Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Kannst du nicht doch… (Re-post)

In den letzten Tagen hat es jemand geschafft, mir gleich zwei Mal die Laune zu verderben mit einer kurzfristigen Anfrage. Da wir uns schon kannten, habe ich beim ersten Mal noch versucht, es möglich zu machen – also eine gute halbe Stunde auf Abruf verbracht, bereit alles stehen und liegen zu lassen, um mir dann sagen zu lassen, dass es ihm zu lange dauert, wenn ich erst in einer Stunde in der Wohnung und fertig sein kann. Heute dann dasselbe Spiel, da bin ich jedoch gleich am Anfang pampig geworden und habe ihn gebeten, sich an das nächste Laufhaus zu wenden. Ich finde solches Verhalten sehr schnell einfach nur noch respektlos und habe dann auch generell keinen Nerv mehr auf diesen Mann!

Deswegen re-poste ich heute Mal einen Blog, in dem ich beschreibe, welchen Aufwand ich für ein kurzfristiges Date betreiben muss und was das für mich bedeutet. (In dem Text gehe ich von einer Anfrage am Abend aus, aber das gilt eigentlich zu jeder Tageszeit und erst recht am Wochenende.) Manchmal bringe ich noch einen Termin im Laufe des Tages unter, wenn ich am Vormittag angerufen werde. Aber garantiert nie spontan innerhalb der nächsten 30 Minuten!


In den letzten Wochen häufen sich die Anfragen nach kurzfristigen Treffen: „Ich weiss, du machst eigentlich nie Termine für denselben Tag, aber kann ich nicht vielleicht doch heute noch zu dir kommen?“ Häufig kommen diese Anfragen im Laufe des Abends, also nach 18:00. Ich kann verstehen, dass einige Männer dann alleine zu Hause oder im Hotel sitzen und sich nach Gesellschaft sehnen. Aber ich möchte Dir das gerne mal aus meiner Perspektive schildern:

Gehen wir mal davon aus, dass ich an dem Abend keinen Arbeitstermin habe, weder in Form eines Dates noch in einem meiner anderen Tätigkeiten. Ich arbeite theoretisch sieben Tage die Woche, und an diesem Abend habe ich eigentlich keine Verpflichtung und kann meine Zeit selber planen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich dann zu Hause sitze und hoffe, dass doch noch eine Anfrage kommt!

Die Realität ist eher, dass ich mir spätestens am frühen Nachmittag überlegt habe, wie ich den Abend verbringen möchte. Ich habe mich zu einer Yoga-Stunde angemeldet, mich mit einer Freundin verabredet oder fahre spät noch zu meinem Pferd. Dann kommt diese Anfrage, ob ich nicht doch Zeit für ein Date hätte. Ich gebe zu, es gab Zeiten in meinem Leben, da hätte ich mich jetzt vor dem Yogastudio umgedreht und wäre zurück in die Wohnung gefahren, hätte die Freundin angerufen und den Termin so kurzfristig abgesagt, hätte den Sattel wieder vom Pferd genommen und es einfach zurück in die Box gestellt. Ich bin froh, heute nicht mehr so rücksichtslos mit meinem Privatleben umzugehen!

Aber gehen wir mal davon aus, dass ich genau das mache. Ich breche ab, was auch immer ich zum Zeitpunkt der Anfrage gerade gemacht habe, und fahre in die Wohnung, sagen wir mal mit 30 Minuten Fahrzeit (was knapp geschätzt ist). Dort brauche ich ca 20 Minuten, um den Raum vorzubereiten; diesen nutze ich nämlich auch für andere Dinge. Ich muss also die Möbel umstellen, den Futon ausrollen und neu beziehen, die Heizung hochdrehen und mich ums Licht kümmern. Dann muss ich duschen, mich rasieren, meine Nägel lackieren, etwas MakeUp auflegen – noch mal mindestens 30 Minuten. Jetzt sind wir also bei einem Zeitrahmen von mindestens 1,5-2 Stunden zwischen Anfrage und frühestmöglichem Zeitpunkt des Treffens; bei einem Anruf um 19:00 macht das ein Treffen um 21:00. Die meisten Männer werden (zu Recht) sagen, dass ihnen das zu spät wird.

Gehen wir von dem ungewöhnlichen Fall aus, dass ich zum Zeitpunkt der Anfrage in der Wohnung bin. Dann geht es mir wie den meisten Menschen am Abend: Ich habe nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag jetzt den Feierabend eingeläutet und freue mich auf einen ruhigen Abend. Vielleicht sitze ich am Schreibtisch und schreibe, oder ich liege entspannt mit einem Buch in der Badewanne. Es geht mir dann bei plötzlichen Arbeitsanfragen wie den meisten Menschen: Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich mache sehr, sehr gerne Sexarbeit, aber Sexarbeit ist trotz allem Arbeit – siehe Vorbereitungen oben, und wenn mich jemand für Erotik bezahlt, erwartet er (zu Recht) Aufmerksamkeit und Motivation und keine Einstellung a la „okay, dann nehme ich das eben noch mit“.

Es wird also auch in Zukunft keine spontanen Treffen mit mir am Abend geben. Meist sind alle Anfragen für denselben Tag zu spontan. Selten bringe ich am Nachmittag ein spontanes Date unter, oder kann den Abend freihalten, wenn die Anfrage früh genug am Tag kommt. Für die spontane Lust am Abend sollte man sich aber bitte an Frauen wenden, die im Schichtdienst arbeiten und es gewohnt sind, sich spontan bereit zu halten (was keine Kritik an diesem System sein soll).


Text ursprünglich gepostet am 07.04.22

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der folgende Blog: http://blog.traumfrau-mit-nebenwirkungen.com/ueber-mich/mein-ende-der-geduld/

Das leidige Thema

Wir nähern uns dem Herbst, und damit kommt auch langsam das Thema Corona wieder hoch. Ich habe mich in den letzten Monaten daran gewöhnt, dass es vorbei ist. Das Leben fühlt sich fast wieder normal an, nur in der Bahn herrscht noch Maskenpflicht. Im Supermarkt habe ich trotzdem noch eine Maske getragen, aber seitdem ich von S-Bahn auf Fahrrad umgestiegen bin, muss ich mich jeden Morgen bewusst daran erinnern, überhaupt eine Maske in der Tasche zu haben.

In der letzten Woche sind mir dann wieder zwei Fälle von Impfgegnern über den Weg gelaufen – und ich habe keine Ahnung, wie ich weiter mit dem Thema umgehen will. Während der ganz akuten Zeit letztes Jahr und dieses Frühjahr habe ich konsequent alle Menschen gemieden, die nicht geimpft waren. Nicht mal wegen des Risikos, sondern einfach weil ich dieses Verhalten für verantwortungslos und únsozial halte.

Andererseits machen die meisten Menschen in meinem Umfeld irgendetwas, das sich nicht mit meinen Werten deckt. In den meisten Fällen wechseln wir dann das Thema und erkennen an, dass wir halt einfach unterschiedlicher Meinung sind. Sollte ich anfangen, dass beim Thema Corona genauso zu handhaben?

Die Aussagen von Ärzten und Wissenschaftlern sind größtenteils aus den aktuellen Nachrichten verschwunden, und ich habe mir bisher nicht die Mühe gemacht, bewusst danach zu suchen. Ich bin dreifach geimpft und zusätzlich genesen, und wenn möglich werde ich mir im November noch eine vierte Impfung geben lassen. Ich denke damit ist es dann gut, und ich habe keine Lust mehr, mein Leben einzuschränken und/ oder da ein Streitthema draus zu machen.

Lasst uns bitte einfach wieder ein halbwegs normales Leben führen, in dem auch Risiken ihren Platz haben. Leben ist leider lebensgefährlich…

Vertrautheit

Auch nach so vielen Jahren im Paysex entdecke ich manchmal immer noch Sachen, die mich überraschen und die ich dort nicht erwartet hätte. In letzter Zeit ist es das Thema Vertrautheit, dass mich beschäftigt.

Seit Corona schalte ich kaum noch Werbung und treffe daher überwiegend Stammgäste. Dabei fällt mir auf, wie viele meiner Kunden ich seit vielen Jahren kenne, teilweise schon seit über zehn. Mit diesen Männern teile ich intime Stunden auf der Matte, im vertrauten Spiel, bei dem man die Vorlieben und Ideen des anderen kennt und zusammen etwas entwickelt hat (und laufend weiter entwickelt).

Paysex wirkt von Außen leicht oberflächlich und unpersönlich, aber das Gegenteil ist der Fall: durch die körperliche Nähe entstehen schnell Gefühle von Vertrautheit, die dann auch den Weg in tiefergehende Gespräche öffnen. Einer meiner langjährigen Stammgäste scherzte letztens, dass er ja nun schon so einige meiner Beziehungspartner überlebt hätte.

Es ist nicht so, dass Gespräche nicht häufig oberflächlich beginnen, aber igendwann landet man automatisch bei persönlicheren Themen als dem Wetter – beginnend mit Urlaub und Arbeit, und manchmal halt auch übers Privatleben. Über Beziehungen zu sprechen ist noch mal etwas anderes, aber manchmal ergibt sich auch das.

Diese Vertrautheit mit langjährigen Kunden ist auch ein Grund, der mich im Paysex hält. Ich genieße das sehr, und es ist eine wichtige Konstante in meinem Leben, auf die ich nur sehr ungern verzichten würde.

Geschichte: Feeling Sensual

Es war mein Lieblings-Outfit dieses Sommers: ein kurzer, schwarzer, weit schwingender Rock und dazu ein schlichtes graues Shirt mit breiten Trägern. Passte zu jeder Gelegenheit und ich fühlte mich sexy und genoß es, wie der Rock bei jeder Bewegung frech um meinen Po schwang. Zu Paysex-Dates trug ich es eigentlich nicht, aber da ich wusste, wie gern er mir die Alltags-Kleidung auszog, war heute eine Ausnahme.

Als es an der Tür klingelte, drehte ich mich gerade in Piouretten zu lauter Musik durch die Wohnung. Grinsend schaltete ich die Musik aus und öffnete die Wohnungstür. Küsschen rechts und links, Begrüssung, Ankommen. Artig bedankte ich mich für den mitgebrachten Wein und fragte wie sein Urlaub war. Aber eigentlich wartete ich nur auf den Moment, in dem wir uns gegenüberständen und seine Hände über meinen Körper glitten.

Seine Lippen neckten meinen Hals, und ich rieb mich an ihm. Ließ mein Becken spielerisch von rechts nach links schwingen, um ihm dann den Rücken zuzudrehen und meinen Po an ihm zu reiben. Stöhnend ließ er seine Hände zu meinen Brüsten gleiten, um dann doch erst nach dem Reißverschluss des Rocks zu suchen und mir anschließend das Top über den Kopf zu ziehen. Ich drehte mich wieder zu ihm um und begann ihn ebenfalls auszuziehen. Doch er konnte die Finger (und sonstiges) nicht von mir lassen.

Seine Lippen suchten meine Nippeln, glitten dann über meinen Bauch. Seine Hände zogen meinen String an meinen Beinen entlang nach unten. Ich zog mich sanft von ihm zurück, um meine Finger über seinen Körper gleiten zu lassen, nur ganz leicht und spielerisch. Über seine Brust, seinen Rücken, seine Arme, den Bund seiner Hose entlang. Dann öffnete ich seinen Gürtel und zog ihm erst die Hose, dann auch die Unterwäsche aus. Nackt standen wir voreinander, nur durch ganz leichte Berührungen verbunden – und bereit, diese Begegnung genauso sanft und sinnlich fortzusetzen.

Frauengesundheit

Wenn im Paysex über Gesundheit gesprochen wird, geht es meist um sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Syphillis, Tripper, Chlamydien. Diese Krankheiten kommen vor, sind aber zum Glück doch relativ selten und lassen sich durch Kondome leicht vermeiden.

Viel problematischer sind für viele Sexarbeiterinnen gesundheitliche Probleme, die sich einfach aus der Menge der sexuellen Kontakte mit unterschiedlichen Männern ergeben. Wenn eine Frau anfällig dafür ist, kommt es schnell zu PIlzinfektionen, bakterieller Vaginose oder Blasenentzündung. Das ist nicht dramatisch und lässt sich meist sogar ohne Arztbesuch beheben. Es ist aber unangenehm und nervig.

Eigentlich sollte die betroffene Frau in einem solchen Fall ein paar Tage zu Hause bleiben und sich auskurieren. Tun aber ehrlich gesagt nur die wenigsten; Sexarbeiterinnen sind auf regelmäßiges Einkommen angewiesen, die Kosten (Appartementmiete etc) laufen weiter, und Unzuverlässigkeit kostet schnell Stammkunden. Also wird weiter gearbeitet – auf die Gefahr hin, die Gesundheit weiter zu riskieren.

Leider fällt mir auch immer wieder auf, dass vielen Männern diese Problematik so gar nicht bewusst ist. Viele Sexarbeiterinnen lassen sich nur sehr ungerne fingern – verständlich, denn diese Technik birgt das Risiko von Mikroverletzungen durch Fingernägel, die dann zu Infektionen führen können, und viele Männer achten auch einfach nicht darauf, sich regelmäßig die Hände zu waschen und nicht von eigenen Intimbereich in den der Sexarbeiterin zu greifen, oder aber den Analbereich zu berühren und dann wieder nach vorne zu gehen (beides erhöhtes Infektionsrisiko).

Eine erfahrene Sexarbeiterin lernt, ihren Körper zu lesen und im Idealfall frühzeitig Vorkehrungen zu treffen, um eine schlimmere Infektion zu vermeiden. Trotzdem möchte ich diese Thematik immer wieder den Kunden gegenüber ins Bewusstsein bringen, in der Hoffnung auf mehr Rücksicht und Hygienebewusstsein.

Die miesen Tricks der Szene

Vor ein paar Tagen bin ich mal wieder darauf reingefallen: auf einen miesen Kunden-Trick. Ich hatte mich eh schon geärgert, da ein Termin am Vormittag kurzfristig abgesagt hatte, was ich auch noch zu spät gesehen hatte. Mein Vormittag war also ziemlich ruiniert. In dem Moment kam ein Anruf, ob ich nicht doch „ausnahmsweise“ kurzfristig einen Termin machen könnte. Ich sagte zu, es war ja eh alles vorbereitet.

Als er dann bei mir war, fiel ihm „ganz überraschend“ auf, dass er nur 80 Euro in der Tasche hatte. (Für die, die sich nicht auskennen: 80 Euro ist der übliche Preis für eine halbe Stunde.) Damit stellt er mich vor die Wahl: Ich kann darauf bestehen, dass ich keine Termine unter 1 Stunde mache, und ihn wieder wegschicken – habe aber schon Zeit und Aufwand investiert, die dann für nichts waren. Oder ich nehme das Geld und mache zähneknirschend einen Quicki, der allen meinen Grundsätzen widerspricht.

Ich habe mich (mal wieder) für die zweite Variante entschieden. Es war dann nicht mal eine halbe Stunde, sondern vielleicht zehn Minuten – für sowas komme ich nicht in Stimmung und war auch zu genervt von er Nummer, um mir Mühe zu geben. Wahrscheinlich war es nicht mal die 80 Euro wert – und ich frage mich, warum jemand sowas macht und nicht einfach ins Laufhaus geht, wo sie auch gerne für 60 Euro einen Quicki anbieten und das wahrscheinlich deutlich charmanter und gekonnter machen und ich. Kerben im Bettpfosten, so nach dem Motto: die hab ich jetzt auch noch gehabt?!

Und bevor jetzt wieder „not all men“ und „aber die Frauen machen auch“ kommt: ja, ich weiß, dass sich auch Anbieterinnen häufig nicht fair verhalten. Da ist besonders das Nachverhandeln vor Ort leider immer noch üblich, wo es dann plötzlich ein vielfaches des abgesprochenen Preises kostet, weil jede Kleinigkeit als Extra berechnet wird.

Fairer Umgang im Paysex scheint leider immer noch eher eine Ausnahme zu sein, das Motto ist zu häufig: möglichst viel für mich rausholen, für möglichst wenig Geld (Kunden) bzw möglichst wenig Aufwand (Anbieterinnen).

Massagen

Immer wieder komme ich bei dem was ich mache auf Massagen zurück. Jetzt kommen wir langsam wieder in die gemütliche Zeit des Jahres und ich freue mich schon darauf, das Öl wieder zu erwärmen und die Heizlampe einzuschalten, so dass es richtig kuschelig wird.

Osho sagte: „Massage ist eine der feinsten Künste. Du kannst zwar anfangen, Massage zu lernen, aber du wirst niemals damit aufhören. Es ist keine Frage der Technik. Es ist eine Frage der Liebe.“ Liebe finde ich ein großes Wort, vielleicht zu groß hier. Vielleicht kann ich es mit „Gefühl“ ersetzen. Massage ist für mich ein Spiel mit Emotionen, eine Arbeit mit allem was gerade da ist.

Vor ein paar Jahren, als Massage noch meine Haupttätigkeit war, habe ich mal diese Liste erstellt über meine Gründe zu massieren:


Warum ich massiere

Massage ist für mich…

… Meditation, Tanz, Hingabe, Flow

… etwas absolut Sinnliches und Lustvolles – nicht in sexueller Hinsicht, es erregt mich nicht zu massieren. Es macht einfach Spass, den fremden Körper mit den Händen kennenzulernen, Einzelheiten zu ertasten, sich in Kleinigkeiten zu verlieben (z.B. die weiche Haut, die Konturen des Körpers)…

… ein Vertrauensbeweis bzw. sogar Vertrauensvorschuß desjenigen, den ich massiere

… eine Möglichkeit, viel über denjenigen zu erfahren, den ich massiere

… immer wieder neu und aufregend

… eine Möglichkeit, mich ständig weiterzuentwickeln

… definitiv kein Vorspiel zu was-auch-immer, sondern eigenständig wertvoll

Ende des Sommers

Passend zum Ende des Augusts ist die lange Hitzeperiode vorbei. Richtig regnen tut es immer noch nicht, aber ich genieße die milderen Temperaturen von knapp über 20 Grad. Ehrlich gesagt hatte ich die Hitze über; es war toll, wenn man in Urlaubsstimmung abends auf der Terrasse saß, aber im Alltag fand ich es anstrengend.

Insgesamt ist der August in diesem Jahr ein Monat, bei dem ich froh bin, ihn hinter mir zu lassen. Ich hatte wenige Dates und habe auch sonst nur wenig gearbeitet. Neben dem Wetter machte sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation bemerkbar, und irgendwann hatten sich meine Prioritäten so verschoben, dass es mir schwer fiel, noch Motivation zu finden.

In diesem Sinne hoffe ich, im September einen Neustart zu finden. Gestern habe ich eine wunderschöne Massage gegeben, die mir gezeigt hat, warum ich das so liebe, und heute hatte ich ein schönes Treffen mit einem langjährigen Stammkunden. Gleichzeitig habe ich einen Marketing-Lehrer, der mich gerade sehr inspiriert, und freue mich darauf, wieder mehr Struktur in meinen Alltag zu bringen und neben Dates, Massagen und meinem Sport Zeit am Schreibtisch zu verbringen, um Texte zu schreiben und neue Konzepte zu entwickeln.

Das Leben ist und bleibt spannend!

Buchempfehlung: huMANNoid / WOMANoid

Ich möchte heute ein Projekt vorstellen, dass ich sehr schön und wichtig finde, das aber nichts mit Sexarbeit zu tun hat und auch nur ganzheitlich mit Sexualität. Es geht um die Bücher „huMANNoid“ und „WOMANoid“ von Eilert Bartels.

Eilert Bartels ist Paar- und Sexualtherpeut und beschäftigt sich intensiv mit Geschlechterrollen – und der Frage, ob es möglich ist, dass sich Menschen jenseits von Geschlechterrollen entwickeln und begegnen. Aus dieser Fragestellung heraus hat er zwei Buchprojekte verwirklicht.

Das erste war „huMANNoid – Männer sind Menschen“, an dem er 2017 gearbeitet hat und das 2019 veröffentlicht wurde. Darin mischen sich wunderschöne Aktfotos von 16 sehr unterschiedlichen Männern mit Interviews, in dem die Männer über Körperlichkeit, Selbstbild u.a. sprechen.

2020 folgte „WOMANoid – Frauen sind Menschen“, das dasselbe Projekt mit 16 Frauen durchführte. Auch hier wunderschöne Aktfotos zusammen mit tiefgehenden Interviews.

Ich folge Eilert Bartels schon lange bei Facebook und genieße seine sehr liebevolle Sicht auf Menschlichkeit, in aller Verletzlichkeit und immer mit dem Versuch, jenseits von Klischees zu denken. Deswegen möchte ich jedem seine Bücher und auch seine sonstigen Texte ans Herz legen.

Covering

Ich biete keine Hotel- und Hausbesuche an. Nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch, weil ich mich damit einfach nicht wohl fühle. Ich habe in meiner Laufbahn nur eine handvoll solcher Termine gemacht, relativ am Anfang. Hotels sind noch ein neutraler Boden, aber bei Hausbesuchen verschiebt sich meiner Meinung nach das Gleichgewicht stark zu Ungunsten der besuchenden Frau.

Die Hausbesuche, die ich damals gemacht habe, waren noch über eine Escort-Agentur organisiert. Teilweise hat mich sogar ein Fahrer gefahren und vor der Tür auf mich gewartet. Auf jeden Fall gab es aber ein Sicherheits-Procedere: Ich schickte eine erste Nachricht bevor ich reinging, dann eine zweite Nachricht, wenn drinnen alles in Ordnung war und ich das Geld bekommen hatte, und eine dritte Nachricht nach Ablauf der Zeit, wenn ich wieder vor der Tür stand und mich auf den Heimweg machte. Dazu hatte die Agentur natürlich Namen und Adresse des Kunden.

In den letzten Jahren hat die Verbreitung von Escort-Agenturen stark abgenommen. Mittlerweile organisieren die meisten Frauen ihre Termine selber über Internet und Handy. Das erhöht den Verdienst, aber es fällt halt auch das automatische Sicherheitsnetz der Agentur weg. Es bleibt jeder Frau selbst überlassen, sich ein eigenes Sicherheitsnetz zu schaffen – oder eben auch darauf zu verzichten.

In einem Buch, dass das Verbot von Prostitution via Nordischem Modell propagiert, habe ich folgende Beschreibung eines Paysex-Termins gelesen: „Er wohnt weit draußen. Er werde mich abholen, sagt er. Und dann führen wir zu ihm. Das klingt nicht gut. Mein inneres Alarmsystem klingelt ununterbrochen. […] Irgendwann fahren wir von der Straße ab in einen Wald. Nach zwanzig Minuten Fahrt durch den Wald kommen wir an einem Haus an. Sagte ich „ein Haus“? Es ist ein verdammter Hochsicherheitstrakt. Mir gehen fast die Augen über, als wir ankommen. Um das ganze Gelände, auf dem seine Firma und sein Haus stehen, ist eine Mauer. Darüber Stacheldraht. Das Sicherheitstor geht auf, wir fahren durch. Ich werfe einen kurzen Blick auf mein Handy – ich habe keinen Empfang mehr.“

Ich bin absolut gegen Victim Blaming, aber bei dieser Beschreibung wird mir schlecht, und zwar nicht nur wegen des Verhaltens des Kunden (der es eindeutig darauf anlegt, sich machtvoll zu fühlen und ihr Angst zu machen), sondern auch angesichts der Naivität dieser Sexarbeiterin. Regel Nummer ein: mit eigenem Auto oder Taxi zum Termin fahren (man kann mit dem Kunden ein Fahrgeld aushandeln). Und dann beim Betreten des Hauses sicherstellen, dass man weiß wo die Ausgänge sind und das diese unverschlossen sind.

Vor einigen Wochen hatte ich ein privates Date in einem Stadtteil von Hamburg, in dem ich mich nicht gut auskenne. Wir wollten essen gehen und es war mir wichtig, ihn das Restaurant auswählen zu lassen. Das führte jedoch dazu, dass ich Probleme mit der ÖPNV-Verbindung bekam, da in Hamburg zur Zeit einige Bahnlinien komplett gesperrt sind. Er bot an, mich von der Bahn abzuholen – eigentlich ein NoGo bei einem ersten Date. Ich habe das gelöst, indem ich einen Freund gebeten habe, mich zu covern. (Er verbrachte den Abend zu Hause am Schreibtisch und hatte Zeit, sein Handy im Auge zu behalten.)

Ich ließ also den ganzen Abend die Standort-Übertragung auf meinem Handy laufen. Außerdem schickte ich ihm zu verabredeten Zeitpunkten eine kurze Nachricht, dass es mir gut geht und alles in Ordnung ist. Zusätzlich habe ich noch ein Foto des Nummernschilds gemacht und ihm geschickt, bevor ich ins Auto gestiegen bin. Das ist mir nicht unbemerkt gelungen, aber ich habe erklärt, dass ich mich so sicherer fühle, und mein Date hat es mir nicht übel genommen.

Im Endeffekt muss jede Frau einen eigenen Weg finden, um sich sicher zu fühlen. Absolute Sicherheit gibt es nicht, aber es macht schon Sinn, sich ab und zu Gedanken darüber zu machen, welche Risiken es gibt und wie man die minimieren kann.

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