Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Risiken eingehen

Die Corona-Inzidenz steigt und steigt. Hamburg steht noch einigermaßen da und hat jetzt in sehr vielen Bereichen 2G beschlossen. Auch bei mir und meinen Kunden steigt das Bewusstsein für die Pandemie-Krise, und es stellt sich immer wieder die Frage: Sind solche Treffen überhaupt noch vernünftig?

Ich bin selber geimpft und treffe schon seit einigen Wochen nur noch Kunden, die ebenfalls geimpft wird. Seit zehn Tagen mache ich jetzt wieder regelmäßig Tests; an Tagen, an denen ich Dates habe (oder Menschen in Innenräumen treffe), teste ich mich jeden Morgen mit einem Selbsttest, zum Wochenende hin mache ich einen offiziellen Test in einem Testzentrum.

Ein guter Freund von mir hat sich seit Beginn der Pandemie ins Privatleben zurückgezogen. Im ersten Jahr ist er außer zum Supermarkt nirgendwo hin gegangen. Auch diesen Sommer war er höchstens mal kurz in der Stadt – keinerlei kulturelle Veranstaltungen, Gastronomie, etc. Treffen mit Freunden nur sehr, sehr eingeschränkt. Ist das noch lebenswert, und wie lange kann man das durchhalten?

Vor drei Wochen hatte ich eine Situation, in der ich Corona ausgesetzt war – und mich nicht angesteckt habe. Das lässt mich jetzt nicht unvorsichtig werden, aber es zeigt mir, dass es keine letztendlichen Garantien gibt, und manchmal hat man einfach Glück.

Manche Kunden fragen mich, ob ich Sexdates nicht für gefährlich halte, in diesen Zeiten. Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich treffe eine handvoll Männer die Woche, alle geimpft. Das Risiko erscheint mir deutlich geringer als z.B. ein ausgedehnter Shopping-Bummel an einem Samstag oder ein Kino/Theater-Besuch.

Als langjährige Sexarbeiterin gelange ich immer wieder an den Punkt, an dem ich mir Gedanken über die gesundheitlichen Risiken meiner Arbeit mache. Im Moment steht Corona im Vordergrund. Sonst sind sexuell übertragbare Krankheiten ein Risiko, das immer im Raum steht. Ich kann Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, aber ein Restrisiko bleibt. Vielleicht zählt das einfach zum allgemeinen Lebensrisiko…

Fairtrade im Bordell

Als Reaktion auf meine Gedanken zu Blauen Flecken bei Sexarbeiterinnen und die Aufmerksamkeit von Kunden (siehe Blog „Peinliche Erklärungen“), schickte mir ein Kunde die Frage/ Denkanregung: „Ist ein ‚fairtrade‘ Prozess für Sexarbeit denkbar? Wenn ja, wie würde dieser aussehen? Wäre so ein ‚fairtrade‘ Prozess/ Label glaubwürdig?“ – als Gesprächsgrundlage bzw mit der Bitte um Stellungnahme. Hier also meine Gedanken dazu:

Ich lege ‚fairtrade‘ jetzt mal so aus, dass es darum geht, sicherzustellen, dass eine Sexarbeiterin diese Arbeit freiwillig macht. Die Frage, aus welcher Motivation heraus sie das macht, werde ich nur am Rande berühren. Es gibt durchaus Menschen, die in Frage stellen, ob es eine Frau gibt, die freiwillig Sexarbeit macht, und die als Grundlage z.B. psychische Traumata vermuten oder übermäßige wirtschaftliche Zwänge. Dieses Thema mit zu behandeln würde jedoch den Rahmen dieses Textes sprengen; vielleicht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt darüber schreiben.

2017 trat das Prostitutionsschutzgesetz (ProstSchG) in Kraft, das seitdem von vielen Menschen, die mit Prostituierten zu tun haben, und von diesen selber scharf kritisiert wird. Wie der Name es sagt war es jedoch Absicht dieses Gesetzes, Prosituierte zu schützen – im Zweifelsfall auch vor sich selbst. Hauptaspekte dieses Gesetzes sind eine Erlaubnispflicht für Bordelle, die u.a. ein Sicherheitskonzept und eine Überprüfung des Betreibers beinhaltet, sowie die Registrierung aller Prostituierten und eine verpflichtende Gesundheitsberatung für alle. (Es ist vor allem diese Registrierung, die in der Kritik steht, da sie viele Frauen in die Illegalität gedrängt hat.)

Die Registrierung ist verbunden mit einem Gespräch über die Rechte von Prostituierten gegenüber Betreibern und mit einer Einführung in Sicherheitsaspekte. Wie jede Registrierungsstelle und jede Beamtin das im Detail regelt, bleibt Ihr überlassen. Ich habe diese Registrierung jetzt zwei Mal mitgemacht. Beim ersten Mal war die Beamtin bemüht, aber mit wenig Ahnung von der Materie, und ich war genervt. Beim zweiten Mal war es ein nettes Gespräch über die Frage, wie ich mit dem Corona-Lockdown klarkomme. (Aus anderen Bundesländern habe ich negative Geschichten über inquisitorische Fragen gehört.) Positiv ist anzumerken, dass bei diesen Gesprächen keine Begleitpersonen zugelassen sind und das Amt für ausländische Prostituierte einen Dolmetscher stellt. Theoretisch hat eine Frau also in dieser Situation die Möglichkeit, um Hilfe zu bitten.

Kontrolliert werden kann diese Registrierung jedoch nur vom Ordnungsamt. Ich glaube nicht, dass in Bordellen viele solcher Kontrollen durchgeführt werden. In meiner Zeit im Appartement habe ich es einige Male erlebt, dass Verbindungsbeamte der Polizei sich vorgestellt haben und Visitenkarten verteilt und Hilfe angeboten, und dass Frauen von Beratungsstellen da waren. Das ist ein deutlich niedrigschwelligeres Angebot für Frauen in Not als es die Registrierungsstelle bietet. Alle Frauen, die nicht in offiziellen Bordellen arbeiten, und/ oder häufig den Standort wechseln, fallen durch das Netz dieser Maßnahmen.

Kunden sind nicht berechtigt, eine Sexarbeiterin nach ihrer Registrierung zu fragen. Bei offziellen Bordellen kann davon ausgegangen werden, dass diese angemeldet und die Frauen registriert sind. Im Escort-Bereich ist diese Kontrolle nicht gegeben. Wie stellt eine Kunde also fest, ob eine Frau dieser Tätigkeit freiwillig nachgeht?

Es gibt Menschenhandel und Zwangsprostitution, was Verbrechen sind, die entsprechend verfolgt und bestraft werden sollten. Dies macht aber nur einen sehr kleine Prozentsatz der Frauen in der Prostitution aus. Ein schwieriges Themen sind Frauen aus dem außereuropäischen Ausland (und Osteuropa), die kein Deutsch oder Englisch sprechen – sich hier also nicht verständigen können und auch häufig mit rechtlichen Aspekten nicht auskennen. Hier kann die oben genannte Registrierung helfen, aber viele arbeiten ohne Registrierung . Damit sind sie auf Vermittlungspersonen angewiesen, die sich um Einreise, Unterbringung und Vermittlung kümmern. Es gibt Vermittler, die das fair handeln, und solche, die die Unwissenheit der Frauen ausnutzen. Es mag auch immer wieder der Fall sein, dass die Frau zwar theoretisch weiß auf was sie sich einlässt, die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten aber so beschönigt wurden, dass sie der Reise nach Deutschland unter falschen Annahmen zugestimmt hat und hier nicht klarkommt.

Falls ein Kunde bei einer Frau das Gefühl hat, dass sie in einer solchen Situation ist, ist es am sinnvollsten den Kontakt zu einer Beratungsstelle oder zur Polizei herzustellen. Viele Beratungsstellen verteilen Flyer (auch in anderen Sprachen), und es gibt Notrufnummern. So etwas wie ein ‚fairtrade“-Siegel, wie es mein Kunde angedacht hat, würde diesen Frauen nicht helfen, da sie wie beim ProstSchG durch Raster fallen würden.

Der Großteil der Frauen in Deutschland machen diese Arbeit freiwillig. Wie gerne sie ihn macht oder ob sie vielleicht lieber aussteigen würde oder zumindeste eine Auszeit bräuchte, steht auf einem anderen Blatt – da werde ich in einem Folgetext drüber schreiben. Theoretisch steht es jeder Frau frei, einfach jederzeit aufzustehen, sich anzuziehen und zu gehen, ohne dass sie jemand davon abhalten würde.

My oh my you’re so good looking

Ein Vorteil des Älter-werdens ist für mich, dass ich deutlich entspannter geworden bin was das Aussehen meines Gegenübers angeht und auch was meinen eigenen Körper betrifft. Im Tantra habe ich lange daran gearbeitet, nicht zu urteilen, sondern das Schöne und Einzigartige in jedem Menschen zu entdecken.

Und dann gibt es da diesen Mann… Vor Corona war er ein paar Mal im Appartement bei mir. Ich erinnere einen Dialog mit einer Kollegin: „Der war in letzter Zeit häufiger bei dir, oder?“ – „Ja, schon.“ – „Sieht ja gut aus…“ – „Mh…“ Ich habe keinen „Typ“ und lasse mich nur schwer von klassischen Idealen beeindrucken – aber er sieht wirklich klassisch gut aus, und ich lasse mich davon beeindrucken.

Jetzt war er wieder bei mir. Und ich merke, dass ich nicht nur beeindruckt bin von seinem guten Aussehen, sondern mich davon auch einschüchtern lasse. Plötzlich fällt mir jedes Kilo zu viel an meinem Körper auf, jede Narbe und jeder sonstige Makel. Ich werde schüchtern, fühle mich unbeholfen, komme ins Stottern und mit meinen sonst so souveränen Abläufen durcheinander.

Dann erinnere ich mich selber in Gedanken daran, dass er mich ausgesucht hat und mich sogar bezahlt. Also weiß er offensichtlich, was er will, und ich gehöre dazu. Jedesmal, wenn meine Zweifel auftauchen, schiebe ich sie mit diesen Gedanken in den Hintergrund – und erlaube mir, es zu genießen, seinen Körper zu berühren, und wie sich sein Körper auf meinem anfühlt.

Geschichte: Am See

Für mich ist der See unser Ort, obwohl wir nie gemeinsam hier waren. Aber damit hat alles angefangen: mit einem kurzen Gespräch über Baden im See und einem Flirt damit, sich hier zu treffen.

Wir haben uns getroffen, regelmäßig, über Wochen. In der stillen, etwas anonymen Stimmung eines Hotelzimmers. Dort verlor ich mich in den Details seines Körpers, in seinem Blick, seinen Berührungen, der Art wie er mich liebte.

Der See blieb mein Ort. Hierher kam ich davor, manchmal auch danach, und ließ das Wasser meinen Körper tragen und meine Haut streicheln. Hier hing ich den Erinnerungen nach und erträumte ein „Mehr“, das immer unerreichbar war.

Jetzt ist es kalt geworden, längst viel zu kalt für ein Bad im See. Ich sitze in eine dicke Jacke gehüllt am Ufer und beobachte, wie der Wind die Wasseroberfläche kräuselt. Fast kann ich dieses Kräuseln auch auf meiner Haut spüren; so wie der Wind das Wasser bewegt, hinterlässt sein Körper flüchtige Eindrücke auf meinem.

So wie der Wind mit dem Wasser spricht, sprechen unsere Körper miteinander; erzählen Geschichten von Verlangen, Sehnsucht und Hingabe, die unbeschrieben in dem Schweigen zwischen uns hängen.

(geschrieben am 02.09.18)


Geschichten unterliegen meinem Copyright und dürfen nicht kopiert und/ oder an anderer Stelle im Internet veröffentlicht werden!

Zwangsberatung vs Beratungsstellen

Im November muss ich immer zur Gesundheitsberatung nach ProstSchG. Das ist seit 2017 vorgeschrieben (ebenso wie alle zwei Jahre die Registrierung). Diesmal war ich in unter zehn Minuten wieder raus. Ich saß einer jungen Sozialpädagogin gegenüber, die sehr nett und bemüht war. Gleichzeitig war ihr aber wohl bewusst, dass das für fast alle Frauen eine Pflichtveranstaltung ist, die sie schnell hinter sich bringen wollen – und wie viel Ahnung sie selber vom Gewerbe hat, kann ich nicht beurteilen.

Ich merke bei diesen Terminen immer, dass ich sehr darauf bedacht bin, mich selbst darzustellen. Alles was ich sage bringt rüber, wie lange ich das schon mache, wie selbstsicher ich bin, was ich alles weiß, worauf ich alles achte… Das ist aber irgendwie nicht Sinn eines Beratungsgesprächs. Da kommt halt zum Tragen, wie wichtig diese Bescheinigung ist, um weiterarbeiten zu können. Wenn ich mich hier verletzlich zeige, vielleicht sogar hilflos oder überfordert, kann das meine berufliche Existenz bedrohen. Ich stelle mir vor, dass das für die Beraterin auf der anderen Seite genauso frustrierend ist wie für die Frauen; es kommt kein echter Kontakt zustande, und eventuelle Hilfsangebote kommmen nicht an.

Ganz anders läuft es im Casa Blanca, einer deutlich älteren Beratungsstelle hier in Hamburg, bei der man anonym bleiben kann. Dort kann ich ehrlich von meinen Gedanken und Problemen erzählen, ohne das darüber geurteilt wird – und auch um Hilfe bitten. Die ganze Absicht des Prostitutionsschutzegesetzes läuft ins Leere durch den Zwang, der durch dieses Gesetz ausgeübt wird. Das Geld hätte man besser in offene Beratungsstellen investiert!

Gerade habe ich gelesen, dass der Bund drei Millionen Euro für Modellprojekte zur Verfügung stellt, die sich mit Ausstiegsberatung für Prostituierte beschäftigen: „Ziel sei die Chancengleichheit ehemaliger Sexarbeiterinnen auf dem regulären Arbeitsmarkt. Der Verein berate die Frauen zu Existenzsicherung, Wohnsituation, körperlicher und seelischer Gesundheit und begleite sie auch bei Behördengängen. Auch ein Bewerbungstraining werde angeboten.“ Jetzt kann man darüber diskutieren, ob Ausstieg immer das Ziel sein sollte oder es manchmal auch einfach anderer Wege bedarf, um besser mit den Herausforderungen in der Sexarbeit umzugehen. Aber eine solche freiwillige, offene Beratung ist auf jeden Fall ein sinnvollerer Weg als der verkrampfte Zwang des Prostitutionsgesetzes – dort der trifft der alte Spruch zu: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“

Volle Tage

Jetzt geht das Jahr langsam in seinen Endspurt, und November ist bei mir jedes Jahr ein voller Monat. Dieses Jahr liegt das auch daran, dass bei mir viel in Bewegung ist. Im September habe ich eine Fortbildung angefangen, die mich jedes zweite Wochenende beschäftigt – sehr spannend und intensiv, aber danach brauche ich eigentlich den Montag frei. Ich habe auch wieder angefangen, selber Stunden zu unterrichten, und Massagen und Coachings zu geben. So kann es manchmal etwas schwierig sein, einen Termin mit mir zu bekommen, vor allem kurzfristig.

Das ist ein Thema, dass mich in der Sexarbeit von Anfang an begleitet und gerade in den letzten Jahren immer wieder Thema ist: die „Sofortness“. Jahrelang war es für mich total normal, den ganzen Tag auf Abruf zu stehen. Im Appartement habe ich versucht, zumindest eine Kernzeit zu halten – meist war ich nachmittags (13:00-19:00) da und habe auch spontan Termine gemacht. Die Hälfte der Anrufe, ob ich „jetzt gleich“ könne, kamen trotzdem vormittags oder später am Abend. Und immer wieder habe ich tageweise rumgesessen und die Zeit verstreichen lassen…

Seit ich nicht mehr im Appartement bin, habe ich mir angewöhnt, nur noch Termine zu machen, die mindestens am Tag vorher vereinbart wurden (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das klappt meist gut; im Moment wird es aber manchmal eng. Ich habe einige Termine, die ich flexibel verschieben kann – aber nicht mehr am Abend vorher (das finde ich unhöflich und wahrscheinlich würde es mein Gegenüber nicht lange mitmachen). Manchmal mache ich mir Gedanken darüber, ob ich zu wenig „kundenfreundlich“ bin, wenn ich eine vernünftige Terminvereinarung mit Vorlauf verlange. Dann sage ich mir immer, dass das in anderen Branchen völlig normal ist – und es da eher ein schlechts Zeichen ist, wenn jemand nicht ausgelastet ist.

Ja, ich versuche vieles möglich zu machen, gerade für Stammgäste. Aber wenn jemand auf einen ganz bestimmten Tag oder eine bestimmte Zeit festgelegt ist, sollte genug Vorlauf eingeplant werden – so viele Termine mache ich nicht mehr in der Woche und bin auch nicht immer bereit, alle anderen Verpflichtungen beiseite zu legen.

Peinliche Erklärungen

Ich hatte heute Abend ein echt schönes Date, mit einer kleinen Irritation mittendrin. Ich lag entspannt auf dem Rücken, seine Lippen strichen über meine Haut… da zog er sich plötzlich zurück, sah erst an mir runter, mich dann an, und fragte: „Wer hat dich denn geschlagen?!“

Irritiert richtete ich mich auf, wusste im ersten Moment gar nicht was er meinte. Doch dann fiel es mir wieder ein: an der Innenseite der Oberschenkel, fast ganz oben, habe ich auf beiden Seiten handtellergroße blaue Flecke, und außerdem mehrere kleine, alle an der Innenseite der Oberschenkel. Sieht echt nach häuslicher Gewalt aus, oder einem SM-Spiel…

Was wirklich passiert ist: Ich habe am Wochenende spontan einen gebrauchten Sattel für mein Pferd gekauft und wollte den natürlich sofort ausprobieren. Meine Steigbügelriemen passten aber nicht an den Sattel. Ich hatte noch ein paar andere Riemen da, die aber für mich zu lang waren – egal, ich kann sie ja kürzer knoten. Jetzt waren die Riemen zwar ein bisschen zu kurz, aber das würde schon gehen.

Durch die (jetzt zu kurzen) Riemen bin ich beim Leichttraben bei jedem Schritt mit dem Oberschenkel/ Schambein gegen die Fork gestossen. Oberhalb der Knie rieben außerdem die Knoten an der Innenseite meiner Oberschenkel. Was heute morgen noch leichte Schatten waren, hat sich im Laufe des Tages zu dunkelblauen Flecken entwickelt, die wohl noch einige Tage anhalten werden.

Die Frage, was mir passiert ist, werde ich in dieser Woche also wahrscheinlich noch häufiger hören. Einerseits ist es mir peinlich, aber andererseits freue ich mich über die Aufmerksamkeit meiner Kunden, die sowas bei einer Sexarbeiterin nicht einfach ignorieren.

Corona

In den letzten Wochen ist Corona in den Nachrichten und auch im Bewusstsein von vielen mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Politisch standen durch die Wahl andere Dinge im Vordergrund, und im Sommer war es auch einfach nicht so wichtig, da man ständig an der frischen Luft war. Ein wenig Sorgen vor dem Beginn der Indoor-Saison hatte ich schon… Hier in Hamburg setzt sich aber mehr und mehr 2G durch, und so habe ich auch angefangen, wieder ab und zu ins Theater oder ins Kino zu gehen.

Jetzt bin ich unsanft an die Realität der Pandemie erinnert worden. Letztes Wochenende (30./31.10.) war ich zu einer Yoga-Ausbildung. Eine feste Gruppe, 11 Menschen, 3G – 8 geimpft, 3 getestet. Donnerstag dann die Nachricht von einer Frau: sie hatte seit Dienstag Symptome und ihr Test auf Covid-19 war positiv. Mittlerweile sieht es so aus als hätten sich noch vier Menschen bei ihr angesteckt (alle geimpft).

Ich habe sofort mit dem Gesundheitsamt telefoniert und war erstaunt zu hören, dass die Rückverfolgung nur noch über 2 Tage erfolgen würde und ich nicht in Quarantäne müsse, sondern mich nur auf Symptome beobachten solle. Nun, mir geht es gut, ich habe keine Symptome. Trotzdem habe ich Donnerstag und Freitag einen Test gemacht (beide negativ) und werde das wohl auch die nächsten Tage forsetzen – und danach wohl zur Sicherheit und Selbstkontrolle 2-3 Mal die Woche. (Selbsttests habe ich heute für 1,75 Euro das Stück gekauft, das Argument „aber teuer“ zählt also nicht.)

Ich hatte in den letzten Tagen drei Dates, die ich vorsichtshalber benachrichtigt habe. Fürs Wochenende hatte ich zwei Dates vereinbart; mit den Männern habe ich heute telefoniert und ihnen die Entscheidung überlassen, ob sie mich trotzdem treffen wollen. Einer hat den Termin verschoben, da er einer Risikogruppe angehört. Der andere verlässt sich darauf, dass wir ja beide geimpft sind. Dann ist der Kontakt auch gut eine Woche her und ich ohne Symptome und mit mehreren negativen Tests – es sieht also so aus, als wäre ich mit einer Warnung davongekommen.

2G

Bis gestern hatte ich auf meinem Profil den Satz stehen: „Ich bin gegen Covid-19 geimpft und bevorzuge dies auch bei meinen Kunden.“ Das habe ich jetzt geändert in: „2G – ich bin gegen Covid-19 geimpft und erwarte dies auch von meinen Kunden.“

Ursache dafür war ein Telefongespräch mit einem Kunden aus der Vor-Corona-Zeit. Auf seinen Hinweis, dass er aber nicht geimpft sei, fragte ich ihn, wie häufig er sich den testen würde: Gar nicht, das kostet ja jetzt Geld! Als ich dann etwas ungehalten wurde und auch direkt fragte, warum er sich den nicht impfen lassen würde, folgten Verschwörungstherorien und diese Pseudo-Argumente wie „die Impfung wirkt ja auch nicht bei allen“ und „es gibt aber auch Geimpfte, die Überträger sind“ (ja, stimmt beides, ist aber bei den Gesamtzahlen eher unerheblich).

Dieses Verhalten deckt sich leider mit meinen Erfahrungen mit Ungeimpften in den letzten Monaten: Entweder sie hängen direkt irgendwelchen „alternativen Theorien“ an, oder aber sie nehmen Corona einfach überhaupt nicht ernst. Ich könnte damit leben, wenn jemand sich nicht impfen lässt und dann für sich erhöhte Maßnahmen (Maske, Abstand, Kontakte vermeiden) beibehält und sich regelmäßig testet (mindestens jeden zweiten Tag) – hab ich aber noch nicht erlebt. Die Pandemie einfach zu negieren oder zu ignorieren ist in meinen Augen grob fahrlässig, und solche Menschen möchte ich nicht in meiner Umgebung haben.

Geschichte: Wiedersehen

Ich weiss, dass viele meiner Leser gerne meine erotischen Geschichten lesen. Ich tue mich immer etwas schwer damit, sie hier im Blog zu veröffentlichen, da sie doch sehr intim sind – es geht mir mehr um Stimmungen und um Gefühle als um pornografische Details. Heute habe ich meine absolute Lieblingsgeschichte rausgesucht; sie ist schon viele Jahre alt, aber mir immer noch sehr nah.


Ich habe seine Stimme am Telefon gleich wiedererkannt. Als es jetzt an meiner Tür schellt, fühle ich Aufregung und Unsicherheit in mir aufsteigen. Er kommt auf mich zu und sieht aus wie immer: im Anzug, elegant, aber seine Bewegungen verraten seinen sportlichen Körper. Ich lächel ihn an: „Lange her…“ – „Drei Jahre.“, antwortet er und drückt mich kurz an sich. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Aber ich habe dich vermisst.“

Und dann ist alles ganz leicht. Meine Finger streichen über seine Haut, vorsichtig, tastend, und doch selbstverständlich. Er zieht mich an sich und küsst mich – haben wir uns jemals geküsst, früher? Egal, es fühlt sich gut an – nah, intim, fließend. Ich drücke ihn zurück, bis er auf dem Rücken liegt, und lasse meine Lippen über seine Brust wandern. Er zieht mich wieder hoch, näher zu sich, bis ich auf ihm liege und nicht mehr sicher sagen kann, wo mein Körper aufhört und seiner anfängt. Ich vergrabe eine Hand in seinen Haaren, reibe mein Becken an ihm, gleite mit meiner Zunge über seinen Hals, während er mich noch enger an sich drückt. Ich gleite tiefer, seitlich über seine Leiste (Gedanke: als wir uns das letzte Mal gesehen haben, war er noch nicht rasiert…), nehme seinen Penis in den Mund, sehe gleichzeitig an ihm hoch: sein gestreckter Körper, der zurückgelegte Kopf, alles spricht von Lust.

Dann liege ich auf dem Rücken, seine Zunge streicht über meine empfindlichste Stelle, seine Finger tauchen erst ins warme Öl, um mich dann zu streicheln und zu erkunden. Als er hochkommt und statt mit seinem Finger mit seinem Schwanz über meine Perle reibt, mischt sich mein Stöhnen mit seinem. Meine Beine schlingen sich um seine Taille, meine Arme ziehen ihn näher zu mir, unsere Körper reiben aneinander. Küsse. Atem. Stöhnen.

Er stützt sich wieder auf, schiebt meine Knie hoch gegen meinen Körper. Ich sehe ihn an, sehe seine geschlossenen Augen, das Gesicht, von Lust gezeichnet, so offen in diesem Moment. Meine Hand ruht kurz auf seiner Wange, mit vorsichtiger Zärtlichkeit.

Dann dringt er in mich ein, und ich strecke mich ihm entgegen. Ein kurzer Moment nur, er zieht sich gleich wieder zurück: „Tut mir leid, ich steht total unter Strom, das wird nicht lange dauern…“ (Gedanke: wir haben nicht über Verhütung gesprochen – früher war das immer wichtig.) Er reibt sich wieder an mir, ich spüre seinen Körper mit jeder Faser von meinem Körper. Ich will ihn so sehr!

Doch nicht heute; ich merke wie er sich von mir zurückzieht. Jetzt bin ich es, die die Finger in Öl taucht und ihn streichelt. Ich betrachte ihn, seinen Körper, der jetzt ganz ruhig geworden ist, das Gesicht, dass trotz seiner Lust entspannt ist. Meine Finger gleiten sanft rauf und runter, bis sein Saft warm durch meine Finger tropft.

Danach wandert sein Blick schnell zur Uhr: „Tut mir leid, ich hab noch nen Arbeitstermin – hatte ich ja vorher gesagt.“ Seine Stimme ist weich, ich spüre keine Ablehnung daran, sondern einen Hauch von Bedauern.

Als er sein Jacket wieder anzieht, greift er in die Innentasche nach seinem Portemonaie. „Wieviel?“ Ich bin versucht abzulehnen, doch dann nenne ich eine Summe und nehme das Geld – wir brauchen es beide: als Grenze, die einen jeden von uns in seiner eigenen Welt hält.

(geschrieben am 29.05.13)


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