Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Film: Jung und schön

Am Wochenende habe ich zum wiederholten Mal den französischen Film „Jung und schön“ gesehen. Zum ersten Mal habe ich ihn 2013 im Kino gesehen und danach schon einige Male auf Video.

Mit dem Charme eines typischen französischen Films (tolle Musik, stimmungsvolle Bilder) wird die Geschichte der 17-jährigen Isabelle erzählt, die im Sommer am Meer ihr erstes Mal erlebt und dann im Herbst zurück in Paris anfängt für Geld mit fremden Männern in Hotelzimmern Sex zu haben. Nach einer Weile fliegt das ganze auf und sie muss sich der Polizei und ihrer Familie stellen, wo sie überall nur auf Unverständnis stößt. Nach einer Pause bleibt doch die Faszination ihres Tuns…

Ich mag an diesem Film, dass er kein Urteil fällt. Isabelles Motive bleiben rätselhaft, man merkt ihr „Wegdriften“ aus dem normalen Schul- und Familienalltag, erfährt aber wenig über ihre Gefühle und Gründe. Trotzdem ist es kein „Abrutschen“, sondern ein bewusster Weg, den sie geht. Sie bleibt selbstbestimmt und selbstbewusst in ihrer Jugend und Schönheit. Das empfinde ich als schönen Gegensatz zu den gerade modernen Opfer-Geschichten über Prostituierte.

Geschichte: Seduce me

Sein Blick wandert bewundernd über meinen Körper. Das schwarze Minikleid habe ich schon ausgezogen und trage nur noch einen String und schwarze Strümpfe. Lächelnd trete ich einen Schritt auf ihn zu und lasse meine Finger über seine Haut gleiten.

„Ich möchte dich gerne verwöhnen“, sagt er, „hast du eine Augenbinde?“ Ich nehme eine kleine Tüte aus einer Schublade und schütte einige Spielzeuge aufs Bett: eine Augenbinde, schmale Manschetten für die Handgelenke, ein Federspielzeug und einen Flogger. Er legt mir die Augenbinde an, fixiert meine Handgelenke aneinander und weist mich dann an, mich auf den Rücken zu legen.

Spielerisch kitzelt das Federspiel über meine Haut, bringt mich zum Lächeln und zum Stöhnen. Als es über meine Brüste gleitet, zu meinen Beinen, an meinen Leisten entlang, fange ich an mich lustvoll zu winden. Plötzlich eine ganz andere Berührung: die Lederschnüre des Floggers zwischen meinen Beinen.

Verschiedene Berührungen an meinem ganzen Körper: Federn, Leder, seine Lippen, Hände, Zunge… Dann sein Körper über mir, sein Atem auf meiner Haut. Kurze Unterbrechung: „Wo hast du ein Kondom?“

Die ungewohnte Erfahrung, mich fallen zu lassen und die Verantwortung für die Situation abzugeben. Und mich dabei achtsam berührt und gehalten zu fühlen. Dieses Gefühl schwingt noch nach, als wir hinterher aneinander gekuschelt liegen und die Begegnung ausklingen lassen.


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Geld ausgeben

Letzte Woche war es mal wieder so weit. Ich kenne ihn schon seit fast 15 Jahren, noch aus meinen Tantra-Massage-Zeiten. In den letzten Jahren schreiben wir nur ab und zu mal, sehen tun wie uns kaum noch. Aber ein bis zwei Mal im Jahr macht er einen Termin, mit mindestens einer Woche Vorlauf – um ihn dann zwei Tage vorher wieder abzusagen.

Ich muss dann immer daran denken, wie wir in meiner Wirtschaftsausbildung mal über den Unterschied von Bedürfnis und Bedarf gesprochen haben. Es ist eine Sache, sich etwas irgendwie zu wünschen, das Bedürfnis danach zu haben, aber etwas ganz anderes, dann wirklich Zeit und Geld in die Umsetzung zu stecken, also einen Bedarf umzusetzen.

Dieser Zwischenschritt ist an sich eine gute Sache. Ich habe auch ganz viele Ideen, was ich alles machen könnte oder gerne hätte, und setze nur einen Bruchteil davon in die Realität um. Schwierig wird es, wenn dieser Zwischenschritt nicht bewusst bezogen wird, sondern man schon halb in der Umsetzung ist, bevor man sich überlegt, ob man das wirklich wird.

Im oberen Fall kann ich darüber lächeln, da durch den zeitlichen Ablauf kein Schaden entsteht. Nicht mehr lächeln kann ich, wenn es dazu führt, dass Termine nicht bestätigt, sehr kurzfristig abgesagt oder einfach versetzt werden.

Ich habe auch ein paar Kunden, die zwar gerne zu mir kommen würden, es sich aber nicht leisten können oder wollen – und nicht bereit sind, sich das selber einzugestehen. Das macht es für mich anstrengend, denn diese sind sehr chaotisch in ihrer Terminvereinbarung, und manchmal merke ich diese Ambivalenz auch im Termin.

Einer meiner Kunden schafft es nie, mir einfach mit einem Lächeln das Geld zu geben und es darauf beruhen zu lassen. Jedes Mal bekomme ich einen doofen Spruch in die Richtung, wie reich ich doch sein müsste etc , wie ich mir die Männer in meinem Leben aussuchen könnte – es nervt! Da ist die Ebene zwischen privatem Sex und Sexarbeit so gar nicht geklärt bei ihm, und er macht mir das zum Vorwurf.

Ich sehe Sexarbeit als eine Dienstleistung, von der beide Seiten profitieren können und die ehrlich vonstatten gehen kann. Sie hat aber halt auch bestimmte Grenzen und Bedingungen. Geld ist eine davon.

Neue Fotos

In den letzten Jahren musste ich mich immer dazu zwingen, neue Fotos für Anzeigenprofile und meine Homepage zu machen. Ich habe zugenommen, und obwohl ich mich immer noch in meinem Körper wohlfühle, ist der Unterschied auf Fotos sehr deutlich. Es ist daher schwer, Fotos zu machen, auf denen ich mir wirklich gefalle.

Meine Fotos macht schon seit mittlerweile 13 Jahren ein guter Freund von mir, der viel Geduld mit mir hat. Wir sind ein eingespieltes Team und sehr entspannt im Umgang miteinander, so dass eigentlich immer eine entspannte Atmosphäre herrscht. Gestern wollten wir eigentlich nach draußen, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt das Shooting ganz ausfallen zu lassen, haben wir uns stattdessen in meiner Wohnung getroffen.

Es lief richtig gut! Ich habe schon seit sehr langer Zeit nicht mehr so viel Lust auf ein Shooting gehabt, so viele Outfits und Ideen gehabt und so mit der Kamera spielen können. Es sind fast 400 Bilder entstanden, ein Vielfaches von dem was wir sonst machen.

Gestern Abend habe ich mir gleich die Zeit genommen und die Bilder gesichtet und sortiert. 24 Bilder habe ich ausgewählt; nicht alle davon für meine Sexarbeit-Werbung, einige werde ich auch einfach so für mich nutzen. Es sind sehr unterschiedliche Seiten von mir zu sehen, von frech und sexy über verträumt und verspielt zu sinnlich und erotisch.

In den nächsten Tagen wird der Fotograf die ausgewählten Bilder noch mal überarbeiten. Wir machen keine Beauty-Retuschen o.ä., sondern korrigieren nur ein wenig die Farben, und manche Bilder schneide ich neu zu. Dann freue ich mich darauf, Euch die Bilder zu präsentieren!

Kosten-Nutzen-Rechnung

„Bei einem Date entstehen auch Kosten. Man muss die Frau zum Essen einladen etc, und dafür gibt es keine Garantie auf Sex. Da kann ich auch gleich eine Sexarbeiterin bezahlen.“ oder „Beziehungen kosten auch Geld. Was man da investieren muss, für gemeinsame Unternehmungen, und auch an Zeit…“

Ich mag diese Vergleiche nicht. Für mich werden da Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn ich ein Date habe, geht es darum, eine Person kennenzulernen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen – vielleicht nur für einen Abend, vielleicht auch mit der Hoffnung auf eine Beziehung.

Zugegeben, als Frau ist es wohl einfacher, Sex zu finden. Als ich jünger war habe ich mich ab und zu über Erotik-Portale für reine Sex-Dates verabredet. Das Ergebnis war meist enttäuschend. Man war sich zu fremd, die Stimmung war verkrampft. Im besten Fall konnte ich hinterher darüber lachen (und über mich selbst, dass ich mich darauf eingelassen hatte), im schlechteren Fall war es verschwendete Zeit und hinterließ ein schales Gefühl.

In dem Sinne macht es durchaus mehr Sinn, eine Sexarbeiterin zu buchen. Diese hat Erfahrung im Sex mit Fremden und schafft es, ihrem Gast über Unsicherheiten hinwegzuhelfen und eine entspannte erotische Atmosphäre zu schaffen. Wer also einfach Sex sucht, für eine Stunde oder einen Abend, investiert seine Zeit (und sein Geld) besser in eine Sexarbeiterin als ins Daten.

Wer aber Kontakt sucht, ein ehrliches Gespräch, die Möglichkeit jemanden wirklich kennenzulernen und gemeinsam etwas zu entwickeln, der ist bei einem Date besser aufgehoben. Dort ist die Gefahr gegeben, danach alleine nach Hause zu gehen, weil es doch nicht gepasst hat. Andererseits: Wer von einem Date nicht alleine nach Hause geht, kann sicher sein, begehrt zu werden und wirklich gemeint zu sein.

Sexarbeit ist eine Dienstleistung. Privater Sex ist eine Begegnung auf Augenhöhe. Ich finde nicht, dass man das vergleichen sollte. Erst recht nicht sollte man beides auf eine Kosten-Nutzen-Bilanz reduzieren.

Handjob

Die westliche Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft, in der viele Menschen beständig nach einer Verbesserung streben, nach etwas Neuem in allen Lebensbereichen. Das gilt auch für den Sex und vor allem im Käuflichen Sex: Anal gehört mittlerweile fast schon zum Standard, Verkehr bitte in allen Varianten, Oral bis zum Deepthroat – wer will sich da schon mit einem Handjob begnügen?

Handjob steht für viele für einen schnellen Spannungsabbau, egal ob durch die eigene Hand oder jemanden anders. Ich erinnere mich, dass es mir zu Beginn meiner Sexarbeiterinnen-Laufbahn oft zum Vorwurf gemacht wurde, wenn ich zu viel die Hand benutzt habe; es wurde unterstellt, ich würde „nicht richtig arbeiten“ oder „es zu schnell zu Ende bringen wollen“.

Seitden hat sich viel getan in der Einstellung zur Handarbeit – bei mir, aber auch insgesamt in der Sexarbeit, vor allem durch den Einfluss der Tantra-Szene. Bei einer Tantra-Massage sprechen nur diejenigen von einer „Handentspannung“, die das Erlebnis einer solchen Massage inklusive Lingam-Massage noch nie gemacht haben.

Die Hände/ Finger sind ein sehr wichtiger Teil davon, was Menschen von Tieren unterscheidet. Mit keinem anderen Körperteil können wir so sensibel spüren und so vielseitig berühren. Das gilt für den ganzen Körper, aber gerade bei Berührungen im Intimbereich kann man so unglaubliche Empfindungen auslösen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich um eine Art Massage handelt. Diese ist im Idealfall absichtslos; es geht also nicht darum, möglichst schnell einen Orgasmus herbeizuführen, sondern darum, möglichst viele Berührungen und Empfindungen erfahrbar zu machen und das gerne über eine längere Zeit. Der Empfangende kann sich dabei ganz fallen lassen und auf sich selbst konzentrieren.

Ich lade meine Kunden also ein, es einfach mal auszuprobieren, in Verbindung mit einer Ganzkörper-Massage oder in Verbindung mit Nähe, Kuscheln, vielleicht dann auch Sex.

Geheimnisse

Sexarbeit ist kein Thema, über das ich leicht rede. Zu sehr ist es mit Vorurteilen behaftet. Manchmal habe ich einfach keine Lust auf Erklärungen, die sich zu schnell nach Rechtfertigungen anfühlen, und auf moralisch-emotionale Diskussionen, bei denen man doch keinen gemeinsamen Nenner findet. Das klingt jetzt sehr negativ – ich habe durchaus auch schon häufig Toleranz und Interesse erfahren. Insgesamt ist es ein Thema, das sich schnell in den Vordergrund drängt und nie einfach so erwähnt und wieder abgehakt werden kann.

Es gab und gibt unterschiedliche Phasen in meinem Leben, wie ich mit dem Thema umgegangen bin. Mit Anfang 20 habe ich da fast allen gegenüber ein Geheimnis draus gemacht. Dann, mit Mitte/ Ende 20, hatte ich eine Phase, in der es mir wichtig war, möglichst vielen Menschen in meinem Umfeld davon zu erzählen. Ich hatte das Gefühl, dass mich jemand nicht richtig kennen würde, wenn er das nicht von mir wüsste, und das demnach der Kontakt nicht „echt“ sei, wenn ich es verheimliche.

Später gab es Phasen, da habe ich fast gar nicht mehr darüber geredet. Mein Schwerpunkt hatte sich von klassischer Prostitution hin zu Tantra-Massagen verschoben, und das war ja schon fast seriös. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das noch ein wichtiger Teil von mir war, und habe dementsprechend selten darüber gesprochen. In den letzten Jahren bin ich ja nun nicht mehr nur im Bereich Tantra-Massagen/ Erotische Massagen unterwegs, sondern mehr in Bereichen, die wirklich eindeutig Sexarbeit sind. Die Menschen in meinem Freundeskreis wissen das, Freizeit-Bekannte nicht – so einfach.

Im Moment lerne ich jedoch gerade relativ viele neue Menschen kennen, dadurch dass ich wieder mehr weggehe und auch bewusst neue Kontakte suche. Ich erwische mich dann dabei, wie ich ganz begeistert von meiner Tätigkeit als Yogalehrerin und Masseurin erzähle und das Thema Sexarbeit gedanklich ganz weit in den Hintergrund schiebe. Dabei frage ich mich immer wieder, wie echt der Kontakt ist und ob ich nicht ein falsche Bild von mir vorspiegle. Es fällt mir gerade schwer, mich den Fragen und Urteilen auszusetzen, die auf eine solche Enthüllung folgen – und vielleicht auch der Ablehnung.

Gleichzeitig wächst die Angst, ungewollt geoutet zu werden, etwa indem irgendwo in meinen Erzählungen ein Widerspruch drin ist oder einfach indem mich jemand gründlich googelt. Ich habe (noch) keine Antwort für diese Fragen, Gedanken und Gefühle; es ist einfach etwas, das mich gerade (mal wieder) sehr beschäftigt.

Perfekte Illusion

Vor kurzem sagte jemand zu mir, die Zeit mit mir sei eine perfekte Illusion. Ich verstand, was er damit sagen wollte, aber meine Gedanken dazu sind ein wenig anders.

Ich versuche nicht, Illusionen zu erschaffen. Meine Stärke ist es, Stimmungen zu erschaffen. Dabei will ich niemandem etwas vorgaukeln, sondern eine Einladung aussprechen, sich in die Situation hinein zu entspannen und zu genießen. Vielleicht ist es ein wenig vergleichbar mit einem Musiker, der mit seiner Musik seine Gäste in eine bestimmte Stimmung versetzen kann. Dasselbe tue ich mit einem Zusammenspiel aus Atmosphäre im Raum und Berührungen.

Ob ich jemandem dabei etwas vorspiele? Diese Frage kann ich nicht mal genau beantworten. Wenn ich mit einem meiner Kunden zusammen bin, stelle ich meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse in den Hintergrund und konzentriere mich ganz auf meinen Gegenüber. Frei nach dem Motto „Fake it till you make it“ kann ich dann oft nicht einmal selbst unterscheiden, welcher Teil meiner Lust und Hingabe echt ist und was „nur“ der Situation geschuldet.

Wie echt ist also nun das Treffen mit einer Sexarbeiterin? Ich erlebe es so, dass das, was während des Treffens geschicht, in den meisten Fällen echt ist. Aber ein solches Treffen hat klar definierte Grenzen, und es wäre ein Fehler, das Geschehn innerhalb dieser Grenzen nach draußen bringen zu wolllen und davon Gefühle oder Verbindungen über dieses Treffen hinaus abzuleiten.

Huschke Mau

In dieser Woche habe ich schon zwei Mal mit Freunden darüber diskutiert, ob es Sinn macht, manchen Menschen Aufmerksamkeit zu geben oder ob man sie am besten ignoriert. Konkret geht es um Huschke Mau. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem der Gesichter der Prostitutionsgegner in Deutschland gemacht und tingelt damit durch diverse Medien. Sie hat eine Organisation gegründet, die Frauen beim Ausstieg hilft (Netzwerk Ella) und setzt sich für das Nordische Model ein.

Ich habe vor einigen Jahren einen Text von ihr gelesen, der „Wiedereinstiegsgedankenkreisel“ hieß (damals hatte ich ihren Namen noch nie gehört). In diesem Text fand ich viele meiner eigenen Gedanken und Verhaltensweisen wieder, wenn auch überspitzt. Seitdem folge ich ihr bei Facebook und lese immer wieder Texte von ihr – mit immer weniger Spaß, denn in ihren Augen sind Freier grundsätzlich gewaltbereite Täter und Frauen immer Opfer.

Vor kurzem hat sie eine Talkshow verlassen, weil die anderen Teilnehmer nicht bereit waren, ihren Standpunkt zu teilen. Im Nachhinein regte sie sich dann darüber auf, dass sie als „Ex-Prostituierte“ bezeichnet worden war – sie sei doch mittlerweile Doktorantin und hätte viel mehr erreicht. Sie sitzt aber in dieser Talkshow und beruft sich auf ihre Geschichte und vergleichbare Schicksale, wenig auf die diversen Daten und Meinungen, die es zu dem Thema gibt. Wenn sie die Rolle so klar annimmt, warum wehrt sie sich dann im Nachhinein dagegen?!

Huschke Mau hat eine Vergangenheit voller Gewalt, beginnend mit einem gewalttätigen Elternhaus, aus dem sie mit 17 flieht. Das ist eine tragische Geschichte, aber gleichzeitig keine typische. Die Frauen, die ich in der Sexarbeit kennengelernt habe, hatten sehr unterschiedliche Geschichten und Beweggründe – die wenigsten davon waren so dramatisch wie die von Huschke Mau.

Wenn ich Gedanken zu Huschke Mau und ihren Thesen formuliere, komme ich mir vor, als wollte ich einem Opfer häuslicher Gewalt von meiner glücklichen Beziehung erzählen. Die Erfahrungswelten sind so weit auseinander, dass sich einfach kein gemeinsamer Nenner finden lässt. Theoretisch redet man über dasselbe (über Beziehungen bzw über Sexarbeit), aber vergleichbar ist es doch überhaupt nicht.

Letztes Jahr hat Huschke Mau ein Buch herausgebracht, dem sie den Titel „Entmenschlicht“ gegeben hat. Es lag einige Monate ungelesen in meinem Regal, und jetzt habe ich mich dazu durchgerungen, es zu lesen. Es macht keinen Spaß, aber ich finde es wichtig, auch in diese Seite der Diskussion einen Einblick zu haben. Buchbesprechung folgt, wenn ich es durch geschafft habe.

Wachs

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder das Vergnügen, mit einem meiner Lieblingsspielzeuge zu spielen: mit einer Kerze und heißem Wachs.

Viele Menschen bringen Spiele mit Wachs mit SM und Schmerzen in Verbindung und lehnen sie daher ab. Ich sehe Wachs als einen sinnlichen Reiz, dessen Intensität ich variieren kann. Wenn ich die Kerze sehr hoch halte, ist es nicht mehr als ein warmer Tropfen, ähnlich wie warmes Öl (und doch irgendwie anders). Je tiefer ich mit der Kerze komme, desto heißer wird es.

Manchmal denke ich darüber nach, Wachs auch in eine Massage einzubinden. Gerade in Verbindung mit eingeölter Haut fühlt es sich sehr gut an. Einziger Nachteil ist, dass es sich nicht so einfach wegwischen lässt, sondern hinterher einen ziemlichen Aufwand beim Reinigen braucht.

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