Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 27 von 57)

Der Zauber von Geschichten

Erotische Geschichten waren immer ein großer Teil meines Schreibens. Wenn ich einzelne dieser Geschichten hier im Blog veröffentliche, bekomme ich da immer viel Feedback und Komplimente für. Öfter sagt mir jemand, dass er sich vorstellt, die Geschichten seien alle genau so passiert, und/ oder jemand möchte „genau das in der Geschichte“ mit mir erleben.

Meine Geschichten sind so gut wie nie hundertprozentig so passiert. Selbst wenn ich ein reales Erlebnis nacherzähle, ändere ich manchmal das Setting, und in vielen Fällen ändere ich Kleinigkeiten im Ablauf, damit die Geschichte besser fließt und der Spannungsbogen stimmig ist.

Nachspielen lassen sie sich nicht! Besondere Erlebnisse entstehen immer im Moment, in einer ganz bestimmten Stimmung. Wenn ich denselben Ablauf mit einem anderen Mann plane, ist dieser Mann anders und meist auch das Setting. Die Stimmung kann sich in eine ganz andere Richtung entwickeln. Wenn ich dann am Ablauf der Geschichte festhalte, wird das Ergebnis meist holprig und unbefriedigend. Also löse ich mich davon – und kreiere ein neues, wahrscheinlich ganz anderes Erlebnis.

Manche meiner Geschichten haben auch gar keinen realen Hintergrund, sondern entspringen einer spontanen Idee, einer Fantasie, einer Stimmung oder etwas, das ich irgendwo gelesen oder gesehen habe. Diese Geschichten sind für mich wertvoller als die real erlebten, den sie geben die Essenz eines Gefühls wieder – etwas, das genau beschreibt, wer ich in diesem Moment bin.

Es passiert übrigens durchaus, dass ich alte Geschichten und Texte von mir lese und mich nicht daran erinnere, das so geschrieben und erlebt zu haben. Ich kann mich also selber mit meinen eigenen Geschichten überraschen und berühren… (so wie es sonst häufig die Geschichten anderer Autoren tun, die mich ein Stück meines Weges begleiten).

Worauf man alles achten muss

Wichtigste Regel als Sexarbeiterin: Keine Spuren hinterlassen! Zum Glück habe ich eh keine Vorliebe für auffällige Düfte, starkes Make-up o.ä., so dass sich meine Kunden darüber keine Gedanken machen müssen. Wenn jemand sehr vorsichtig ist, rate ich dazu, ein eigenes Duschgel mitzubringen – aber auch das ist bei mir relativ geruchsneutral, ebenso wie Massageöl o.ä.

Ich spiele nicht mehr viel im SM-Bereich, so dass Spuren in Form von blauen Flecken, Striemen o.ä. eigentlich nicht vorkommen. Generell wird sowas vorher angesprochen, und die meisten Kunden sind sich des Risikos bewusst (und meistens lässt sich auch eine andere Ausrede finden, falls es doch mal einen blauen Flecken gibt).

Gestern schrieb mich ein Kunde ein paar Stunden nach dem Date an: er hätte Ausschlag auf dem Oberarm, woran das liegen könne? Ich habe es in alle den Jahren noch nie gehabt, dass jemand auf etwas, das ich benutzt habe (Öl, Gleitmittel, Kondome, Body Lotion etc) allergisch reagiert hat. Hier ließ sich die Lösung aber schnell finden: Ich hatte am Abend vorher meine Haare gefärbt! Und während des Dates eine ganze Weile entspannt an in gekuschelt gelegen, den Kopf auf seinem Oberarm.

Ich bin immer noch erstaunt, dass das eine solche allergische Reaktion hervorrufen konnte, obwohl die Haare trocken waren. Er hat es zum Glück locker genommen; es war wohl auch nicht schmerzhaft und ging schnell wieder weg.

Buch: Mein heimliches Auge

Heute ist meine diesjährige Ausgabe von „Das heimliche Auge“ gekommen. 350 Seiten voll mit erotischen Geschichten, Fotos, Zeichnungen, Gedichten – ein wunderschönes Buch zum blättern und genießen.

Zugegeben, ich lese das Buch nie ganz, meist noch nicht mal die Hälfte. Aber ich liebe es, es immer wieder in die Hand zu nehmen, zu blättern, hier und da eine Seite zu lesen. Manchmal lasse ich mich von einer Geschichte einfangen und lese sie ganz.

Was ich an diesem Buch so liebe, ist die rückhaltlos positive Einstellung zu Erotik in ihrer Vielfalt. Auch wenn mir manches zu pornografisch ist, oder nicht meine Spielart, oder nicht mein Geschmack – es macht trotzdem Spaß, sich ganz in dieses bedingungslose JA hineinfallen zu lassen, in dieses Annehmen und Anerkennen der Tatsache, dass Menschen sexuelle Wesen sind und das auch leben wollen.

„Mein heimliches Auge“ erscheint jedes Jahr im Konkursbuch-Verlag (an dieser Stelle eine allgemeine Empfehlung dieses Verlags, wenn es um erotische Bücher geht). Dieses Jahr ist die 36. Ausgabe dieses „Jahrbuch der Erotik“.

Massagewetter

Es ist Anfang Dezember und richtiges Herbstwetter, kurz vor dem ersten Wintereinbruch: Hamburger Grau, 3-6 Grad, Nieselregen, frühe Dunkelheit. Wie die meisten Menschen habe auch ich das Bedürfnis, einfach zu Hause auf der Couch zu bleiben und mich mit einer Decke, Tee und einem Buch einzukuscheln.

Alternative dazu: eine ausgiebige Massage. Ich massiere immer gerne und Massagen sind auch sehr häufig Teil der Zeit bei mir, doch im Moment rücken sie noch mehr in den Mittelpunkt. In dieser Woche habe ich gleich zwei Termine gehabt, in denen die Massage so sehr im Vordergrund und alles andere so sehr im Hintergrund war, dass es mich an die Zeit erinnert hat, als ich Tantra-Massagen gegeben habe.

Wenn ich eine lange Massage gebe, ist das auch für mich ein meditatives Erlebnis. Die Abläufe sind mir immer noch sehr vertraut. Ich kann mich einfach in das Gefühl von Öl und Haut fallen lassen, in die entspannte Stimmung. Es ist wie eine eigene Blase, ein Schutzraum, in den nichts von außerhalb eindringen kann.

Es ist etwas besonderes, wenn ich mich so ganz auf meinen Gast konzentrieren kann. Meine eigenen Bedürfnisse und Körperempfindungen treten in den Hintergrund, ich verliere mich ganz im Moment. In normalen Terminen kommt das nicht so häufig vor; ich genieße auch die Erotik, die zwischen zwei Menschen entsteht, aber einen Raum alleine gestalten zu können und Stimmung zu kreieren und zu halten, ist etwas besonderes.

Mein Leben in Büchern

Ich habe seit meiner Grundschulzeit viel gelesen, mich in einigen Jahren richtig in Büchern vergraben. Viele dieser Bücher habe ich mittlerweile wieder vergessen, aber einige haben mich nachhaltig beeinflusst und begleitet.

In meinem Regal stehen immer noch die ersten zwei Bücher, die ich jemals über Prostitution gelesen habe. Gerade das erste hat wohl heute für niemanden mehr Wert, aber ich denke noch ab und zu an die Geschichte und mag es, dass es dort zwischen den anderen Büchern steht, die scheinbar so viel inhaltsreicher sind.

Es ist ein veralteter Roman von 1966, den ich mit zwölf aus dem Bücherregal meiner Mutter gezogen habe: „Das Herz einer Mutter“ von Marie Louise Fischer. Die Geschichte einer Prostituierten in München, deren Eltern von ihrer Arbeit erfahren und versuchen, sie zu „retten“. Am Ende lässt sie sich mit dem falschen Mann ein und wird ermordet. Eine kitschige Geschichte voll der veralteten Moral der 50er/60er – aber ich habe das Buch geliebt.

Das zweite Buch, das mich schon sehr lange begleitet, ist die Biografie der amerikanischen Prostituierten Dolores French. Sie beginnt mit Ende 20 als Escort zu arbeiten, Ende der 70er. Ihre Situation war völlig anders als meine später, da Prostitution in Amerika verboten war und ist und sie in ständiger Gefahr lebte, von der Polizei kontrolliert und angeklagt zu werden. Trotzdem zeichnet sie ein sehr positives Bild und vermittelt vor allem ihre Freude an dieser Arbeit.

Mittlerweile habe ich viele, viele Bücher mehr über Prostitution gelesen – so viele, dass es mir häufig schwer fällt, mich für noch ein Buch zu dem Thema zu begeistern, und ich lieber über ein anderes Thema lese. Aber wohl jeder Leser wird verstehen, warum manche Bücher immer etwas Besonderes bleiben – so wie diese beiden für mich.

S.A.M. Health

Mit der Corona-Krise sind viele Sachen kompliziert geworden, die ich früher mal eben so gemacht habe. Dazu gehören meine ärztlichen Untersuchungen. Seit ich in Hamburg wohne, lasse ich die nicht bei einem Arzt machen, sondern im Casa Blanca, einer Beratungsstelle in Altona. Da kann man normalerweise einfach zu den Öffnungszeiten vorbeigehen, anonym und ohne dass unangenehme Fragen gestellt werden. Seit Corona sind sie nicht mehr offen, sondern bieten nur noch Termine für Notfälle an – wozu ich mich nicht zähle.

Vor gut einem Jahr wurde ich dann auch ein Angebot der Deutschen Aidshilfe aufmerksam, dass sich S.A.M. Health nennt. Dort kann man sich Probenentnahme-Kits nach Hause schicken lassen, diese dann an ein Labor schicken, und bekommt das Ergebnis nach ein paar Tagen per SMS aufs Handy. Das habe ich jetzt zum zweiten Mal gemacht.

Beim ersten Mal letztes Jahr hatte ich arge Probleme mit der Blutentnahme. Man sticht sich in den Finger und streicht dann Bluttropfen in ein Röhrchen; beim ersten Versuch habe ich so ziemlich überall Blut gehabt (an der ganzen Hand, meiner Kleidung und im Waschbecken), aber keins im Röhrchen. Diesmal hat das ein Freund für mich gemacht, so dass ich die Hand einfach locker hängen lassen konnte und er beide Hände dafür frei hatte. Das hat deutlich besser geklappt! Neben der Blutabnahme macht man Abstriche mit Wattestäbchen, was völlig unkompliziert ist.

Getestet wird auf HIV, Syphilis, Tripper und Chlamydien – die häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (und die nicht sofort Symptome verursachen). Das Ergebnis hatte ich schon nach zwei Tagen, alles in Ordnung. Toller Service, schnell und zuverlässig. Ein wenig fehlt mir der Kontakt zum Arzt, das kurze Gespräch, das Gefühl alles im Blick zu haben. Aber eigentlich ist diese Form der Kontrolle ausreichend – und im Moment auf jeden Fall die einfachere und sicherere Lösung.

samhealth.de

Geschichte: Cola light

Er saß noch entspannt im Sessel, als ich hinter ihn trat und ihm die Augen verband. Der schwarze Stoff senkte sich über seine Augenlieder und beraubte ihn dieses sonst so wichtigen Sinnes und intensivierte damit sein Fühlen – und sein Gefühl des ausgeliefert sein und benutzt werden. Mit einem Griff an seine Unterarme bedeutete ich, ihm, aufzustehen. Ich zog ihm das T-Shirt über den Kopf, legte Ledermanschetten um seine Handgelenke und fixierte sie mit einem Karabiner vor seinem Körper.

Dann ließ ich ihn erst mal so dort stehen, blind und hilflos, und ging genüsslich um ihn herum. Meine hohen Schuhe klackerten auf dem Boden. Meine Fingerspitzen strichen über seine Brust, ganz sanft, doch direkt gefolgt von meinen Fingernägeln, die Spuren auf seiner Haut hinterließen.

Mein Blick fiel auf das große Glas mit Cola light, das ich mir vorhin eingeschenkt und noch kaum getrunken hatte. Ein böses Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, als ich meine Finger in die kalte Flüssigkeit tauchte – und dann mit einer schnellen Bewegung über seine Brust zog.

Sein abruptes Ausatmen verriet mir, dass die Kälte ihre Wirkung getan hatte. Ich arbeitete dagegen, indem ich mit meiner warmen Zunge die klebrige Flüssigkeit wieder von seiner Haut leckte. Sein Atem ging nun schon deutlich unruhiger…

Ich legte die Hände auf seine Hüften und schob ihn rückwärts Richtung Bett, wo er sich automatisch auf die Kante setzte. Ich ging vor ihm in die Knie und zog ihm fürsorglich schon mal Schuhe und Strümpfe aus, bevor ich eine Hand auf seine Brust drückte und ihn dazu brachte, sich nach hinten zu legen, die Arme weit über dem Kopf.

Meine Finger strichen wieder über seine Brust, dann sein Gesicht. Sie umspielten seine Lippen und brachten ihn dazu, den Mund zu öffnen. Sanft biss ich ihn in die Schulter und ließ meine Zunge dann über seinen Kiefer tanzen, genoss es wie sein kurzer Bart auf meiner empfindlichen Haut kratzte.

Doch das Spiel mit dem Cola-Glas ließ mir keine Ruhe. Ich tauchte wieder die Finger hinein, ließ sie ihn ablecken. Dann kippte ich das Glas und ließ etwas von der kalten Flüssigkeit auf seine Brust fließen. Sie zerfloss schnell in alle Richtungen, schneller als ich sie mit meinem Mund auffangen konnte. Langsam saugte ich die kleinen Pfützen von seiner Brust, wanderte dann tiefer, über seinen Bauch, und leckte mit meiner Zunge den Rand seiner Boxershorts entlang, wo der letzte Rest versickert war.

Ich entschloss mich, diesen lästigen Stoff jetzt erst mal aus dem Weg zu schaffen, und zog ihm Hose und Shorts aus. Gedankenverloren nahm ich das Cola-Glas vom Nachttisch und nahm einen Schluck. Den zweiten Schluck behielt ich im Mund, beuge mich vor, und stülpte meine Lippen über seinen Schwanz.

Sein Atem stockte, als die kalte, prickelnde Flüssigkeit auf die empfindliche Haut seiner Eichel traf. Ich badete sie einen Moment darin, zog die Flüssigkeit durch die Zähne hin und her, bevor ich sie herunterschluckte und noch einen Moment die letzten Reste von seinem Schwanz lutschte.

Sein abgehackter Atem hallte mittlerweile durch den ganzen Raum. Ich kletterte wieder weiter nach oben und hob mit einer Hand seinen Kopf an, um ein Handtuch darunter zu schieben. Mit einer Hand öffnete ich wieder seinen Mund. Ließ meine Finger über seine Lippen gleiten, in seinen Mund, forderte seine Nachgiebigkeit, um dann mit der Hand seinen Unterkiefer festzuhalten, seinen Mund weit geöffnet.

Meine andere Hand hielt das Cola-Glas und kippte es unbarmherzig. Die klebrige Flüssigkeit ergoss sich über sein Gesicht und in seinen Mund, rann seitlich ins Handtuch und brachte ihn zum Husten. Ich wartete, bis er sich wieder beruhigt hatte, und verteilte die klebrige Nässe dann genüsslich auf seiner Haut.

Zeit für einen Geschmackwechsel. Ich schob zwei Finger tief in mich, spürte die klebrige Nässe, die so ganz anders war als die Zuckerklebrigkeit der Cola. Versonnen betrachtete ich, wie mein Saft zwischen meinen Fingern Fäden zog, bevor ich ihm die Finger in den Mund schob.

Ich bemerkte den Moment, in dem er den Geschmack erkannte, denn da begann er, gierig an meinen Fingern zu lutschen, um auch die letzten Reste abzuschlecken. Ich rutschte höher und platzierte mein Becken über seinem Gesicht, senkte es langsam ab und ließ ihn meinen Saft direkt dort kosten. Meine Hand hielt seinen Kopf fest, während sich seine Lippen und seine Zunge gierig zwischen meine prallen Lippen bohrten.

Ich griff nach hinten, um seinen Schwanz in Form zu bringen; umschloss ihn mit einer Hand und rieb ihn hart, um dann ein Gummi darüber zu ziehen und mich ohne weitere Umschweife darauf niederzulassen. Sein Becken zuckte mir entgegen, was ich mit einem harten Schlag gegen seinen Brustkorb quittierte und der Auforderung: „Stillhalten!“

Genüsslich bewegte ich mich auf seinem Schwanz, ließ mein Becken kreisen und beobachtete das Verlangen in seinem Gesicht. So leicht würde ich es nicht machen. Ich löste mich wieder von ihm, drehte mich um und schob ihm wieder mein Becken hin. Seine Zunge leckte gierig an mir, während ich seinen Schwanz mit der Hand umfasste.

Kurz überlegte ich, ihn auch ihn den Mund zu nehmen, doch dann begnügte ich mich damit, ihn hart zu wichsen und sein Keuchen zwischen meinen Beinen zu spüren. Unbarmherzig wurde ich immer härter und schneller, trieb ihn auf den Punkt zu, wo er es nicht mehr aushalten würde.

Sein Sperma spritzte in heißen Stößen über seinen Bauch, und seine Zunge löste sich von mir. Ich setzte mich nach hinten und bettete seinen Kopf in meinen Schoß, hielt seinen Kopf und ließ ihn das eben erlebte nachspüren.

(geschrieben am 10.07.15)


Geschichten unterliegen meinem Copyright und dürfen nicht kopiert und/ oder an anderer Stelle im Internet veröffentlicht werden!

Machtspiel

Ich hatte vor ein paar Tagen einen Chat-Kontakt, der mich am Anfang irritiert, später dann geärgert hat. Das Profil kannt ich nicht, und es enthielt zwar ein Bild, auf dem war jedoch nicht viel zu erkennen. Er schrieb mich mit einem nichtssagenden Spruch an, den ich erst konterte, um dann gleich zu korrigieren: „Das passt wohl nicht mit uns beiden, denn ich deinem Profil steht, dass du immer über Nacht zu dir einlädst – ich biete weder Hausbesuche noch Overnight an.“

Dann stellt sich heraus, dass wir uns wohl für ziemlich langer Zeit schon mal getroffen hatten – und er wurde patzig, weil ich mich nicht an ihn erinnerte. (Nein, nach mehreren Jahren ist das selten der Fall, und wenn dann erkenne ich dich vielleicht bei einem Treffen wieder, aber nicht am Telefon oder per Mail.)

Dem folgte ein wirrer Dialog, in dem er versuchte, mich zu einem Reeperbahnbummel zu überreden, und ich das ablehnte, weil sowas nicht mein Ding ist – mache ich privat nur selten, während Corona erst recht nicht, und ich treffe nur ungern Kunden außerhalb meiner Räume. Er versuchte mich zu überzeugen: erst indem er darauf hinwies, dass ich zu unflexibel sei, dann indem er mir mehr Geld bot, und dann mit Betteln, dass er das aber unbedingt mit mir machen wolle.

Ab irgendeinem Punkt merkte ich, dass ich innerlich abschaltete und generell mir kein Treffen mehr mit ihm vorstellen konnte. Das übersehen manche Kunden, wenn sie im Vorweg so eine Unruhe reinbringen: es geht nicht um eine technische Dienstleistung, sondern auch ich muss mit einem guten Gefühl in so ein Treffen gehen, sonst kommt da nichts Vernünftiges bei rum. Wenn ich mich vorher schon verunsichert oder genervt fühle, macht das fast keinen Sinn mehr.

Grenzen und Urteile

Letzte Woche gab es in Düsseldorf ein Gerichtsurteil, bei dem die Klage einer Tantra-Masseurin, sich nicht nach Prostitutionsschutzgesetz (ProstSchG) registrieren zu müssen, abgelehnt wurde. Es gab in den letzten Jahren mehrere Vorstöße des Tantramassageverbandes in diese Richtung; immer wieder wird versucht, Tantra-Massagen als therapeutische Massagen hinzustellen und deutlich von der Prostitution abzugrenzen.

Meine Erfahrungen mit Tantra-Massagen zu schildern und die daraus resultierende Meinung zu dem Thema würde den Rahmen dieses Textes sprengen, und gerade geht es mir um etwas anderes. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Branche wird viel darüber diskutiert, was genau Prostitution/ Sexarbeit beinhaltet und wo die Grenzen liegen. Auch versuchen einige Menschen, so etwas wie eine Hierarchie zu etablieren und Grenzen zu ziehen: Tantra-Massagen sind gut, Sex ist schlecht; Escort ist gut, Straßenstrich ist schlecht; selbstbestimmt ist gut, mit Anleitung ist schlecht; und so weiter.

In den letzten Jahren gibt es zum Glück auch immer wieder Stimmen, die sich gegen diese Abgrenzungen stellen und versuchen, sich allgemein für die Anerkennung von Sexarbeit in allen Bereichen einzusetzen (besonders fällt mir dazu der Berufsverband Sexarbeit ein). Für viele Anbieterinnen ist es schwierig, ihr Selbstbild klar rüberzubringen und nicht verurteilt zu werden. Auch Kunden gegenüber herrscht gesellschaftlich ein hohes Maß an Verurteilung und Ausgrenzung.

Es ist eine Illusion zu glauben, dass es diese Grenzen wirklich gibt bzw das eine solche Abgrenzung gelingen kann. Jede Anbieterin und jeder Kunde definieren ihre Anforderungen und Inhalte in diesem Bereich selbst, und häufig ist es ein ständiges neu austarieren und ausprobieren. Ich finde es viel wichtiger, darüber ins Gespräch zu kommen und Standards zu entwickeln, die sich auf Fairness, Sicherheit und Toleranz beziehen, statt zu versuchen, ganze Bereiche zu verdrängen und negieren.

Risiken eingehen

Die Corona-Inzidenz steigt und steigt. Hamburg steht noch einigermaßen da und hat jetzt in sehr vielen Bereichen 2G beschlossen. Auch bei mir und meinen Kunden steigt das Bewusstsein für die Pandemie-Krise, und es stellt sich immer wieder die Frage: Sind solche Treffen überhaupt noch vernünftig?

Ich bin selber geimpft und treffe schon seit einigen Wochen nur noch Kunden, die ebenfalls geimpft wird. Seit zehn Tagen mache ich jetzt wieder regelmäßig Tests; an Tagen, an denen ich Dates habe (oder Menschen in Innenräumen treffe), teste ich mich jeden Morgen mit einem Selbsttest, zum Wochenende hin mache ich einen offiziellen Test in einem Testzentrum.

Ein guter Freund von mir hat sich seit Beginn der Pandemie ins Privatleben zurückgezogen. Im ersten Jahr ist er außer zum Supermarkt nirgendwo hin gegangen. Auch diesen Sommer war er höchstens mal kurz in der Stadt – keinerlei kulturelle Veranstaltungen, Gastronomie, etc. Treffen mit Freunden nur sehr, sehr eingeschränkt. Ist das noch lebenswert, und wie lange kann man das durchhalten?

Vor drei Wochen hatte ich eine Situation, in der ich Corona ausgesetzt war – und mich nicht angesteckt habe. Das lässt mich jetzt nicht unvorsichtig werden, aber es zeigt mir, dass es keine letztendlichen Garantien gibt, und manchmal hat man einfach Glück.

Manche Kunden fragen mich, ob ich Sexdates nicht für gefährlich halte, in diesen Zeiten. Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich treffe eine handvoll Männer die Woche, alle geimpft. Das Risiko erscheint mir deutlich geringer als z.B. ein ausgedehnter Shopping-Bummel an einem Samstag oder ein Kino/Theater-Besuch.

Als langjährige Sexarbeiterin gelange ich immer wieder an den Punkt, an dem ich mir Gedanken über die gesundheitlichen Risiken meiner Arbeit mache. Im Moment steht Corona im Vordergrund. Sonst sind sexuell übertragbare Krankheiten ein Risiko, das immer im Raum steht. Ich kann Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, aber ein Restrisiko bleibt. Vielleicht zählt das einfach zum allgemeinen Lebensrisiko…

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