Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Was sagt denn dein Freund dazu

In den letzten Wochen hatte ich wieder ein paar Gespräche mit Kunden, die sich überhaupt nicht vorstellen konnten, dass ich privat in einer Beziehung lebe bzw dass es Männer gibt, die es tolerieren, dass ihre Partnerin Sexarbeiterin ist. Kleiner Hinweis: Die Anzahl der Sexarbeiterinnen, die in einer festen Beziehung leben, ist wohl genauso hoch wie die Zahl der Kunden, die verheiratet sind.

Erst mal finde ich es ziemlich eng gedacht oder sogar sexistisch, wenn ein Mann zwar selber zu einer Sexarbeiterin geht, diese Frau dann aber im Privatleben unter „geht gar nicht“ fällt. Andererseits ist es halt auch kein „Job wie jeder andere“, sondern hat großen Einfluss auf meinen Sexualität, was sich auch in meinem Privatleben zeigt (sowohl positiv als auch negativ).

Mit Anfang zwanzig, als ich noch relativ neu in der Sexarbeit war, konnte auch ich mir nur schlecht vorstellen, dass sich diese Tätigkeit mit einer festen Beziehung vereinbaren lässt und/ oder dass es Männer gibt, die das akzeptieren. Da war ich insgesamt noch viel schambehafteter, nicht nur was Sexarbeit anging, sondern auch was generell meine Promiskuität betraf.

Einige Male habe ich für einen Mann (bzw für die Möglichkeit auf eine Beziehung) den Job hingeworfen – und es jedesmal innerhalb von kurzer Zeit bereut und dann damit die Beziehung belastet. Mit Ende zwanzig begegnete ich zum ersten Mal dem Begriff Polyamory und begann mich damit zu beschäftigen, dass Beziehungen auch eng und verbindlich sein können, ohne zwangsläufig monogam zu sein.

In den letzten zwölf Jahren habe ich in längeren, engen Beziehungen gelebt (drei Beziehungen von 3 Jahren, 6 Jahren und 2,5 Jahren Dauer), in denen ich jeweils von Anfang an gesagt habe, dass ich keine Verprechen auf sexuelle Exklusivität gebe, wohl aber auf Priorisierung und klare Absprachen. Das hat wunderbar funktioniert und meine Arbeit war in keiner dieser Beziehungen ein übermäßiges Thema.

Nach einer (friedlichen) Trennung im Frühjahr 2022 hatte ich mich eigentlich auf eine längere Phase gefreut, in der ich meinen Alltag allein gestalte. Seit dem Spätsommer gibt es jedoch wieder einen Mann in meinem Leben, der mehr und mehr Einfluss darauf hat – und der meine Arbeit sehr skeptisch betrachtet. Im Moment ist es für mich ein spannender Prozess zu erforschen, wie weit wir uns aufeinander einlassen und die Ansichten des anderen respektieren oder zumindest tolerieren können…

(No) Party Girl

Als ich mich gerade neu bei kaufmich angemeldet hatte (2015), bekam ich einen Anruf von einem Mann, der mir jede Menge Fragen über meine Erfahrung, Einstellung, Hintergrund etc stellte. Heute würde ich so ein Gespräch wohl sehr schnell beenden mit dem Hinweis, dass ihn das wohl kaum etwas angeht. Damals habe ich viele der Fragen beantwortet.

Eine dieser Fragen war: „Bist du denn auch ein Party Girl?“ Ich kam etwas ins stottern und sagte irgendwas in die Richtung, dass ich zwar gerne tanze, aber eigentlich nicht mehr viel weggehe. Erst später habe ich gelernt, dass Party Girl ein Code war und er eigentlich etwas über meine Einstellung zu Alkohol und Drogen wissen wollte.

Für einige junge Frauen und auch für eine bestimmte Art von Kunden gehört das zum Lebensgefühl im Business: Weggehen, Trinken, Feiern, Drogen – manche nennen es Hedonismus, ich würde Exzess sagen. Und dann halt Sex: wild, ausschweifend, hemmungslos.

Wenn ich mir Mühe gebe, könnte ich die Male in meinem Leben, die ich betrunken war, wohl noch zählen. Wenn ich tanzen gegangen bin, war mir das immer Rausch genug, auch ohne Alkohol. Auch meine Drogenerfahrungen sind quasi nicht-existent. Meine Sexualität hat sich in den letzten 15 Jahren (seitdem ich Tantra mache) in eine völlig andere Richtung entwickelt: Ich lege Wert auf Achtsamkeit, Langsamkeit, ein sehr genaues Hinspüren und Eingehen auf den Gegenüber. Das kann auch mal leidenschaftlich werden, aber Intensität ist mir wichtiger als Exzess und Rausch.

Also nein, ich bin wohl kein Party Girl.

Geschichte: Gefesselt

Er rief mich an und sagte, wir hätten uns vor einigen Jahren mal über eine Freundin von mir kennengelernt. Er würde gerne gefesselt werden, ob ich das machen könnte? Der Wunsch war nicht ungewöhnlich; den meisten ging es jedoch darum, sich auszuliefern, während es ihm um das Warten ging.

In meinem Raum angekommen, ließ ich ihn sich ausziehen und stellte ihn dann mit gespreizten Armen in den Bondage-Rahmen. Ganz sanft strichen meine Finger über seinen Körper, reizten ihn. Ich drückte meinen Körper gegen seinen, umfasste seine Hüften, lies meine Finger über seine Brust wandern. Mit einer Hand umfasste ich seine Hoden, drückte sanft zu, mit der anderen stimulierte ich seinen Penis. Er stöhnte und wand sich.

Dann trat ich einen Schritt zurück, ging aus dem Körperkontakt. Ich sah ihm ins Gesicht und nahm eine Uhr vom Sideboard, die ich vor ihn stellte. „20 Minuten“, sagte ich. Dann verließ ich das Nebenzimmer, um mir einen Kaffee zu kochen und mit einem Buch auf der Couch zu sitzen, bis die Zeit um war.

20 Minuten später war es für mich an der Zeit, zurück ins Zimmer zu gehen. Mein Buch war jedoch gerade an einer spannenden Stelle. Also nahm ich das Buch einfach mit hinüber in mein Spielzimmer. Ich ignorierte ihn, wie er dort im Rahmen festgebunden stand, und ließ mich bäuchlings auf die Matratze fallen. Sollte er doch meinen Hintern bewundern, während ich das Kapitel zu Ende las. Neckisch wippte ich mit dem Becken hin und her, ließ die Beine von rechts nach links baumeln. Schließlich stellte ich die Knie auf, schob meinen Po in die Höhe und legte das Buch zur Seite.

Ich griff nach hinten, zog meinen String aus und spreizte mit den Händen meine Po-Backen. „Na, gefällt dir das“, wandte ich mich an ihn. „Schade nur, dass es so völlig außer deiner Reichweite ist.“ Dann angelte ich einen Plug aus meiner Spielzeugtasche, bestrich ihn mit Gleitmittel und ließ ihn dabei zusehen, wie ich den Plug langsam in meiner Rosette versenkte. Anschließend drehte ich mich auf den Rücken, spreizte die Beine und ließ einen Vibrator zwischen meine Beine wandern, so dass er mich beim Spiel mit mir selbst beobachten musste.

Als mir langweilig wurde, legte ich den Vibrator zur Seite und ging zu ihm. Ich löste eine der Manschetten um sein Handgelenk, legte jedoch stattdessen ein Seil darum. Ebenso verfuhr ich mit dem anderen Handgelenk und verband sie dann hinter seinem Rücken. „Hinsetzen!“, befahl ich. Es dauerte eine Weile, bis er es geschafft hatte, sich ohne Zuhilfenahme der Hände auf die Matte zu setzen. Dort angekommen, griff ich nach weiteren Seilen und verband seine Fußgelenke miteinander, um dann seine Beine zu beugen und mit einem Seil um seine Taille zu fixieren, so dass er nur noch auf der Seite liegen konnte.

Eine Weile lag ich hinter ihm, eng an ihn geschmiegt, und streichelte und stimulierte ihn. Dann stand ich auf, stellte wieder die Uhr vor ihn und sagte: „30 Minuten.“, bevor ich das Zimmer verließ.

Als ich diesmal wiederkam, war er offensichtlich am Ende seiner Geduld angekommen. Gut so! Ich löste die Seile und drehte ihn auf den Rücken. Bevor er nach mir greifen konnte, legte ich seine Arme über seinen Kopf und fixierte sie, indem ich mich über sein Gesicht setzte. Meine Pussy schwebte direkt über seinem Gesicht und gierig begann er, mich zu lecken – was er gar nicht mal so schlecht machte.

Nach einer Weile drehte ich mich um, so dass seine Hände frei kamen und über meinen Körper wandern konnten. Gleichzeitig umfassten meine Hände seinen Schwanz und begannen ihn zu streicheln. Ich wollte mir Zeit lassen, ihn ausgiebig verwöhnen. Doch er wand sich unter mir und bettelte darum, kommen zu dürfen, so dass ich ihm diesen Wunsch bald gewährte, um dann noch eine Weile neben ihm zu liegen und ihn zu streicheln, bevor wir die Session beendeten – mit dem festen Vorsatz einer Wiederholung.

Unfallanfällig

Für mich hat das neue Jahr etwas anders begonnen, als ich es mir gewünscht hätte. Meine letzte Woche war ziemlich voll, und irgendwie scheint dabei meine Konzentration und/ oder mein Glück auf der Strecke geblieben zu sein.

Am Dienstag bin ich von meinem Pferd gefallen (was eigentlich unmöglich sein sollte, so bequem wie er ist). Das Problem war nicht mal das runterfallen, sondern dass ich erst nach vorne auf den Hals gefallen bin und dabei der Schirm meines Reithelms abgebrochen ist. Direkt nach dem Sturz bin ich aufgestanden und wieder aufgestiegen, mit nur einer leichten Schwellung an der rechten Augenbraue. Im Laufe der folgenden Nacht ist diese Schwellung dann ins Augenlid geblutet, das jetzt geschwollen war – und dunkelblau verfärbt.

Als Sexarbeiterin ein blaues Auge zu haben, ist so ziemlich das Blödeste was passieren kann. Man wird sofort mit den üblichen Vorurteilen konfrontiert, von wegen gewalttätiger Zuhälter. Mein Freund hat da noch Scherze drüber gemacht, aber ich fand das gar nicht so lustig.

Es war dann nicht so schlimm wie erwartet. Direkt aufgefallen und darauf angesprochen hat mich nur ein einziger Kunde; den meisten fiel die dunkle Färbung im Schummerlicht meiner Wohnung gar nicht auf oder sie buchten es unter „verunglücktes Make-Up“. Sechs Tage später, als es schon nicht mehr so schlimm aussah, hatte ich einen Termin bei meiner Hausärztin. Die sah es auf den ersten Blick und sprach mich an: „Wer hat sie denn geschlagen?“ Da waren wohl doch die Vorurteile aktiv…

Um den unglücklichen Start in die Woche abzuschließen, ist mir am Freitagabend die Kette an meinem Fahrrad gerissen, was auch fast zu einem Sturz geführt hätte. Ich konnte mich fangen, bin aber mit der Wade auf die Pedale und mit den Hintern auf die Vorderkante des Sattels gefallen, was beides böse blaue Flecken verursacht hat (die meinen Kunden deutlich mehr auffallen als das blaue Augenlid).

Im Englischen sagt man: „She seems to be accident prone all of a sudden.“ („Sie scheint plötzlicher sehr unfallgefährdet zu sein.“) und fragt damit indirekt, ob es ein Problem mit Beziehungsgewalt gibt. Ich finde es gut, dass die Aufmerksamkeit dafür in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat und gerade medizinisches Personal geschult wird, darauf zu achten.

In meinem Leben hatte ich nie einen Partner, der gewalttätig war. Wohl aber immer mal wieder Phasen, in denen ich zu kleineren Unfällen neigte, einfach durch Pech oder durch stressbedingten Mangel an Konzentration. Es ist also für mich ein Zeichen, mich etwas zurückzunehmen, mehr zu schlafen und mich in Achtsamkeit zu üben.

Buch: „Modern Whore“

Vor ein paar Monaten hat mich jemand auf die kanadische Sexarbeiterin und Künstlerin Andrea Werhun aufmerksam gemacht. Ich habe ihr Buch gekauft, aber es lag dann erst mal ungelesen im Regal. Über Weihnachten habe ich es mit in den Urlaub genommen – und war begeistert davon!

Andrea Werhun hat während ihres Studiums zwei Jahre als Escort gearbeitet und später bis zur Pandemie in einem Strip-Club. Sie erzählt voller Begeisterung von ihrer Arbeit, vom Sex, von spannenden Begegnungen mit Kunden. Aber auch von den negativen Seiten: von Angst, von Übergriffen, von zu viel Alkohol. Für mich ist es das, was sie glaubwürdig und authentisch macht.

Neben dem Text besticht das Buch durch tolle Fotos, auf denen Andrea Werhun sich sehr vielseitig zeigt und in verschiedene Rollen schlüpft. Sie sieht sich selber als Künstlerin. Bei ihrer Arbeit ist sie Performerin, die eine bestimmte Rolle spielt. Darüber hinaus ist sie Autorin, und seit der Pandemie bietet sie mit „Hire A Muse“ einen sehr vielseitigen Service an.

Zusammen mit der Fotografin, die die Bilder für das Buch gemacht hat, hat sie außerdem zwei Kurzfilme realisiert: „Modern Whore“ über ihre Arbeit als Escort und „Last Night at the Strip Club“ über das Ende ihrer Stripper-Karriere durch die Pandemie und ihre Arbeit im Social Distancing. Beide Filme kann man kostenlos auf ihrer Homepage sehen.

www.andreawerhun.com

Ausstiegsgedankenkreisel

Als Sexarbeiterin werde ich immer wieder gefragt: „Und wie lange willst du das noch machen?“ – komischerweise nicht nur privat, sondern auch viel von Kunden (die ja eigentlich kein Interesse daran haben, dass ich aufhöre). Mit Mitte 20 habe ich gedacht, dass ich eh mit 30 oder 35 aufhören müsste, da ich dann zu alt für den Markt sei. Nun, ich bin fast 43; die Art meiner Arbeit hat sich geändert, aber ich bin immer noch erfolgreich genug, um davon leben zu können.

Das Problem ist eher, dass ich manchmal denke, dass ich zu zickig für diesen Job werde. Nach so vielen Jahren gibt es einfach viele Dinge, auf die ich keinen Nerv mehr habe, die aber für viele irgendwie dazugehören. Das fängt an mit „Ich kann aber immer nur spontan.“ und geht dann über „Machst du denn auch XYZ [irgendein gesundheitsgefährdender Fetisch oder auch einfach etwas das überhaupt nicht in mein Konzept und zu mir passt].“ bis hin zu all den Männern, die mir einfach ihre Vorstellungen überstülpen und es nicht mal nötig haben, die zehn Zeilen meines Profils zu lesen. Ich habe noch nicht mal mehr die Nerven, freundlich Nein zu sagen, sondern würde am liebsten einfach wortlos auflegen bzw auf Igno drücken.

Schon seit einigen Jahren arbeite ich neben der Sexarbeit mit Yoga und Coaching. Eine Zeit lang hatte ich sogar parallel einen eigenen Praxisraum, der sich aber nie richtig rentiert hat. Ich stecke immer noch sehr viel Herzblut (und auch Zeit und Energie) in meine Sexarbeit, und frage mich immer wieder, ob es mir überhaupt jemals gelingen wird, die gleiche Begeisterung für einen anderen Bereich aufzubringen. Oder ob es mir einfach nur schwerfällt, mich von gewohnten Bahnen zu trennen und mich ganz auf etwas Neues einzulassen.

Seit einigen Wochen erwähnt mein Freund immer mal wieder, dass bei ihm auf dem Firmengelände eine kleine Gewerbefläche frei sei. Ob ich ihm nicht erlauben würde, mir da ein Yogastudio einzurichten? Vor zehn Jahren wäre ich völlig begeistert von der Idee gewesen. Nach den Erfahrungen mit dem Praxisraum traue ich mich nicht richtig. Außerdem fällt es mir schwer, das Angebot anzunehmen; bisher habe ich mir alles in meinem Leben selbst erarbeitet…

Aber dann gibt es noch die Momente, in denen ich an den dicken Ordnern mit Ausbildungszertifikaten denke, der bei mir zu Hause im Regal steht, und daran, wie wenig davon ich wirklich umsetze. Und es erscheint mir wie eine Verschwendung von Zeit, Energie und Begabung, denn: „Immer nur zu lernen und nie zu lernen ist so, als würde man ein Feld ständig pflügen, aber nie etwas aussäen.“ In diesem Sinne bleibt es spannend zu sehen, wie sich das Jahr 2023 für mich entwickeln wird!

Jahresende

Before the year ends, I just want to let you know that I am proud of you. That despite everything you’ve been through this year, you made it out stronger. Kinder. Softer. Please believe that in this hard cold world you are a gem. You are a real one. And I hope next year is kind to you. You deserve all the happiness it can give. (r.m.drake)

Bevor das Jahr endet, möchte ich dich wissen lassen, dass ich stolz auf dich bin. Trotz allem was du dieses Jahr durchgemacht hast, bist du stärker daraus hervorgegangen. Freundlicher. Sanfter. Bitte glaube daran, dass du in dieser harten, kalten Welt ein Edelstein bist. Du bist jemand, der wahrhaftig ist. Und ich hoffe, dass nächste Jahr wird freundlich zu dir sein. Du verdienst all die Freude, die es dir geben kann.

Jetzt sind wir mitten in den Raunächten und damit in der Zeit, die sich anbietet, das vergangene Jahr zu reflektieren und Pläne fürs kommende Jahr zu machen. Ich halte nicht viel von guten Vorsätzen, die zum neuen Jahr getroffen werden; meist sind das nur Lippenbekenntnisse, die Mitte Januar schon wieder vergessen sind. Für mich ist Leben eher ein ständiger Veränderungsprozess, und ich kann jederzeit die Richtung ändern (insgesamt oder in Nuancen).

2022 war für mich noch geprägt von den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Ich hatte nicht den Mut, wirklich etwas Neues anzufangen, da ich mich ständig gefragt habe, ob es nicht doch zum Winter wieder Einschränkungen geben wird. Auch hat sich durch die Corona-Zeit vieles verändert, und es ist mir noch nicht gelungen, alle diese Veränderungen zu beachten und meine Arbeit danach auszurichten. Auch Gesundheitsthemen waren und sind für mich gerade noch sehr präsent und nicht abschließend geklärt.

2023 startet für mich mit der Hoffnung auf einen deutlichen Blick nach vorne. Ich wünsche mir ein gutes Jahr, voller Freude und Begegnungen. Ich wünsche mir Bewegung und Leichtigkeit und Kraft und Mut.

Ich wünsche allen meinen Kunden einen guten Rutsch ins neue Jahr und einen guten Start in 2023!

Lebenswelten

Seit gestern Abend bin ich zurück von einer Woche bei meiner Familie, und es fühlt sich verdammt gut an, wieder in Hamburg und in meinem eigenen Alltag zu sein. Es sind unter anderem solche Ausflüge, die mir deutlich machen, wie sehr sich mein Leben von dem der meisten Menschen unterscheidet.

Erster Weihnachtstag Nachmittag, großes Familienessen. Die meisten Menschen hier sehe ich nur ein Mal in Jahr, an diesem Tag. Mir gegenüber sitzt ein Cousin mit seiner Frau; sie haben vor zwei Jahren geheiratet und werden im Februar ihr erstes Kind bekommen. Daneben mein Stiefbruder mit seiner Frau und den zwei Kindern. Nach dem Essen sucht er das Gespräch mit mir; wir sprechen über Arbeit – und ich habe das Gefühl, wir reden ziemlich aneinander vorbei.

Meine Eltern wissen, was ich mache, aber sonst halte ich mich da im Familienkreis bedeckt mit. Doch es geht nicht mal darum, was ich mache, sondern um Selbständigkeit versus Angestelltendasein. Mein Arbeitsalltag (und mein Alltag generell) gestaltet sich ganz anders, und die Dinge die mich beschäftigen sind völlig unterschiedlich.

Dann ist da noch die Tatsache, dass viele Menschen in meinem Alter Familie haben, also verheiratet sind, Kinder haben und sich ein festes Lebensumfeld eingerichtet haben. Ich werde bald 43 und werde keine Kinder mehr bekommen. Das gibt mir die Freiheit, mein Leben und meine Beziehungen viel offener zu gestalten.

Meine Lebensrealität ist also sehr weit entfernt von den anderen Menschen meiner Familie. Das kann sich befremdlich anfühlen und mich irritieren. Daher bin ich froh, in meinen Alltag zurückkehren zu können; dort umgebe ich mich mit Menschen, die ähnlich wie ich leben oder mit denen ich anderweitig genug Gemeinsamkeiten habe, dass die Unterschiede nebensächlich werden oder sogar inspirierend wirken können.

Frohe Weihnachten

Weihnachtszeit… Zeit innezuhalten und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, das mit vielen schönen Momenten wie im Fluge verging.

Ich bin seit gestern bei meinen Eltern und genieße ein paar ruhige Weihnachtstage. Das obige Zitat fand ich am letzten Sonntag in einer Weihnachtskarte und es ist ein schönes Motto für die nächsten Tage.

Natürlich hatte 2022 viele schöne Momente und Begegnungen, aber insgesamt ist es für mich im Rückblick ein eher schwieriges Jahr. So freue ich mich jetzt auf 2023, wenn hoffentlich mehr Ruhe und Perspektive in mein Leben kommen wird.

Ich wünsche allen meinen Kunden besinnliche Weihnachtstage und einen ruhigen Übergang ins neue Jahr und freue mich auf viele schöne Begegnungen in 2023!

Bücher schließen

Gestern las ich den Blog einer Escort aus Wien, der ich seit einiger Zeit folge. Sie schrieb, dass sie jetzt ihre Bücher schließt, und meint damit, dass sie ab nächstem Jahr nur noch Stammgäste treffen wird und keine neuen Kunden mehr annimmt.

Ich finde das eine sehr mutige Entscheidung! Ich sage immer, dass 70-80% meiner Kunden Stammgäste sind. Da sind aber auch eine nicht geringe Menge Männer drunter, die nur 1-3 Mal im Jahr zu mir kommen, oder sogar nur alle paar Jahre mal.

Für viele Männer ist der Besuch einer Sexarbeiterin eine Phase, in der sie etwas ausleben, was ihnen gerade in ihrem Privatleben fehlt, oder etwas Neues ausprobieren wollen. Das kann dann eine Hand voll Besuche sein oder auch eine intensive Zeit von ein paar Monaten, auf jeden Fall eine übersichtlicher, endlicher Zeitraum.

Natürlich habe ich auch Kunden, die ich seit vielen Jahren treffe – aber nur darauf verlassen würde ich mich nicht wollen. Außerdem mag ich es, neue Männer kennenzulernen, und meine Art der Treffen hat sich auch im Laufe der Jahre immer wieder geändert, so dass ich jetzt andere Männer anziehe als vor fünf oder zehn Jahren.

Einen Punkt gibt es jedoch, wo die Frage, ob jemand (regelmäßiger) Stammgast ist oder nicht eine große Rolle für mich spielt: bei der Terminvereinbarung. Guten Stammgästen gebe ich auch mal einen kurzfristigen Termin oder mache einen Termin möglich zu einem Zeitpunkt, wo es mir eigentlich nicht so gut passt. Wenn ich weiß, dass jemand zuverlässig ist, werfe ich für ein Treffen auch mal meine privaten Pläne über den Haufen; für neue Kunden bin ich dafür nicht mehr bereit, das Risiko versetzt zu werden und mich zu ärgern ist mir zu groß.

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