich viel ändern würde, da ich sehr viele Stammkunden habe, die ich schon seit vielen Jahren kenne und wo ein entsprechendes Vertrauensverhältnis besteht. Als Einzelanbieterin ist es außerdem sehr unwahrscheinlich, dass jemals bei mir eine Kontrolle (durch Polizei o.ä.) durchgeführt werden wird.

Leid tut es mir für junge Frauen, die gerade in die Sexarbeit einsteigen und für die der Schutz von Bordellen wegfällt. Häufig werden diese Betriebe mit Zuhältern und Ausbeutung gleichgesetzt. Ich habe sie jedoch immer als Schutzraum erlebt, wo ich von Kolleginnen umgeben war, man sich gegenseitig unterstützt hat und im Problemfall immer sofort Hilfe und ein Ansprechpartner da war. Diese Möglichkeit würde dann wahrscheinlich wegfallen und viele junge Frauen in Gefahr bringen, da sie diese Arbeit alleine lernen müssen.

Was mir viel mehr Sorgen macht als die gesetzlichen Regelungen zur Prostitution sind die sich entwickelnden Gewohnheiten und Gesetze zur Abschaffung des Bargeld oder zumindest zur Einführung von (niedrigen) Grenzen. Es ist für mich kein Problem, ein ec-Gerät zu besorgen – viele Kunden fürchten jedoch einen Verlust ihrer Anonymität oder die Nachweisbarkeit solcher Besuche in der Familie, so dass sie das wohl von einem Besuch bei mir abhalten würde.

Der Leuchtfeuer-Teddy

Letzte Woche habe ich gesehen, dass schon jetzt der Tisch von Hamburg Leuchtfeuer in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs steht. Ich freue mich jedes Jahr darüber, wenn ich es sehe!

„Hamburg Leuchtfeuer“ ist ein Verein, der in Hamburg ein Hospitz betreibt, in der Trauerbegleitung aktiv ist – und sich um HIV-Infizierte und Aids-Kranke kümmert.

Jedes Jahr im Dezember bringen sie einen kleinen Teddy heraus, etwa zehn Zentimeter hoch, jedes Jahr in anderen Farben, immer mit der Aids-Schleife als Stickerei unter einer Pfote. Dieses Jahr ist der Teddy bunt wie ein Regenbogen, passend zur anhaltenden Diskussion über die LGBTQ-Bewegung.

Ich liebe dieses Teddys, nicht nur weil sie einfach süß sind, sondern auch als Zeichen für Mitgefühl und Toleranz – dieses Jahr wird also auf jeden Fall noch einer von ihnen bei mir einziehen.

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