Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 34 von 57)

PrEP

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Seit ein oder zwei Jahren werde ich bei meinen Vorsorge-Untersuchungen gefragt, ob ich eine PrEP nehme. Beim ersten Mal fand ich die Frage absurd, da dieses Medikament gerade erst zugelassen war, aber mittlerweile scheint es ziemlich weit verbreitet zu sein.

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und ist ein Medikament, das eine HIV-Infektion verhindert, wenn man es täglich einnimmt. Überwiegend wird es von schwulen Männern genommen, ist aber nicht auf diese beschränkt. PrEP muss vom Arzt verschrieben werden und eine Kontrolluntersuchung alle drei Monate ist Pflicht. Bei dieser Untersuchung wird u.a. die Nierenfunktion geprüft, da diese durch das Medikament beeinträchtigt werden kann.

Vor kurzem habe ich einen Roman gelesen, in dem die Protagonistin bevorzugt ungeschützten Sex hatte und versuchte, sich dabei durch die Einnahme von PrEP und Antibiotika zu schützen. Theoretisch wäre das auch für Sexarbeiterinnen eine Option. Praktisch halte ich das für eine dumme Idee.

Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, weswegen ich meinem Körper so wenig Medikamente wie nötig zumute. Die PrEP schützt nur vor HIV, nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten, und eine dauerhafte (oder auch nur häufige) Einnahme von Antibiotika ist auf jeden Fall gesundheitsschädlich. Kondome schützen völlig ohne Nebenwirkungen.

Ich mag auch den psychologischen Effekt von Kondomen: Beiden wird das Risiko bewusst und sie übernehmen Verantwortung. Schon beim Thema Schwangerschaft wird das oft der Frau überlassen, und über Krankheiten machen sich noch weniger Männer Gedanken (meiner Erfahrung nach die jüngeren noch eher als ältere Semester). Da muss unbedingt ein Umdenken stattfinden, auch außerhalb von festen Beziehungen.

Geschenk an die Frauen

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Sonntagmorgen 10:30. Ich liege noch im Bett, habe gerade die erste Tasse Kaffee neben mir, und checke auf dem Tab Nachrichten und News. Die Mail auf KM klingt sehr nett, aber mir ist gerade nicht nach Schreiben. Ich klicke weiter auf Facebook und verbringe dort die nächsten zwanzig Minuten. Als ich zurück auf KM komme, habe ich vom selben Absender noch eine Mail, mit nichts als einem Smiley – offensichtlich hat er gesehen, dass ich die Mail gelesen habe, und hat interpretiert, dass ich sie nicht beantworten würde.

Auf sowas reagiere ich im Moment extrem empfindlich (wie auf einiges andere auch). Also schreibe ich freundlich zurück, dass ich bei seiner Ungeduld wohl nicht die Richtige für ihn bin. Als Antwort bekomme ich gleich drei Mails. Die erste ist ein simples „Schade, wirklich nicht?“, und dabei hätte man es gut bewenden lassen können.

Die zweite ist der Hinweis, dass ich doch froh sein solle, mal einen jüngeren Mann daten zu können statt immer nur „alte Säcke“. Jetzt bin ich ernsthaft sauer. Ich mag meine Kunden, unabhängig von ihrem Alter, und ich reagiere empfindlich und beschützerisch, wenn jemand über sie herzieht und Vorurteile hat. Kurz bevor ich auf den Ignorier-Knopf drücken kann, kommt die dritte Mail:

Mich würde er eh nicht treffen wollen, und er würde mich beim Gesundheitsamt melden wegen Verstoss gegen die Corona-Regeln. Aha, viel Erfolg – wir hatten überhaupt nicht über einen konkreten Termin gesprochen, und im Moment gibt es noch keine Regeln über den 10. Januar hinaus. Früher drohte man mit dem Finanzamt, heute also mit dem Gesundheitsamt – beides sind leere Drohungen, die selten durchgeführt werden und selbst dann nur die wenigsten Frauen in Schwierigkeiten bringen können.

Jetzt hatte ich auf jeden Fall erst mal wieder genug von KM und beschäftigte mich den Rest des Tages mit etwas anderem. Schade, ich habe sonst so nette Kontakte hier…

Einfach Nein

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Vor kurzem beschrieb eine Sexarbeiterin in einem Blog hier, dass sie schon im Vorfeld bei der Terminvereinbarung „kein gutes Gefühl hatte“. Dieses Gefühl kennt wohl jede Frau, nicht nur als Sexarbeiterin, sondern auch aus dem privaten Bereich. Manchmal gibt es keinen Grund, ein Date abzulehnen, sondern einfach nur „kein gutes Gefühl“.

Ich überlege, ob es typisch weibliches Verhalten ist oder ob die Gesellschaft es jedem antrainiert hat, dass es den meisten Menschen schwer fällt, einfach Nein zu sagen ohne eine Begründung. Einfach sagen: „Ich will das nicht.“ „Ich habe mich dagegen entschieden.“ Häufig habe ich erlebt, dass dann nach einer Begründung gefragt wurde und rumdiskutiert.

Das letzte Jahr hat viele Veränderungen und Unsicherheiten gebracht. Die rechtlichen Unsicherheiten des Lockdowns und die reale gesundheitliche Gefahr durch Corona und andere Krankheiten… Es fällt mir schwer, mich sicher zu fühlen. Daher lehne ich fast alle Termine ab, die nicht Stammkunden sind oder mir von Anfang an ein gutes Gefühl geben. Auf Dauer ist das wohl keine Lösung, um hier aktiv zu sein. Aber wer weiß, wann der Lockdown überhaupt vorbei sein wird – und was dann von der Welt, wie wir sie kannten, noch übrig ist.

Buch: „Ich bin Sexarbeiterin“

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Kurz vor Weihnachten erreichte mich ein Buch, dass ich vor ein paar Monaten vorbestellt hatte: „Ich bin Sexarbeiterin“, herausgegeben von einem Verband aus schweizer Organisationen, die sich gegen die Diskriminierung von Sexarbeiter*innen einsetzen.

Erster Eindruck: Das ist ja hübsch! Kleinformatig, nur knapp 20 Zentimeter hoch, mit einem schlichten silbernen Umschlag, der sehr edel wirkt. Von Innen genauso: Ausdrucksstarke ein- und doppelseitige Fotos, die sich mit jeweils 6-10 Seiten Text abwechseln. Knapp 160 Seiten.

Der Hauptteil des Buches besteht aus Porträts von Sexarbeiterinnen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich alle willentlich und bewusst für ihre Tätigkeit in der Sexarbeit entschieden haben. (High Class) Escort ist nicht dabei, sondern sehr bodenständige Geschichten von der Straße und aus Bordellen. Ebenfalls gemein ist ihnen eine gewisse Sachlichkeit; Sexarbeit wird als Einkommensquelle und Beruf gesehen, nicht als Lebensinhalt – jede der Frauen legt Wert auf ein Privatleben, dass sie strikt von ihrer Arbeit trennt.

Dazwischen sind ein paar Sachtexte über die rechtliche und gesellschaftliche Stellung von Sexarbeit. Diese habe ich nur überflogen, da mein Eindruck ist, dass sich das Leben in der Schweiz schon sehr von dem in Deutschland unterscheidet.

Insgesamt ein schönes Buch und ein tolles Projekt. Leider ist das Buch mit 22 Euro (zu) teuer; das ist der Kleinauflage geschuldet und damit verständlich, wird die Verbreitung aber einschränken.

Resignation

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Die letzten Jahre habe ich um diese Zeit einen Blog geschrieben, in dem ich meinen Gästen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr gewünscht habe und auf ein positives Jahr zurückgesehen habe. Dieses Jahr fällt mir da gar nichts zu ein.

Sexarbeit ist schon seit dem 1. November wieder verboten (wie es den Großteil des Jahres war) und seit dem 16. Dezember sind wir im harten Lockdown, auf unbestimmte Zeit. Ich glaube nicht mehr an solche Maßnahmen, denn viel zu viele Menschen nehmen sie nicht mehr ernst. Viele wissen gar nicht, welche Regeln überhaupt gelten, und haben auch kein Interesse daran, sich zu informieren, sondern sie dehnen einfach die Regeln so weit wie möglich oder ignorieren sie ganz.

Wenn ich die Bilder von überfüllten Fußgängerzonen Anfang Dezember sehe oder überlege, wie viele Anfragen ich immer noch jede Woche kriege oder meinen Nachbarn bei ihren Partys zuhöre, dann bleibt mir nur noch Resignation angesichts von so viel Egoismus und Rücksichtslosigkeit.

S.A.M. Health

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Obwohl ich sehr genau auf Safer Sex achte, lasse ich mich 3-4 Mal im Jahr auf sexuell übertragbare Krankheiten testen (HIV, Syphilis, Tripper, Clamydien, evtl Hepatitis). Normalerweise mache ich das in einem Beratungszentrum hier in Hamburg. Das ist jedoch in diesem Jahr während des Lockdowns nicht so unkompliziert möglich wie sonst.

Ein Freund erzählte mir von eiem Projekt der Deutschen Aidshilfe, bei dem man diese Tests von zu Hause aus durchführen kann. Man meldet sich übers Internet an und nach einem telefonischen Beratungsgespräch bekommt man ein Testkid nach Hause geschickt, entnimmt die Proben selber und schickte diese anonymisiert ans Labor. Das Ergebnis gibt es eine Woche später per SMS. Das ganze für übersichtliche 32 Euro.

Anmeldung und Telefongespräch waren problemlos, und zwei Tage später war das Probenkit in meinem Briefkasten. Die drei Abstriche (oral, vaginal, rektal) waren kein Problem, das hatte ich schon mal gemacht. Als letztes dann Blutabnahme aus dem Finger. Ich setzte ein kleines Plastikgerät auf die Fingerkuppe, drückte etwas, und die Nadel löste von selbst aus und stach mich in den Finger. Aua! Im ersten Versuch verteilte ich Blut über mein ganze Hand und das Waschbecken, bekam aber kaum etwas ins Probenröhrchen. Ich atmete tief durch – und stach in einen zweiten Finger. Diemal klappte es besser und ich bekam die nötigen 15 Blutstropfen aus dem Finger gestrichen. Angenehm ist allerdings was anderes, und die Finger taten den Rest des Tages weh.

Proben in die Post, und drei Tage später hatte ich das Ergebnis auf dem Handy – alles in Ordnung. Echt eine praktische Lösung. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob ich mir das mit der Blutentnahme noch mal antue, oder ob ich das nicht doch lieber wieder einem Profi überlasse.

Der Leuchtfeuer-Teddy

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Jetzt im Advent steht mitten in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs wieder ein Tisch voller kleiner Teddybären. Jedes Jahr sehen sie etwas anders aus und doch immer ähnlich: etwa zehn Zentimeter hoch, mit plüschig-weichem Fell und einer roten Schleife um den Hals.

Auf der Schleife steht „Hamburg Leuchtfeuer“, und unter eine Tatze des Teddys ist eine Aids-Schleife gestickt.

„Hamburg Leuchtfeuer“ ist ein Verein, der in Hamburg ein Hospitz betreibt, in der Trauerbegleitung aktiv ist – und sich um HIV-Infizierte und Aids-Kranke kümmert.

In meinem Leben hält sich die Angst vor Aids in Grenzen. Safer Sex gilt sowieso, auch wegen vieler anderer sexuell übertragbarer Krankheiten. Es gibt Krankheiten, die mir viel weniger kontrollierbar erscheinen, allen voran Krebs, aber auch leichter übertragbare Infektionskrankheiten.

Trotzdem kaufe ich jedes Jahr einen Leuchtfeuer-Teddy, und diese Sammlung hat einen besonderen Platz in meiner Wohnung. Für mich sind sie eine Mahnung, mich nicht zu sicher zu fühlen, und ein Aufruf zu Mitgefühl und Toleranz.

(Re-Post vom 07.12.15)

Alternative Berufsmöglichkeiten

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Im November hat der BesD (Berufsverband Sexarbeit) anlässlich des zweiten Lockdowns erneut um Spenden gebeten für Sexarbeiterinnen, die durch das Berufsverbot in Not geraten sind. Unter dem Artikel in den sozialen Medien sammelten sich in kürzester Zeit eine Vielzahl von hämischen Kommentaren. Männer boten „Sperma-Spenden“ an, während Frauens sich eher darüber ausließen, dass „die halt was vernünftiges hätten lernen sollen“ oder dass „in der Pflege immer Leute gesucht würden“ oder „die ja putzen gehen können“.

Nun sind Sexarbeiterinnen nicht die einzigen, die von Berufsverboten betroffen sind, und ich frage mich schon, ob z.B. Kosmetikerinnen ähnlich hämische Kommentare ernten würden, wenn sie von ihrer Notlage berichten. (Viele Solo-Selbständige fallen durchs Raster der Hilfen und können höchstens noch ALG II/ Hartz IV beantragen.)

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Sexarbeiterinnen in diesem Beruf landen, weil sie keine anderen Möglichkeiten hätten. Die meisten haben sehr wohl andere Möglichkeiten – meist auch über Putzen oder andere Jobs im Niedrigstlohnbereich hinaus. Nur: Sie haben sich für die Sexarbeit entschieden, und in normalen Zeiten verdienen sie ihren Lebensunterhalt damit, ohne „der Gesellschaft zur Last zu fallen“.

Im Jahr 2020 ist leider nichts normal, und in vielen Berufen fallen Selbständige durch Berufsverbote plötzlich ins Nichts. Hilfen sind unzureichend, und den meisten Menschen fällt es schwer, ihren Lebensstandard von einem Monat auf den nächsten so weit runterzuschrauben, dass sie mit deutlich weniger Geld auskommen (Verträge sind zu erfüllen, Mieten zu bezahlen…).

Jetzt von all diesen Menschen zu fordern, dass sie sich „halt was anderes suchen müssen“, geht meiner Meinung nach völlig an der Situation vorbei. Selbst die Branchen, die nicht direkt vom Lockdown betroffen sind, sind zur Zeit sehr zurückhaltend mit Neueinstellungen (selbst vorhandene Mitarbeiter sind häufig in Kurzarbeit). Und mal eben eine Umschulung machen? Das dauert meist Jahre – Zeit, die derjenige dann auch irgendwie überbrücken müsste.

Die meisten dieser Menschen wollen ja eigentlich gar keinen anderen Job. Sie hoffen immer noch darauf, dass das Leben sich irgendwann wieder normalisiert und sie in ihre gewohnte Tätigkeit zurückkönnen – z.B. wieder in einem Bordell arbeiten. Bis dahin versuchen sie, sich irgendwie über Wasser zu halten – wenn es geht mit Aushilfsjobs, sonst halt mit staatlicher Unterstützung. (Meiner Meinung nach ist es völlig angebracht, dass der Staat Ausfallgeld zahlt, wenn er für ansonsten legale Berufe ein zeitweises Berufsverbot verhängt.)

Ich würde mir auch für Sexarbeiterinnen etwas mehr Verständnis und Mitgefühl wünschen in der jetzigen Situation (so, wie wir es auch für z.B. Gastronomen und Künstler aufbringen) statt Spott und Häme. Eine Gesellschaft besteht aus deutlich mehr als dem, was gerade als „systemrelevant“ angesehen wird. Wem steht es zu, über die Berufsentscheidungen anderer Menschen zu urteilen?

Kosenamen

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Kosenamen sind eigentlich etwas, das sehr engen Beziehungen vorbehalten ist – ein Zeichen für Vertrautheit, Nähe, Zärtlichkeit. Kosenamen entwickeln sich mit der Zeit und sind meist sehr persönlich, geboren aus der Geschichte zwischen zwei Personen.

Im Paysex sind allgemeingültige Kosenamen allerdings erschreckend weit verbreitet: Frauen, die mit „Hallo Süßer“ ans Telefon gehen, und Männer, die Frauen mit „Hey Sexy“ anschreiben. Wenn ich eine Kollegin dabei beobachtet habe, war mir meist klar, dass wir keine engen Freudinnen werden – das Niveau ist einfach zu unterschiedlich. Genauso bin ich meist versucht, Mails von Männern, die mich so ansprechen, gleich wieder zu schließen.

Mit „Traumfrau“ angesprochen zu werden, ist für mich ein Grenzbereich, schließlich ist das mein Profilname. Lieber ist mir Tina, der Name, mit dem ich mich in meinem Profil vorstelle. Ich schreibe Kunden auch nicht mit ihrem Profilnamen an, sondern mit dem Namen, den sie (hoffentlich) in ihrer ersten Mail nennen.

Für mich ist es ein Zeichen von Respekt, jemandem mit seinem Namen anzusprechen und auch den eigenen Namen zu nennen. Es gibt Menschen, die sprechene in Date ab und treffen sich, ohne Namen zu nennen. Das finde ich furchtbar – klar ist im Paysex nicht immer der andere persönlich gemeint, aber den anderen durch seinen Namen wenigstens als Menschen wahrzunehmen und nicht nur als Hure/ Freier finde ich wichtig.

Lockdown-Widersprüche

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich habe die zweite Woche des Lockdowns genutzt, um mich um die Verlängerung meiner Anmeldung nach dem Prostitutionsschutzgesetz von 2017 zu kümmern. Komischer Fakt: So gut wie alle Behörden sind zu oder nur eingeschränkt geöffnet, Anträge laufen online oder man bekommt nur bei Sonderbedarf einen Termin. Für die FABEA*Pro (Anmeldung) und die GESAH (Gesundheitsberatung) gilt das nicht, trotz des herrschenden Prositutionsverbots im Lockdown; ich konnte einfach wie gewohnt einen Termin machen.

An meine Anmeldung 2017 habe ich keine guten Erinnerungen. Dort gab es eine lange Belehrung über Sicherheit und Weisungsbefugnisse – die offenbar völlig an der Realität vorbeigingen. Deswegen ging ich mit sehr gemischten Gefühlen zu meinem Termin am Montag. Diesmal war es aber ziemlich entspannt. Ich saß hinter einer Plexiglasscheibe und plauderte über die Corona-Einschränkungen und wie ich zurechtkäme, während eine Praktikantin meine Daten in den Computer eingab und die neuen Pässe ausdruckte. Was ich noch neu lernte: Wenn ich irgendwann komplett mit der Sexarbeit aufhören, reicht es nicht, die Anmeldung nicht mehr zu verlängern, sondern ich muss mich aktiv abmelden. Gibt mir kein gutes Gefühl…

Mittwoch der Termin zur Gesundheitsberatung war ebenso kurz und unkompliziert. Statt über Gesundheitsthemen gab es ein kurzes Gespräch über Corona-Einschränkungn, und erst auf meinen Hinweis, dass ich in diesem Jahr noch zu keinen STI-Tests war, weil das Casa Blanca zu ist (bzw nur für Sonderfälle/ Notfälle geöffnet, zu denen ich mich nicht zähle), sprachen wir kurz über STI-Tests und Risiken und die Beraterin ermutigte mich, mich trotzdem um einen Termin im Casa Blanca zu bemühen.

In den letzten Monaten bin ich nur sehr wenig in der Hamburger Innenstadt gewesen, und jetzt im Bereich Hauptbahnhof/ Spitaler Straße/ Mönckebergstraße unterwegs zu sein, fand ich eher abschreckend. Dort herrscht Maskenpflicht und es sind viele Sicherheitskräfte und Polizisten unterwegs, die das kontrollieren. Außerdem hat in meinen Augen die Zahl der Obdachlosen massiv zugenommen, vor den Geschäften und teilweise mitten in der Fußgängerzone. Es waren nicht so viele Menschen unterwegs wie sonst, einfacher Shopping-Bummel scheint im Moment überhaupt keiner mehr zu machen. Es standen einige wenige Stände, die wohl jetzt schon versuchen, den ausfallenden Weihnachtsmarkt zu kompensieren (ich bezweifle, dass ihnen das gelingen wird). Eine ziemlich bedrückende Atmosphäre, ich war froh als ich wieder in der Bahn nach Hause saß.

Für mich ist das Jahr gefühlt schon zu Ende. Ich habe alle geplanten Touren zu meiner Familie inkl. Weihnachten abgesagt und werde zu Hause bleiben und mich um mich selbst kümmern. Vielleicht lockert sich der Lockdown ja noch so weit, dass ich ein paar Dates machen kann im Dezember – quasi als Weihnachtsgeschenke.

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