Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Augen schließen

Wenn ich aktiv Sessions gestalte, bei denen mein Kunde passiv bleibt, nutze ich gerne eine Augenbinde. Sehen ist der Sinn, den Menschen am meisten nutzen; ihn auszuschalten intensiviert alle anderen Sinne und Empfindungen.

Ständig die Dinge um uns herum „im Auge zu behalten“ führt auch dazu, dass wir meist sehr im Außen sind und nur am Rande mitbekommen, was eigentlich in uns selbst geschieht. Deswegen schließen viele Menschen bei intensiven Empfindungen automatisch die Augen: um mehr bei sich zu sein und die eigenen Empfindungen genauer wahrnehmen zu können. Viele Menschen tun das beim Sex, egal ob mit jemandem anders oder bei der Selbstbefriedigung.

Auch ich schließe häufig die Augen, nicht nur beim Sex, sondern auch z.B. beim Yoga. Vor kurzem habe ich mich gefragt, wo denn eigentlich die Grenze ist zwischen „ich bin ganz bei mir“ und „ich schließe meine Umwelt aus“. Die Augen zu schließen und bei sich selbst anzukommen ist ein wichtiger erster Schritt. Irgendwann ist es jedoch auch an der Zeit, die Augen wieder zu öffnen und mit seiner Umgebung in Kontakt zu gehen – ohne dabei die Verbindung zu sich selbst zu verlieren.

Bei mir selbst mag ich übrigens Augenbinden nicht besonders. Ich neige dazu, dann wegzudriften und ganz den Kontakt zu meiner Umwelt zu verlieren. Daher brauche ich die Möglichkeit, immer wieder mal kurz die Augen zu öffnen und mich zu orientieren.

Was bedeutet Gesundheit

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mir so viel Gedanken über das Thema Gesundheit und Gesundheitsvorsorge gemacht wie wohl nie zuvor in meinem Leben. Viele dieser Gedanken sind noch nicht zu Ende gedacht und Entscheidungen noch nicht getroffen.

Die Corona-Pandemie scheint vorbei zu sein, zumindest wird es wohl keinen weiteren Lockdown geben (und hoffentlich auch keine weiteren Maßnahmen). Ich habe mir Anfang Dezember mit dem angepassten Impfstoff die zweite Booster-Impfung geben lassen. In Supermärkten u.ä. trage ich weiterhin meist eine Maske, und natürlich in öffentlichen Verkehrsmitteln. Trotzdem ertappe ich mich dabei, beim Gedanken an die lange Zugfahrt in meine Heimat zu Weihnachten von der Maske genervt zu sein. Vielleicht ist die Maske eh Heuchelei, den es gibt viel mehr Situationen, in denen ich keine Maske trage und das Risiko mindestens genauso hoch ist.

Im Oktober habe ich mich mal wieder mit dem Thema STI (sexuell übertragbare Krankheiten) beschäftigt, was ja bei meiner Tätigkeit ein Dauerthema ist. Einerseits scheine ich darüber alles zu wissen. Andererseits bleibt das Risiko trotzdem immer präsent und ist nie ganz auszuschließen, und wenn man mit Ärzten spricht, nimmt die Problematik eher zu, z.B. in Form von Antibiotika-resistenzen. Viele Menschen scheinen das Thema immer noch zu leicht zu nehmen, indem sie z.B. glauben gesund zu sein, solange sie keine Symptome haben, statt sich regelmäßig zu testen (wenn sie nicht zölibater oder streng monogam leben).

Letzte Woche war ich bei einer Hausärztin, zum ersten Mal seit fast zehn Jahren. Sie hat dann erst mal alle meine Impfungen aktualisiert und mir auch zu einer Grippe-Impfung geraten. Ob es wirklich hilft gegen die aktuelle Grippe-Welle? Bis jetzt bin ich gesund, während um mich herum die Hälfte der Menschen mit schweren Erkältungen kämpfen. Allerdings merke auch ich den Winter; ich fühle mich längst nicht so fit und aktiv wie noch im September, brauche deutlich mehr Ruhe und Schlaf und reagiere körperlich und psychisch empfindlich auf kleine Störungen.

Was heißt es eigentlich, gesund zu sein? Keine Infektionskrankheiten oder andere klar definierte Krankheiten zu haben? Oder sich fit, aktiv, leistungsfähig zu fühlen? Sich in seinem Körper wohl zu fühlen? Ich habe einige Menschen in meinem Umfeld, die ständig über ihren eigenen Grenzen leben: zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, nicht richtig auskurierte Infektionen etc. Ich zähle mich nicht dazu, aber auch ich mache mal ein Date, obwohl ich gerade wund oder überempfindlich bin, oder unterrichte Yoga mit Muskelkater, Müdigkeit, kleineren Verletzungen. Es ist ein schmaler Grad zwischen „zu viel“ und „zu faul“…

Möblierung

Letztens fragte mich mal wieder jemand, warum ich eigentlich kein Bett in mein Arbeitszimmer stellen würde – es wäre doch nicht teuer, einen Raum zu möblieren. Bei der Einrichtung meines Raumes ging es mir nie darum, Geld zu sparen. Das hätte auch nicht geklappt: Der Futon, den ich auf dem Boden liegen habe, war teurer als ein komplettes Bett aus einem durchschnittlichen Möbelkaufhaus.

Ich mag einfach keine Betten! Selbst zum schlafen sind mir die meisten Betten zu weich. Beim Sex nimmt eine federnde Matratze viel von der Bewegung und macht den Kontakt irgendwie schwammig. Noch schlimmer ist es bei Massagen, wo ein Großteil des ausgeübten Drucks in die Matratze abgeleitet wird und demnach eine Massage von Muskeln gar nicht richtig möglich ist, sondern eigentlich nur ein paar Streicheleinheiten.

Mein Futon ist kein klassischer Futon, sondern hat einen Latexkern, der ihn etwas dicker macht, eine harte Dämpfung bietet und zudem den darunterliegenden Boden vor Verdunstungsnässe schützt. Es ist weich genug, dass man entspannt darauf liegen kann, aber gleichzeitig so hart, dass all die oben genannten Nachteile nicht auftreten. Ab und zu habe ich mal einen Gast, für den das Hinsetzen und Aufstehen auf dem Boden ein Problem sind, wenn auch kein unlösbares. Und er ergibt eine 2×2 Meter Spielfläche, von der man nicht runterfallen kann.

Ein letzter Vorteil, warum ich lieber einen Futon nutze als ein Bett, ist, dass der Raum auch anderweitig nutzbar ist. Den Futon kann ich zur Seite rollen und den entstandenen Platz nutzen, um z.B. eine Massagebank aufzustellen, Yogamatten auszurollen, eine Meditation im Sitzen oder in Bewegung zu veranstalten, etc. Der Raum ist ganz auf mich und meine wechselnden Bedürfnisse zugeschnitten, so wie der Rest der Wohnung auch. Irgendwann ist man wohl einfach raus aus dem Alter für Kompromisse und halbherzige Lösungen.

Anmeldung nach ProstSchG

Seit 2017 gibt es in Deutschland das Prostitutionsschutzgesetz (ProstSchG), das eine Anmeldung aller Sexarbeiterinnen und Bordellbetriebe verlangt. Die Anmeldung muss alle zwei Jahre verlängert werden, die gleichzeitig vorgeschriebene Gesundheitsberatung jedes Jahr. Bei mir war es jetzt mal wieder so weit. Von der Gesundheitsberatung habe ich ja vor zwei Wochen schon berichtet, hier jetzt ein paar Worte zur Anmeldung bei der zuständigen Behörde FA-BEA* Pro.

Ich war jetzt zum dritten Mal bei dieser Anmeldung. Beim ersten Mal hatte ich eine frisch geschulte Mitarbeiterin, die mir ausgiebig erzählte, was sie über Sicherheitsvorkehrungen in Bordellen und beim Escort gelernt hatte – ohne wohl jemals wirklich Berührung mit dem Thema gehabt zu haben. Beim zweiten Mal (mitten im Corona-Lockdown) war es ein reiner Verwaltungsakt, bei dem meine Daten aufgenommen und meine Papiere auf aktuellen Stand gebracht wurden.

Auch diesmal war es eher eine Formalie. Natürlich wurde mir angeboten, dass ich Fragen stellen könne, zu Sicherheit und Rechten in der Sexarbeit. Dann wurde auf die Kondompflicht hingewiesen und die Pflicht zur steuerlichen Anmeldung. Und da wurde es für mich kontrovers: Bei Einführung des ProstSchG wurde großer Wert darauf gelegt, dass die in der Fachstelle erhoben Daten nicht an andere Stellen weitergegeben würden.

Diesmal sagte mir der Mitarbeiter, dass die Daten automatisch gelöscht würden, wenn meine Anmeldung seit mehr als drei Monaten abgelaufen sei (war sie nicht). Ich war etwas überrascht, denn beim letzten Mal wurde mir gesagt, ich müsse mich aktiv abmelden, wenn ich mal aufhören würde. Als ich das anmerkte, sagte er: ja, wenn ich irgendwann mittendrin aufhöre – aber auch sonst macht es Sinn, da die Abmeldung an die Steuerbehörde weitergegeben wird. Ach – und die Anmeldung dann auch?!

Beim Rausgehen drückte er mir noch ein Kondom in die Hand, auf dessen Verpackung stand: „50.000 Euro gespart“, bezugnehmend auf die Kondompflicht (§32 ProstSchG) und das drohende Bußgeld bei Zuwiderhandlung (§33 ProstSchG). Mich würde interessieren, ob es da in den letzten fünf Jahren Anzeigen gab… kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

Als ich noch im Studio gearbeitet habe, musste ich dort die Anmeldung vorlegen. Seit ich alleine arbeite, hat mich niemand mehr danach gefragt, und ich bezweifle auch, dass das jemals der Fall sein wird. Die Anmeldebescheinigung darf nämlich weder von Kunden noch von der Polizei verlangt werden, sondern nur von Mitarbeitern der FA-BEA* Pro – die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle als Einzelperson ist da so gut wie nicht existent.

Winterkörper

Ich habe jetzt fast zwei Wochen nicht in diesem Blog geschrieben, was in den Jahren seit ich ihn führe nur sehr selten vorgekommen ist. Einen richtigen Grund gibt es dafür nicht; mich hat einfach gerade so richtig der Winter erwischt.

Dieses Jahr hatte ich einen sehr aktiven Sommer, habe viel Sport gemacht und war unterwegs. Schon seit vielen Jahren ist mir der Rhythmus der Jahreszeiten bewusst und ich weiß, dass ich das hohe Sommer-Tempo im Winter nicht beibehalten kann und etwas runterfahren und entschleunigen muss. Trotzdem trifft es mich immer wieder aufs Neue, wie sehr es mich auch rein körperlich beeinflusst.

Im Moment nehme ich etwas zu, obwohl ich meine Eßgewohnheiten nicht geändert habe. Ich brauche mehr Schlaf, und insgesamt habe ich das Gefühl, nicht so viel Kraft und Energie zu haben wie noch vor vier Wochen. Statt sechs Mal die Woche gehe ich jetzt eher „nur“ vier Mal zum Yoga, und die Leichtigkeit ist weg.

Jetzt sind es schon nur noch drei Wochen bis zur Wintersonnenwende, danach wird es dann langsam wieder heller. Ich werde mir Mühe geben, in den nächsten Monaten mehr auf mich aufzupassen und mich einfach daran zu gewöhnen, insgesamt etwas langsamer zu sein.

Ich wünsche Euch, dass auch Ihr die Möglichkeit dazu findet, den Winter ruhig zu gestalten und als eine Zeit des Rückzugs und der Besinnung zu gestalten. Vielleicht finden wir ja auch die Möglichkeit, gemeinsam kuschelig-sinnliche Zeit zu verbringen – ich würde mich freuen!

Aufklärung

In meinem letzten Beitrag habe ich mich über die schlechte Gesundheitsberatung bei der GESAH aufgeregt. Im Umgang mit Menschen, für die Sexualität und/ oder Gesundheitsfragen nicht zum beruflichen Alltag gehören, frage ich mich aber öfter mal: wie aufgeklärt sind die meisten Menschen eigentlich, wieviel Wissen haben sie?

Ich erinnere mich, dass ich während meiner Schulzeit irgendwann nur noch genervt war vom Thema Sexualkunde. Alle zwei Jahre stand es auf dem Lehrplan, mit wachsender Intensität, ergänzt durch Ausflüge zu Pro Familia. Doch wenn ich jetzt daran zurückdenke, was ich gelernt habe: biologische Grundlagen über Sex und Schwangerschaft, ziemlich viel über Verhütung, und ein wenig über HIV, wenig über andere STI.

Vor ein paar Jahren habe ich das beeindruckende Buch „Make Love“ von Ann-Marlene Henning gelesen (erschienen 2012). Sie geht sehr viel tiefgängiger und feinfühliger auf verschiedene Bereiche ein, neben der Biologie auch auf Fragen wie sexuelle Identität, Vorlieben, Erleben, Unsicherheiten, Consent, besondere Vorlieben und vieles andere. Ich möchte dieses Buch auch Erwachsenen von ganzem Herzen empfehlen! (Älteren Erwachsenen empfehle ich auch das Buch „Make more love“ über Sex im Alter.)

Ich habe mittlerweile ein ganzes Regal voll mit Büchern über Sex, SM, Beziehungen, Polyamory, Tantra u.a. Man kann es wohl als mein Lebensthema bezeichnen. Dadurch sind manche Dinge für mich selbstverständlich geworden; vor allem Wissen über Anatomie, sexuelle Gesundheit, Erregungskurven und individuelles Empfinden.

Immer wieder stolpere ich jedoch darüber, dass viel von dem Wissen, dass ich als allgemein bekannt voraussetze, das bei vielen Menschen doch nicht ist. Im Internet führen wir wilde Diskussionen über sexuelle Gesundheit, und mit meinen Kunden rede ich immer wieder über individuelle Anatomie und das Training von Empfindungen und Erregung.

Ich würde mir da mehr Interesse wünschen, das über das Konsumieren von Pornos und deren falschen Bildern hinausgeht. Nichts gegen Pornos, aber das ist als würde man Hochleistungssportlern beim Wettkampf zusehen und davon Trainingstipps für sein Fitnesstraining ableiten wollen. Wer nicht gerne liest, dem möchte ich die Seite www.joyclub.de empfehlen; diese betreibt seit einiger Zeit ein sehr interessantes Projekt „Sexeducation“, bei dem verschiedene Trainer Lifestreams (und Aufzeichnungen) zu unterschiedlichen Themen anbieten.

Gesundheitsberatung?

November ist der Monat, in dem ich mich seit einigen Jahren um meine Anmeldung nach Prostitutionsschutzgesetz (ProstSchG) und um die damit einhergehende Gesundheitsberatung kümmern muss. Montag war es soweit, ich hatte meinen Termin zur Gesundheitsberatung – und habe mich mal wieder ausgiebig darüber geärgert!

Es fängt schon damit an, dass die Beratung nicht jemandem mit medizinischem Hintergrund durchgeführt wird, sondern von Sozialarbeiterinnen. Diese waren bis jetzt alle sehr jung und schienen mir nicht besonders vertraut mit dem Thema zu sein (über das hinaus, was man sich in kurzer Zeit anlesen kann). Sie sind in der Lage, eine grundsätzliche Einführung zum Thema zu geben und ansonsten an kompetentere Stellen zu verweisen. Und sie können an weiterführende soziale Beratungsstellen verweisen, was wohl ein wichtigerer Aspekt dieser Treffen sind.

In den letzten Jahren erlebe ich es so, dass die Beraterinnen auch darauf ausgerichtet sind, diesen Pflichttermin für die Sexarbeiterinnen möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Ich kann also auch einfach sagen: „Ich habe keinen Beratungsbedarf.“, dann bekomme ich die Bescheinigung und gut. Diesmal habe ich ein bisschen Smalltalk gemacht, ein bisschen von mir erzählt – und war trotzdem in unter zehn Minuten wieder raus.

Das Gesetz und die damit verbundenen Institutionen sind das perfekte Beispiel für nutzlose Bürokratie! Das Geld könnte man besser für Beratungsstellen ausgeben, die echte Arbeit leisten, wie z.B. das Casa Blanca hier in Hamburg oder die Aidshilfe.

Sexspielzeug

In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, wie häufig ich bei meinen Paysex-Dates Spielzeuge benutze. Auffällig daran ist, dass ich privat überhaupt kein Fan von Spielzeug bin, und eigentlich auch dachte, dass da im Paysex ähnliches gilt. Offensichtlich nicht – ich frage mich gerade warum, und möchte hier ein paar Überlegungen zum Thema Sexspielzeug schildern.

Für viele Menschen fällt Sexspielzeug in die Kategorie „etwas Neues ausprobieren“. Eine Stimulation, die man noch nicht so kennt, ein neuer Kick für das etwas eingeschlafene Sexleben. Das kann ich verstehen. Klassisches Sexspielzeug wie Vibratoren u.ä. wurde ursprünglich für die Selbstbefriedigung erfunden und wird auch da am häufigsten eingesetzt. Ein Vibrator ermöglicht es, sehr viel schneller und zielgerichteter zum Höhepunkt zu kommen als beim Spiel mit den eigenen Fingern.

Genau das ist aber auch das Problem: Vibratoren bieten eine Stimulation, die bei der Stimulation mit Fingern oder Zunge nicht erreicht werden kann. Setzt man sie zu häufig ein, kann es passieren, dass man Probleme bekommt, auf anderen Wegen überhaupt zum Höhepunkt zu kommen. Ich habe auch den Eindruck, dass Spielzeug einen Menschen sehr auf sich selbst konzentriert; beim Spiel zu zweit bleibt da für den Partner eher der visuelle Reiz, das gemeinsame Spiel tritt etwas in den Hintergrund.

Auch beim SM-Spiel treten Spielzeuge häufig in den Mittelpunkt. Da erlebe ich sie aber eher als Werkzeug, die das Spiel unterstützen und intensivieren, denn als Ablenkung. Viele Kunden kommen gerade mit dem Wunsch nach so einem Spiel zu mir, und ich genieße es sehr, diese Wünsche zu erfüllen. Auch hier geht es darum, etwas Außergewöhnliches zu erleben, dass im Beziehungsleben nicht unbedingt vorkommt.

Wenn ich Spielzeug nutze, ist es mir wichtig, mich auf ein oder zwei Teile zu konzentrieren. Das Durchgehen einer ganzen Spielzeugkiste mindert für mich den Reiz. Ich mag es, einzelne Empfindungen genau zu erkunden – sei es bei mir oder bei einem Kunden. Meine Spielzeugkiste ist also übersichtlich – bietet aber einige aufregende Abwechslungen.

Gerüche

Wenn man Kunden im Paysex und Sexarbeiterinnen fragt, was ihnen beim jeweiligen Gegenüber besonders wichtig ist, steht „Körperpflege“ meist ziemlich weit oben auf der Liste. Auch ich dusche vor jedem Termin und biete auch meinen Kunden immer an, vorher bei mir zu duschen (und hinterher gerne noch mal). Dabei benutze ich ein möglichst neutrales Duschgel und kein Parfüm oder parfümiertes Deo.

In einer Beziehung finde ich es extrem wichtig, meinen Partner gut riechen zu können – auch ungeduscht und ohne künstliche Düfte. Manche Menschen reden dann darüber, dass die Pheromone über die Anziehungskraft eines Menschen entscheiden und das Unterbewusstsein über den Geruch bestimmen kann, ob jemand genetisch zu uns passt oder nicht.

Im Paysex kann ich meine Kunden natürlich nicht danach auswählen, ob ich sie besonders gut riechen kann oder nicht. Deswegen ist da frisch geduscht am angenehmsten, oder sogar ein leichter Duft über Deo/ Aftershave/ Parfüm.

Für meine Kunden ist es oft wichtig, ob sie mich riechen können oder nicht; deswegen bin ich zwar frisch geduscht, verzichte aber auf übertünchende Düfte. Außerdem ist so das Risiko geringer, falls jemand nach dem Termin bei mir nach Hause zu seiner Partnerin fährt – die meisten Frauen sind sehr empfindlich auf Gerüche, und schon so mancher ist dadurch aufgefallen.

Die dunkle Jahreszeit

In der letzten Woche habe ich ziemlich viel meiner Schreibtisch-Zeit damit verbracht, auf den leeren Bildschirm zu starren, mich von meinem Handy ablenken zu lassen und dann doch aufzustehen und lieber etwas Körperliches zu machen. Mir fehlt es an Konzentration und Inspiration, meine Gedanken schweifen zu viel in die Vergangenheit oder zu „hätte und sollte“.

Dagegen hilft es, mich auf meinen Körper zu konzentrieren. Am liebsten wäre ich den ganzen Tag in Bewegung. Nach meiner morgendlichen Yoga-Praxis fahre ich viel Fahrrad, bin mit meinem Pferd im herbstlichen Wald unterwegs, oder rolle abends zu Hause noch mal meine Yoga-Matte aus, bevor ich den Abend mit einem Buch in der Badewanne ausklingen lasse.

Inspiration finde ich dann für meine Arbeit. Ich habe wunderbare Treffen mit Stammkunden, bei denen ich meiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Ich experimentiere mit Kleidung und Spielzeug und genieße es, eine Begegnung langsam zu gestalten und mit Stimmungen zu spielen.

Jetzt nach der Zeitumstellung merke ich deutlich, dass wir in der dunklen Zeit des Jahres angekommen sind. Die Energie ist ganz anders als im Sommer, mehr auf Rückzug als auf Aktivität ausgerichtet, und es ist wichtig mit den eigenen Kräften hauszuhalten. Gesellschaftlich sind wir bis Weihnachten noch auf erhöhte Aktivität eingestellt; und wenn es im Januar und Februar dann ruhiger wird, liegt die Wintersonnenwende schon hinter uns und wir können und freuen, dass es langsam aber stetig wieder heller wird.

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