Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 30 von 57)

Zweite Chancen und Hinhaltetaktiken

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Wie die meisten Frauen hier habe ich eine bestimmte Vorstellung davon, wie ich mir die Terminvereinbarung wünsche. Dazu gehören genaue Angaben über Zeitpunkt und Dauer des Termins und eine ungefähre Vorstellung des Inhalts. 

Häufig passiert folgendes: Obwohl ich in meinem Profil um telefonische Terminvereinbarung bitte, kriege ich als erstes hier eine Mail, relativ kurz, so in Richtung: „Hast du morgen um 13:00 Zeit?“ Dann schreibe ich zurück: „Ja, ich habe da Zeit. Ich vereinbare jedoch hier keine Termine, ruf mich bitte an.“ Die Nachricht wird innerhalb von kurzer Zeit als gelesen angezeigt, aber es passiert – nichts mehr. 

Stunden später, irgendwann spät am Abend, kommt dann die nächste Nachricht: „Ich war noch unterwegs, wann kann ich dich morgen anrufen?“ Damit hat sich dieser konkrete Termin für mich schon mal erledigt, den Tag habe ich anders verplant. 

Es gibt Männer, die spielen dieses Spiel drei bis vier Mal hintereinander, bis ich endgültig die Geduld verliere. Auch bei kurzfristig wieder abgesagten Terminen gebe ich maximal eine zweite Chance, meist ist mir schon dafür meine Zeit einfach zu schade. 

Von uns Frauen wird immer absolute Professionalität und Zuverlässigkeit erwartet (unter anderem), da erwarte ich von Kunden ein Minimum an Respekt vor meiner Zeit – auch auf die Gefahr hin, als „nicht kundenfreundlich“ zu gelten. 

Stadtleben

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Heute habe ich meine zweite Covid19-Impfung bekommen. Danach war ich noch in einem Café in der Stadt und habe es genossen, dass sich das Leben wieder etwas normaler anfühlt. 

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebe jetzt seit 16 Jahren in Hamburg, habe also mein ganzes Leben immer in (Groß)Städten gelebt. Wenn ich mit Kunden spreche, die ländlicher wohnen, fällt mir auf, dass das ein ganz eigener Lebensrhythmus ist. 

Meine Wohnung ist mein Rückzugsort. Wenn ich Zeit mit Freunden verbringe, treffen wir uns meist in der Stadt, in einem Café oder Restaurant. Auch sonst bin ich viel und gerne unterwegs: Fitnesstudio, Stadtbummel, Kultur… 

Ich mag auch raus ins Grüne, vor allem mit dem Fahrrad, entlang Hamburgs Grünstreifen oder raus nach Schleswig-Holstein. In der Innenstadt vermeide ich das Fahrradfahren ebenso wie das Autofahren, und nehme S-Bahn und Bus und gehe zur Fuß. (Ich besitze kein eigenes Auto, das erscheint mir überflüssig.) 

Manchmal wird auch mir die Stadt zu voll, vor allem jetzt in der Corona-Zeit. Mit Anfang 20 hatte ich mal die Idee, aufs Dorf zu ziehen – und habe schnell festgestellt, dass ich mit der Mentalität dort nicht klarkam. Daran wird sich wohl nichts geändert haben – ich bin und bleibe also Stadtmensch. 

Wie ich ein Profil lese

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Ich bin jetzt seit sechs Jahren hier bei kaufmich. In der Zeit habe ich eigentlich nie Zeit darauf verwendet, die Profile von Männern zu lesen – außer jemand hat mich angeschrieben, dann besuche ich das Profil. Gerade in der Corona-Zeit und seitdem ich nicht mehr in einem Appartement, sondern alleine in einer Wohnung arbeite, widme ich den Profilen mehr Aufmerksamkeit. 

Als erstes versuche ich herauszufinden, wie serös ein Profil ist. Ich schaue, wie lange derjenige schon angemeldet ist (ganz neue Profile sind mir eher suspekt) und wie viele Profilbesucher er hatte (sagt aus, ob er hier aktiv war oder das Profil brachlag). Bewertungen über den Date-Manager sind ein großer Pluspunkt. 

Die meisten Profile enthalten nicht viele Informationen. Das Alter finde ich immer noch ganz spannend, aber ich treffe Männer in fast jeder Altersgruppe. Es ist natürlich toll, wenn sich jemand die Mühe macht, etwas über sich zu schreiben. Das kann man aber auch im Mail-Kontakt oder im Telefongespräch nachholen (Details über Aussehen etc interessieren mich dabei nicht, sondern Vorlieben und Wünsche). 

Bilder sind praktisch für den Wiedererkennungswert eines Profils, ebenso wie aussagekräftige Namen. Ein schönes Detail, aber eigentlich nicht relevant. (Ausnahme: Sehr vulgäre Namen und FSK18-Bilder stoßen mich ab.) 

In letzter Zeit surfe ich manchmal auch ab und zu einfach so über die Profile – oder noch eher über die Blogs, die können ja jetzt auch von Kunden geschrieben werden. 

Der besondere Moment

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Wir kennen uns schon seit einigen Jahren. Er kommt 2-3 Mal im Jahr für eine Session zu mir, die ich immer genieße. Dies ist unser erstes Treffen seit Corona. Er hat eine neue Telefonnummer und ich habe ihn am Telefon nicht sofort wiedererkannt, was mir dann peinlich ist. Dieses Treffen nicht mehr im Studio, sondern in meiner neuen Wohnung. 

Trotz der geänderten Umgebung und der langen Pause läuft die Session gut. Wir schwingen gut miteinander, finden eine gemeinsame Ebene des Spiels. Ich kann mich gut fallen lassen und vertrauen und auch er scheint sich wohl zu fühlen. 

Danach sitzen wir nebeneinander, bestätigen uns gegenseitig dass es gut lief und wir uns beide wohl gefühlt haben, dass wir gut miteinander schwingen. Plötzlich schwingt noch etwas anderes, tieferes mit als nur die Freude an der einen Stunde Spiel… Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich überlege, wie unsere Sessions und unser Verhältnis zueinander wohl wäre, wenn wir uns privat kennegelernt hätten. 

Dann schüttel ich mich und zwinge mich zurück in die Realität. Solche Gedanken sind im Paysex nie gut. Ich lächle, bedanke mich für die Session, wünsche ihm noch ein schönes Wochenende – und nehme mir fest vor, bis zu seinem nächsten Anruf nicht mehr an ihn zu denken. 

Selbstbild und Fremdbild

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Ich kämpfe gerade mit den vorgegebenen Angaben hier im Kaufmich-Profil. Vor ein paar Tagen habe ich meine Figur von „schlank“ auf „mollig“ geändert. Sofort haben mich einige Kunden angesprochen, dass „mollig“ für mich übertrieben ist, weil ich eine völlig normale Figur habe. Andererseits denke ich, dass ich für jemanden, der sich eine schlanke Frau wünscht, doch zu viel Speckröllchen habe. („Normal“ ist leider keine der vorgegebenen Optionen.)

Es ist die am häufigsten geäußerte Kritik von Kunden, dass die Frau beim Treffen nicht mehr so aussieht wie auf ihren Fotos bzw die Fotos völlig veraltet sind. Ich mache 1-2 Mal im Jahr neue Fotos, habe aber auch ältere Bilder im Profil. So handhaben es die meisten Frauen, die ich kenne (und die mit (semi)professionellen Bildern und nicht mit Selfies arbeiten). 

Andererseits kämpfen gerade Sexarbeiterinnen häufig mit ihrem Gewicht. Lange Arbeitszeiten/ Abrufzeiten machen regelmäßigen Sport schwierig, und lange Wartezeiten zwischen den Terminen verführen zum Essen aus Langeweile. Ich versuche dass durch Fahrradtouren auszugleichen, aber viele Sexarbeiterinnen, die ich kenne, leben in einem ständigen Zyklus von Gewichtszunahme und Crash-Diäten. 

Annahmen und Fragen

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Wir hatte einige kurze Nachrichten hier bei KM geschrieben, die aber nicht viel aussagten, bevor er mich anrief und einen Termin vereinbarte, mit fast einer Woche Vorlauf. Am Telefon frage ich immer nach Dauer des Termins und nach besonderen Wünschen, da kam nichts besonderes. Kurz vorher bestätigte er mir den Termin noch mal und ich schickte ihm die Adresse – alles bestens, dachte ich. 

45 Minuten vor dem Termin. Ich habe das Zimmer vorbereitet, mich fertiggemacht, die Anfrage eines Stammkunden für diesen Nachmittag abgelehnt (da ich ja schon einen Termin hatte). Als ich auf mein Handy schaue, sehe ich, dass es mir noch eine Nachricht geschrieben hat: „Ich wollte noch fragen ob dein Service auch XX und XY beinhaltet.“ XX biete ich an – XY nicht. Daraufhin sagt er den Termin ab, weil „es leider nicht passt“. 

Generell habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn es nicht passt. Manche Männer suchen in erster Linie nach einer spannenden Begegnung, andere haben spezielle Wünsche, die sie erfüllen wollen – und wenn es nicht passt, bin ich eben nicht die Richtige. Nur: warum klärt man das nicht am Anfang des Kontakts, oder spätestens bei der Terminvereinbarung? So hat er mir den Nachmittag komplett runiniert, ich habe Zeit und Aufwand für nichts investiert und einen anderen Termin dafür abgelehnt. Auch er wird schon auf dem Weg gewesen sein und hat sich damit die Möglichkeit genommen, eine passendere Frau zu finden. 

Profi oder Privat

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Menschen lieben Schubladen. Schubladen machen es so schön einfach, Menschen einzuordnen und ihnen einen festen Platz zuzuweisen. Im Paysex ist es nicht anders. Schon die Bezeichnungen „Hure“ und „Freier“ sind häufig Schubladen, die ein bestimmtes Bild von dem Menschen erzeugen. Innerhalb der Sexarbeit gibt es noch viele weitere Schubladen für Anbieterinnen, abhängig davon wo und wie sie arbeiten. Die größten Schubladen hier bei KM sind „Profi“ und „Privat“.

Profi sind die Bösen, die im Laufhaus o.ä. arbeiten und nur aufs Geld aus sind. Privat sind die netten Mädchen von nebenan, denen es nur um den Spaß geht. Wie schade nur, dass die Realität nicht aus Klischees besteht…

Abgesehen davon, dass der Status nichts über das Verhalten einer Frau aussagt, sind die Grenzen zwischen Privat und Profi nicht so statisch, wie Kunden sich das manchmal denken, sondern können durchaus fließend sein. Anfängerinnen profitieren häufig und gerne von den Tipps von Profis. Frauen fangen in Clubs, Appartements o.ä. mit Sexarbeit an und gehen dann ins Private (Wohnung, Escort), oder umgekehrt.

Ich habe in meinem Leben schon auf viele verschiedene Arten Sexarbeit gemacht. Ich bezeichne mich als Profi, aufgrund meiner Erfahrung und meines professionellen Umgangs mit Themen wie Terminsicherheits, Diskretion etc. Gleichzeitig arbeite ich im Moment alleine in einer kleinen Wohnung, und das nicht mehr hauptberuflich – was mich eher zu einer „Privaten“ macht.

Hygienekosten

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Wenn ich darüber nachdenke, finde ich es erstaunlich, wie häufig ich schon mit Kolleginnen oder Kunden über die Kosten für Kondome diskutiert habe. KM fragte früher im Interview sogar, ob Sexarbeiterin oder Kunde Kondome besorgen soll (in meinen Augen eindeutig die Sexarbeiterin, außer der Kunde will nur ganz bestimmte benutzen). Kondome kosten zwischen 20 und 70 Cent (in Großpackungen) – das sollte bei einem Stundensatz von 150 Euro nun wirklich keine Rolle spielen! 

Mit der Betreiberin eines Studios hatte ich mal ein Gespräch über den Preis von Desinfektionsmittel (Desinfektionsspray zum Putzen ca 5 Euro der Liter, Handdesinfektionsmittel ca 15 Euro der Liter). Auch das fällt meiner Meinung nach wenig ins Gewicht. Genauso verhält es sich mit den Kosten für Gleitmittel (30 Euro pro Liter). 

Was für mich persönlich ins Gewicht fällt, und zwar nicht nur von den Kosten her, sondern auch vom Arbeitsaufwand, ist die tägliche Wäsche. Pro Termin brauche ich 2 Laken und 2-3 Handtücher – da kommt einiges zusammen an Wasserverbrauch, Waschmittel etc., und manchmal komme ich mit dem Waschen und Trocknen nur schwer hinterher. Deswegen kenne ich viele Sexarbeiterinnen, die Handtücher nur austauschen, wenn sie sichtbar schmutzig sind. 

Von einem Großteil der Kunden wird „Hygiene und Sauberkeit“ als eines der Hauptargumente bei der Auswahl der Sexarbeiterin genannt. Ich würde mir wünschen, dass das Thema von allen Beteiligten ernst genommen wird! 

Terminverfügbarkeit

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In der letzten Woche häufen sich die Anfragen von Männern, für die es eine absolute Zumutung ist, dass ich nicht spontan zur Verfügung stehe. Ich habe mittlerweile schon an mehreren Stellen in meinem Profil stehen, dass ich nie spontane Treffen anbiete, sondern immer 1-2 Tage Vorlauf brauche, da das nicht meine Haupttätigkeit ist. 

Noch absurder finde ich, dass diese Anfragen eigentlich nie per Telefon kommen, sondern immer hier über den Messenger. Soweit ich weiß hat KM keine App oder eine andere Möglichkeit, über neue Nachrichten benachrichtig zu werden. Selbst wenn ich die Seite gerade offen habe, sehe ich das also nur wenn ich zufällig gerade drauf gucke – was selten innerhalb von ein paar Minuten ist. 

Während der Corona-Sperre konnte ich irgendwie noch nachvollziehen, dass viele Männer dringend nach (illegalen) Treffen suchten und es daher hier probierten. Aber mittlerweile sind auch Clubs, Laufhäuser, Appartements etc wieder offen. Jeder, den die spontane Geilheit überkommt und/ oder der sich grundsätzlich nie auf einen Termin festlegen kann, findet dort kurzfristig und spontan eine Frau, die seine Wünsche erfüllt. Warum nutzt er das nicht, statt hier bei KM nutzlose Mails zu schreiben? 

Social Media

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FB, KM, JC – ich bin gerne auf Internet-Plattformen unterwegs, um mich auszutauschen, aber vor allem um Inspirationen aus dem Leben anderer Menschen zu bekommen und um anderen von meinem Leben zu erzählen (oder zumindest von dem, was mir gerade wichtig ist und was ich bereit bin zu teilen). 

Manchmal ergibt das lustige Effekte: Einen zeitweise engen Austausch mit Menschen, die ich nie persönlich getroffen habe (und wohl auch nie treffen werde). Dass ich mehr aus dem Leben flüchtiger Bekannter mitkriege als aus dem enger Freunde, weil diese gerade sehr mitteilsam sind online. Und das Menschen vertraut erscheinen, mit denen ich noch nie ein Wort gewechselt habe. 

Vor zwei Wochen ist eine junge Frau tödlich verunglückt, der ich seit ein paar Jahren auf Facebook folge und die mich sehr inspiriert hat. Ich war selbst erstaunt darüber, wie sehr mich das getroffen hat – ich bilde mir ja nicht mal ein, sie zu kennen, aber trotzdem war sie irgendwie wichtig für mein Leben. 

Manchmal ergibt Socal Media ein verzerrtes Bild eines Menschen, weil man selbst die (großen) Lücken füllt und Wünsche in den anderen hineinprojeziert. Das kann verheerend sein, falls man sich doch mal im wirklichen Leben trifft. Oder es ist einfach nur ein harmloser Zeitvertreib. 

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