Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Seite 29 von 57

„Ich bin Sexarbeiterin.“

In der letzten Woche habe ich bei der Arbeit an diesem Blog ziemlich häufig den Satz geschrieben oder gedacht: „Ich bin Sexarbeiterin.“ Das fühlt sich für mich natürlich an und begleitet mich seit vielen Jahren. Manchmal gibt es trotzdem noch einen kurzen Irritationsmoment.

Wenn mich jemand fragt: „Was machst du beruflich?“, sage ich so gut wie nie, dass ich Sexarbeiterin bin, sondern sage: „Ich gebe Massagen.“ oder verweise auf meine anderen Tätigkeiten. Die wenigen Male, wo ich mich als Sexarbeiterin bezeichnet habe, erntete ich Verwirrung.

Der bekanntere (und offizielle) Begriff ist Prostituierte. Wenn ich aber sage: „Ich bin Prostituierte.“, strömen eine Flut von Zuschreibungen und Vorurteilen auf mich ein, die mit meinem Selbstbild und meinem Erleben dieser Arbeit nur wenig zu tun haben.

Manche Anbieterinnen und Kunden träumen von einer Welt, in der Sexarbeit „ein Beruf wie jeder andere ist“ und offen damit umgegangen werden kann. Ich glaube nicht, dass das jemals möglich sein wird.

Sexarbeit beinhaltet viele Widersprüche in sich, die die Beteiligten aushalten und immer wieder für sich in Balance bringen müssen. Diese Widersprüche lassen sich nicht ausmerzen, und mit diesen Widersprüchen lässt sich Sexarbeit nie vollständig in die Gesellschaft integrieren.

Sexarbeit nach Corona

Ich habe jetzt schon in mehreren Zeitungsartikeln gelesen, dass viele Sexarbeiterinnen auch nach Corona weiterhin „in der Illegalität arbeiten“ und die offiziellen Bordelle (Laufhäuser, Clubs, Appartements etc) Probleme haben, genügend Frauen zu finden, die dort arbeiten wollen.

Mein erster Gedanke ist dabei, dass Sexarbeit (in Deutschland) nicht illegal ist, auch wenn sie nicht in offiziellen Bordellen ausgeübt wird. Es ist völlig legal, als Escort zu arbeiten und Haus- oder Hotelbesuche zu machen, oder Sexarbeit in der eigenen Wohnung oder im Hotel anzubieten. Während Corona war das illegal, weil es gegen das Prostitutionsverbot der Corona-Maßnahmen verstieß. Dieses Verbot wurde aber mittlerweile aufgehoben und es gelten die Regeln wie vor Corona (plus Hygiene-Auflagen und Nachverfolgungspflicht, die weiterhin gelten, und 2G/3G).

Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft und auch die Sexarbeit verändert, und die längerfristigen Folgen sind noch nicht absehbar. Einige Sexarbeiterinnen haben sich während Corona andere Tätigkeiten gesucht und werden vielleicht nicht in die Sexarbeit zurückkehren. Einige haben während dieser Zeit illegal weitergearbeitet und dabei neue Strukturen geschaffen, aus denen sie nicht in die alten Strukturen zurückkehren (zumindest nicht sofort). Ich bin nicht sicher, ob das wirklich so negativ ist, wie es dargestellt wird.

Bordelle werben mit einer erhöhten Sicherheit für die Frauen. Das ist richtig, man arbeitet nie alleine und hat immer Hilfe vor Ort, wenn es Probleme mit einem Kunden gibt. Außerdem ermöglichen Bordelle es denn Frauen, gegenüber den Kunden absolut anonym zu bleiben; das ist auch ein Sicherheitsfaktor (Stalking ist ein weit verbreitetes Problem) und verringert das Risiko, ungewollt geoutet zu werden.

Andererseits sind die Verdienstmöglichkeiten auf ganz selbständiger Basis natürlich höher. Ein Appartementzimmer o.ä. kostet mehrere hundert Euro die Woche. Alternativ wird ein nicht geringer Prozentsatz des Verdiensts an den Betreiber abgegeben.

Im Endeffekt muss jede Sexarbeiterin selbst entscheiden, wo für sie die optimale Balance zwischen Verdienst/Kosten und dem Service ist, den Betreiber bieten. Ich würde mir wünschen, dass diese Entscheidungen individueller betrachtet und dargestellt würden und nicht ständig alles über einen Kamm geschoren und als positiv/negativ dargestellt wird.

Rückschau

Gestern und heute habe ich viel Zeit damit gebracht, meine alten Texte aus dem Blog bei kaufmich für mich zu sichern. Insgesamt hatte ich dort in sechs Jahren rund 270 Texte geschrieben.

Es war ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit. Ich muss jedoch zugeben, dass sehr viele dieser Texte heute nicht mehr lesenswert sind. Es gibt einige allgemeine Texte und Betrachtungen, die durchaus längerfristig Wert haben, aber vieles sind Streiflichter aus meinem Leben oder meiner Arbeit, oder Betrachtungen zu Ereignissen, die schon vorbei sind (so konnte ich z.B. sehr schön noch mal die Entwicklung der Corona-Pandemie und der dazugehörigen Maßnahmen nachvollziehen).

Dieser Blog hier wird sich wohl genauso entwickeln. Der Sinn ist es, Stammkunden an meinem Leben und meinen Gedanken teilhaben zu lassen, und darüber Nähe und Bindung zu schaffen. Einige Texte, die ich inhaltlich für wertvoll halte, werde ich vielleicht auf meine Homepage übernehmen (die gerade in Überarbeitung ist). Hier wird es viel Geplänkel geben – das aber hoffentlich trotzdem Unterhaltungswert hat.

Herzlich Willkommen

Hallo und willkommen auf meinem neuen Blog! Für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg.

Von Juni 2015 bis August 2021 habe ich meinen Blog auf meinem Profil „TraumfrauHH“ auf kaufmich.com geführt (https://www.kaufmich.com/p/traumfrauhh). Im letzten Sommer hat kaufmich die Seite neu aufgelegt und dabei die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Seit September hatte ich zusätzlich noch technische Probleme, bei denen sich der Support als wenig hilfreich erwiesen hat. Erst wollte ich das Blog-Schreiben einfach ganz aufgeben, aber die vielen Anfragen lieber Stammkunden (und Stammleser) haben mich bewogen, dem Blog eine neue Plattform zu geben. Hier sind wir also!

In meinem Blog schreibe ich über Erlebnisse, Gedanken und manchmal auch Geschichten aus meinem Alltag als Sexarbeiterin. Neben diesen Alltagsdingen (wie meine Stammleser sie von mir schon kennen) möchte ich die Gelegenheit nutzen, mehr über mich, meine Weg, meine Interessen und Einstellungen zu meiner Arbeit zu erzählen. Es bleibt also hoffentlich spannend – viel Spass beim Lesen!

Bitte keine Kontaktanfragen über die Kommentare, ruf mich einfach an unter

0176 57902337

Nicht nur Bilder gucken

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Letzte Woche hatte ich ein Datedas echt nicht gut lief- und das sich leicht hätte verhindern lassen, wenn er mein Profil gelesen hätte, statt nur Bilder zu gucken. Er hatte den Termin telefonisch vereinbart, und auf meine Frage nach besonderen Wünschen und Vorstellungen nur gesagt: „Na, das was in deinem Profil steht.“ 

Die erste Irritation gab es schon bevor wir angefangen haben: „Hast du nicht was Heißes anzuziehen?“ Irritiert schaute ich an mir hinunter, auf das knappe schwarze Minikleid. Ich bot ihm halterlose Strümpfe an, aber das entspach auch nicht seinen Vorstellungen. „Irgendwas richtig nuttiges, aus Netz oder so…“ Ich fand dann einen knappen BH und einen Ouvert-String, die mir mal ein Kunde mitgebracht hatte und die seitdem ganz hinten in meiner Schublade lagen. 

Ich hatte Probleme mit ihm in Kontakt zu kommen. Die Dessous störten mich, ich bin lieber nackt. Alles, was ich tat, schien ihn nicht zu erreichen.

Er: „Ich finde deine Tattoos so geil, und die rot lackierten Nägel!“ – „Sag mir, wie verdorben du bist!“ – Uff, Verbalerotik ist so gar nicht mein Ding! Ich kam mir immer blöder vor. Im Endeffekt räkelte ich mich vor ihm, während er sich einen runterholte. 

Das Geld hätte er wohl bei einer anderen Frau besser anlegen können. Ich hätte gerne darauf verzichtet, um mir diese peinliche Stunde (die nur 40 Minuten dauerte) zu ersparen. 

Sinnesentzug

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Gestern habe ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit meinen Bondage-Rahmen wieder aufgebaut. Mein Zimmer ist nicht so groß, und da ich ihn nicht häufig brauche, steht er meist in Einzelteilen in einer Ecke. Aber diesmal hatte ich eine lange Session mit einem langjährigen Stammgast geplant, und da sollte auch dieses Spiel Teil davon sein. 

Ich stellte ihn in den Rahmen, nackt, die Arme seitlich ausgestreckt und fixiert, die Augen verbunden. Dann begann ich ihn zu berühren; ließ meine Fingerspitzen über seine Haut gleiten, streichelte ihn mit einer Feder, ließ einen Flogger über seine Haut tanzen – und genoß seine steigende Lust und wie er sich wand. 

Mein Körper rieb an seinen, und endlich fanden meine Finger seine Mitte, und ich verwöhnte ihn mit Lippen und Händen bis zum Höhepunkt – wonach ich ihn endlich wieder aus den Fesseln entließ und er wieder in der Welt ankommen konnte. 

3 G oder 2 G

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Letzte Woche habe ich in meinem Profil den Satz hinzugefügt: „Ich bin gegen Covid-19 geimpft und bevorzuge das auch bei meinen Kunden.“ Gedacht hatte ich das erst mal einfach als Statement, um meinen Umgang mit der Pandemie deutlich zu machen. Als mich dann direkt ein Kunde fragt, ob ich jetzt nur noch Männer treffe, die geimpft sind, habe ich das verneint. Seitdem habe ich viel darüber nachgedacht. 

Privat sind der Großteil meiner Kontakte geimpft, meine nahen Freunde mittlerweile alle. Vor kurzem habe ich bei zwei Frauen (keinen Freundinnen, aber regelmäßige Kontakte) festgestellt, dass sie sich nicht impfen lassen wollen. Begründung: „Ich warte auf den Totimpfstoff.“ bzw „Ich gehe da meinen eigenen Weg, und es herrscht ja keine Impfpflicht.“ ICH HABE DA ABSOLUT KEIN VERSTÄNDNIS FÜR!

Der Lockdown war für mich sowohl beruflich als auch privat die Hölle. Für mich selber habe ich keine Angst vor einer Corona-Infektion, aber immer noch steckt mir die Angst, andere zu gefährden, tief in den Knochen. Eine Impfung ist für mich eine Kleinigkeit und das Risiko sehr gering. Man schützt damit nicht nur sich selbst und andere, sondern gibt auch uns allen unseren Alltag zurück. 

Zweite Chancen und Hinhaltetaktiken

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Wie die meisten Frauen hier habe ich eine bestimmte Vorstellung davon, wie ich mir die Terminvereinbarung wünsche. Dazu gehören genaue Angaben über Zeitpunkt und Dauer des Termins und eine ungefähre Vorstellung des Inhalts. 

Häufig passiert folgendes: Obwohl ich in meinem Profil um telefonische Terminvereinbarung bitte, kriege ich als erstes hier eine Mail, relativ kurz, so in Richtung: „Hast du morgen um 13:00 Zeit?“ Dann schreibe ich zurück: „Ja, ich habe da Zeit. Ich vereinbare jedoch hier keine Termine, ruf mich bitte an.“ Die Nachricht wird innerhalb von kurzer Zeit als gelesen angezeigt, aber es passiert – nichts mehr. 

Stunden später, irgendwann spät am Abend, kommt dann die nächste Nachricht: „Ich war noch unterwegs, wann kann ich dich morgen anrufen?“ Damit hat sich dieser konkrete Termin für mich schon mal erledigt, den Tag habe ich anders verplant. 

Es gibt Männer, die spielen dieses Spiel drei bis vier Mal hintereinander, bis ich endgültig die Geduld verliere. Auch bei kurzfristig wieder abgesagten Terminen gebe ich maximal eine zweite Chance, meist ist mir schon dafür meine Zeit einfach zu schade. 

Von uns Frauen wird immer absolute Professionalität und Zuverlässigkeit erwartet (unter anderem), da erwarte ich von Kunden ein Minimum an Respekt vor meiner Zeit – auch auf die Gefahr hin, als „nicht kundenfreundlich“ zu gelten. 

Stadtleben

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Heute habe ich meine zweite Covid19-Impfung bekommen. Danach war ich noch in einem Café in der Stadt und habe es genossen, dass sich das Leben wieder etwas normaler anfühlt. 

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebe jetzt seit 16 Jahren in Hamburg, habe also mein ganzes Leben immer in (Groß)Städten gelebt. Wenn ich mit Kunden spreche, die ländlicher wohnen, fällt mir auf, dass das ein ganz eigener Lebensrhythmus ist. 

Meine Wohnung ist mein Rückzugsort. Wenn ich Zeit mit Freunden verbringe, treffen wir uns meist in der Stadt, in einem Café oder Restaurant. Auch sonst bin ich viel und gerne unterwegs: Fitnesstudio, Stadtbummel, Kultur… 

Ich mag auch raus ins Grüne, vor allem mit dem Fahrrad, entlang Hamburgs Grünstreifen oder raus nach Schleswig-Holstein. In der Innenstadt vermeide ich das Fahrradfahren ebenso wie das Autofahren, und nehme S-Bahn und Bus und gehe zur Fuß. (Ich besitze kein eigenes Auto, das erscheint mir überflüssig.) 

Manchmal wird auch mir die Stadt zu voll, vor allem jetzt in der Corona-Zeit. Mit Anfang 20 hatte ich mal die Idee, aufs Dorf zu ziehen – und habe schnell festgestellt, dass ich mit der Mentalität dort nicht klarkam. Daran wird sich wohl nichts geändert haben – ich bin und bleibe also Stadtmensch. 

Wie ich ein Profil lese

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich bin jetzt seit sechs Jahren hier bei kaufmich. In der Zeit habe ich eigentlich nie Zeit darauf verwendet, die Profile von Männern zu lesen – außer jemand hat mich angeschrieben, dann besuche ich das Profil. Gerade in der Corona-Zeit und seitdem ich nicht mehr in einem Appartement, sondern alleine in einer Wohnung arbeite, widme ich den Profilen mehr Aufmerksamkeit. 

Als erstes versuche ich herauszufinden, wie serös ein Profil ist. Ich schaue, wie lange derjenige schon angemeldet ist (ganz neue Profile sind mir eher suspekt) und wie viele Profilbesucher er hatte (sagt aus, ob er hier aktiv war oder das Profil brachlag). Bewertungen über den Date-Manager sind ein großer Pluspunkt. 

Die meisten Profile enthalten nicht viele Informationen. Das Alter finde ich immer noch ganz spannend, aber ich treffe Männer in fast jeder Altersgruppe. Es ist natürlich toll, wenn sich jemand die Mühe macht, etwas über sich zu schreiben. Das kann man aber auch im Mail-Kontakt oder im Telefongespräch nachholen (Details über Aussehen etc interessieren mich dabei nicht, sondern Vorlieben und Wünsche). 

Bilder sind praktisch für den Wiedererkennungswert eines Profils, ebenso wie aussagekräftige Namen. Ein schönes Detail, aber eigentlich nicht relevant. (Ausnahme: Sehr vulgäre Namen und FSK18-Bilder stoßen mich ab.) 

In letzter Zeit surfe ich manchmal auch ab und zu einfach so über die Profile – oder noch eher über die Blogs, die können ja jetzt auch von Kunden geschrieben werden. 

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »