Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Monat: Juni 2022

Statistiken

Das UKE Hamburg hat zur kurzen eine Umfrage gemacht zu der Frage, wieviele Männer zu Sexarbeiterinnen gehen, wieviele Sexpartnerinnen diese Männer insgesamt hatten, und ob das das Risiko an sexuell überragbare Krankheiten zu erkranken erhöht. (Link zu dem Artikel in den Kommentaren)

Ich will jetzt nicht im Detail auf diese Studie eingehen. Was mich daran getriggert hat, war die Gesamtzahl der Sexpartnerinnen: Bei Männern die zu Sexarbeiterinnen gehen ist diese Zahl mit 20 doppelt so hoch wie bei Männern, die das nicht tun. Ich habe daraufhin gegoogelt, ob es Zahlen gibt, wieviele Sexpartner Menschen durchschnittlich in ihrem Leben haben.

Als erstes störte mich dabei, dass die Daten zwar nach Männern und Frauen aufgegliedert sind, aber nicht nach Alter. Ist es nicht logisch, dass man mit 25 viel weniger Partner hatte als mit 50, und sollte das nicht bei der Beurteilung berücksichtigt werden? Insgesamt erschienen mir die Zahlen sehr niedrig, im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich (meist unter 15).

Ich frage mich, wie verlässlich diese Zahlen sind oder ob da reichlich gemogelt wird bei der Beantwortung der Frage. Oder ich bewege mich einfach nur in Kreisen, die deutlich kleiner sind als sie mir erscheinen. In meinem Umfeld sind wechselnde Partner nicht ungewöhnlich, und ich kenne einige Menschen die mehrere Partner gleichzeitig haben. Und ich frage mich, ob meine Kunden bei der Beantwortung dieser Frage Paysex-Dates wohl mitzählen würden oder ob sie das einfach unter den Tisch fallen lassen, weil „es ja kein richtiger Partner ist“ (wie ich es übrigens gerne tue).

Eigentlich sind es völlig unwichtige Fragen, aber da bei Diskussionen immer wieder mit so Umfrage-Ergebnissen hantiert wird, würde mich die Aussagekraft davon schon interessieren.

Selbstverteidigung

Ich muss mich heute mal aufregen. An sich hatte ich ein sehr ruhiges, schönes Wochenende. Ich hatte keine Dates (war es wohl zu warm für), war dafür viel beim Yoga, hatte einen Reitlehrgang, war Fahrrad fahren und in der Stadt unterwegs. Trotzdem bin ich jetzt am Montagmorgen arg getriggert.

Angefangen hat es mit Nachrichten eines guten Freundes, der sich gerade in einem tiefen Prozess befindet und mich zur Zielscheibe seiner Projektionen macht. Einerseits findet er es toll, wie ich mit Körperlichkeit und Sexualität umgeht, und stellt mich damit auf einen Podest. Anderereseits muss dann eine starke Abgrenzung stattfinden, weil mein Verhalten bei ihm alte Gefühle von Scham und Unzulänglichkeit auslöst. Dieses plötzliche Kippen, verbunden mit einem Rückzug, verletzt mich und triggert meine eigenen Themen.

Der zweite Triggerpunkt war gestern Abend ein Online-Kontakt. Ich bin in einem Forum unterwegs, in dem erotische Geschichten geteilt werden. Gestern entstand um eine Geschichte eine Diskussion über den Begriff „Nutte“ – ob man den überhaupt nutzen dürfe, und wie es gemeint und auf was bezogen wäre. Soweit alles gut. Bis eine Frau, mit der ich an sich einen sehr guten Kontakt habe, einen längeren Beitrag schrieb darüber, wie schlimm Prostitution sei, dass die Frauen ja alles Opfer seien und dringend Hilfe bräuchten – die ganze Klischee-Schiene, auf der die Prostitutionsgegner ständig rumreiten. Ich habe eine kurze Antwort geschrieben und den Rest des Abends vor Wut geschäumt. Dieses Bild wird in der letzten Zeit einfach wieder viel zu sehr verbreitet. Ich frage mich dann immer, ob ich wirklich in so einer Parallelwelt unterwegs bin; ich habe in 20 Jahren zwar durchaus ab und zu Frauen erlebt, die in der Prostitution nicht glücklich waren (generell oder zeitweise), aber keine einzige die es nicht freiwillig gemacht hätte.

Vielleicht hatte ich an diesem Wochenende einfach zu viel Zeit zum Nachdenken und habe diese Geschichten daher zu nah an mich heran gelassen. Auf jeden Fall kämpfe ich gerade mal wieder mit dem Gefühl einfach „falsch“ zu sein – falsch zu leben, falsch zu fühlen, als wären meine Erlebnisse und Gefühle nicht gültig. Die Gesellschaft propagiert halt überwiegend immer noch monogame Beziehungen und Lebensweisen, die auf Ehe und Familie ausgerichtet sind. Ich habe mir Nischen geschaffen, in denen ich Menschen kennenlerne, die das anders leben. Umso schwerer ist es, wenn ich geballt mit diesen unversöhnlichen Ansichten konfrontiert werde.

Unerwünschte Fragen

Es ist für jeden Menschen unterschiedlich, was er über sich und sein Leben erzählen möchte. Manche Kunden würden am liebsten nicht mal ihren Vornamen nennen, während andere mir eine ganze Reihe von Informationen und Erkennungsmerkmalen im Gespräch geben. Auch für jede Sexarbeiterin ist es unterschiedlich, was sie über sich preisgeben möchte – sowohl über ihre Arbeit als auch über ihr Privatleben. Ich bin eigentlich ziemlich offen im Gespräch und erzähle so einiges darüber was ich so mache und erlebe. Auf zwei Themen reagiere ich jedoch empfindlich:

Das erste sind Fragen oder Spekulationen darüber, wie viele Paysex-Dates ich mache und wieviel Geld ich demnach verdiene. Da werde ich immer nur eine ausweichende Antwort drauf geben. Was viel oder wenig ist, sieht jede Sexarbeiterin anders. Es gab Tage im Appartement, da habe ich mich über einen guten Tag gefreut, während die Kollegin über einen schlechten Tag jammerte – obwohl wir die gleiche Anzahl an Terminen hatten. Ich kann von meiner Sexarbeit leben, ohne mich zu überarbeiten; das heißt nicht, dass ich mir keine Gedanken mehr über Geld machen muss oder ein luxuriöses Leben führe. Hinzu kommt, dass die meisten meiner Kunden Angestellte sind und keine Vorstellung davon haben, welche Kosten ich als Selbständige habe (Betriebskosten, Steuern, Versicherungen etc) und dass ich für den Luxus der Selbständigkeit auf Dinge wie bezahlten Urlaub und Krankengeld verzichte. Spekulationen über meinen Verdienst führen also meist zu einem Bild, das nichts mit der Realität zu tun hat.

Das zweite sind Spekulationen über meinen Beziehungsstatus. Einige meiner Kunden gehen automatisch davon aus, dass ich Single bin, da ich „das“ ja sonst nicht machen würde. Das sagt mehr über sie selbst aus als über mich, wenn sie sich nicht vorstellen können, dass ein Mann eine Sexarbeiterin als Partnerin akzeptieren kann. Ich glaube schon seit sehr vielen Jahren nicht mehr an monogame Beziehungen, weiß aber dass für sehr viele Menschen das immer noch die einzige mögliche Form von Beziehung ist. Wenn mich jemand direkt fragt, ob ich Single bin, macht mich das auch misstrauisch. Warum will er das wissen? Für ein Paysex-Date sollte mein Beziehungsstatus keine Rolle spielen, da ich mich nicht nach einem solchen Date privat mit Kunden treffen würde. Demnach beantworte ich diese Frage auch meist mit „Das geht dich nichts an.“ Last but not least kann sich mein Beziehungsstatus auch immer mal wieder ändern, und mit keinem meiner Kunden bin ich so eng, dass ich ihn über Veränderungen darüber auf dem Laufenden halte, wer gerade in meinem Privatleben eine Rolle spielt. Ich rede durchaus mal über Beziehungen – über Vorstellungen, Erfahrungen, Ideen .- aber das dann eher auf einer allgemeinen Ebene und nicht konkret auf meine momentane Lebenssituation bezogen. Manche meiner Stammkunden wissen, ob ich gerade eine „Hauptbeziehung“ in meinem Privatleben habe oder nicht. Das sind aber genau die, für die dieses Wissen keine Rolle spielt und ich mich demnach frei fühle, davon zu erzählen.

Mir fällt gerade noch etwas drittes ein: Ich rede nur ungern und selten über sexuelle Erlebnisse mit anderen Männern, egal ob im Paysex oder privat. Ich kann mal erzählen, was ich schon erlebt habe oder mir vorstellen kann. Aber ganz konkret von einzelnen Erlebnissen zu berichten, finde ich illoyal und unpassend. (Geschichten hier im Blog sind manchmal an reale Erlebnisse angelehnt, aber dabei geht es mir mehr um die Beschreibung von Stimmungen, so dass ich viele Details ändere.)

Alkohol

Sommer, Sonne, unbeschwerte Stimmung. Vorletzten Sonntag hatte ich zwischen zwei Terminen einige Stunden Zeit, in denen ich ein schwieriges Buch zu Ende lesen wollte. Aus einer Laune heraus habe ich dazu eine Flasche Wein aufgemacht, die ich ein paar Tage zuvor geschenkt bekommen hatte.

Wer mich ein wenig kennt weiß, dass ich ein sehr zwigespaltenes Verhältnis zu Alkohol habe. Ich bin nicht konsequent dagegen, aber ich hatte und habe so viele Menschen in meinem Umfeld, die Probleme mit oder zumindest ein schwieriges Verhältnis zu Alkohol haben, dass ich auch nur schwer unbeschwert mit dem Thema umgehen kann. Schwierig finde ich es schon, wenn für jemanden das Bier zum Feierabend oder das Glas Wein zum Essen unbedingt dazu gehört.

Sonntagnachmittag habe ich dann zwei Gläser Wein getrunken – und dann entsetzt festgestellt, dass ich ganz schön angetrunken war und vor dem Abendtermin dringend einen starken Kaffee brauchte.

Es fühlt sich für mich komisch an, angetrunken zu sein. Ich kann verstehen, dass Menschen die Art mögen, wie die Wirklichkeit weichgezeichnet wird, die harten Ecken abgeschliffen, alles ein bisschen durch einen sanften Schleier betrachtet.

Genau dieses Gefühl lässt aber auch meine Alarmglocken anspringen. Die Faszination für dieses Gefühl ist gefährlich; ich halte nichts davon, vor der Realtität zu flüchten. Gleichzeitig habe ich gerne die Kontrolle; bei Paysex-Dates sowieso, aber auch sonst gibt es wenige Menschen in meinem Leben, in deren Gegenwart ich vollständig entspannt bin.

Ich habe dann im Laufe der kommenden Woche die Flasche Wein geleert, an drei Abenden jeweils ein Glas. Jetzt habe ich gerade mal wieder gründlich genug von Alkohol und werde in den nächsten Wochen die Finger davon lassen. Sicher ist sicher, manche Risiken will ich einfach nicht eingehen.

Summer High

„Haare werden heller, Haut wird dunkler, Drinks werden kälter, Musik wird lauter, Nächte werden länger, das Leben wird wilder, ich liebe den Sommer!“

Das hat eine Freundin von mir heute gepostet, und ich kann ihr da nur aus ganzem Herzen zustimmen. Von meiner Vorsicht vor ein paar Wochen ist nicht mehr so viel übrig und ich genieße in vollen Zügen den Nach-Corona-Sommer.

Mein Rhythmus hat sich total umgestellt. Ich schlafe wenig, bin früh auf, bin den ganzen Tag unterwegs – und es ging mir seit vielen Jahren nicht mehr so gut wie im Moment. Mir ist bewusst, dass das den langen Tagen und dem hellen Licht geschuldet ist und sich im Herbst wieder ändern wird, aber ich genieße es trotzdem.

An manchen Tagen fühle ich mich wie high, hochgepusht, fast überdreht. Es fällt mir schwer mich zu konzentrieren, z.B. wie jetzt aufs Schreiben. Ich will raus, neue Menschen treffen, Leben spüren!

Ich lerne viele neue Menschen kennen im Moment, entdecke neue Orte. Auch meine Paysex-Dates genieße ich sehr, sowohl mit neuen Kunden als auch mit liebgewonnen Stammkunden. Alles fühlt sich intensiver an, näher, hingebungsvoller.

Ein Hoch auf den Sommer!

Diskretion

In den letzten Tagen habe ich viel über das Thema Diskretion nachgedacht. Diskretion ist eine Eigenschaft, die sich sowohl Kunden als auch Sexarbeiterinnen von ihrem Gegenüber wünschen. Doch was genau darunter verstanden wird, kann sehr individuell sein.

Als erstes geht es um die Selbstverständlichkeiten, von Seiten der Sexarbeiterin: keine unerwarteten Anrufe oder eindeutigen Nachrichten (am besten gar keine initiativen Nachrichten aufs Handy), kein Ansprechen bei zufälligen Treffen, bei Haus- und Hotelbesuchen ein unauffälliges Auftreten. Die letzten beiden Punkte wünscht sich eine Sexarbeiterin auch von ihren Kunden.

Doch wie ist es mit Diskretion im Internet, also im indirekten Kontakt?

Ich schreibe immer wieder Texte, die von Erlebnissen oder Gesprächen mit meinen Kunden inspiriert sind, und es hat sich schon mehr als einer darin wiedererkannt. Wenn ich darauf angesprochen werde, ist es meist positiv aufgenommen worden, oder wir sind so vertraut miteinander, dass wir darüber noch mal in Ruhe sprechen. Es gibt aber bestimmt auch Männer, die sich zwar wiedererkennen würden, die Texte aber nicht lesen oder ihre Gedanken für sich behalten und mich nicht darauf ansprechen.

Diese Texte sind anonymisiert, ich nenne keine Namen oder gebe irgendeine Form von Erkennungsmerkmalen, aus denen ein Bekannter auf die Person schließen könnte. Es geht also bei der Frage nach dieser Art von Diskretion rein um die Gefühle des Betroffenen.

Anders ist es, wenn Kunden im Internet Berichte über Sexarbeiterinnen schreiben. Dort werden Namen und Kontaktdaten genannt, die Person ist also klar zu identifizieren. Es gibt Kunden, die bei solchen Berichten die Diskretion wahren und lediglich über Zuverlässigkeit, Sauberkeit, Umgebung, eingehaltene Absprachen schreiben. Es gibt aber auch Kunden, die teilweise sehr intime und private Details ausplaudern.

Eine Kollegin hat sich einmal in ihrem Blog darüber beklagt, dass der bewertende Kunde wohl nicht bedacht hat, dass diese sehr intimen Informationen über sie da jetzt für Jahre stehen werden und jeder sich ein Bild über einen Zwischenfall machen kann, den man sehr unterschiedlich bewerten kann.

Von mir gab/gibt es einen Bericht mit dem Inhalt: „Sie mochte mich wohl, deswegen hat sie XY gemacht, obwohl sie das offziell nicht anbietet.“ So etwas empfinde ich als Vertrauensmissbrauch. Ich erzähle bei Treffen relativ viel auch aus meinem Privatleben, und was ich mit Kunden erotisch erlebe, ist sehr individuell. Diese Details möchte ich nicht im Internet wiederfinden (wo ich häufig nicht einmal zuordnen kann, wer das geschrieben hat, und für die nächsten Wochen jeden meiner liebgewonnenen Stammkunden misstrauisch ansehe).

Die Lösung wäre also, dass aus Diskretionsgründen keiner mehr irgendwas über irgendwen im Internet schreibt. Das wäre schade, den sachliche Texte lese ich sehr gerne – sowohl in Form von Erfahrungs- und Gedankenblogs von Kolleginnnen als auch in Form von Erebnisberichten von Kunden über andere Frauen und auch über mich selbst.

Die Vorlieben der Anderen

Ab und zu werde ich mal von Kunden auf meine Service-Listen angesprochen, und zwar nicht unter dem Aspekt „ich würde das gerne mal ausprobieren“, sondern vor dem Hintergrund „das geht ja gar nicht“. Das ist für mich immer eine schwierige Situation.

Nicht alles, was ich in einem Paysex-Date anbiete, zählt auch zu meinen persönlichen Vorlieben. Manches macht mir nur in einem Paysex-Date Spaß, entweder weil ich es mag, dieses Szenario zu gestalten, oder weil ich es mich anmacht, die Lust des Mannes an einer bestimmten Spielart zu sehen. Manche Spiele funktionieren für mich nur mit ganz bestimmten Personen (sowohl beruflich als privat), wo man sich langsam rangetastet hat.

Ich habe natürlich auch Dinge, bei denen ich mir nie vorstellen könnte, sie zu machen oder in irgendeiner Form erotisch zu finden. Trotzdem finde ich es wichtig, (fast) alle Spielarten zu tolerieren. Man kann auch einfach in die andere Richtung sehen und andere Menschen andere Spiele spielen lassen, ohne darüber eine Meinung zu haben.

Manchmal werde ich als Sexarbeiterin abgelehnt, weil ich bestimmte Dinge anbiete, die der jeweilige Kunde sich in seinem Date überhaupt nicht vorstellen kann. Damit muss ich dann natürlich leben; trotzdem finde ich es kleinlich. Warum regt sich jemand über etwas auf, das ihn gar nicht betrifft? Uns würde es wohl allen deutlich besser gehen, wenn jeder bei seinen eigenen Themen bleibt.

Film: Jung und schön

Am Wochenende habe ich zum wiederholten Mal den französischen Film „Jung und schön“ gesehen. Zum ersten Mal habe ich ihn 2013 im Kino gesehen und danach schon einige Male auf Video.

Mit dem Charme eines typischen französischen Films (tolle Musik, stimmungsvolle Bilder) wird die Geschichte der 17-jährigen Isabelle erzählt, die im Sommer am Meer ihr erstes Mal erlebt und dann im Herbst zurück in Paris anfängt für Geld mit fremden Männern in Hotelzimmern Sex zu haben. Nach einer Weile fliegt das ganze auf und sie muss sich der Polizei und ihrer Familie stellen, wo sie überall nur auf Unverständnis stößt. Nach einer Pause bleibt doch die Faszination ihres Tuns…

Ich mag an diesem Film, dass er kein Urteil fällt. Isabelles Motive bleiben rätselhaft, man merkt ihr „Wegdriften“ aus dem normalen Schul- und Familienalltag, erfährt aber wenig über ihre Gefühle und Gründe. Trotzdem ist es kein „Abrutschen“, sondern ein bewusster Weg, den sie geht. Sie bleibt selbstbestimmt und selbstbewusst in ihrer Jugend und Schönheit. Das empfinde ich als schönen Gegensatz zu den gerade modernen Opfer-Geschichten über Prostituierte.

Geschichte: Seduce me

Sein Blick wandert bewundernd über meinen Körper. Das schwarze Minikleid habe ich schon ausgezogen und trage nur noch einen String und schwarze Strümpfe. Lächelnd trete ich einen Schritt auf ihn zu und lasse meine Finger über seine Haut gleiten.

„Ich möchte dich gerne verwöhnen“, sagt er, „hast du eine Augenbinde?“ Ich nehme eine kleine Tüte aus einer Schublade und schütte einige Spielzeuge aufs Bett: eine Augenbinde, schmale Manschetten für die Handgelenke, ein Federspielzeug und einen Flogger. Er legt mir die Augenbinde an, fixiert meine Handgelenke aneinander und weist mich dann an, mich auf den Rücken zu legen.

Spielerisch kitzelt das Federspiel über meine Haut, bringt mich zum Lächeln und zum Stöhnen. Als es über meine Brüste gleitet, zu meinen Beinen, an meinen Leisten entlang, fange ich an mich lustvoll zu winden. Plötzlich eine ganz andere Berührung: die Lederschnüre des Floggers zwischen meinen Beinen.

Verschiedene Berührungen an meinem ganzen Körper: Federn, Leder, seine Lippen, Hände, Zunge… Dann sein Körper über mir, sein Atem auf meiner Haut. Kurze Unterbrechung: „Wo hast du ein Kondom?“

Die ungewohnte Erfahrung, mich fallen zu lassen und die Verantwortung für die Situation abzugeben. Und mich dabei achtsam berührt und gehalten zu fühlen. Dieses Gefühl schwingt noch nach, als wir hinterher aneinander gekuschelt liegen und die Begegnung ausklingen lassen.


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Geld ausgeben

Letzte Woche war es mal wieder so weit. Ich kenne ihn schon seit fast 15 Jahren, noch aus meinen Tantra-Massage-Zeiten. In den letzten Jahren schreiben wir nur ab und zu mal, sehen tun wie uns kaum noch. Aber ein bis zwei Mal im Jahr macht er einen Termin, mit mindestens einer Woche Vorlauf – um ihn dann zwei Tage vorher wieder abzusagen.

Ich muss dann immer daran denken, wie wir in meiner Wirtschaftsausbildung mal über den Unterschied von Bedürfnis und Bedarf gesprochen haben. Es ist eine Sache, sich etwas irgendwie zu wünschen, das Bedürfnis danach zu haben, aber etwas ganz anderes, dann wirklich Zeit und Geld in die Umsetzung zu stecken, also einen Bedarf umzusetzen.

Dieser Zwischenschritt ist an sich eine gute Sache. Ich habe auch ganz viele Ideen, was ich alles machen könnte oder gerne hätte, und setze nur einen Bruchteil davon in die Realität um. Schwierig wird es, wenn dieser Zwischenschritt nicht bewusst bezogen wird, sondern man schon halb in der Umsetzung ist, bevor man sich überlegt, ob man das wirklich wird.

Im oberen Fall kann ich darüber lächeln, da durch den zeitlichen Ablauf kein Schaden entsteht. Nicht mehr lächeln kann ich, wenn es dazu führt, dass Termine nicht bestätigt, sehr kurzfristig abgesagt oder einfach versetzt werden.

Ich habe auch ein paar Kunden, die zwar gerne zu mir kommen würden, es sich aber nicht leisten können oder wollen – und nicht bereit sind, sich das selber einzugestehen. Das macht es für mich anstrengend, denn diese sind sehr chaotisch in ihrer Terminvereinbarung, und manchmal merke ich diese Ambivalenz auch im Termin.

Einer meiner Kunden schafft es nie, mir einfach mit einem Lächeln das Geld zu geben und es darauf beruhen zu lassen. Jedes Mal bekomme ich einen doofen Spruch in die Richtung, wie reich ich doch sein müsste etc , wie ich mir die Männer in meinem Leben aussuchen könnte – es nervt! Da ist die Ebene zwischen privatem Sex und Sexarbeit so gar nicht geklärt bei ihm, und er macht mir das zum Vorwurf.

Ich sehe Sexarbeit als eine Dienstleistung, von der beide Seiten profitieren können und die ehrlich vonstatten gehen kann. Sie hat aber halt auch bestimmte Grenzen und Bedingungen. Geld ist eine davon.