Vor ein paar Tagen hatte ich eine Anfrage, die ich ohne Zögern sofort abgelehnt habe. Als erstes war alles harmlos, wir hatten schon einen Termin abgesprochen, und dann schrieb er plötzlich: „Mich würde auch ein kurzer Spaziergang zu Beginn des Treffens reizen. Gemeinsam mit dir Hand in Hand laufen und vielleicht schon erste Küsse austauschen. Ist so ein Faible von mir…“
Die meisten Kunden mögen es, dass meine Wohnung in einem durchschnittlichen Wohngebiet ist und sie mich unaufällig besuchen können. Es ist aber nicht so, dass meine Nachbarn mich nicht kennen; es gibt so einige Menschen hier im Viertel, die mich freundlich grüßen, wissen in welchem Haus ich wohne, und mich auch schon mit Freunden oder mit meinem Partner gesehen haben.
Es ist nicht so, dass ich überhaupt nicht mit Kunden in der Öffentlichkeit gesehen werden möchte. Ich war durchaus schon mit Stammkunden essen, auch vor oder nach einem Date bei mir, so dass wir zusammen gekommen oder gegangen sind. Ich lege aber Wert auf eine gewisse Diskretion: ein freundschaftlicher Umgang ist wunderbar, eine Umarmung zur Begrüßung oder zum Abschied überhaupt kein Problem. Zärtlichkeitsbekundungen in der Öffentlichkeit sind aber meinem Partner vorbehalten.
Letztes Jahr habe ich darüber einen Kunden verloren. Wir waren einige Male zusammen unterwegs, und ein Mal hat er mich danach zurück gefahren – und wollte dann vor der Wohnungstür im Auto noch mit mir rumknutschen und war beleidigt, als ich das ablehnte. Seine Begründung: „Jetzt hab ich dich bezahlt und du lässt dich nicht mal mehr anfassen!“ Unser letztes Treffen war noch schlimmer. Diesmal waren wir zumindest nicht in meiner Gegend, sondern etwas außerhalb von Hamburg. Im Restaurant saß er neben mir, die Hand auf bis zwischen meinen Beinen, und ich fand es einfach nur unangebracht. Bei der Verabschiedung im Auto wir dann dieselbe Szene, und er hat danach davon abgesehen mich wieder zu buchen – was wohl zum besseren war.
Dieses eindeutig erotische Fummeln im Restaurant mag ich übrigens auch mit meinem Partner nicht. Ich finde es unangebracht, unbeteiligte Dritte zu ungewollten Beobachtern erotischer Spiele zu machen. Wenn ich damit spielen möchte, beobachtet zu werden, gehe ich auf eine sexpositive Party, in eine frivole Bar, einen Swingerclub o.ä. – halt in Umgebungen, wo ein solches Verhalten erwünscht ist und niemanden stört. Konsens gilt bei sowas für alle Beteiligten, auch für unfreiwillige.