Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Lust auf ein Date

Immer wieder führe ich Diskussionen darüber, warum ich denn keine spontanen Termine mache und dass derjenige aber nur spontan kann. Meist ist das Argument, dass man sich zeitlich nicht festlegen kann (beruflich oder familiär). Manchmal ist das Argument aber auch, dass man halt gerade jetzt Lust auf Erotik hat – und morgen vielleicht schon nicht mehr.

Ehrlich gesagt mag ich dieses Argument überhaupt nicht. Wir sollten alle als Kinder gelernt haben, dass wir nicht alles sofort und nach unseren Launen haben können. Das funktioniert noch nicht mal beim Essen, und bei Erotik mit einem anderen Menschen erst recht nicht; insgesamt spielt unsere Konsumwelt zwar mit dem ständigen Versprechen von sofortiger Bedürfnisbefriedigung, mir fällt aber nichts ein, wo das wirklich möglich ist.

Für mich hat sofortige Bedürfnisbefriedigung beim Sex auch immer was von Druckabbau, vor allem im Paysex. Mit Erotik hat das nichts zu tun, und mit Begegnung auch nicht. Das ist also schon seit vielen Jahren nicht mehr das, was ich anbieten will. Im Privatleben würde man ein solches Verhalten „Bootie Call“ nennen, und es wird zu Recht belächelt. Das kann man vielleicht als Single mit viel Zeit und vielen oberflächlichen Kontakten so halten, aber in den meisten Beziehungen und auch Affären muss man sich verabreden.

Ich mag es auch, mich auf einge erotische Begegnung freuen und vorbereiten zu können, sowohl privat als auch bei bezahlten Dates. Lust ist für mich auch etwas, das ich aktiv aufbaue und gestalte, und nichts auf das ich wie eine inspirierende Eingebung warte.

Selbstexperiment Atem

Eines der ersten Dinge, die ich in meiner Tantra-Ausbildung vor vielen Jahren gelernt habe, sind die drei Schlüssel zur Lust: Atem, Stimme und Bewegung. Es ist schwierig bis unmöglich, Lust und Ekstase im Körper wirklich zu spüren und auszuleben, wenn man seinen Gefühlen nicht Ausdruck verleiht – über heftigeres Atmen, über Töne und über Bewegungen.

Im Yoga beschäftigen wir uns sehr viel mit dem Atem. Ich praktiziere schon seit vielen Jahren bestimmte Atemübungen, die die Stimmungen im Laufe des Tages beeinflussen und die Energie anheben. Seit 1,5 Jahren achte ich vermehrt darauf, nicht durch den Mund zu atmen, sondern ausschließlich durch die Nase. In meinen Yogastunden gelingt mir das häufig, aber es kostet viel Konzentration.

In einem Buch habe ich jetzt gelesen, dass man versuchen kann, die Lippen zuzukleben, um die Mundatmung zu unterbinden und so den Körper umzugewöhnen. Das versuche ich jetzt abends wenn ich zu Hause bin und nachts im Bett. Vor ein paar Tagen lag ich also abends im Bett, den Mund mit einem Klebeband verschlossen, und spielte noch auf meinem Tab herum.

Aus einer Laune heraus startete ich einen erotischen Film und griff dabei nach meinem Vibrator. Das ist ein häufiges Einschlaf-Ritual von mir; ein Orgasmus hilft mir meist beim Einschlafen, wenn ich noch unruhig bin. Doch diesmal fiel es mir schwer. Zuerst verstand ich nicht, wieso mein Körper nicht wie gewohnt reagierte. Es ist ja nicht so, dass ich laut stöhne, wenn ich mit mir alleine bin. Und doch sind es viele kleine, fast unbewusste Dinge, die meiner Lust Ausdruck verleihen: ein Zurücknehmen des Kopfes, ein verstärktes Ausatmen, ein Beben der Lippen – alles Dinge, die ich durch das Klebeband unterbunden hatte.

Ich habe es trotzdem zu einem Orgasmus geschafft, und beim nächsten Mal werde ich daran denken, das Klebeband vorher zu entfernen. Für mich war das aber eine total spannende Beobachtung, wie so etwas kleines wie Atem, Stimme, Bewegung, das mit absolut selbstverständlich geworden ist und über das ich schon seit Jahren nicht mehr nachgedacht habe, doch das ganze Lustgeschehen beeinflusst. Eine sinnvolle Erinnerung!

Gehalten werden

Letztens hatte ich ein längeres Treffen über drei Stunden. Es war nicht unser erstes Treffen, und er nutzte die Zeit mit mir, um Neues zu probieren und Bedürfnisse nach Nähe und Kontakt zu befriedigen. Demnach war es immer eine Mischung aus Sex, bizzaren Spielen, aber auch Massage und Nähe.

Bei diesem letzten Treffen ergab es sich, dass wir nach einer ersten Runde völlig zur Ruhe kamen. Ich war etwas nach oben gerutscht und er lag mit dem Kopf auf meiner Brust an mich geschmiegt, während meine Arme ihn hielten. Es wurde ganz still um uns. Ich entspannte so sehr, dass ich zwischendurch merkte wie ich begann wegzudriften.

Solche ganz ruhigen Momente sind selten bei meinen Dates, vor allem als längere Phase, wie es hier der Fall war. Meist reicht schon die Zeit nicht für viel länger als zehn Minuten zum Nachspüren, oder aber man kommt dann wieder ins Plaudern. So hatte dieses Erlebnis auch für mich eine ganz eigene Qualität.

Gehalten zu werden und Nähe zu spüren ist ein ganz altes, ja kindliches Bedürfnis, das gar nicht viel mit Sexualität zu tun hat. In vielen Therapieformen (Psychotherapie und/ oder Körpertherapie) spielt Körperkontakt und Nähe eine Rolle, es geht um das Gefühl gehalten zu werden und geborgen zu sein, das Grundbedürfnisse stillt und nachnährt. Bei einer Sexarbeiterin ist das absolut nicht das, was bei einem Treffen im Vordergrund steht – umso schöner, wenn es sich ergibt.

Manchmal passiert es einfach, dass bei einem Treffen mit einer Sexarbeiterin ganz andere Bedürfnisse erfüllt werden als die sexuellen Gründe, wegen denen man das Treffen ursprünglich vereinbart hat. Es bedarf Erfahrung der Sexarbeiterin, das dann zu gestalten und sich darauf einzulassen – dann ergeben sich ganz besondere Situationen und Erlebnisse für beide Beteiligten.

Geschichte: Erstes Spiel

Wir kannten uns schon seit vielen Jahren. Bisher hatten sich alle unsere Dates im zärtlichen Bereich bewegt, mit viel Nähe, Kuscheln, Slow Sex, Massagen. Deswegen überraschte mich seine letzte Nachricht: ob ich ihn in die bizzare Welt einführen könnte? Ich liebe es, wenn jemand mir so viel Freiraum zum Spielen gibt – und mir das nötige Vertrauen entgegenbringt!

Ich nahm mir mehr Zeit als sonst, um meinen Raum vorzubereiten, legte Spielzeug bereit und baute sogar den Bondagerahmen auf. Dort begann ich dann auch das Spiel: Ich stellte ihn zwischen den Rahmen und fixierte seine Hände mit breiten Ledermanschetten an den Seiten. Etwas erstaunt stellte er fest, dass die Hände wirklich fixiert waren und sein Bewegungsspielraum dadurch deutlich eingeschränkt.

Langsam bewegte ich mich um ihn herum, strich mit sehr sanften Berührungen an seinem Körper entlang. Meine Finger berührten ihn überall, mal sanft, aber auch schon mal fordernder. Fingerspitzen auf seinem Rücken, seiner Taille, dann ein fester Griff zwischen seine Beine. Ich leckte über seine Nippel und knabberte daran, was ihn zum Stöhnen brachte. Dann griff ich nach einer kurzen Gerte und streichelte ihn mit der Klatsche überall am Körper, bevor ich anfing, erst leichter und dann fester gegen seine Haut zu schlagen, immer seine Reaktionen im Blick.

Nachdem er sich eine Weile lustvoll unter meinem Spiel gewunden hatte, legte ich die Gerte zur Seite und löste die Manschetten vom Rahmen. Seine Freiheit währte jedoch nur kurz; ich wies ihn an sich auf den Rücken zu legen und klickte die Handgelenke über seinem Kopf zusammen. Dann griff ich nach Bondageseilen und wickelte sie so, dass seine Beine gebeugt und gespreizt fixiert waren. Ich beugte mich über ihm und schenkte seinen Nippeln noch einmal die Aufmerksamkeit meines Mundes, bevor ich mich zwischen seine Beine setzte und meine eingeölten Hände an seine intimste Stelle gleiten ließ.

Ich massierte eine Weile seinen Schwanz und seine Hoden, bevor ich die Finger tiefer wandern ließ, um ihn sanft in die Berührungen von Anal- und Prostatamassage einzuführen. Sein Stöhnen wechselte zwischen lustvoll und gequält, aber er genoss offensichtlich was ich mit ihm machte. Irgendwann beugte ich mich zusätzlich vor und ließ ihn meine Lippen um seinen Schwanz spüren. Auch mich ließ dieses Spiel nicht kalt; kurz entschlossen angelte ich ein Kondom vom Nachttisch, zog es über und setzte mich auf ihn, um ihn zum Höhepunkt zu reiten.

Neue Preise

Nun ist es auch bei mir soweit: Zum 1. März erhöhe ich meine Preise. Ab sofort kostet die Stunde bei mir 200 Euro, zwei Stunden 350 Euro.

In den letzten Monaten sind nicht nur die Energiekosten, sondern nach und nach alle Lebenshaltungskosten gestiegen. Dienstleister müssen dann irgendwann nachziehen, wenn sie weiterhin von ihrer Arbeit leben wollen, ohne größere Einschnitte zu machen. Für mich ist es die erste Preiserhöhung seit ich vor neun Jahren wieder mit klassischer Sexarbeit angefangen habe.

Natürlich hoffe ich, meine Stammkunden auch weiterhin regelmäßig zu sehen. Wen die Preiserhöhung aus finanziellen Gründen davon abhalten würde, den bitte ich mich anzusprechen – meist findet sich eine individuelle Lösung.

Take care everybody!


Ich habe mir schon mal Gedanken über Preise gemacht, und zwar hier:

http://blog.traumfrau-mit-nebenwirkungen.com/gedanken/preisgestaltung-2/

http://blog.traumfrau-mit-nebenwirkungen.com/gedanken/preisgestaltung/

PrEP

Seit dem 9. Januar nehme ich jetzt eine PrEP. Nicht nur einige meiner Kunden und Freunde wundert das, sondern manchmal wundere ich mich auch über mich selbst. Ich habe nämlich eine sehr ambivalente Meinung zur PrEP und habe sie in den letzten Jahren für mich konsequent abgelehnt.

Was ist PrEP? PrEP steht für PräExpositionsProphylaxe und ist ein Medikament, das regelmäßig genommen eine HIV-Infektion verhindert. Es ist seit 2019 in Deutschland zugelassen. Zu Beginn wurde es überwiegend homosexuellen Männern verschrieben, doch mittlerweile gibt es auch immer mehr heterosexuelle Menschen, die sich PrEP verschreiben lassen – als Swinger, Sexarbeiter, oder auch einfach weil sie wechselnde Partner haben und sich damit sicherer fühlen.

Was mich daran stört: Es ist richtig, dass HIV die einzige sexuell übertragbare Krankheit ist, die sich (noch) nicht heilen lässt. Das heißt aber nicht, dass es nicht eine ganze Reihe von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten gibt, die trotz guten Behandlungsmöglichkeiten ernsthafte Auswirkungen haben können. Manche Menschen nehmen eine PrEP wirklich nur als zusätzlichen Schutz, aber von vielen habe ich leider die Meinung gehört, dass man ja nicht mehr so genau auf Safer Sex achten muss, wenn man eine PrEP nimmt.

Ich habe in den letzten Monaten gleich von mehreren Ärzten die Aussage gehört, dass Antibiotikaresistenzen gerade im Zusammenhang mit Tripper-Infektionen ein riesiges Problem sind und sich vermehrt stärkere Bakterien entwickeln, die sich nicht mehr problemlos behandeln lassen. Regelmäßige Tests (aller Beteiligten) sind zwar gut, garantieren aber nicht, dass man sich nicht doch etwas einfängt. Vor vielen Jahren hatte ich ein Gepräch mit einem Mann, der einige Jahre lang Pornos gedreht hat. Dort wurden von allen zu Drehbeginn aktuelle Tests vorgelegt; trotzdem hatte er 3-5 Mal im Jahr eine Infektion mit Tripper oder Chlamydien.

Ein weiteres Thema war (und ist) für mich, dass jedes Medikament auch Nebenwirkungen hat. Die Ärztin konnte mich in sofern beruhigen, dass PrEP kein neues Medikament ist (wie ich angenommen hatte) , sondern eine niedrigere Dosierung eines Medikaments, das schon seit über zwanzig Jahren in der HIV-Therapie eingesetzt wird und dort als sehr verträglich gilt. Erfahrungsberichte von PrEP-Anwendern erzählten, dass es in der ersten Zeit zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit kommen kann, sich diese Symptome aber schnell legten.

Warum ich jetzt doch eine PrEP nehme: als Zugeständnis an meinen Partner. Unsere Beziehung ist relativ neu, und in vielen Dingen haben wir sehr unterschiedliche Lebenswelten und Ansichten. Vieles ist noch im Prozess, und meine PrEP-Einnahme ist Teil eines Kompromisses. Wie lange ich das machen werde, habe ich noch nicht entschieden.

Ich hatte keine Nebenwirkungen, die sich direkt der PrEP zuordnen ließen. In den letzten Wochen kämpfe ich etwas mit Erschöpfung, aber das kann auch einfach mit dem Winterwetter zusammenhängen oder der Tatsache, dass ich für die Einnahme der PrEP das Johanniskraut absetzen musste, das ich sonst seit einigen Jahren im Winter nehme. Mein Umgang mit Safer Sex ändert sich durch die Einnahme von PrEP nicht!

Sexarbeit und Krankheiten

Vor ein paar Wochen war ich am Freitagnachmittag zu einem Übungstreffen mit ein paar Frauen aus meiner Ausbildung. Samstagmorgen schrieb dann eine der Teilnehmerinnen in der Gruppe, dass sie Corona-positiv sei und deswegen nicht zum Ausbildungswochenende kommen könne. Mein erster Gedanke: „Hoffentlich war ich nicht positiv ohne es zu wissen und habe sie angesteckt!“ Ein ziemlich abwegiger Gedanke, denn ich hatte keinerlei Symptome und auch keine Risikokontakte. Alle Tests an diesem und den folgenden Tagen waren dann auch (wie erwartet) negativ.

Meine Reaktion sagt etwas darüber aus, wie häufig ich in der Sexarbeit mit dem Gesundheitsthema konfrontiert werde – und wie häufig Sexarbeiterinnen pauschal die Schuld zugeschrieben wird. In der Corona-Zeit war das sehr offensichtlich; immer wieder wurden Bordelle als besonders riskante Orte bezeichnet, und Sexarbeit war länger verboten als fast jede andere Tätigkeit.

Früher waren für Sexarbeiterinnen regelmäßige Untersuchungen vorgeschriebenen, und seit 2017 herrscht die Pflicht zur jährlichen „Gesundheitsberatung“. Dabei geht es jedoch meist nicht wirklich um die Gesundheit der Sexarbeiterin, sondern um den Schutz der Kunden – und die Verantwortung dafür wird allein auf die Anbieterin abgewälzt.

Es liegt schon im Eigeninteresse jeder Sexarbeiterin, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten testen zu lassen und auch sonst ein gutes Gefühl für den eigenen Körper und Schwächen in der Gesundheit zu entwickeln. Die meisten Sexarbeiterinnen, denen ich begegnet bin, kümmern sich sehr um ihre Gesundheit.

Kunden gegenüber bin ich offen darüber, wie häufig ich mich testen lasse und wie ich sonst mit meiner Gesundheit umgehe. Trotzdem gab es die ein oder andere Situation, in der ich mich von dieser Frage habe triggern lassen – nämlich immer dann, wenn der Fragende die Verantwortung komplett an mich abgab.

Meiner Meinung nach sollte sich jeder erwachsene Mensch, der wechselnde Partner hat (definiert als mehr als drei im Jahr), regelmäßig testen lassen und sich auch sonst mit dem Thema sexuelle Gesundheit beschäftigen. Die Praxis sieht anders aus: Der Großteil meiner Kunden hat sich nie testen lassen (oder eher zufällig bei einer Blutspende – wozu ich eine eigene Meinung habe).

In letzter Zeit wird sogar immer wieder mal von Kunden die Forderung an Sexarbeiterinnen gestellt, dass diese sich eine PrEP (Medikament zur HIV-Prophylaxe) verschreiben lassen – ohne weiteren Gedanken an Risiken und Nebenwirkungen.

Warum ich massiere

Massage ist für mich…

… Meditation, Tanz, Hingabe, Flow

… etwas absolut Sinnliches und Lustvolles

… ein Vertrauensbeweis bzw. sogar Vertrauensvorschuß desjenigen, den ich massiere

… eine Möglichkeit, viel über denjenigen zu erfahren, den ich massiere

… immer wieder neu und aufregend

… eine Möglichkeit, mich ständig weiterzuentwickeln

… definitiv kein Vorspiel zu was-auch-immer, sondern eigenständig wertvoll

(Re-Post – diesen Text poste ich alle paar Monate wieder, da er viel über mich und meine Arbeit aussagt)

Geschichte: Teasing

Spielerisch glitten meine Fingerspitzen über seine Schultern. Ich konnte sein leichtes Zittern spüren, hörte die Veränderung seines Atems. Seine Hände griffen nach mir, doch ich fing seine Handgelenke ab und band seine Hände hinter dem Rücken zusammen, bevor ich mich sanft mit dem Rücken gegen seine Brust lehnte und mein Becken an ihm rieb. Sanft strichen seine Lippen über meinen Hals, und ich hörte ihn stöhnen.

Ich löste die Fixierung seiner Hände wieder und bat ihn, sich auf den Rücken zu legen. Dort fixierte ich seine Hände an einer Stange über seinem Kopf. Meine Lippen glitten über seine Haut, erkundeten die Wölbung seiner Schulter, folgten dem Schwung der Rippenbögen, der leichten Erhebung seiner Hüftknochen, immer tiefer…

Meine Zunge strich über seine Hoden und ich genoss sein Winden und Stöhnen. Sanft massierte ich mit einem Finger seine Rosette und spürte wie der Muskel weich wurden, so dass mein Finger hineingleiten und mit leichtem Druck die Prostata massieren konnte. Meine andere Hand umfasste seinen Penis, meine Finger drückten immer wieder leicht zu, stimulierten ihn.

Dann angelte ich ein Kondom vom Nachttisch und setzte mich auf ihn. Ließ seinen Penis in mich gleiten und blieb dann einfach ruhig sitzen. Meine Fingerspitzen strichen über seinen Oberkörper, reizten leicht seine Brustwarzen. Währenddessen spannte ich rythmisch den Beckenboden an und ließ wieder los, massierte seinen Penis nur mit meinen inneren Muskeln, ohne weitere Bewegung. Sein Stöhnen wechselte von lustvoll zu gequält, und seine Hände zerrten an den Fixierungen.

Schließlich gab ich nach und begann, sanft mein Becken zu kreisen. Ich bog den Rücken durch und bewegte mich auf ihm, immer schneller, bald verloren in meiner eigenen Lust. Mein Becken wippte wild auf und nieder, trieb und beide immer schneller dem Höhepunkt entgegen.

Nein heißt Nein

Heute ist der sehr volle, intensive erste Monat des Jahres sehr unrühmlich zu Ende gegangen. Ich habe viel erlebt und gemacht in diesem Monat: eine Ausbildung wieder aufgenommen, viele spannende Dates mit neuen und bekannten Kunden, einige Dinge in meinem Leben neu überdacht und Weichen für die Zukunft gestellt. Ein wenig fehlte mir dabei ruhige Zeit für mich. Vielleicht haben mich deshalb zwei Ereignisse der letzten Tage sehr getroffen.


Das erste war vorgestern. Ich hatte ein Treffen mit einem Stammkunden, den ich schon seit über zehn Jahre kenne. Vor zwei oder drei Jahren brachte er mir das erste Mal eine Flasche Wein mit, als kleine Aufmerksamkeit. Ich freute mich darüber und bedankte mich. Danach wurde es zur Gewohnheit: bei jedem Treffen bekam ich eine Flasche Wein, manchmal auch zwei, etwa alle sechs Wochen. Irgendwann wies ich ihn darauf hin, dass ich gar nicht so viel Wein trinke, sondern nur alle paar Monate mal eine Flasche aufmache, und sich bei mir die Flaschen langsam sammelten.

Er ging nicht weiter darauf ein und bei mir sammelten sich weiter die Flaschen. Manchmal machte ich eine auf, trank innerhalb eine Woche zwei oder drei Gläser davon, bevor der Rest verdarb und ich ihn wegschüttete (was ich schade fand). Ich schenkte einige Flaschen weiter an Freunde, da es mir zu viele wurden. Ich versuchte erneut, ihn darauf hinzuweisen, dass mir das zu viel Wein war. Aber für ihn gehört die abendliche Flasche Wein zum Alltag und es scheint ihm nicht verständlich, dass ich einen sehr vorsichtigen Umgang mit Alkohol habe und dieser in meinem Alltag eher keine Rolle spielt.

Im Dezember brachte er mir erst eine Flasche Glühwein mit, über die ich mich freute, und dann beim nächsten Treffen eine ganze Kiste mit sechs Flaschen. Das würde bei mir für viele Winter reichen! Zumal ich gerade mit einer Ärztin über die Einnahme eines HIV-Prophylaxe-Medikaments sprach und nichts davon halte, die Wirkung von Medikamenten durch Alkohol zu verändern. Ich schrieb meinem Kunden eine Nachricht, dass ich ab Januar keinen Alkohol mehr trinken würde und er mir bitte keinen Wein mehr mitbringen solle.

Beim ersten Treffen Januar brachte er mir stattdessen Schokolade mit, fing aber noch eine lange Diskussion mit mir an, ob ich denn wirklich keinen Alkohol dürfe und für wie lange (ich sagte dass ich mindestens ein Jahr keinen Alkohol trinken würde). Beim nächsten Treffen zwei Wochen später hielt er wieder eine Flasche Wein in der Hand. Als ich ihn darauf hinwies, dass ich doch keinen Alkohol trinke, stellte er die Flasche ab und sagte: „Kannst du ja aufbewahren.“ Einen Moment lang habe ich das geschluckt, dann bin ich richtig pampig geworden und habe ihm gesagt, dass ich das absolut daneben fand. Seine Reaktion: „Ich hab es ja nicht böse gemeint.“ Ich habe ihn dann die Flasche wieder mitnehmen lassen.

Ich habe viele Menschen in meinem Bekanntenkreis, die keinen Alkohol trinken, aus sehr unterschiedlichen Gründen. Und ich hasse es, wenn jemand darüber diskutieren muss! Es gibt gute Gründe gegen Alkohol: Wechselwirkungen mit Medikamenten, Alkoholprobleme in der Vergangenheit, religiöse Gründe, oder auch einfach das Gefühl, es körperlich oder psychisch nicht gut zu vertragen oder nicht zu mögen. Ich finde es schlimm, wenn jemand sich dafür rechtfertigen muss, und verstehe auch dieses Drängen von Außen überhaupt nicht.


Das zweite sehr unschöne Erlebnis hatte ich heute Morgen. Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit, aber es war ein Tropfen der das Fass nach vielen Jahren zum Überlaufen brachte. Schon seit fast drei Jahren mache ich keine spontanen Termine mehr, da Sexarbeit nicht mehr mein einziger Beruf ist. Vorher hatte ich nachmittags feste Zeiten im Appartement, für Termine am Vormittag oder später am Abend brauchte ich auch Vorlauf. Schon zu dieser Zeit rief mich dieser Kunde häufig vormittags an und fragte nach einem spontanen Termin. Auch ihn kenne ich schon sehr lange und daher habe ich es manchmal möglich gemacht.

In den letzten Jahren ist das für mich noch schwieriger geworden und für jeden dieser Termine musste ich meine komplette Tagesplanung über den Haufen werfen. Immer wieder habe ich versucht ihm zu erklären, wie schwierig das für mich ist, und in den letzten Jahren auch mehr und mehr dieser Termine abgelehnt. Manchmal bin ich pampig geworden, dann war es für ein paar Wochen besser, bevor das Spiel wieder von vorne anfing.

In der letzten Woche hat er mich drei Mal angerufen, und ich habe ihm drei Mal erklärt, dass ich im Moment zu viel zu tun habe und spontane Termine absolut unmöglich sind und er bitte vernünftig mit Vorlauf einen Termin vereinbaren soll. Drei Mal allein in der letzten Woche! Heute Morgen rief er wieder an, und als ich ablehnte merkte er an, dass er ja jetzt in Urlaub fahre und wie schade und doof das wäre, dass ich keine Zeit mehr für ihn hätte. Da ist bei mir irgendwas gebrochen.

Die nächsten fünf Minuten habe ich ihn angeschrien, dass ich absolut genug von seinem Scheiß hätte, von seinem Disrespekt, seinem Egoismus, seiner Selbstzentriertheit, seiner Ignoranz, und dass Typen wie er der Grund wären, warum ich diese Arbeit irgendwann hinschmeißen würde, und dass er mich nie wieder anrufen solle. Mir ist klar, dass Schreiben nicht die Lösung ist – aber ehrlich gesagt ist es meiner Erfahrung nach so, dass das manchmal das einzige ist, was wirklich ankommt und ernstgenommen wird.

So endet jetzt also eine langjährige, tiefe Verbindung zu einem Stammkunden. Es tut mir nicht mal richtig leid, für mich war durch sein Verhalten echt das Ende meiner Geduld erreicht, und diese Termine haben dadurch häufig mehr Nerven gekostet, als durch den Verdienst aufgewogen wird.

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