Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Seite 18 von 57

Geschichte: Slow Sex

Drei Stunden Zeit, das ist sehr viel mehr als ich sonst für solche Dates habe. Schon die ganze Woche hatte ich mich auf diesen Samstagnachmittag gefreut, und mir gleich noch den Abend freigehalten, um das dann entspannt nachklingen zu lassen.

Er erlaubt mir gleich, passiv zu werden und mich zu entspannen. Ich liege auf dem Bauch und seine Hände streichen sanft über meinen Körper. Seinen Händen folgen seine Lippen, sein Bart kitzelt auf meiner Haut. Er lässt mir Zeit, mich zu entspannen und mich in seinen sinnlichen Berührungen zu verlieren. Sucht die empfindlichen Stellen dort, wo man sie nicht erwartet…

Schließlich bittet er mich zum Umdrehen, und aus Entspannung wird ein lustvolles Winden, als seine Hände und sein Mund über meine Vorderseite wandern und so lange hin und her wandern, bis seine Zunge endlich über meine Leiste und zwischen meine Beine gleitet. Erst sanft dann leidenschaftlicher leckt er mich, bis ich stöhnend ein erstes Mal komme.

Dafür möchte ich mich natürlich revangieren, und zwar genauso gründlich. Ich lasse ihn sich auf den Bauch legen und streiche Öl über seinen Rücken, seinen Po und seinen Beine. Meine Berührungen wechseln zwischen sanftem Streichen, festeren Griffen und sinnlichem Necken. Schließlich gleite ich mit meinem ganzen Körper über seinen, reibe mich genüsslich an ihm, bevor ich ihn bitte sich umzudrehen.

Auch auf der Vorderseite lasse ich mir Zeit, ihn mit Öl zu massieren und zu verwöhnen, bevor ich meine Lippen nach unten wandern lasse und ihn mit meinem Mund verwöhne. Schließlich angle ich nach einem Kondom, streife es über und setze mich auf ihn. Genüsslich wiege ich mein Becken hin und her, suche den Punkt an dem es sich so gut anfühlt.

Langsam siegt die Leidenschaft über die Sinnlichkeit, unsere Bewegungen werden zielgerichteter, und er dreht mich, um kraftvoll in mich stoßen zu können. Meinen zweiten Höhepunkt erreiche ich kurz vor ihm. Dann liegen wir noch ein wenig nebeneinander und spüren nach.

Höhere Gewalt und Zuverlässigkeit

Sommer in der Stadt. Überall ist es voll, gefühlt habe ich nie so viel im Stau gestanden wie in den letzten zwei Wochen, selbst mit dem Fahrrad ist es manchmal stressig. Seit Montag fährt auf der Veddel die S-Bahn nicht mehr richtig, wegen eines Brückenschadens an der nächsten Station. Ich habe dadurch diese Woche gleich drei Mal mein Yoga nicht geschafft, hatte das einfach zu spät mitgekriegt und dann nicht richtig umgeplant.

Es gibt also durchaus so etwas wie Höhere Gewalt, die dazu führt, dass man Termine nicht einhalten kann. Nur gehört zu meiner Definition von Höherer Gewalt nicht nur, dass man darauf keinen Einfluss hat, sondern auch, dass es völlig unvorhersehbar war. Ein Stau im Feierabendverkehr z.B. ist meist vorhersehbar, und von erwachsenen Menschen erwarte ich, dass sie dafür etwas Reservezeit einplanen.

Es sind meist eh die Männer, bei denen ich mir im Vorweg Gedanken mache, ob der Termin wohl klappt, die sich dann bei kurzfristiger Absage darauf berufen, dass sie „da aber nichts für können“. Heute Nachmittag hat mir jemand einen Termin weniger als 40 Minuten vorher abgesagt, weil auf der Arbeit etwas schiefgelaufen sei, das „hätte er ja nicht vorhersehen können“. Es kann in vielen Jobs Zwischenfälle geben, die dazu führen, dass man nicht pünktlich los kommt. Aber von ihm hörte ich das jetzt schon zum dritten Mal, er plante also grundsätzlich zu wenig Zeit ein – auf Kosten meiner Zeit. Ich werde keine weitere Chance geben, sondern auf weitere Termine mit ihm verzichten.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine Ausrede, die mich richtig aufgeregt hat. Der Termin war schon mehrmals verschoben worden, über mehrere Monate (zuvor war er ein einziges Mal bei mir, erwartete aber von mir, dass ich während der ganzen Zeit den Kontakt per Mail hielt). Am Freitag ließ ich mir den Termin für Montag noch mal bestätigen, was er zusagte. Sonntagabend sehr spät kriegte ich plötzlich eine Nachricht: „Ich weiß nicht ob ich morgen schon mein Gehalt auf dem Konto habe, sonst kann ich nicht kommen.“ Wir hatten den 17. des Monats, eine völlig untypischen Tag um Gehalt zu bekommen. Montag hielt er mich dann den halben Tag hin, bevor er den Termin endgültig absagte – und sich darüber wunderte, dass ich mich aufregte, denn er „könne da ja nichts für“.

Doch, er kann da was für! Ich erwarte von erwachsenen Menschen, dass sie ihr Leben so weit im Griff haben, um ihre Zeitplanung und ihre Finanzen überblicken zu können – und ggf frühzeitig gegenzusteuern, indem sie Termine umlegen oder absagen. Kurz vor einem Termin finde ich sowas unreif und respektlos mir und meiner Zeit gegenüber, und verzichte dann gerne auf weiteren Kontakt – auch wenn ich dann die Böse bin.

Internet-Stalking

Mit „Internet-Stalking“ bezeichnen (meist jüngere) Menschen ist, wenn man neue Bekannte erst mal googelt und schaut, auf welchen Social Media-Plattformen sie vertreten sind, und so Dinge über sie herausfindet, die vielleicht im Kontakt noch nicht Thema waren.

Jemand hat mal angemerkt, dass „Internet-Stalking“ als Begriff in sich widersprüchlich ist. Schließlich sind die meisten dieser Informationen von den Betroffenen selbst ins Netz gestellt worden und es ist Sinn der Sache, das sie gelesen werden. Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen, aber für mich gibt es da eine (feine) Grenze.

Ich habe selber viel Spaß daran, Freunden oder auch Fremden z.B. auf Facebook zu folgen und zu sehen, was sie aus ihrem Leben und ihren Gedanken teilen. Manchmal scrolle ich einfach und lasse mich überraschen, nach manchen Beiträgen suche ich auch gezielt.

So handhaben es wohl auch die Kunden, die hier meinem Blog folgen, oder meinem Auftritt bei kaufmich, oder auf einer anderen Social Media-Plattform: Sie schauen alle paar Tagen oder Wochen mal rein und freuen sich, wenn es etwas Neues von mir gibt. In einigen Fällen (zum Glück sehr wenigen) artet dieses Verhalten aber aus.

Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Stammkunden, der sich irgendwann völlig auf mich fixiert hatte. Angefangen hat es ganz harmlos damit, dass er begeistert war von meinen Beiträgen auf Social Media. Irgendwann war das soweit, dass er mehrfach am Tag auf mein Profil klickte und bald jeden neuen Beitrag auf sich bezog und kommentierte und/ oder von mir weitere Erklärungen forderte. Ich fand ich sein Verhalten irgendwann so gruselig, dass ich jeglichen Kontakt abgebrochen habe.

In den meisten Fällen bekomme ich nicht mit, wie viel oder wenig jemanden auf meinen Profilen in Sozialen Medien oder auf meinen eigenen Homepages unterwegs ist (und das ist wohl auch gut so). Ich freue mich über Aufmerksamkeit…

aber bitte nicht vergessen, dass Darstellungen im Internet halt (Selbst-)Darstellungen sind, die nur einen kleinen Ausschnitt davon abbilden, wer und wie ich wirklich bin. Ich verhalte mich in jeder Situation und jedem neuen Menschen gegenüber anders. Internet-Darstellungen bieten viel Interpretationsspielraum, und manche nutzen das (zu) hemmungslos aus für ihre eigenen Wünsche und Projektionen – die dann aber nur noch sehr wenig mit mir als realer Person zu tun haben.

Verantwortung des Kunden

Anfang der Woche hatte ich einen Termin, der mich sprach- und ratlos zurückgelassen hat. Gar nicht mal der Termin selber, da war alles okay. Sondern das Gespräch danach.

Wir sprachen über kaufmich und über die Erfahrungen, die man so mit Paysex-Dates gemacht hatte. Über gegenseitiges Mißtrauen und versetzte Dates, aber auch über Dinge die gut gelaufen sind. Er schien beruflich viel unterwegs zu sein und in unterschiedlichen Städten Dates zu machen.

Er erzählte dann, dass er in Berlin häufig über Escort-Agenturen Dates buchen würde. Ich war etwas überrascht, denn ich hatte Escort-Agenturen für ausgestorben gehalten, seit jede Frau mit dem Handy übers Internet eigene Termine machen konnte, bzw Escort-Agenturen kannte ich nur noch aus dem absoluten High Class-Bereich.

Doch das meinte er nicht. In Berlin gibt es Agenturen, wo man einfach per SMS eine Frau aufs Hotelzimmer bestellen könne (so wie eine Pizza). Meist kämen dann Bulgarinnen, die kein Wort Deutsch sprächen. Er beklagte sich dann, dass das generell okay sei, er aber auch schon Frauen „gehabt“ hätte, die eindeutig nicht hätten da sein wollen, keinerlei Service/ Motivation an den Tag legten und in einigen Fällen sogar betrunken und/ oder unter Drogen gewesen wären. In solchen Fällen hätte er sich natürlich im Nachhinein bei der Agentur beschwert!

Zu diesem Zeitpunkt war ich nur noch sprachlos und dann froh, als er gegangen ist. Auf der politischen Schiene kämpfen wir selbstbestimmte Sexarbeiterinnen ständig für unsere Arbeit und auch gegen das Stigma, dem auch die Kunden ausgesetzt sind. Die Argumentation der Prostitutionsgegnerinnen ist ja, dass das meiste Menschenhandel/ Zwangsprostitution ist und alle Freier Gewalttäter. Ich habe immer argumentiert, dass keiner meiner Kunden jemals so mit einer Frau Sex haben würde.

Jetzt komme ich mir naiv vor und mein Weltbild ist ein wenig ins Wanken geraten. Vielleicht bewege ich mich wirklich zu sehr in meiner Blase und verstelle mir damit den Blick auf eine unschöne Realität, die es auch gibt.

Die Wand

Es handelt sich hier um eine allgemeine Betrachtung, nicht um etwas was mich aktuell betrifft.

Ich glaube, dass es keine Sexarbeiterin gibt, die das noch nie in ihrer Laufbahn erlebt hat: den Moment, wo man plötzlich das Gefühl hat, vor eine Wand zu laufen. Plötzlich geht gar nichts mehr. Es passiert morgens beim Aufstehen, oder auch mitten am Arbeitstag im Bordell. Der einzige vorherrschende Gedanke ist plötzlich: „Ich kann das nicht mehr; ich kann da jetzt nicht reingehen.“

Früher habe ich solche Momente als Zeichen gewertet, dass Prostitution halt doch „kein Job wie jeder andere ist“, sondern in irgendeiner Form übergriffig oder traumatisierend (also so, wie es Prostitutionsgegner immer behaupten). Heute sehe ich das differenzierter.

Sexarbeit ist enorm fordernd, im körperlichen Sinne, aber vor allem emotional. Es ist ein ständiges Spiel mit Grenzen, und Übergriffe lassen sich nie zu 100% verhindern. Im Laufe der Jahre kann eine Sexarbeiterin lernen, ihre Kunden präziser auszuwählen und Grenzen klarer zu setzen. Trotzdem wird es immer wieder Vorfälle geben, die „unter die Haut“ gehen.

Hinzu kommt, dass gerade die Sexarbeiterinnen in Bordellen meist sehr viel Zeit dort verbringen. 10-12 Stunden am Tag oder länger sind normal. Work-Life-Balance wird in freien Tagen gesehen, und wenn es nicht gut läuft, fallen die auch schnell mal aus.

In anderen Berufen nennt man es wohl Burnout. Aus den letzten Jahren kennen wir alle die romantisierten Bilder aus Krankenhäusern von Ärzten oder Pflegepersonal, die zusammengesunken vor einer Wand sitzen.

Im Endeffekt bleibt in dieser Situation nur eins zu tun: nach Hause gehen. Urlaub machen. Sich Zeit nehmen für sich selbst – ausschlafen, entspannen, zur Ruhe kommen. Im Idealfall merkt man es beim nächsten Mal ein paar Tage vorher, wenn es zu viel wird – bevor man wieder vor der Wand steht.

Häufig dauert es aber einige solcher „Zyklen“, um die Mechanismen zu verstehen und sich besser zu regulieren. Es gibt durchaus auch Sexarbeiterinnen, die in einer solchen Situation den Job ganz an den Nagel gehängt haben, ohne zurückzusehen. Vielleicht sind sie danach in einem anderen Job glücklicher geworden, der weniger belastend ist.

Gespräche

Seit einigen Wochen gibt es einen neuen Mann in meinem Leben. Ich führe schon seit vielen Jahren keine monogamen Beziehungen mehr und kommuniziere das auch sehr klar, wenn ich jemanden kennenlerne. Meine Sexarbeit ist aber immer noch mal ein eigenes Thema, das ich durchaus immer noch schwierig finde. Das fängt schon an bei der Frage: wann erzähle ich davon? So früh wie möglich. Andererseits: wenn das Date sowieso nicht so gut läuft und/ oder es abzusehen ist, dass da nichts längerfristiges draus wird, lege ich eigentlich keinen Wert darauf, dass jemand das von mir weiß.

Diesmal hat es sich ergeben, dass ich schon in den ersten Minuten des Dates davon erzählt habe. Ich hatte kurzfristig noch mal verschoben wegen eines Arbeitstermins, der dann aber doch nicht stattgefunden hat, so dass es bei der ursprünglichen Absprache blieb; seine logische erste Frage war daher: „Was machst du denn beruflich?“, und ich habe aus einem Impuls heraus geantwortet: „Die offizielle Antwort wäre jetzt: Yoga und Massagen. Aber eigentlich mache ich erotische Dates.“ Nach einer kurzen Erklärung ließen wir das Thema erst mal ruhen und sprachen über anderes.

Später sprach er es dann noch mal an: „Erzähl mir doch, wie du das machst mit deinen Dates.“ Wie ich das mache… es ging nicht um die technischen Abläufe, sondern um die Frage, wie ich emotional damit umgehe, wie es sich anfühlt. In mir hatte ich die ganzen unschönen Bilder, die in den Medien von Prostitution gezeichnet werden und die er wohl kannte, und die standen im krassen Gegensatz zu dem Gefühl, dass ich bei meinen Dates habe. Davon erzählte ich dann: von Wohlwollen, von Begegnungen, vom Eingehen auf Bedürfnisse, vom Gefühl etwas geben zu können, dass dem anderen gerade wichtig ist. Von der Fähigkeit, andere Menschen einfach so annehmen und akzeptieren zu können und dabei meine eigenen Vorlieben und Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen.

In den nächsten Wochen war meine Arbeit dann kein Thema mehr, außer was zeitliche Absprachen anging. Ab und zu bat er mich, ihm Bescheid zu sagen, wenn ich mit meinen Terminen fertig war. Beim ersten Mal wies ich ihn darauf hin, dass ich zu über 80% Stammkunden treffe und mich absolut sicher fühle – aber es war wohl nicht das, was ihn beschäftigte. Vorgestern saßen wir abends noch lange im Garten, und er brachte das Thema wieder auf: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich da so wenig Probleme mit habe.“ Er sprach weiter: „Ich würde mir ja wünschen, dass es keine Frauen gibt, die das machen müssen. Aber ohne Zuhälter ist das wohl okay.“ Beide Gedanken sind für mich ziemlich weit weg. Vor allem merke ich, wie sehr ich mich da in einer Welt bewege, die sehr vielen Menschen völlig fremd ist.

Den Gedanken, dass es in einer idealen Welt keine Prostitution gibt, kann ich nachvollziehen – parallel zu dem Gedanken, dass es in einer idealen Welt Dinge wie Armut, Hunger, Einsamkeit etc nicht gibt. In meinen Gedanken bezieht sich das auf beide Seiten: nicht nur, dass es keine Frauen gibt, die das machen, sondern ich wünsche mir auch, dass es keine Männer gibt, für die der Besuch einer Prostituierten nötig ist. Genau davon erzähle ich dann: davon, dass ich zwar Kunden habe, die den Besuch bei mir als Wellness ansehen; dass ich aber genauso viele Kunden habe, die sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben, sondern für die dahinter ein langer Weg voll verdrängter Bedürfnisse und Leidensdruck steht – und trotzdem ganz viel Liebe und Respekt für Frau und Familie, in der halt nur einfach die erotischen und körperlichen Wünsche nicht (mehr) erfüllt werden können.

Von Prostitution ging unser Gespräch dann zu BDSM – noch eine Blase, in der ich mich selbstverständlich bewege, die aber vielen Menschen völlig fremd ist. Wie erklärt man Emotionen und Flow, wenn etwas von Außen so hässlich aussehen kann? Ich werde ihn wohl nicht überzeugt haben, genauso wenig wie ich es bei anderen Menschen kann. Aber vielleicht für ein wenig mehr Toleranz geworben.

In einer so engen Begegnung wie mit diesem Mann kann ich solche Gespräche genießen, da sie auch in mir viele Gedanken und Reflektionen auslösen. Generell suche ich solche Gespräche nicht – weil es halt so schwierig ist, etwas zu erklären, was für mich auf einer emotionalen Ebene stattfindet und für mich wenig mit den äußeren Bildern zu tun hat. Vielleicht ist meine Welt einfach zu weit weg von den Erfahrungen, die die meisten anderen Menschen machen…

Bizzare Session

Manchmal überrasche ich nicht nur meinen Kunden, sondern auch mich selber. So ist es mir am Montag ergangen.

Wer mich ein bisschen länger kennt, weiß, dass ich manchmal ziemlich zickig sein kann. Spontanität zählt so gar nicht zu meinen Stärken, und wenn die Anfrage dann noch über KM kommt statt übers Telefon, fällt meine Antwort schon mal ziemlich unfreundlich aus. Zum Glück ließ er sich nicht davon abschrecken, sondern schrieb noch eine nette Antwort und rief mich dann wie gefordert an.

Jetzt hatte ich also am Montagmorgen, kurz nach meiner Yogastunde, einen Termin für ein erotisches Date. Nicht nur irgendein erotisches Date, mit Soft Sex und Massage, wie ich es in den letzten Monaten bevorzuge, sondern ein Date für bizzare Spiele, bei dem ich dominant sein sollte.

Meist lehne ich solche Termine ab oder mache zumindest sehr deutlich, dass das nicht mein Schwerpunkt ist. Ich bin von meiner Ausstrahlung her nicht dominant. Früher konnte ich das teilweise durch die Studio-Umgebung ausgleichen, aber in meinem kleinen Massage-Zimmer fällt es auf. Hinzu kommt, dass ich auch nicht mehr viel Ausstattung für diesen Bereich habe.

Aber diesmal lief es total gut! Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, kann ich durchaus bestimmend und auch sadistisch sein. Kombiniert mit meinem guten Gefühl für Menschen und Stimmungen und meinem Einfühlungsvermögen, kann ich damit in einen richtigen Flow kommen. So war es diesmal. Wir hatten eine Stunde lang eine intensive Session, aus der wir beide strahlend rausgingen.

So starte ich dann doch gerne in die Woche!

Schwarz-Weiß-Denken

Ich bin viel auf Facebook unterwegs. Dort teilen sich die Beiträge über Sexarbeit in zwei Kategorien: die der Prostitutionsgegner, für die alle Frauen Opfer und alle Kunden Täter sind und die sich für das Nordische Modell einsetzen, und die aus dem Umkreis des Berufsverbandes (und Vereinen wie Donna Carmen u.a.), die Sexarbeit als Traumjob propagieren und die Wichtigkeit für die Gesellschaft betonen. Der Graben zwischen diesen beiden Fraktionen ist tief und unüberwindbar.

Generell ordne ich mich eher der zweiten Fraktion zu, schon allein weil ich mich in den Geschichten der Prostitutionsgegner (in denen es meist um irgendeine Form von Zwang geht) so gar nicht wiederfinde. Trotzdem fühlt sich diese uneingeschränkte Positivität manchmal falsch an.

Ich bewege mich seit fast 25 Jahren in der Sexarbeit, allerdings nur relativ wenig in Bordellen. Ich behaupte also nicht, alles gesehen zu haben, zu kennen und die Gesamtsituation beurteilen zu können. Allerdings habe ich in den Jahren keine Frau getroffen, die nicht freiwillig in die Sexarbeit gegangen ist. Manche waren da nicht glücklich mit und hätten gerne wieder aufgehört, haben aber noch den für sie richtigen Weg in den Ausstieg gesucht. Für viele war es einfach eine Arbeit, die ihnen mehr Geld und Freiheiten bot als andere Tätigkeiten, die ihnen offenstanden.

Sexarbeit erfordert von Seiten der Anbieterin viel Klarheit, ein gewisses Maß an Nüchternheit und klare Grenzen. Außerdem ist eine gesunde Work-Life-Balance wichtig, die leider in sehr vielen Fällen fehlt. Insgesamt ist es eine anstrengende, oft emotionale Tätigkeit – und ja, sie kann auch traumatisieren. Dasselbe gilt aber für viele andere Tätigkeiten auch, z.B. Polizisten, Pflegekräfte, Sozialarbeiter etc.

Ich würde mir einfach mehr Bewusstheit für die schwierigen Seiten dieser Arbeit wünschen, und Angebote um zu lernen wie man damit umgeht. Dann könnte ich auch die schönen Seiten und Vorteile betonen. Nichts im Leben ist nur Schwarz oder Weiß, erst recht nicht eine so umstrittene Tätigkeit wie Sexarbeit.

(Diese Bewusstheit fehlt übrigens nicht nur Außenstehenden, sondern häufig auch den Betroffenen selbst. Siehe dazu meinen Beitrag „Die Wand“, den ich in ein paar Tagen hier veröffentlichen werde.)

Geschichte: Sommerhitze

Heute ist der heißeste Tag nicht nur des Jahres, sondern der Wetteraufzeichnung. Zu diesem Anlaß habe ich eine meiner Lieblingsgeschichten rausgesucht, die ich vor einigen Jahren an einem anderen heißen Sommertag geschrieben habe. Viel Spaß damit!


His hands and mouth roamed the landscape of my body, searching out all my secrets, creating future fantasies, and coaxing me into a trembling mess of hot torturous need that only existed for some kind of release.

Der Vormittag ist schon fast vorbei, die Hitze wabert durch die offene Balkontür ins Schlafzimmer, wo ich noch immer nur mit einem langen T-Shirt bekleidet auf dem Bett liege, in die romantischen und erotischen Szenen eines Romans versunken.

Ich bin allein dieses Wochenende, und es fällt mir nicht leicht. Die Hitze stimuliert meine Libido, und der Stress der letzten Wochen verstärkt meine Sehnsucht nach Nähe. Seufzend drehe ich mich auf den Rücken, schiebe meine Beine weiter auseinander, in der Hoffnung mich durch mehr Luft an meinem Körper wohler zu fühlen.

Meine Fingerspitzen streichen meine Haare zurück, spielen mit den zersausten Strähnen. Verträumt schiebe ich mir einen Finger in den Mund, sauge und knabbere an der Fingerspitze und denke daran, wie das seinen Atem an meinem Ohr schneller werden lässt, wenn ich so mit seinen Fingern spiele.

Vorgestern standen wir zusammen an der Alster, sein Arm um meine Taille, zog er mich eng an seinen Körper. Schon da war es warm, unsere Körper schwitzig in zu viel Kleidung. Doch mein Körper reagierte trotzdem auf seine Nähe, schmiegte sich automatisch an ihn. Mein Kopf wollte nicht so ganz mitspielen, ich war genervt davon, dass wir im Moment so wenig Zeit alleine hatten – und genervt davon, wie sehr ich ihn immer noch wollte. Ich wollte nicht wollen…

Doch ich wollte ihn, will ihn. Will ihn ausziehen, seinen Körper spüren, schwitzig von der Hitze und von Lust. Auf dem Bett liegend, wandern meine Hände langsam tiefer, zwischen meinen Brüsten entlang, zu meinen Oberschenkeln. Ich verreibe den Schweiß, der sich zwischen meinen Beinen gebildet hat, fahre mit den Fingern gedankenverloren die Kuhle am Beinansatz entlang.

Mein Körper windet sich auf dem Bett, suchend, rastlos. Ich lasse meine Hände schlaff neben mich fallen, lehne den Kopf in den Nacken, und drehe mich frustriert auf den Bauch.

Mir ist einfach zu heiß!

Bondage

In den letzten Wochen habe ich ab und zu mal wieder meinen Bondage-Rahmen aufgebaut und die Seile in die Hand genommen. Es ist einige Jahre her, dass ich mich intensiv mit dieser Spielart beschäftigt habe, aber ich liebe es immer noch.

Für intensive Bondage-Sessions hätte ich am liebsten wieder einen festen Spielgefährten. Es braucht einfach einige Zeit, bis man sich aufeinander eingestellt hat. Viele Fesselungen sind auch anstrengend für den Gefesselten und müssen daher trainiert und langsam ausgedehnt werden.

Wenn ich bei einem Paysex-Date jemanden fessle, geht es meist nicht rein um Bondage, sondern um das Gefühl ausgeliefert zu sein. Klar kann ich dafür auch einfach Handschellen nehmen, aber die meisten können das Gefühl von Seilen auf der Haut durchaus genießen. Und ich mag, dass ich dabei langsamer in Kontakt gehe und die Session aufbaue. Jemanden zu fesseln hat eine ganz eigene Art von Erotik; eine Art von Berührung, die mich immer wieder an Massagen denken lässt in ihrer Sanftheit und Langsamkeit.

Deswegen ist es mir auch unverständlich, warum viele gedanklich Bondage in die SM-Ecke schieben. Für mich ist es ein sehr vielseitiges Spiel, das man natürlich auch mit SM-Aspekten verbinden kann, das aber noch so viel mehr bietet!

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »