Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 45 von 57)

Toleranz oder Diskriminierung

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


In erster Linie sehe ich mich als Dienstleisterin. Das heißt, ich biete Dates für jeden an, der meinen Preis bezahlt und sich an meine Regeln hält. Demnach bin ich immer ein wenig verwundert, wenn mir jemand beim ersten Kontakt sein Alter, eine Beschreibung seines Aussehens oder ein Foto schickt.

Einige Kolleginnen scheinen das anders zu handhaben. Da werden im Profil Anforderungen an Aussehen und Alter gestellt, manchmal gar eine Art Bewerbung erwartet. Das finde ich übertrieben, schließlich werden wir bezahlt und sind nicht (nur) hier, um unsere persönlichen Vorlieben auszuleben.

Andererseits hat manche Frau ernsthafte Probleme mit bestimmten Eigenschaften und/ oder ekelt sich. Gegen solche Gefühle anzugehen, ist schwierig bis unmöglich, und es ist wohl auch für den betreffenden Mann besser, das direkt (und höflich) gesagt zu bekommen, statt es im Termin zu bemerken (und dann womöglich persönlich zu nehmen).

Zum Beispiel schläft eine Freundin von mir nicht mit Schwarzen. „Kann ich einfach nicht.“, ist ihre Begründung. Ich sehe das nicht als Rassismus, sondern einfach als eine persönliche Grenze.

Häufig bekomme ich Anfragen von Männern, die fragen, ob ich ein Problem damit hätte, dass sie viel jünger oder viel älter sind als ich. Diese Art von Altersdiskriminierung scheint weit verbreitet zu sein; außerhalb der Sexarbeit wird sie sogar als völlig normal angesehen, die meisten Menschen suchen sich einen Partner im ungefähr gleichen Alter.

Ähnliches gilt fürs Gewicht. „Ich bin aber dick, stört dich das?“ Ich habe dann das Gefühl , dass diese Menschen in ihrem Alltag sehr viel Diskriminierung erleben und versuchen, sich durch direkte Offenheit vor verletzenden Zurückweisungen zu schützen – und gleichzeitig auf Annahme und Akzeptanz hoffen.

Ein schwieriges Thema für mich persönlich sind Behinderungen. Ich sehe so einiges an Narben und Krankheitsfolgen, und meist kann ich da gut mit umgehen. Ich habe es jedoch zwei Mal erlebt, dass Männer mit beträchtlichen Behinderungen versucht haben, über die Mitleids-Schiene meine Grenzen zu umgehen. Klar waren das Einzelfälle, aber die haben mich vorsichtig gemacht.

Ich mag Menschen, die selbstbewusst mit sich umgehen und die ihr Leben aktiv selbst in die Hand nehmen, statt über ihr Schicksal und die mangelnde Toleranz der Gesellschaft zu klagen. Das macht jeden zu einem interessanten Menschen, mit dem ich gerne Zeit verbringe.

Stammkunden „aussortieren“?

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Ich bin keine Frau, die herumreist und eine Woche hier, eine Woche dort arbeitet. Ich bin seit vielen Jahren fest in Hamburg, und demnach verdiene ich mein Geld zu einem großen Teil mit Stammkunden.

Normalerweise genieße ich das sehr und es gibt viele Männer, bei denen ich mich jedes Mal freue, wenn sie mich wieder anrufen. Aber ab und zu passiert es leider auch, dass sich in diese Begegnungen Mißtöne einschleichen.

Meist fängt es harmlos an: Fragen nach meinem Privatleben, die mir zu intim werden. Ein Austesten meiner Grenzen, was die zeitliche Verfügbarkeit angeht. Das Ausreitzen von Absprachen bezüglich Zeit und Service. Manchmal auch ein Flirt damit, das wir uns ja auch privat treffen könnten.

Irgendwann wird mir das dann zu viel. Ich möchte unbeschwerte Dates und mir nicht schon Stunden vorher Gedanken über mögliche Stolperfallen machen. Manchmal spreche ich es an (und komme mir dabei häufig kleinlich vor und/ oder werde nicht ernst genommen), manchmal beende ich den Kontakt auch einfach, wenn ich mich dabei nicht mehr wohlfühlen kann.

So ein Schritt fällt mir nie leicht und zieht sich häufig über Wochen bis Monate. Es ist ja eine Verbindung entstanden, und Zurückweisungen tun immer weh. Trotzdem bin ich zuallererst für mich selbst und mein Wohlbefinden verantwortlich und dann erst für das von anderen.

Herbst und Erinnerungen

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In den vergangenen Tagen ist das Wetter noch mal schön geworden, aber jetzt ist der Sommer eindeutig vorbei. Heute stürmt es hier in Hamburg, und es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis es regnen wird und die Temperaturen fallen. Auch die Bäume sind mittlerweile herbstlich, und ich habe schon große Schalen voll Kastanien gesammelt.

Ich bin gerade auf dem Weg nach Hamburg-Niendorf, um dort eine Kollegin von früher zu treffen. Ich habe viele Jahre in dieser Ecke von Hamburg gewohnt, und als ich vor vier Jahren wieder angefangen habe, erotische Dates anzubieten und nicht nur Massagen, war das in einem Appartement in Hamburg-Schnelsen. Dort habe ich mit dieser Kollegin zusammen gearbeitet, und ich habe sehr schöne Erinnerungen an dieses Jahr.

Irgendwann ist mir die Pendelei zu viel geworden, da ich ganz ans andere Ende von Hamburg gezogen war und so jeden Tag 2,5 Stunden in der Bahn verbracht habe. In meinem jetzigen Appartement bin ich jetzt auch schon seit fast drei Jahren, und mein Alltag ist seitdem ganz anders geworden.

Hach ja, Herbst macht irgendwie melancholisch!

Nur auf Termin!

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Heute hatte ich um 13:00 einen Termin. Als es also um 12:58 an der Tür klingelte, öffnete ich, begrüßte den vor mir stehenden Mann freundlich und führte ihn in mein Zimmer. Dort stellte er sich vor: „Hallo, ich bin XX. WIr hatten vor ein paar Tagen telefoniert, wegen eines Termins im Kerker.“ Ich war irritiert: „Aber du hast doch jetzt einen Termin für eine Massage gemacht, oder?“ – „Nein, ich habe keinen Termin. Ich bin einfach so vorbeigekommen und wollte mir dich und den Kerker angucken.“

In mir kochte sofort Wut hoch ob dieser Umverschämtheit. „Da hab ich überhaupt keine Zeit für jetzt, außerdem ist der Kerker nicht nutzbar, bevor da nicht gründlich aufgeräumt wurde.“ Ich habe dann noch gut fünf Minuten mit ihm rumdiskutiert: ob wir nicht wenigstens mal kurz runtergehen könnten (nein, konnten wir nicht); ob ich die roten High Heels von meinen Bildern da hätte (ja, aber weder Zeit noch Lust die jetzt rauszusuchen); usw. Ich bin dann pampig geworden und habe ihn mit den Worten, dass es keine gute Idee ist, einfach vorbeizukommen, hinauskomplementiert.

Wahrscheinlich wird er keinen Termin für eine Session machen, aber das ist mir auch recht. Wenn ich seine Nummer gespeichert hätte, wäre er auf meiner „schwarzen Liste“ gelandet!

Prostituierte oder Sexarbeiterin

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Der Begriff Sexarbeiterin ist relativ jung. Er ist entstanden mit der Bewegung, dass Prostituierte um die Anerkennung und Legalisierung ihrer Tätigkeit (und ihrer Existenz) kämpfen. Für viele ist diese Bezeichnung mit einer Aufwertung der Sexarbeit als Dienstleistung verbunden und mit einem neuen Selbstbewusstsein dieser Frauen, die sonst am untersten Rand der Gesellschaft lebten.

Abolitionist*innen spotten eher über die Bezeichnung Sexarbeiterin und vermuten dahinter eine Beschönigung der Prostitution, die sie per se als frauenverachtend und missbräuchlich betrachten. Auch bei Männern setzt sich der Begriff nur schwer durch, dort werden meist umgangssprachlichere Begriffe benutzt wie Hure oder (abwertend) Nutte.

Ich bezeichne mich gern als Sexarbeiterin. Darin schwingt für mich mit, dass es eben nicht nur um schnellen Sex geht, sondern um eine komplexe Dienstleistung, die neben dem klassischen Sex (GV, OV, AV) auch erotische Massagen, Fetische, SM, ja bis hin zur Sexualbegleitung und Surrogat enthalten kann.

Den Begriff Prostitution halte ich für verbrannt. Selbst ich denke dabei an Menschenhandel, Zuhälter und Frauen, die den Sex willenlos über sich ergehen lassen. Das ist das Bild, das viele Medien unter dem Begriff zeichnen und das sich in den Köpfen der meisten Menschen festgesetzt hat, die nichts mit dieser Szene zu tun haben.

Mädchen-WG

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Letzte Nacht habe ich im Appartement geschlafen, was ich sonst so gut wie nie tue. Aber ich hatte bis 22:00 einen Termin und musste heute Morgen um 10:00 wieder hier sein, da war es mir zu aufwendig, nach Hause zu fahren. Hier habe ich zwei Stunden mehr Schlaf gekriegt.

Sonst bin ich die einzige, die regelmäßig abends nach Hause fährt. Die Kolleginnen wohnen alle so weit weg, dass es sich unter der Woche nicht lohnt und sie nur am Wochenende nach Hause fahren. Dadurch herrscht bei uns eine Art WG-Stimmung: Wir kochen zusammen, sitzen zusammen und reden, planen Einkäufe und Kosmetik-Termine – leben halt Alltag zusammen.

Manchmal bin ich davon genervt und würde gerne mehr trennen zwischen Arbeit und Privat. Aber meist ist es es einfach schön. Ich fühle mich im Appartement auch zu Hause, es ist ein geschützter Raum, in dem ich mich ganz selbstverständlich bewege und viel von mir zeige.

Das kommt übrigens auch bei meinen Gästen an. Viele von ihnen freuen sich, wenn die Kolleginnen freundlich lächelnd grüßen, und bekommen genug von der gelösten Atmosphäre hier im Appartement mit, um das zu genießen.

Traurigkeit

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Vor ein paar Tagen haben wir uns von einer Kollegin getrennt. Sie war gut zwei Monate bei uns und die Situation war durchgängig schwierig. Ihr Auftreten war laut und unruhig und sie hatte Probleme, im Team mitzuarbeiten und sich einzufügen. Trotzdem haben wir uns immer wieder Mühe gegeben, sie zu integrieren. Sie reagierte auf jeden Hinweis mit Genervtheit und Arroganz, und Donnerstagabend ist es dann endgültig eskaliert.

Es ist wohl normal (und sehr menschlich), dass das in den folgenden Tagen noch Hauptthema unter uns Kolleginnen im Appartement war und wir auch ausgiebig geschimpft und gelästert haben. Doch hinter allem Groll zeigt sich bei mir ein Gefühl von Traurigkeit. Vielleicht ist es naiv von mir, aber mir tut es immer weh, wenn menschliches Miteinander so böse schiefgeht. Ich glaube an menschliche Tugenden wie Freundlichkeit, Rücksichtnahme und ein gewisses Maß an Nachsicht. Niemand ist perfekt, wir alle machen Fehler und haben Launen – aber warum muss es immer wieder so eskalieren?

Miteinander funktioniert nur, wenn alle Seiten sich bemühen, und es wird schwerer, je mehr kleine Unachtsamkeiten und Verletzungen sich angehäuft haben und je verhärteter die Fronten sind. Ich wünsche uns allen weniger Egoismus und mehr gegenseitige Rücksichtnahme; wenn das im Kleinen anfange würde, hätten wir wohl auch gesamtgesellschaftlich weit weniger Probleme.

Schreck am Montag

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Heute Mittag also nach neun Tagen Urlaub wieder zurück ins Appartement. Unten die Tür war abgeschlossen, ich war also noch alleine. Erst mal lüften: Ich riss vorne im Flur das Fenster auf, ging dann durch bis in mein Zimmer, zog den Vorhang zurück – und starrte in ein Männergesicht auf der anderen Seite der Fensterscheibe! Erschrocken stolperte ich einen Schritt zurück, wir waren schließlich im 1. Stock, gut sechs Meter über dem Boden!

Des Rätsels Lösung: Die Fassade wurde gestrichen, mit einer Hebebühne. Ich ließ das Fenster zu und machte meinen ersten Termin im Zimmer einer Kollegin, das nach vorne rausging, wo zum Glück keiner an der Fassade rumturnte.

Blogs und Kommentare

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich habe die Kommentar-Funktion zu meinen Blogs vor drei Jahren deaktiviert, nachdem eine Diskussion zu einem meiner Blogs völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Ich muss mich auf meinen eigenen Profil nicht abwerten und beschimpfen lassen!

Manchmal tut es mir leid, dass ich dadurch relativ wenig Feedback zu meinen Texten bekomme. (Einige Leser schreiben mir Nachrichten, worüber ich mich jedes Mal freue.) Andererseits lese ich ab und zu die Kommentare unter anderen Blogs. Dabei habe ich häufig das Gefühl, dass es nicht um einen Kommentar zum Text oder um einen konstruktiven Beitrag geht, sondern dass sich sehr häufig die immer selben Leute selbst loben und lautstark ihre eigene Meinung mitteilen und wie toll sie doch sind.

Für mich ist ein Blog nicht der Eröffnungsbeitrag zu einer Diskussion (für Spass gibt es Foren, da können alle gleichberechtigt diskutieren), sondern ein Text, in dem ich etwas erzähle, dass mich gerade beschäftigt. Als Autorin freue ich mich, wenn du etwas mit meinem Text anfangen kannst; wenn das nicht der Fall ist, ist das auch okay und du kannst einfach weiterklicken.

Last nur mit least: Ich mag kaufmich sehr gerne und genieße die Möglichkeiten, mich hier darzustellen und auch zu surfen und von anderen zu lesen. Aber in erster Linie bin ich hier, um Werbung für mich zu machen, und darauf sind natürlich auch meine Blogs in der ein oder anderen Form ausgerichtet.

Interesse oder Gleichgültigkeit

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Bezüglich meines letzten Postings, der Geschichte „Half a boy, half a man“, bekam ich mehrere Zuschriften, sowohl von Männern als auch von Frauen, die sich davon haben berühren lassen. Mit einem Mann ergab sich ein kurzer, netter Dialog, da mich eine seiner Aussagen getroffen hatte. Er schrieb: „Es ist aber wohl auch ein Indiz dafür, dass der ein oder andere Kunde ein gehöriges Päckchen zu tragen hat und solch ein Paysex-Date nicht immer nur die pure Freude ist. Kann und wird dir letztendlich egal sein und das ist auch gut nachvollziehbar.“ Ich möchte gerne meine Antwort an ihn und ein paar Gedanken dazu mit Euch teilen.

Ich widerspreche der Aussage, dass mir die Themen und Probleme meiner Kunden egal sind. Menschen sind mir nie egal! Ich lasse mich gerne von Geschichten und Schicksalen berühren und fände es sehr bedenklich, wenn das irgendwann nicht mehr so wäre. Andererseits bin ich keine Therapeutin. Ich kann Mitgefühl und Einfühlungsvermögen im Rahmen eines Dates bieten, aber ich mische mich nicht ungebeten in das Leben fremder Menschen ein. Selbst Therapeuten behandeln nur das, wofür sie einen Auftrag haben. Mein Auftrag im Rahmen eines Paysex-Dates sind Lust, Erotik, Sex, Nähe, Körperlichkeit.

Dem Kunden in der Geschichte habe ich einen Nachkontakt angeboten, den er aber abgelehnt hat. Das war sein gutes Recht, und demnach endete der Kontakt mit Ende des Dates. Es mag häufiger vorkommen dass ein Kunde mit anderen Themen als nur Erotik und Sex in ein Paysex-Date geht. Trotzdem begegnen sich hier erwachsene Menschen, die eigene Entscheidungen treffen und Erfahrungen machen – auch mal die falschen. Das gehört zum Leben dazu; im Idealfall lernt man etwas daraus und entwickelt sich weiter.

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