Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Autor: Tina (Seite 25 von 57)

Privatwohnung vs Appartement

Ich habe in meiner Zeit als Sexarbeiterin schon in einigen Umgebungen gearbeitet. Angefangen habe ich als Escort und in Clubs; dort gab es einen festen Rahmen von Regeln und viel Unterstützung. Als ich dem Rotlicht den Rücken kehren wollte, habe ich in einer eigenen Wohnung Tantra-Massagen gegeben. Irgendwann bin ich aus privaten Gründen in ein Appartement gewechselt, wo ich mich dann nach und nach wieder mehr der klassischen Prostitution und auch dem Bizzar-Bereich zugewandt habe.

In meinem letzten Appartement war ich über vier Jahre und habe mich dort sehr wohl gefühlt. Der Nachteil eines Appartements sind die hohen Kosten, die es verursacht. Die Miete und andere Kosten lohnen sich nur, wenn man wirklich 5-6 Tage die Woche konsequent in Vollzeit oder mehr arbeitet. Dafür gibt es dort viele Möglichkeiten: neben meinem Zimmer hatte ich ein voll ausgestattetes Studio zur Verfügung und konnte auch immer wieder mit Kolleginnen zusammenarbeiten. Außerdem ist es eine sichere Umgebung.

Schon kurz vor dem ersten Corona-Lockdown habe ich darüber nachgedacht, mein Appartement-Zimmer aufzugeben. Ich wollte nicht mehr Vollzeit Sexarbeit machen, sondern hatte ein Angebot für einen Teilzeit-Job und wollte andere Bereiche meiner Selbständigkeit wieder mehr ausbauen. Dann kam der Lockdown und das Appartement war für lange Zeit geschlossen. Als wir im Oktober 2020 kurz wieder arbeiten durften, war mir die gesamte Situation zu unsicher, um zurück ins Appartement zu gehen.

Seit dem Ende des Lockdowns im letzten Sommer treffe ich meine Kunden in einer privaten Wohnung. Ein wenig fühlt es sich an als würde ich zu Tantramassage-Zeiten zurückkehren; genauso habe ich auch den Raum eingerichtet, und dieses Gefühl zieht sich durch die meisten meiner Termine. Meine Termine sind persönlicher geworden, geprägt von Nähe und Zärtlichkeit.

Gleichzeitig gibt es aber auch Einschränkungen: Mein Service ist eingeschränkter; den Bizzar-Bereich habe ich fast ganz hinter mir gelassen und konzentriere mich auf Massagen und Girlfriendsex. Ich arbeite nicht mehr so spontan wie früher, da ich den Raum auch anders nutze und viel mehr Zeit für Vorbereitungen brauche. Auch die Terminvereinbarung ist aufwendiger geworden, da ich verschiedene Vorsichtsmaßnahmen ergreife, um mich sicherer zu fühlen mit neuen Kunden. Es ist halt keine Kollegin mehr im Nebenzimmer, die mir im Notfall helfen könnte.

Schon im Appartement war ich sehr frei in dem, wie ich meine Termine gestaltet habe – zeitlich, finanziell, inhaltlich. Trotzdem hat die Umgebung und die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen mein Angebot beeinflusst. Jetzt fühle ich mich ganz frei in dem was ich tue – der Einrichtung des Raumes, dem zeitlichen Rahmen von Terminen, den Umgang mit meinen Kunden. Die Umgebung ist ruhiger, hygienischer und rauchfrei, was ich als angenehm empfinde.

Manchmal sehne ich mich nach dem Zauber des Rotlichts, der besonderen Atmosphäre in einem Bordellbetrieb. Dabei vergesse ich in meiner Nostalgie, wie hart es manchmal war, und wie viel mehr Rücksicht auf mich selbst ich jetzt nehmen kann.

The way I look

Es ist nun schon gut 1,5 Jahre her, dass ich das letzte Mal neue Fotos für meine Werbung gemacht habe. Ab und zu fragt mein Fotograf, ob es nicht mal wieder an der Zeit wäre. Ja, er hat recht – aber ich fühle mich nicht danach.

Mir ist mein Aussehen im Moment ziemlich egal. Ich war nie eine Frau, die viel auf Mode und Make-up gegeben hat, aber ab und zu hatte ich schon Spaß an einem sexy Outfit. In den letzten Jahren ist mir die Eitelkeit und der Spaß am Posieren völlig verloren gegangen. Ich trage Jeans und Shirt und wenn ich nicht arbeite meist eine Brille statt Kontaktlinsen. Für meine Kunden ziehe ich durchaus noch ein Minikleid an; allerdings mehr aus Gewohnheit denn aus Überzeugung.

Wenn ich über die Anzeigen auf einschlägigen Seiten surfe, sehe ich dort überwiegend junge, sehr gestylte Frauen. Nicht nur Outfit und Make-up, sondern auch diverse kosmetische Veränderungen scheinen mittlerweile zum guten Ton zu gehören. Diese Welt ist mir fremd.

Ich finde mein Aussehen ziemlich durchschnittlich. Zwischendurch vergesse ich sogar meine Tattoos, so wenig denke ich über mein Aussehen nach. In der Sexarbeit gehört es aber eher dazu, dass sich sowohl Kunde als auch Anbieterin auf den Körper fixieren. Ein gewisses Posieren, ein Bewusstsein der eigenen Sexyness – ich weiss nicht wieviel ich davon noch habe.

Vielleicht wird das wieder anders, wenn die Pandemie endlich vorbei ist und ich wieder mehr unter Menschen bin. Sich nur noch in den eigenen vier Wänden zu bewegen, lässt den Blick der anderen vergessen…

Absagen und Ausreden

Es gab eine Zeit vor einigen Jahren, als ich gescherzt habe, dass der Weg zu mir sehr gefährlich sein müsse und ich meine Kunden vielleicht warnen sollte. Der Grund dieses Scherzes waren die regelmäßigen Absagen, die sehr kurzfristig erfolgten mit der Begründung: „Ich hatte gerade einen Autounfall.“

Die gerade moderne Version von „Ich hatte eine Autounfall.“ ist „Mein Corona-Test war positiv.“ Versteht mich nicht falsch: Ich bin dankbar für jeden, der achtsam mit diesem Thema umgeht, sich regelmäßig testen lässt und sich in Quarantäne begibt wenn ein Test positiv ist.

Ich habe jedoch nach all den Jahren ein ziemlich gutes Gefühl für die Zuverlässigkeit von Menschen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, eine Ahnung, die mich daran zweifeln lässt, dass jemand einen Termin mit mir ernst nimmt, oder ihn als Option ansieht und demnach die hohe Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Absage besteht.

Mein Problem ist, dass solche Ahnungen natürlich nicht 100% zuverlässig sind. Wenn ich solche Termine dann regelmäßig von mir aus absagen würde, würde ich auch die Kunden verpassen, die dann doch kommen. Ich lebe also damit, dass mir 2-3 Mal im Monat so jemand meinen Tag durcheinander bringt.

Bei kurzfristigen Absagen werden dann Ausreden bemüht, damit ich evtl doch noch eine weitere Chance auf einen Termin gebe: „Ich hatte einen Autounfall.“, „Ich muss leider doch länger arbeiten.“, „Mein Corona-Test war positiv.“ und ähnliches – ich kann es nicht nachprüfen, und solche Dinge können ja wirklich passieren.

Beim ersten Mal ist das dann halt mein Problem und mir bleibt nichts anders als der Versuch, mich nicht zu sehr frustrieren zu lassen. Ich gebe aber bei sowas nur selten zweite Chancen, außer bei guten Stammgästen.

Bildband „Sex-Workers“

Sexarbeit wird von den meisten Menschen immer noch als Nischenthema betrachtet, und so führen viele Bücher und Filme über dieses Thema eher ein Randdasein. So ergeht es auch dem Bildband, der vor kurzem bei mir angekommen ist – völlig zu Unrecht! 

Der Fotograf Tim Oehler hat einen großformatigen BIldband erstellt mit Fotos von Sexarbeiter*innen. Mit dem Untertitel „Das ganz normale Leben“ und dem Motto „Urteile nicht über ein Leben, das du nicht selbst gelebt hast.“ zeigt er Sexarbeiter*innen sowohl bei ihrer Arbeit als auch in ihrem Privatleben. Unterstützt wird das ganze von kurzen Statements der Sexarbeiter*innen über ihre Arbeit und ihr Selbstbild. 

Leider ist der Bildband mit 69 Euro ziemlich teuer. Das ist er aber bei der hochwertigen Ausführung und der Qualität der Bilder definitiv wert. 

Erste Eindrücke und mehr Infos gibt es hier: www.sex-workers.de

(Re-Post vom 23.06.21)

Faire Leistung

Manchmal kommt es vor, dass ein Kunde einen Termin mit einer Sexarbeiterin bucht und danach enttäuscht ist. Dann ist es immer einfach, das auf die Sexarbeiterin zu schieben und zu sagen, sie habe nicht die versprochene Leistung erbracht. Manchmal kann das durchaus der Fall sein; ein Kunde fragt nach einer bestimmten Technik oder einem Fetisch, und die Anbieterin sagt vorher zu, lehnt es aber im Termin selber ab. Ebenso unfair finde ich es, wenn veraltete (oder gar ganz falsche oder sehr stark bearbeitete) Bilder in Anzeigen genutzt werden und die Frau, die der Kunde trifft, nicht viel mit der Frau auf den Bildern gemein hat.

Andererseits ist es aber so, dass auch Sexarbeiterinnen nur Menschen sind. Sie haben gute und schlechte Tage, können sich mehr oder weniger gut auf einen Kunden einstellen, kämpfen auch mal mit körperlichen Themen. Vieles ist auch eine Frage der Chemie.

Wenn der Funke einfach nicht überspringt, kann ich als Sexarbeiterin auf meine Erfahrung zurückgreifen und da trotzdem ein angenehmes Erlebnis draus machen, wenn der Kunde bereit ist, mir die Führung zu überlassen. Es wird aber dann trotzdem nicht viel mehr als mittelmäßig sein. Vielleicht, weil der Kunde mich aufgrund meiner Anzeigen falsch eingeschätzt hat. Vielleicht lässt sich auch kein klarer Grund dafür benennen.

Die meisten Kunden träumen von einem idealen Erlebnis: Sex, der genau ihre Vorstellungen erfüllt. Ohne Peinlichkeiten, ohne Tabus, ohne körperliche Einschränkungen. Die Erfüllung von Vorlieben und Fetischen. Eine wortlose Verständigung mit der Anbieterin. Das Gefühl, dass auch die Frau große Lust empfindet.

Lust ist aber etwas, das sich nicht befehlen lässt. Ich kann die Voraussetzungen dafür schaffen, indem ich z.B. nicht erschöpft und übermüdet bin. Trotzdem gibt es Tage, an denen mein Körper eher träge reagiert. Dann kann ich Nähe genießen, Berührungen als angenehm empfinden, mich beim Sex von der Lust meines Gegenübers mittragen lassen – aber Orgasmen höchstens vorspielen.

Zugewandtheit, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit, Nähe – all das ist ist eine Frage der Einstellung und Übung. Aber Lust und Begehren lässt sich nicht herbeizitieren. Je mehr ich mich vom Kunden unter Druck gesetzt fühle und er unbedingt eine bestimmte Reaktion bei mir erzeugen möchte, desto unangenehmer wird es. Für Lust kann man Voraussetzungen schaffen und sie einladen – das gilt für beide Seiten.

Es gibt auch immer wieder Kunden, die von sich selbst zu viel erwarten und dann enttäuscht sind, wenn der Körper nicht so reagiert wie gewünscht. Es ist dann einfach, dass auf die Frau zu schieben – sie war halt nicht geil genug oder hat etwas nicht genau richtig gemacht. Das ist nicht nur der Frau gegenüber unfair, sondern man negiert damit die eigenen Empfindungen und trennt sich von seinem Körper – und es wird mit jedem Mal schwieriger werden, Zugang zum eigenen Körper und der eigenen Lust zu finden.

Vergessen wir also einfach nicht, dass Sex nicht nach Drehbuch passiert, sondern zwischen zwei realen Menschen, mit all ihren Empfindungen, Erwartungen und Schwächen. Dann können sich wunderschöne Begegnungen ergeben, die vielleicht ganz anders sind als geplant.

Lusthaus-Forum

Freier-Foren im Internet haben einen extrem schlechten Ruf. Viele Prostitutonsgegner nutzen den rauen Ton solcher Foren, um für ein Verbot von Prostitution zu werben. Sie betrachten diese als frauenverachtend und untermauern das mit den abwertenden Beiträgen in solchen Foren.

Auch über mich gab es schon Beiträge, die mich alles andere als erfreut haben, und so habe ich es in den letzten Jahren vermieden, meinen Namen zu googeln oder solche Seiten zu besuchen. Vor ein paar Tagen siegte jedoch meine Neugier; angeregt durch einen Verweis aus dem Anti-Prostitutions-Lager habe ich das Lusthaus-Forum aufgerufen, um mir anzusehen, wie schlimm es denn wirklich ist.

Ich war überrascht – ich fand es nicht so schlimm. Ich habe eine handvoll Berichte über einige Frauen gelesen. Einige waren sehr positiv, andere sachlich, in einigen wurden Warnungen ausgesprochen, dass bestimmte Frauen keinen ehrlichen Service bieten würden. Der Ton war sachlich, und abgesehen von dem unschönen Begriff AZF (nein, das schreibe ich hier nicht aus, um es zu erklären) habe ich nichts gefunden, was ich als unfair oder unter der Gürtellinie betrachtet hätte. Im Gegenteil, viele Berichte waren durch ihre Ausführlichkeit sachlicher, als ich es sonst von Bewertungen im Internet gewohnt bin.

Die Seite hat sich auf die Fahne geschrieben, dass sie nichts zensiert. Demnach gibt es dort viel Pornografie in Wort und Bild – und Diskussionen über AO. Ich war erstaunt darüber, dass es dafür wohl doch eine nicht ganz kleine Szene gibt, sowohl mit Kunden die das nachfragen bzw erwarten als auch von Frauen die das anbieten (inklusive oder als Extra-Service). Ich war immer nur in Häusern unterwegs, in denen das ein absolutes Tabu war. (Seit dem Prostitutionsschutzgesetz von 2017 ist es darüber hinaus illegal.) Ja, es sind alles erwachsene Menschen, die selber wissen müssen, welche Risiken sie eingehen wollen – aber ich werde da auch in Zukunft einen großen Bogen drum machen, und schon die Frage danach bringt jemanden auf meine „Schwarze Liste“.

Insgesamt gilt für dieses Forum dasselbe wie für die meisten Werbeportale für Sexarbeiterinnen: Ich fühle mich dort nicht mehr richtig zugehörig. Meine Arbeit lässt sich nicht (mehr) in die Standards der Szene pressen, und darüber bin ich froh – auch wenn es das Marketing schwierig macht.


Generelle Gedanken zum Thema Bewertungen und Berichte findest Du in meinem Beitrag vom 21.10.21:

http://blog.traumfrau-mit-nebenwirkungen.com/gedanken/bewertungen-und-berichte/

Kommunikation

Vor kurzem sprach mich ein Stammgast darauf an, dass es für mein Marketing vielleicht besser wäre, wenn ich WhatsApp installieren und zusätzlich auf meiner Homepage eine eMail-Adresse angeben würde. Seine Begründung war, dass „gerade für den ersten Kontakt ein schriftliches Beschnuppern besser ist als wenn man direkt telefoniert. Das kann man ja immer noch machen, wenn ein Termin konkret wird.“

Ich muss zugeben, dass es auch mir bei Erstkontakten manchmal leichter fällt, eine Mail zu schreiben, statt direkt anzurufen. Und für kurze Terminvereinbarungen o.ä. nutze ich privat durchaus gerne WhatsApp. Im Moment nutze ich meine eigene Webseite jedoch kaum bzw sie hat keinen Inhalt, so gut wie alle meiner Kunden kommen über kaufmich.com. Dort gibt es eine Mail-Funktion, die eine längere, nicht so dringende Anfrage ermöglicht und damit gut eine eMail ersetzen kann. Bei eMail ist die Gefahr immer relativ groß, dass etwas im Spam-Ordner landet oder anderweitig übersehen wird.

Viele Menschen sind mittlerweile daran gewöhnt, dass alle Kontaktmöglichkeiten auf dem Smartphone landen und demnach sofort gelesen werden. Gerade bei eMail ist das aber nicht der Fall (und bei Kontakten auf kaufmich.com auch nicht), so dass eine Antwort einige Stunden dauern kann und sich ein Kontakt ganz schön in die Länge zieht. Wenn es um Terminvereinbarungen geht, bin ich also eher für einen kurzen Anruf oder eine SMS.

Warum SMS und kein WhatsApp? Zum einen aus rein praktischen Gründen: Im Moment nutze ich ein kleines Handy, nicht mal halb so groß wie ein Smartphone, das nicht viel mehr kann als Telefonieren und (kurze) SMS. Es hat keine Internet-Verbindung, keine Apps, und wird mit einer Prepaid-Karte betrieben (ohne Datennutzung). Dieses Telefon passt immer in meine Hosentasche und der Empfang funktioniert häufig auch noch da, wo an Internetverbindung nicht zu denken ist. Ein großes Smartphone würde ich wohl viel häufiger im Auto oder im Spind liegen lassen (wie ich es mit meinem privaten häufig tue).

Ich weiß nicht, was der oben erwähnte Kunde unter „erstes Beschnuppern“ versteht – ich gehe davon aus, dass ein potentieller Kunde mein Profil gelesen hat und demnach einen ersten Eindruck. Vielleicht sind noch Fragen offen geblieben, oder er möchte mir seine Vorstellung von einem Date schildern – das gerne per eMail oder Anruf.

Bei WhatsApp herrscht aber bei vielen Nutzern eine Chat-Kultur. Ein (erster) Kontakt sieht dann häufig so aus: „Hey“ – „Hej“ – „Wie geht’s?“ – „Gut, danke.“ – „Was machst du so?“ Fragezeichen auf meiner Seite – will er jetzt meinen Service wissen, oder fragt er was ich jetzt gerade mache? Ersterer steht im Profil, zweites geht ihn nichts an. Worauf ich hinaus will: Ich habe noch nie eine Anfrage gehabt, aus der sich dann wirklich ein Termin ergeben hat, die mit so einem Chat-„Beschnuppern“ begann. Demnach ist mir da einfach meine Zeit zu schade für!

Auch mit Stammkunden hatte ich dieses Problem schon. Ich freue mich über kurze Nachrichten, um den Kontakt zwischen Terminen zu halten, wie jetzt gerade Nachrichten, die mir ein „Frohes neues Jahr“ wünschen. Ich stehe aber nicht auf lustige Bildchen und Sprüche, und ich möchte auch nicht jeden Tag „Guten Morgen, Wie geht’s dir, Was machst du, Gute Nacht“ schreiben. Wenn Nachrichten über Mail und SMS laufen, hält sich das meist automatisch im Rahmen. Bei WhatsApp artet es schnell aus.

Last but not least: Ich habe einen relativ hohen Prozentsatz an Anfragen, die über Mail kommen, teilweise mit festen Terminanfragen, die im Sande verlaufe, wenn ich um eine Terminbestätigung per Telefon bitte. Die Wahrscheinlichkeit, dass mich so jemand beim Termin versetzt hätte, ist also ziemlich hoch. Dazu kommt bei mir ein Sicherheitsgedanke: Eine Telefonnummer lässt sich im Notfall zurückverfolgen, eine Mail-Adresse nicht. Das ist den meisten bewusst und sie verhalten sich entsprechend.

Fazit: Wenn ich meine Homepage überarbeitet habe, wird es wohl auch eine eMail-Adresse geben. Auf WhatsApp u.ä. werde ich aber auch in Zukunft verzichten und im Normalfall immer auf ein kurzes Telefonat bestehen. Damit fühle ich mich einfach sicherer.

Frohes Neues Jahr

Hoffnung. Was für ein Geschenk! 365 unbeschriebene Tage, an denen alles möglich ist. 8760 Stunden Hoffnung, Veränderung, Entwicklung und Wachstum. Kein Wunder, sondern das Leben in seiner schönsten, natürlichen Form. Es findet immer einen Weg. Vertraue darauf. Das Leben hat es verdient.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen hoffnungsvollen Start in das Jahr 2022!

Berührung, Nähe, Sexualität

In den letzten Jahrzehnten setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass Berührung und Nähe menschliche Grundbedürfnisse sind, deren Fehlen zu ernsthaften psychischen und physischen Problemen führen kann. Im Gegensatz dazu leben immer mehr Menschen alleine, evtl mit einem Freundeskreis, häufig aber auch ziemlich einsam – und vor allem ohne Berührungen. Aus dieser Situation heraus sind eine ganze Reihe von Angeboten entstanden im Bereich Massagen und Körper- und Psychotherapie, neuerdings gibt es sogar professionelles Kuscheln.

Sexualität wird jedoch immer noch ausgeschlossen. Es gilt als Zeichen von Seriosität, dass eine Anbieterin ihre Dienstleistungen deutlich vom Bereich der Prostitution abgrenzt, und jeder Ausflug über diese Grenze kann für sie ernsthafte Konsequenzen haben. Da greifen veraltete Moralvorstellungen – Sex ist bäh, das kann gar nicht seriös sein. Aber auch Sexualität ist ein Grundbedürfnis – man kann zwar ohne Sex leben, aber jeder Mensch braucht irgendeine Form von Körperlichkeit und Sinnlichkeit in seinem Leben.

Es nervt mich, dass diese Grenzen immer so konsequent gezogen werden. Für mich persönlich führt das dazu, dass ich mich keiner Gruppe so richtig zugehörig fühle. Bei den Masseurinnen und Körpertherapeutinnen gehöre ich nicht dazu, weil ich halt mit Sexualität und Sinnlichkeit arbeite. Als klassische Prostituierte sehe ich mich aber auch nicht, diese Frauen haben häufig einen völlig anderen Umgang mit ihrer Arbeit und ihren Kunden, als ich es habe. Eine Zeit lang dachte ich, Tantra-Massagen wären die Lösung. Aber davon habe ich mich vor einigen Jahren aus verschiedenen Gründen zurückgezogen, und auch die Aktivitäten, die sich in den letzten Jahren rund um den Tantramassage-Verband entwickeln, betrachte ich eher mit Argwohn.

Es gibt durchaus auch Stimmen, die für einen seröseren Umgang mit dem Thema Sexarbeit stehen, und wunderbare Sexarbeiterinnen, die ihre Arbeit nach Außen vertreten (vor allen Dingen rund um den Berufsverband Sexarbeit). Dem Gegenüber stehen die alten Strukturen von Laufhäusern & Co – die offensichtlich immer noch ihre Berechtigung haben. Gerade in der momentanen Zeit zeigt sich, wie sehr wir alle nach Strukturen und Schubladen suchen – und nicht bereit sind, Individualität und Vielfalt anzuerkennen, uns damit auseinanderzusetzen, Dinge auch einfach mal stehen zu lassen…

Geschichte: Wollust

Ich liebte die Treffen mit ihm. Er war gut zwanzig Jahre älter als ich, ein sympathischer Typ, aber nach klassischen Maßstäben nur mäßig attraktiv, mit Bauch und zurückweichenden grauen Haaren. Es war die entspannte Art, mit der er mit sich selbst und auch mit mir umging, die mich für ihn einnahm.

Er bewunderte meinen Körper, und es schienen genau die kleinen Makel zu sein, die ihn faszinierten. Er legte seine Hände auf meinen kleinen Bauch und strich über die Röllchen an meiner Taille. Er sprach von meiner hellen Haut und genoss meinen ausladenden Hintern.

Ich mochte, wie sich mein Körper an seinem anfühlte. Wenn ich ihn ritt, die Hände auf seine Brust gestützt, den Kopf lustvoll in den Nacken gelegt. Wenn er mich von hinten nahm, seine Hände auf meinen Hüften bewegten mich vor und zurück.

Am meisten aber genoss ich es, unter ihm zu liegen und mich lustvoll zu winden. Unser Sex hatte kein anderes Ziel als den Genuss des anderen. Kein Druck, keine Geilheit, nur wollüstiges Winden und Stöhnen, leichte Bewegungen, ein gegenseitiges Necken, die ständig neue Suche nach dem Punkt an dem es sich ach so gut anfühlte.

Danach lagen wir entspannt nebeneinander, sprachen über dies und das und betrachteten Urlaubsbilder auf unseren Handys. Wie ich diese kleinen Alltagsfluchten genoss!

(geschrieben am 04.06.18)


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