Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 39 von 57)

Abschied von Glamoresse

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Am Sonntag den 15.3. habe ich mittags mein Zimmer bei Glamoresse ausgeräumt (den Studio-Appartement, wo ich die letzten 4 1/2 Jahre gearbeitet habe). Noch der Kollegin eine Nachricht geschrieben, dass ich ihr am nächsten Tag den Schlüssel vorbeibringe… Nun liegt der Schlüssel immer noch bei mir, da drei Stunden später die Nachricht kam, dass alle Bordelle wegen Corona bis mindestens 30.4. schließen müssen.

Trotz der momentanen Ausnahmesituation ist mein Alltag im Glamoresse gedanklich und gefühlsmäßig sehr schnell in die Vergangenheit gerutscht. Schon nach einer Woche ist es sehr weit weg und meine Gedanken daran eher ein bisschen melancholisch – und die Vorstellung, vielleicht dorthin zurückzugehen, erscheint mir ziemlich absurd.

Ich weiss noch nicht, wie geanu es weitergehen wird, da meine Pläne durch die aktuelle Situation natürlich etwas durcheinander gerüttelt wurden. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sich für mich neue Wege öffnen werden – in der Sexarbeit und außerhalb.

Zeit für Neues

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Seit heute sind aufgrund der Corona-Krise alle Bordelle in Hamburg geschlossen. Ich plante jedoch schon seit einigen Wochen, mein Appartement-Zimmer bei Glamoresse aufzugeben. Über vier Jahre war ich dort, mit Höhen und Tiefen, und habe mich überwiegend sehr wohl gefühlt.

Doch nun ist Zeit für Neues. Ich mag die Belastung der hohen Kosten für das Appartement-Zimmer nicht mehr tragen, und ich möchte wieder eigene Wege gehen. Mein Ausflug in die Welt des Studio-BDSM war spannend, aber es unterscheidet sich doch zu sehr von der Art, wie ich BDSM und Erotik insgesamt lebe.

Bist du eigentlich Single?

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Ab und zu werde ich von Kunden nach meinem Beziehungsstatus gefragt. Mein erster Gedanke ist immer: Wieso ist das wichtig? Die wenigsten Sexarbeiterinnen wollen sich privat mit Kunden treffen, auch nicht wenn sie Single sind. Ich kenne eine handvoll Geschichten, wo aus solchen Begegnungen Beziehungen entstanden sind – aber aufs Ganze betrachtet ist das eher die Ausnahme.

Ich frage meine Kunden nicht nach ihrem Beziehungsstatus, es interessiert mich einfach nicht besonders. (Ich schätze, dass 70-80 % in festen Beziehungen sind.) Andererseits reagieren manche Männer irritiert, wenn ich von meinem Partner erzähle; häufig folgt die Frage, wie der das tolerieren kann, und/ oder die Aussage, dass sie das bei ihrer Partnerin auf keinen Fall dulden würden.

Manchmal versuche ich, die Frage nach meinem Beziehungsstatus strategisch zu beantworten. Ich überlege, was der Kunde hören will: dass ich Single bin und demnach eine theoretische Möglichkeit auf etwas eher Privates besteht? Oder dass ich in einer Beziehung bin und demnach keine „Gefahr“ bzw auf derselben Ebene wie sie? Einige Kolleginnen versuchen, mit der ersten Variante Kunden zu ködern – das finde ich unethisch und würde es nie machen.

Was nun die ehrliche Antwort auf diese Frage angeht, ist die nicht so einfach und eher ganz anders als erwartet: Ich führe keine monogamen Beziehungen. (Auch nicht monogam im Sinne von „das andere ist ja nur Arbeit“.) Es gibt seit vielen Jahren ein oder zwei Männer in meinem Leben, die mir sehr wichtig sind, mit denen ich viel Zeit verbringe, die ich auch durchaus als meinen Freund/ Partner bezeichne. Aber ich verlange von niemandem Monogamie und verspreche sie auch niemandem. Wer sich mehr für solche Beziehungskonzepte interessiert, kann gerne mal nach „Polyamory“ und „Beziehungsanarchie“ googeln – oder mich einfach anschreiben, ich freue mich immer über interessanten Austausch zu dem Thema.

Alter

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Ich habe in meinem Profil mein wahres Alter angegeben. Letzten Montag bin ich 40 geworden. Obwohl ich schon seit Jahren meinen Geburtstag nicht mehr feiere, fühlt sich diese Zahl erst mal komisch an.

Vor mehr als zehn Jahren hat meine Tanzlehrerin über ihren 40. Geburtstag gesagt: „Ich fühle mich sehr viel freier als mit 30.“ Dieser Satz hat mich begleitet und war mein Ziel. Aber für mich fühlt sich dieser Geburtstag nicht so an.

Ich bin vor gut fünf Jahren wieder in die Sexarbeit eingestiegen (oder habe nie etwas anderes gemacht, je nach Definition). Immer wieder mal werde ich gefragt: „Wie lange willst du das denn noch machen?“ Ehrliche Antwort: Bis es mich langweilt und ich etwas anderes spannender finde. Da steht kein bestimmtes Alter dran.

Viele Menschen denken, dass man diesen Job bis maximal Mitte 30 machen kann. Das mag vielleicht zutreffen für die Arbeit in Clubs, wo ein bestimmter Typ Frau gefragt ist. In meiner Sexarbeit kam es immer mehr auf Typ und Individualität an, und die meisten meiner Gäste sind immer noch älter als ich.

Update 2020

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In den letzten Wochen habe ich keine Blog-Einträge geschrieben und auch Mails nur oberflächlich beantwortet. Bei mir war in den letzten Wochen einfach zu viel anderes zu tun: Ich hatte Mitte November angefangen, nach einer neuen Wohnung zu suchen, und bin am 4. Januar ziemlich plötzlich umgezogen.

Eine Freundin von mir ist zeitgleich umgezogen, hatte aber vorher mehrere Monate Zeit, den Umzug vorzubereiten – und ist demnach mittlerweile gut in ihrer neuen Wohnung angekommen. Bei mir herrscht immer noch ziemliches Chaos. Ich habe in der alten Wohnung einfach alles in Kisten geworfen und fange erst beim Auspacken an, die Dinge zu ordnen. Auch die ganzen Dinge wie Vorhänge, Lampen, Spiegel, Bilder etc. entwickeln sich erst nach und nach.

In den letzten Wochen waren die Dates im Appartement für mich eine willkommene Auszeit und Abwechslung. Ich habe überwiegend Stammgäste getroffen und die vertraute Erotik dabei sehr genossen. Jetzt freue ich mich auch wieder auf neue Begegnungen; diese gestalten sich jedoch im Moment häufig schwierig und ich bin arg genervt von dem ständigen Anspruch an „Sofortness“ – ein altes Thema, das wohl nie zur Ruhe kommt…

Der Leuchtfeuer-Teddy

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Jetzt im Advent steht mitten in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs wieder ein Tisch voller kleiner Teddybären. Jedes Jahr sehen sie etwas anders aus und doch immer ähnlich: etwa zehn Zentimeter hoch, mit plüschig-weichem Fell und einer roten Schleife um den Hals.

Auf der Schleife steht „Hamburg Leuchtfeuer“, und unter eine Tatze des Teddys ist eine Aids-Schleife gestickt.

„Hamburg Leuchtfeuer“ ist ein Verein, der in Hamburg ein Hospitz betreibt, in der Trauerbegleitung aktiv ist – und sich um HIV-Infizierte und Aids-Kranke kümmert.

In meinem Leben hält sich die Angst vor Aids in Grenzen. Safer Sex gilt sowieso, auch wegen vieler anderer sexuell übertragbarer Krankheiten. Es gibt Krankheiten, die mir viel weniger kontrollierbar erscheinen, allen voran Krebs, aber auch leichter übertragbare Infektionskrankheiten.

Trotzdem kaufe ich jedes Jahr einen Leuchtfeuer-Teddy, und diese Sammlung hat einen besonderen Platz in meiner Wohnung. Für mich sind sie eine Mahnung, mich nicht zu sicher zu fühlen, und ein Aufruf zu Mitgefühl und Toleranz.

(Re-Post vom 07.12.15)

Jahresendspurt

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Jetzt liegt der November auch schon hinter uns und wir nähern uns mit großen Schritten Weihnachten und dem Ende des Jahres. November ist bei mir immer ein ziemlich voller Monat, mit vielen privaten Terminen, und dieses Jahr habe ich Ende des Monats auch noch gekränkelt und hatte eine Woche, in der ich eigentlich gar nicht die nötige Ruhe und Kraft hatte, um groß Paysex-Treffen zu machen.

Auch sowas muss mal sein, und so freue ich mich jetzt auf den Dezember, in dem es hoffentlich wieder etwas ruhiger ist und ich auch Zeit für die schönen Dinge des Lebens finde. Weihnachtsstress mache ich mir schon seit vielen Jahren nicht mehr. Ich bin nicht der Typ für große Geschenke, erwarte ich von niemandem und mache ich auch nicht. Nur eine Hand voll Menschen, die mir sehr nahe stehen, bekommen Geschenke zu Weihnachten, und da fällt mir dann auch die Auswahl nicht schwer. So bleibt dann im Dezember auch Zeit für Bummel über den Weihnachtsmarkt, oder um einfach gemütlich drinnen zu bleiben (gerade wenn das Wetter so schlecht ist wie im Moment).

Am 15. Dezember habe ich eine vorgezogene Weihnachtsfeier mit erweiterter Familie, und den 24. und 25. werde ich bei meinen Eltern verbringen. Ansonsten bin ich zu Hause, auch zwischen den Tagen, und werde mir Zeit für mich nehmen – und gerne auch für heiße Dates.

Gesundheitsberatung die Zweite

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Seit Mitte 2017 ist das Prostitutionsschutzgesetz in kraft, hier in Hamburg musste man sich bis Ende 2017 anmelden. Nach zwei Jahren laufen jetzt die Bescheinigungen für die Gesundheitsberatung aus und müssen verlängert werden. Das habe ich heute Vormittag gemacht.

Positive Veränderungen: Es ist nicht mehr unbedingt ein Termin möglich, sondern es gibt Sprechzeiten, an denen man einfach vorbei kommen kann. Außerdem sind die Gesundheitsberatung und die Anmeldung nach ProstSchG („Huren-Ausweis“) jetzt in einem Gebäude, so dass ich das nächstes Jahr dann zusammen erledigen kann.

Es war nicht viel los, so dass es kaum Wartezeit gab. An der Rezeption Unterlagen abgeben, dabei bekam ich dann eine Liste, worüber man im Gespräch reden könne: Verhütung, Hygiene, Arbeitsbedingungen, Ausstiegshilfe etc. Im Gespräch saß mir dann eine nette, junge Sozialarbeiterin gegenüber. Wir haben kaum eines dieser Themen angeschnitten, sondern haben ein wenig geplaudert über Arbeitsbedingungen, Service und was sich in den letzten zwei Jahren geändert hat. Dann noch ein kurzer Austausch zum Thema Schmierinfektionen, und ich war in unter 10 Minuten wieder raus. Papiere an der Rezeption abholen, nach 15 Minuten stand ich wieder auf der Straße.

Fazit: Viel Aufwand für wenig Ergebnis – aber dafür können die Mitarbeiter nichts, sie versuchen nur den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Eigentlich wollte ich danach noch ins Casa Blanca, zur Untersuchung und zum Gespräch mit einer Ärztin, die deutlich mehr Ahnung von der Materie hat. Dafür ist es aber heute zu spät geworden, das hole ich morgen nach.

Herbstanfang

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Jetzt ist es Herbst und das letzte Quartal dieses Jahres beginnt. Ich mag den Herbst. Für mich ist es die Zeit, in der es draußen am schönsten ist; nicht mehr zu warm, aber angenehm um mit dem Fahrrad unterwegs zu sein oder sich bei einem Spaziergang den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Diese Woche mache ich noch einmal Urlaub genieße den Meerwind bei langen Strandspaziergängen, das Fallen der Blätter im Wald und anschließend Kaffee und Kuchen in einem kleinen Cafe. Zu Hause bricht währenddessen das Chaos aus… darum werde ich mich nächste Woche wieder kümmern.

Die letzten beiden Monate sollten für mich eigentlich eine Zeit der Evaluation sein, aber ehrlich gesagt habe ich einfach den Sommer genossen und mich treiben lassen. Das fühlte sich gut an… Jetzt werde ich im Herbst die wartenden Dinge abarbeiten und mich ansonsten auch weiterhin auf meinen Alltag konzentrieren.

Im Appartement wird es gerade wieder etwas trubeliger. Ich habe zwei neue Kolleginnen, eine fest, eine als Terminfrau. Auch bei mir ist wieder mehr los und ich genieße aufregende Treffen mit Stammkunden und auch mit Männern, die ich bei kennenlernen darf.

Ich mag mein Leben!

Tagesrhythmen

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Jetzt liegt die Uhr-Umstellung also hinter uns und es wird morgens früher hell und abends eher dunkel. Gestern Abend und heute Morgen hat mich das ganz schön durcheinander gebracht. Es ist ja im Gespräch, das ab 2021 anzuschaffen, und ich bin auf jeden Fall dafür – „Jetlag für Arme“ braucht kein Mensch!

Generell bin ich weder ein richtiger Morgen- noch ein typischer Abendmensch. Ich stehe später als viele Menschen auf, so gegen halb acht, einfach dadurch bedingt, dass ich abends relativ lange arbeite und dann häufig noch Sport mache. Aber den Rhythmus vieler meiner Kolleginnen, die abends sehr lange arbeiten und dafür bis mittags schlafen, habe ich nicht.

Ich genieße es sehr, den Vormittag meist für mich zu haben. Da erledige ich den Großteil meiner Aufgaben, damit ich den Rest des Tages auf Abruf stehen kann. Manchmal habe ich mittags einen ersten Termin, manchmal auch erst am späten Nachmittag. Bis zum frühen Abend halte ich mich auf Abruf. Wenn ich einen Termin habe bin ich auch mal bis um neun oder zehn im Appartement, aber meist gehe ich zwischen sieben und acht. Dann entweder noch Sport und dann zu Hause in die Badewanne, oder ein entspannter Abend mit Freunden (oder einem privaten Liebhaber).

Meine Arbeit lässt mir auch zeitlich viele Freiheiten, und ich genieße das sehr. Manchmal kostet dieses ständige auf Abruf stehen aber auch ganz schön Nerven, und ich sehne mich nach mehr Struktur und Zuverlässigkeit in meinem Tagesablauf. Wenn ich irgendwann mal eine andere Arbeit suche, wird das wohl der Hauptgrund sein…

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