Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 42 von 57)

Geschichte: Wollust

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich liebte die Treffen mit ihm. Er war gut zwanzig Jahre älter als ich, ein sympathischer Typ, aber nach klassischen Maßstäben nur mäßig attraktiv, mit Bauch und zurückweichenden grauen Haaren. Es war die entspannte Art, mit der er mit sich selbst und auch mit mir umging, die mich für ihn einnahm.

Er bewunderte meinen Körper, und es schienen genau die kleinen Makel zu sein, die ihn faszinierten. Er legte seine Hände auf meinen kleinen Bauch und strich über die Röllchen an meiner Taille. Er sprach von meiner hellen Haut und genoss meinen ausladenden Hintern.

Ich mochte, wie sich mein Körper an seinem anfühlte. Wenn ich ihn ritt, die Hände auf seine Brust gestützt, den Kopf lustvoll in den Nacken gelegt. Wenn er mich von hinten nahm, seine Hände auf meinen Hüften bewegten mich vor und zurück.

Am meisten aber genoss ich es, unter ihm zu liegen und mich lustvoll zu winden. Unser Sex hatte kein anderes Ziel als den Genuss des anderen. Kein Druck, keine Geilheit, nur wollüstiges Winden und Stöhnen, leichte Bewegungen, ein gegenseitiges Necken, die ständig neue Suche nach dem Punkt an dem es sich ach so gut anfühlte.

Danach lagen wir entspannt nebeneinander, sprachen über dies und das und betrachteten Urlaubsbilder auf unseren Handys. Wie ich diese kleinen Alltagsfluchten genoss!


Geschichten unterliegen meinem Copyright und dürfen nicht kopiert und/ oder an anderer Stelle im Internet veröffentlicht werden!

Ausflug in die Vergangenheit

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Plauderblog – ich erzähle mal wieder einfach ein paar Nichtigkeiten aus meinem Leben.

Ich hatte gerade drei Tage frei, die ich in meiner alten Heimat verbracht habe. Erst habe ich meine Mutter besucht. Das ist zwar wichtig und auch schön, aber leider auch sehr anstrengend. Danach war ich bei einem Ex-Freund. Wir sind seit über zehn Jahren nicht mehr zusammen, aber immer noch gut befreundet. Wir sehen uns zwar nur eine handvoll Mal im Jahr, aber telefonieren mehrmals die Woche.

Früher haben wir zusammen im Tanzsportverein getanzt. Jetzt tanzen wir beide nicht mehr, außer zwei Mal im Jahr zusammen: beim Ball im November und beim Tanz in den Mai. Ich freue mich jedes Mal darüber, wie gut es noch klappt! Gleichzeitig ist es aber auch wie ein Ausflug in die Vergangenheit, zu meinem Leben wie es vor 15 Jahren war.

Ich habe mich sehr verändert in dieser Zeit. Ich bin mehr ich selbst geworden und stehe jetzt deutlich zu dem, wer und was ich bin, und dazu was ich will und was nicht. Manchmal führt das zu Irritationen mit Leuten, die mich schon lange kennen und ein eher festgefahrenes Bild von mir haben. Ich arbeite noch daran, mich da deutlich zeigen und ausdrücken zu können – wobei das ja eigentlich immer wichtig ist, auch bei Menschen die mich gerade erst kennengelernt haben.

Jetzt bin ich zurück in Hamburg in meinem Alltags-Leben, habe schon einige meiner Stammkunden getroffen und Zeit mit Alltags-Dingen verbracht. Das Leben wird vorwärts gelebt, der Blick zurück lenkt häufig eher ab von dem was wichtig ist.

Auf Termin

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Ostermontag habe ich am Nachmittag eine Massage gegeben. Der Kunde erkundigte sich mehrmals, ob ich jetzt extra wegen ihm ins Appartement gefahren sei; als ich das bejahte, schien es ihm unangenehm zu sein. Dazu bestand natürlich überhaupt kein Grund!

Es ist meine Arbeit, für die ich gut bezahlt werde – da gehört dann etwas Einsatz dazu. Zumal ich nicht so weit weg wohne, es also kein Problem ist, mal kurz reinzufahren. (An diesem Tag hatte ich es sogar noch mit einer schönen Fahrradtour durch die Boberger Dünen verbunden.)

Mit einer Kollegin diskutiere ich immer wieder darüber, ob es nicht sinnvoll ist, zu bestimmten Zeiten im Appartement zu sein und in dieser Zeit auch spontane Termine anzunehmen. Meine Erfahrung spricht dagegen: So kurzfristige Terminanfragen (unter einer Stunde Vorlauf) habe ich nur eine handvoll Male im Jahr. Im Gegensatz dazu steht, dass mich das Rumsitzen im Appartement total frustriert. Theoretisch könnte ich lesen oder schreiben, aber praktisch kann ich mich dort nicht konzentrieren und schlage im Endeffekt nur Zeit tot.

Manchmal verbringe ich trotzdem Nachmittage im Appartement, klöne mit Kolleginnen oder sehe fern. Aber ich bin motivierter und besser drauf, wenn ich nur auf Termin reinfahre – und das merken natürlich auch meine Kunden.

Feuerwehreinsatz

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Gründonnerstag hatte ich erst spät einen Termin und habe ausgiebig das schöne Wetter genossen, bevor ich nachmittags mit dem Fahrrad ins Appartement gefahren bin.

Ich war geduscht, leger gekleidet un dabei, mir die Nägel zu lackieren, als eine Kollegin ins Zimmer kam: „Feuerwehreinsatz, wir müssen das Gebäude räumen!“ Ich zog eine Jacke über, schlüpfte in Ballerinas und steckte das Handy in die Jackentasche.

Als wir draußen auf der Straße standen, hieß es, das sei nur eine Sache von einer halben Stunde, also machte ich mir noch keine Sorgen – bis zu meinem Termin hatte ich noch eine Stunde. Doch nach 20 Minuten wurde klar, dass es wohl länger dauern würde. Ich versuchte, meinen Kunden zu erreichen, doch sein Telefon war aus.

Inzwischen hatten wir reichlich Gelegenheit, die Nachbarn kennenzulernen, die genauso wie wir vor der Polizeiabsperrung standen. Jemand aus der betroffenen Firma erklärte uns ausführlich, dass Aluminiumsulfat sich selbst entzündet hätte und dabei giftige Dämpfe entstünden, deswegen das Großaufgebot der Feuerwehr.

Mein Gast rief mich an, als er an der Polizeisperre zwei Straßen weiter nicht weiterkam, und es blieb mir nichts anderes als auf höhere Gewalt zu verweisen und den Termin auf zwei Tage später zu verschieben. Mittlerweile wurde es langsam kalt und die Stimmung kippte Richtung Gereiztheit. Ich war für den Abend verabredet und hatte auch einfach keine Lust mehr, halb angezogen und ungeschminkt auf der Straße rumzustehen und mir Gedanken über die Gedanken der Männer um mich her zu machen.

Im Endeffekt standen wir über drei Stunden auf der Straße, bevor die Absperrung aufgehoben wurde und wir wieder ins Appartement durften. Bis dahin hatte sich nicht nur der Termin, sondern auch meine Abendplanung erledigt. Ich zog mich an, machte eine kleine Fahrradtour nach Hause und versuchte, mein Stimmung in einer heißen Badewanne wieder anzuheben.

Abschied II

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Vor einigen Tagen habe ich hier von dem bewussten Abschied eines Kunden gesprochen, der sich aus dem Paysex zurückgezogen hat. Beim Schreiben musste ich an eine andere Begegnung denken, die schon viele Jahre zurückliegt und von der ich heute erzählen möchte.

Damals gab ich noch Tantra-Massagen. Als dieser Kunde das erste Mal zu mir kam, war er schon deutlich von der Parkinson-Krankheit gezeichnet. (Später stellte ich fest, dass er sehr viel jünger war als ich ihn geschätzt hatte.) Er nahm sich immer viel Zeit für seine Besuche bei mir. Wir begannen mit einem Picknick aus Obst und Süßigkeiten. Dann duschte ich ihn, wusch zärtlich den ganzen Körper, während er sich auf mich stützte. Nach einer langen Massage lagen wir dann beeinander und kuschelten.

Nach etwa einem Jahr fragte er mich, ob ich ihn vielleicht bei ihm zu Hause besuchen könnte. Er wusste, dass ich eigentlich keine Hausbesuche machte, aber seine Krankheit schritt schnell voran, und er war einfach nicht mehr mobil genug, um zu mir zu kommen. Ich war dann noch zwei Mal bei ihm, bevor er sich nicht mehr meldete.

Einige Monate später fand ich eine Todesfall-Karte in meinem Briefkasten. Im ersten Moment konnte ich den Namen nicht einordnen, doch dann fiel er mir wieder ein. Bis heute bin ich bei dem Gedanken berührt, dass ich in seinem Leben wichtig genug war, um meine Daten bei seinen Angehörigen für die Benachrichtigung zu hinterlegen.

Diese Begegnung war eine von denen, die meine Einstellung zu dieser Arbeit stark geprägt haben.

Abschied

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In der Sexarbeit sind bewusste Abschiede selten. Anbieterinnen hören häufig von einem Tag auf den anderen auf und verschwinden von der Bildfläche (für immer oder um einige Monate später wieder aufzutauchen). Kunden verabschieden sich nicht, sondern buchen einfach keinen neuen Termin. Bei einigen Stammkunden, gerade wenn sie eine Zeit lang sehr häufig da sind, kann ich merken, wie es auseinandergeht; die Termine werden seltener und seltener und hören dann ganz auf. Bei anderen fällt mir manchmal erst nach Monaten auf, dass er lange nicht mehr bei mir war.

Vor zwei Wochen hat sich jemand bewusst von mir verabschiedet. Er war in den letzten Monaten vier oder fünf Mal bei mir, für längere Termine, die er sorgfältig plante. Diesmal eröffnete er unser Treffen mit den Worten, dass es das letzte sei (und im Gegensatz zu anderen Ankündigungen dieser Art glaubte ich ihm). Seine Begründung rührte mich: Er will seine Frau nicht mehr belügen, keine Ausreden mehr finden, und es sei ja auch gemeinsames Geld, das er ausgeben würde. Für ihn waren die letzten Monate in der Welt des Paysex ein Ausflug, von dem er jetzt nach Hause zurückkehrte.

Ich habe höchsten Respekt für ihn, fühle mich geehrt und bin dankbar für unsere Begegnungen – und wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute!

Die Macht der Worte

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Er ist ein Stammkunde von mir. Wir kennen uns schon einige Zeit und haben eine gute Zeit zusammen. Manchmal ist es einfach Entspannungszeit, aber manchmal erzählt er auch, meist von dem Stress, den er auf der Arbeit hat.

Beim letzten Mal hat er das zweite Mal eine Formulierung genutzt, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: „Aber dazu bist du ja nicht da!“ Ich weiß nicht mal mehr genau, worum es ging, und das ist auch nicht wichtig – es war nicht abwertend gemeint, sondern in seinen Augen einfach eine Feststellung.

Klar, ich bin hier im Appartement, weil ich eine Dienstleistung anbiete und damit eine Funktion erfülle. Aber ich bin trotzdem ein Mensch, und ich finde, man sollte Menschen nie auf eine Funktion reduzieren – nicht in großen Unternehmen, nicht nach Berufen, und erst recht nicht in Begegnungen!

Der Dalai Lama brachte es einmal sehr schön auf den Punkt: „Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden, und Dinge wurden geschaffen, um benutzt zu werden. Das Problem in unserer heutigen Zeit ist, dass Dinge geliebt werden und Menschen benutzt.“ Nun erwarte ich keine Liebe, aber Respekt und Menschlichkeit halt ich durchaus für angebracht.

Häufiger ist das ein Thema bei Anrufen. Da gibt es Formuliereungen, die keine Frau in diesem Job gerne hört und die bei der ein oder anderen zu Hinweisen oder gar einer sofortigen Absage führen. Natürlich ist es legitim, anzurufen und sich nach Service und Preisen zu erkundigen. Aber bitte nicht so:

– „Was kostet du denn?“
(Ich stehe nicht zum Verkauf, Sklaverei ist weltweit verboten. Du kannst nur einen Service bei mir buchen.)
– „Ich habe gehört, dich kann man mieten?“
(Nein, ich bin kein Gegenstand, der vermietet wird und bei dem Schäden versichert sind.)
– „Was kann man denn mit dir alles machen?“
(Du kannst etwas mit mir erleben, aber etwas passiv über mich ergehen zu lassen gehört nicht zu meiner Vorstellung von Erotik.)

Grenzwertig finde ich auch:
– „Was machst du denn alles?“
Diese Frage ist so allgemein, dass ich da ewig was zu erzählen kann – bis der Anrufer die Geduld verliert und wir beide pampig werden. Ich kann ja verstehen, wenn jemand keine Lust hat Anzeigen zu lesen – aber dann frage mich einfach konkret nach dem was du erleben möchtest!

Generell mögen alle Frauen, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass der Anrufer etwas mit ihr erleben möchte – und nicht nur beliebig alle Anzeigen im Internet durchtelefoniert, weil für ihn alle Frauen gleich und somit austauschbar sind. Das sind sie auch in der Sexarbeit nicht!

Respekt und Fairness

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Das erste, was eine Frau in diesem Job lernt, ist, dass Termine häufig nicht eingehalten werden. Egal wie kurz- oder langfristig Termine gemacht werden, häufig sitzt man alleine da und wartet umsonst. Manchmal versuchen wir, uns davor zu schützen ,indem wir z.B. eine Bestätigung 1-2 Stunden vorher verlangen – aber selbst das hilft nicht immer. Ich habe mittlerweile ein einigermaßen gutes Gespür dafür, wie ernst eine Anfrage gemeint ist. Trotzdem muss ich das Risiko regelmäßig eingehen und verschwende immer wieder Zeit mit sowas.

In den letzten Wochen hatte ich zwei Erlebnisse, die in diesem Zusammenhang so krass unterschiedlich waren, dass ich sie jetzt nacheinander erzählen möchte. Ich beginne mit dem negativen, denn es war auch zeitlich als erstes.

Montagvormittag schellt mein Telefon. Wir vereinbaren einen Termin für Dienstag 13:00. Alles ist klar und besprochen, als er noch was nachfragt. Ich erkäre höglich, was funktioniert und was nicht (es ging nicht um meine Grenze, sondern eher um Technik), merkte aber, dass ihm meine Antwort nicht gefällt und er sich etwas anderes erhofft hatte. Ich rechne also schon halb mit einer Absage. Diese kommt dann auch am Abend per SMS. Ich zucke mit den Schultern und streiche den Termin wieder.

Montagabend wird es spät, so dass ich Dienstagmorgen verschlafe und mit meinem Vormittagsprogramm hinterherhinke. Ist ja nicht schlimm, ich hab ja keine Termine, fahr ich halt später ins Appartement. Um elf schellt mein Telefon, der Typ von gestern: Bei ihm hätte sich kurzfristig was geändert, ob ich nicht doch um eins könnte? Ich knirsche mit den Zähnen, überlege kurz hin und her, schmeiße meine komplette Tagesplanung über den Haufen und sage zu. Mache mich auf den Weg ins Appartement, um in Ruhe den Raum vorzubereiten, mich umzuziehen und zu schminken, den Termin gedanklich noch mal zu planen. Dann warte ich… bis 13:00… bis 13:10… bis 13:20… Als ich versuche ihn zurückzurufen, ist sein Telefon ausgeschaltet. Mich hat dieses „Spiel“ mal eben zwei Stunden gekostet und mir mehr als den halben Tag die Möglichkeit genommen, andere Termine anzunehmen.

Sprung zu einer Woche später, wieder Dienstag. Um 11:00 habe ich einen Termin mit einem Kuden, der vor einigen Monaten schon mal bei mir war und den ich in angenehmer Erinnerung habe. Den Termin haben wir vor fast drei Wochen vereinbart, aber da ich ihn schon kenne und als sehr zuverlässig erlebt habe, habe ich nicht auf eine nochmalige Bestätigung bestanden. Doch wieder wird es 11:20 und niemand kommt. Diesmal zucke ich nur mit den Schultern, eher verwirrt als verärgert. Ich schreibe ihm eine kurze Nachricht: „Eine Absage hätte ich nett gefunden, dann hätte ich den Tag anders planen können.“, und wende mich anderen Dingen zu.

Keine Stunde später habe ich eine Antwort: Es tut ihm total leid, er hat die Tage durcheinander gebracht und wollte eigentlich einen Termin für Mittwoch. Er würde mir ein Ausfallgeld zahlen, und ob ich vielleicht morgen um 11:00 Zeit hätte? Ich bin versöhnt und sage zu. Am nächsten Tag bin ich also wieder kurz nach zehn im Appartement, bereite alles vor, mache mich fertig. Parallel schreibe ich mit ihm: Ob ich noch mal die Adresse schreiben könne. Er hat die falsche S-Bahn genommen, kommt später. Um so weiter…

Im Endeffekt steht er kurz vor zwölf vor meiner Tür, völlig abgehetzt und genervt, und sagt dass er jetzt eigentlich keine Zeit mehr hat und auch nicht in Stimmung ist. Ich will ihn wenigstens auf einen Kaffee hineinbitte, damit er wieder runterkommen kann, doch er lehnt ab. Er drückt mir 200 Euro in die Hand, für die vertanen Vormittage, und geht wieder. Ich stehe etwas verdattert da; freue mich über das Geld, das ich gerade echt dringend brauche, und fühle mich doch komisch dabei.

Das waren jetzt zwei extreme Enden des Spektrumsm wie Männer mit Frauen in meinem Beruf umgehen. Das erste passiert leider deutlich häufiger als das zweite, und manchmal bin ich von diesem abwertenden, respektlosen Verhalten so genervt, dass ich am liebsten alles hinschmeißen würde. Aber dann gibt es wieder nette Kunden, die meine Motivation anheben.

Wie präsent darf Sexarbeit sein?

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Hamburg ist eine Stadt, die u.a. für Reeperbahn und Herbertstraße bekannt ist und in der Prositution demnach irgendwie zum Lokalkolorit gehört, zumindest für Touristen. Doch wie präsent darf Sexarbeit sein, abseits von Geschichten voll Rotlicht-Romantik?

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, sehe ich immer wieder Plakatwände mit Werbung für eine große Sexarbeiter-Plattform oder für einzelne große Saunaclubs und Laufhäuser. Vielleicht fallen sie mir mehr auf als den meisten Menschen (wir sind alle so mit Werbung überschüttet, dass wir nur noch einen Bruchteil davon wahrnehmen), aber sehen kann diese Plakate (und ähnliches) jeder – auch Kinder, Jugendliche, Menschen die Prostitution für sittenwidrig, frauenfeindlich und kriminell halten…

Eine Mitarbeiterin einer Sexarbeiter-Plattform erzählte von Ärger mit ihren Nachbarn, da ihr Auto mit Werbung bedruckt war. Wir haben natürlich ausgiebig über die Prüderie der Nachbarn gelacht. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass dieses Verhalten intolerant und falsch ist.

Trotzdem fühle ich mich mit den großen Plakatwänden und der zunehmenden Präsenz und Normalität von Sexarbeit nicht wohl. Es ist eine individuelle Entscheidung einer jeden Frau, diese Arbeit zu machen, und jedes Mannes, diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Sexualität bleibt etwas Privates und Intimes – auch davon lebt der Reiz des Rotlichts, diese Mischung aus Verruchtheit und Verletzlichkeit…

Ich finde nicht, dass Sexualität ein Thema ist, mit dem alle und jeder zu jederzeit konfrontiert werden sollten, und käuflicher Sex erst recht nicht. Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigenen Werte und Moralvorstellungen. Ich erhebe für mich den Anspruch, dass mein Verhalten toleriert wird. Da finde ich von meiner Seite ein gewisses Maß an Diskretion angebracht – und würde mir das auch vom Rest der Branche wünschen.

Eine Lanze für Betreiberinnen

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In der aktuellen Anti-Prostitutions-Debatte werden Prostituierte gerne als Opfer dargestellt, die von allen ausgenutzt werden – neben Freiern und Zuhältern sind die „Bösen“ in dem Spiel gerne auch die Betreiber von Clubs, Appartements, Agenturen etc. Deswegen möchte ich heute mal eine Lanze für Betreiber*innen brechen.

Ich wechsle nicht so schnell, wenn ich mich irgendwo wohl fühle, und trotzdem habe ich schon so einige Menschen kennengelernt, die von der Sexarbeit lebten, ohne selber Dates anzubieten: Betreiber*innen von Agenturen, Hausdamen und Türsteher in Clubs, in den letzten Jahren dann Betreiberinnen von Studios und Appartements. Allen war eins gemein: Sie waren sehr nett und um die Frauen bemüht.

Wenn ich mich irgendwo vorgestellt habe, war es mir immer wichtig, dass mein Ansprechpartner im Zweifelsfall auf der Seite der Frauen stand und nicht der der Kunden. Das war immer der Fall. Auch waren die meisten ständige Ansprechpartner, für den Alltag und auch mal für private Probleme, und ließen immer mal mit sich reden, wenn es eng wurde.

In meinem jetzigen Appartement kriege ich viel von dem mit, was das Führen eines Appartements nicht nur an alltäglichem Stress bedeutet (man ist ständig Prellbock für Befindlichkeiten und Streitereien), sondern auch an organisatorischem Aufwand und in letzter Zeit leider auch sehr viel an rechtlichem (neues ProstSchG), ganz abgesehen von dem finanziellen Risiko. Ich würde das nicht machen wollen!

An dieser Stelle also ein großer Dank an und Respekt vor all den Menschen, die uns Frauen das Arbeiten ermöglichen und uns den Rücken freihalten!

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