Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Kategorie: Gedanken (Seite 9 von 11)

Gedanken zu verschiedenen Themen im Rahmen der Sexarbeit

Marketing und Werbung

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Vor zwei Wochen habe ich von Kaufmich eine (Standard-)Mail bekommen, die zum Schreiben von Blogs aufforderte – diese seien wichtig für das Gesamtprofil als Anbieterin und für das Marketing-Konzept.

Andererseits passiert es mir immer wieder, dass Blogs von mir nicht freigeschaltet werden, weil sie „Werbung“ enthalten. Ist Marketing nicht auch Werbung? Nur halt ein bisschen geplanter…

Mit Marketing-Konzepten habe ich mich im Rahmen anderer Ausbildungen/ Tätigkeiten beschäftigt; in der Sexarbeit ist das eine relativ neue Entwicklung. Ich kenne nur eine handvoll Anbieterinnen, die sich Gedanken über ein Gesamtkonzept in ihrem Auftreten machen. Die meisten verlassen sich auf sexy Fotos und/ oder eine überzeugende Serviceliste.

Ich bin da etwas hin und her gerissen. Einerseits verstehe ich den Sinn davon, eine „Anbieter-Persona“ zu entwickeln – quasi die Essenz der Eigentschaften von mir, die ich verkaufen möchte, von denen der Kunde den größten Gewinn hat. Andererseits arbeite ich am liebsten mit Stammgästen, die ich über viele Monate und Jahre treffe und die demnach eine Menge Seiten an mir kennenlernen, nur selten beschränkt auf ein oder zwei Aspekte, die sich in so ein Marketing-Konzept gießen lassen würden.

Neukunden lesen meist erst mal nur das Profil. Dort sollten klare Informationen enthalten sein und ein präziser Eindruck davon, wer ich bin und was ich anbiete. Im Blog sehe ich das lockerer. Da erzähle ich von Aktuellem, von Vergangenem und von Ideen für die Zukunft – ohne Konzept, dafür mit mehr Untertönen. Ich finde das für den Kunden auch spannender, als mich immer an ein Konzept zu halten und genau zu überlegen, welchen Eindruck ich vermitteln will. Manchmal ist es auch verwirrend – aber das lässt sich dann im persönlichen Kontakt klären.

Terminplanung

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Seit drei Wochen arbeite ich jetzt in einem Teilzeit-Job, an drei Tagen die Woche 6 Stunden am Nachmittag/ Abend. Es geht mir sehr gut damit! Ich genieße es total, wie sehr dieser Job Struktur in mein Leben bringt, durch die festen Arbeitszeiten. Die Firma ist neu, ich kann mich toll einbringen, die Arbeit ist spannend – und gleichzeitig gehe ich abends nach Hause und habe dann frei bis zum nächsten Schichtbeginn.

Alle anderen Termine packe ich jetzt natürlich auf die Tage, an denen ich nicht arbeite, und bin so auch an diesen Tagen ziemlich viel unterwegs. Das stellt mich jetzt gedanklich vor ein Problem: Die meisten Männer im Paysex erwarten, dass sie kurzfristig ein Date vereinbaren können. Das wird bei mir in Zukunft wohl nur noch in Ausnahmesituationen funktionieren.

Ich merke auch, dass ich da keinen Nerv mehr drauf habe. Ich habe so viele Dinge im Kopf, wenn ich dann ein Date mache, möchte ich mich da auch drauf einstellen können. Zeit für Vorbereitungen haben, mich beim Aufhübschen in die richtige Stimmung bringen… Nicht so schnell auf Abruf, gehetzt, gedanklich noch halb woanders.

Ob dann Paysex für mich überhaupt noch Sinn macht? Immerhin habe ich genug Stammkunden, die meist ihre Termine rechtzeitig machen. Aber wenn ich an die Diskussionen am Telefon denke, habe ich schon keine Lust mehr, überhaupt abzunehmen wenn ich die Telefonnummer nicht kenne. Wahrscheinlich wird sich das wieder geben, wenn sich die Situation normalisiert hat. Ich werde also einfach abwarten und sehen, wie sich das entwickelt.

Freundschaften zwischen Männern und Frauen

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Können Männer und Frauen Freunde sein? Eine Frage die immer wieder gestellt wird und sehr untschiedlich beantwortet (nicht erst seit „Harry und Sally“). Auch ich habe in letzter Zeit über diese Frage nachgedacht und versuche mich heute an einer Antwort.

Es gab und gibt Männer in meinem Leben, die ich als Freunde bezeichne. Ein guter Freund ist ein Ex von mir, aber mit anderen hatte ich nie Sex – auch wenn ich weiß, dass einige da durchaus Interesse dran gehabt hätten. Deswegen frage ich mich, ob Freundschaft nicht häufig von einer Seite ein Kompromiss ist, wenn man mehr nicht bekommen kann.

Auf jeden Fall denke ich, dass das Thema Mann/ Frau irgendwie immer mitschwingt. Es gibt Dinge, die ich mit Männern nicht so bespreche wie mit Frauen. Und selbst wenn ich meinen Gegenüber sexuell uninteressant finde oder er mich, schwingt die Möglichkeit doch immer mit. Auch wenn die Freundschaft platonisch ist und bleibt, denkt doch fast jeder mal ganz kurz darüber nach.

Mit manchem männlichen Freund kann ich mit dem Thema spielen. Wir flirten miteinander, wissen aber dass wir es (aus was für Gründen auch immer) nicht zu mehr werden kommen lassen. Das finde ich wunderbar! Mich als Frau fühlen können und meinen Gegenüber als Mann wahrnehmen, ohne ständig über den Sex zu stolpern.

Gerade weil ich meine Sexualität so exzessiv lebe, kann ich es manchmal sehr genießen, das Thema außen vor zu lassen – in der Hoffnung, dass mein freundschaftlicher Gegenüber das genauso sieht.

Produktfotografie

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Letztens jammerte ich im Gespräch mit einem Freund darüber, dass ich so wenig aktuelle Fotos habe und dringend mal neue machen muss, da aber gerade überhaupt keine Lust zu habe. Er hörte sich das eine Weile an und scherzte dann: „Das ist Produktfotografie, oder?“

Das Wort brachte mich erst mal dazu, das Thema zu wechseln. Seitdem kaue ich da noch immer wieder drauf rum. Produktfotografie… Ich bin doch ein Mensch und kein Gegenstand! Ich biete eine Dienstleistung an und verkaufe nicht meinen Körper bzw dessen Benutzung.

Andererseits ist es wohl Tatsache, dass so gut wie alle Männer hier zuerst auf die Fotos schauen und erst danach schauen, ob der angebotene Service zu ihren Vorstellungen passt. (Viele fragen auch einfach direkt an und klären den Rest dann telefonisch oder per Mail.) Also müssen die Fotos möglichst viel über das „Produkt“ aussagen: wer ist diese Frau, wie ist sie drauf?

Ich glaube von der Seite haben es die meisten Frauen noch nicht betrachtet. VIelleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken und es geht in Wahrheit nur um Schlüsselreize und die Frage ob Typ passt oder nicht. Aber ganz schlüssig ist diese Theorie nicht, denn es haben ja durchaus auch Frauen Erfolg die nicht gängigen Idealen entsprechen…

Na ja, ich werde mir auf jeden Fall demnächst mal wieder etwas konkreter Gedanken um neue Fotos machen. Jetzt ist ja Sommer, das lädt zu einem Outdoor-Shooting ein. Oder ich gönne mir mal einen Profi-Fotografen mit großem Studio und viel Nachbearbeitung. Bin gespannt, was am Ende für Bilder herauskommen – und welche Reaktionen ich darauf bekommen werde.

Das Recht Risiken einzugehen

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Freitagabend war ich bis spät am Abend im Appartement. Es wurde gerade dunkel, als ich aufbrach, und es war immer noch warm. Spontan entschied ich mich, doch mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren statt die Bahn zu nehmen. Ohne weiteren Gedanken fuhr ich los; schaltete Musik auf meine Kopfhörer und genoss die Bewegung und die warme Sommerluft.

Ich war schon zehn Minuten unterwegs, fuhr durchs Industriegebiet an geparkten LKWs vorbei und bog dann in den Park an der Bille ab, als ich daran denken musste, wie häufig ich schon darauf angesprochen wurde, ob ich keine Angst hätte, wenn ich so alleine unterwegs bin. Ehrlich gesagt habe ich noch nie Angst vor einem Überfall gehabt, höchstens vor einem Unfall. Ich weiss nicht, wie gefährlich es wirklich ist, als Frau nachts allein unterwegs zu sein, statistisch gesehen – und ehrlich gesagt ist es mir auch egal.

In einem Buch der Feministin Virginia Despendes las ich vor kurzem, dass es ein großer Schritt zur Emanzipation sei, dass Frauen sich nicht mehr zu ihrer eigenen Sicherheit im Haus einsperren ließen. Zur Freiheit gehört auch das Recht, Risiken einzugehen. Diese Risiken sind einfach Teil eines aktiven, selbstbestimmten Lebens.

Ich mag es, mein Leben aktiv und selbstbestimmt zu leben. Ich mag es, nachts im Dunkeln mit dem Fahrrad durch die laue Sommernacht zu fahren, ohne mir Gedanken über eingebildete oder tatsächlich vorhandene Risiken zu machen.

„Dein Freund hat es echt gut“

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Ich habe einige Kunden, die immer wieder mal nach einem Termin zu mir sagen: „Dein Freund hat es echt gut!“ Noch ganz im Gefühl der letzten Stunde, die voll von Erotik und Nähe war, drückt diese Aussage eine Sehnsucht aus nach etwas, von dem sie in ihrem Leben gerne mehr hätten.

Trotzdem ist diese Aussage an dieser Stelle und mit diesem Bezug völliger Quatsch. Wenn ich einen Kunden für eine eine Stunde im Appartement treffe, richte ich dabei meine ganze Aufmerksamkeit auf den Kunden und seine Bedürfnisse. Meine eigenen Bedürfnisse und Stimmungen treten dabei eher in den Hintergrund.

In einer privaten Beziehung geht es darum, zusammen etwas zu entwickeln und die Balance zu finden, in der sich beide wohl, sicher und genährt fühlen. Dort geht es sowohl um die Bedürfnisse meines Partners als auch um meinen eigenen – im Idealfall ist das deckungsgleich und/ oder ergänzt sich.

Beziehung passiert nicht im luftleeren Raum, wie es manche Dates tun. Wenn ich abends nach Hause komme, erlaube ich es mir auch mal, müde und genervt zu sein, und wünsche mir statt Sex und Unterhaltung eher Nähe und Geborgenheit – oder auch mal Zeit für mich. Umgekehrt bringt auch mein Partner die Themen seines Arbeitstages mit nach Hause, ist vielleicht noch abgelenkt oder frustriert.

Ich mag rein erotische Dates, und ich lebe gerne in einer Beziehung. Es handelt sich für mich jedoch um verschiedene Begegnungswelten, die so weit voneinander entfernt liegen, dass der Weg von der einen in die andere schwierig sein kann.

Diskretion

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Im Paysex wird viel Wert auf Diskretion gelegt, von Kunden und Anbieterinnen gleichermaßen. Doch während die meisten Anbieterinnen das verinnerlicht haben und jeden Kontakt außerhalb des Termins vermeiden, gehen einige Kunden da deutlich sorgloser mit um.

Letzten hatte ich mal wieder so ein Erlebnis. Tantra-Massagen habe ich mal unter meinem Realnamen angeboten, aber offiziell vor vier Jahren damit aufgehört und gebe mit seitdem größte Mühe, meinen Realnamen aus dem Paysex rauszuhalten. Trotzdem passiert es ab und zu, dass Kunden aus dem Paysex mein Profil bei Facebook finden oder die Homepage meiner Praxis (wo ich Wellness-Massagen, Yoga und Gestalttherapie anbiete).

So schrieb mich also jemand über mein Praxis-Handy an (für Paysex habe ich eine andere Nummer); er würde gerne eine Massage buchen, am besten spontan an diesem (schon fortgeschrittenen) Abend. Ich erspare Euch die Details des ewigen hin und her Schreibens. Auf mein wiederholtes Einwenden, dass seine (erotischen) Wünsche bei mir falsch seien, kam dann irgendwann: „Ja, kann ich dich dann im Mühlenhagen besuchen kommen?“ Daraufhin habe ich ihn ohne weiteren Kommentar blockiert.

Auch Sexarbeiterinnen haben ein Leben neben der Sexarbeit und möchten weder im seriösen Job noch im Privatleben mit Erotik-Anfragen belästigt werden!

Auf Termin

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Ostermontag habe ich am Nachmittag eine Massage gegeben. Der Kunde erkundigte sich mehrmals, ob ich jetzt extra wegen ihm ins Appartement gefahren sei; als ich das bejahte, schien es ihm unangenehm zu sein. Dazu bestand natürlich überhaupt kein Grund!

Es ist meine Arbeit, für die ich gut bezahlt werde – da gehört dann etwas Einsatz dazu. Zumal ich nicht so weit weg wohne, es also kein Problem ist, mal kurz reinzufahren. (An diesem Tag hatte ich es sogar noch mit einer schönen Fahrradtour durch die Boberger Dünen verbunden.)

Mit einer Kollegin diskutiere ich immer wieder darüber, ob es nicht sinnvoll ist, zu bestimmten Zeiten im Appartement zu sein und in dieser Zeit auch spontane Termine anzunehmen. Meine Erfahrung spricht dagegen: So kurzfristige Terminanfragen (unter einer Stunde Vorlauf) habe ich nur eine handvoll Male im Jahr. Im Gegensatz dazu steht, dass mich das Rumsitzen im Appartement total frustriert. Theoretisch könnte ich lesen oder schreiben, aber praktisch kann ich mich dort nicht konzentrieren und schlage im Endeffekt nur Zeit tot.

Manchmal verbringe ich trotzdem Nachmittage im Appartement, klöne mit Kolleginnen oder sehe fern. Aber ich bin motivierter und besser drauf, wenn ich nur auf Termin reinfahre – und das merken natürlich auch meine Kunden.

Die Macht der Worte

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Er ist ein Stammkunde von mir. Wir kennen uns schon einige Zeit und haben eine gute Zeit zusammen. Manchmal ist es einfach Entspannungszeit, aber manchmal erzählt er auch, meist von dem Stress, den er auf der Arbeit hat.

Beim letzten Mal hat er das zweite Mal eine Formulierung genutzt, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: „Aber dazu bist du ja nicht da!“ Ich weiß nicht mal mehr genau, worum es ging, und das ist auch nicht wichtig – es war nicht abwertend gemeint, sondern in seinen Augen einfach eine Feststellung.

Klar, ich bin hier im Appartement, weil ich eine Dienstleistung anbiete und damit eine Funktion erfülle. Aber ich bin trotzdem ein Mensch, und ich finde, man sollte Menschen nie auf eine Funktion reduzieren – nicht in großen Unternehmen, nicht nach Berufen, und erst recht nicht in Begegnungen!

Der Dalai Lama brachte es einmal sehr schön auf den Punkt: „Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden, und Dinge wurden geschaffen, um benutzt zu werden. Das Problem in unserer heutigen Zeit ist, dass Dinge geliebt werden und Menschen benutzt.“ Nun erwarte ich keine Liebe, aber Respekt und Menschlichkeit halt ich durchaus für angebracht.

Häufiger ist das ein Thema bei Anrufen. Da gibt es Formuliereungen, die keine Frau in diesem Job gerne hört und die bei der ein oder anderen zu Hinweisen oder gar einer sofortigen Absage führen. Natürlich ist es legitim, anzurufen und sich nach Service und Preisen zu erkundigen. Aber bitte nicht so:

– „Was kostet du denn?“
(Ich stehe nicht zum Verkauf, Sklaverei ist weltweit verboten. Du kannst nur einen Service bei mir buchen.)
– „Ich habe gehört, dich kann man mieten?“
(Nein, ich bin kein Gegenstand, der vermietet wird und bei dem Schäden versichert sind.)
– „Was kann man denn mit dir alles machen?“
(Du kannst etwas mit mir erleben, aber etwas passiv über mich ergehen zu lassen gehört nicht zu meiner Vorstellung von Erotik.)

Grenzwertig finde ich auch:
– „Was machst du denn alles?“
Diese Frage ist so allgemein, dass ich da ewig was zu erzählen kann – bis der Anrufer die Geduld verliert und wir beide pampig werden. Ich kann ja verstehen, wenn jemand keine Lust hat Anzeigen zu lesen – aber dann frage mich einfach konkret nach dem was du erleben möchtest!

Generell mögen alle Frauen, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass der Anrufer etwas mit ihr erleben möchte – und nicht nur beliebig alle Anzeigen im Internet durchtelefoniert, weil für ihn alle Frauen gleich und somit austauschbar sind. Das sind sie auch in der Sexarbeit nicht!

Wie präsent darf Sexarbeit sein?

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Hamburg ist eine Stadt, die u.a. für Reeperbahn und Herbertstraße bekannt ist und in der Prositution demnach irgendwie zum Lokalkolorit gehört, zumindest für Touristen. Doch wie präsent darf Sexarbeit sein, abseits von Geschichten voll Rotlicht-Romantik?

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, sehe ich immer wieder Plakatwände mit Werbung für eine große Sexarbeiter-Plattform oder für einzelne große Saunaclubs und Laufhäuser. Vielleicht fallen sie mir mehr auf als den meisten Menschen (wir sind alle so mit Werbung überschüttet, dass wir nur noch einen Bruchteil davon wahrnehmen), aber sehen kann diese Plakate (und ähnliches) jeder – auch Kinder, Jugendliche, Menschen die Prostitution für sittenwidrig, frauenfeindlich und kriminell halten…

Eine Mitarbeiterin einer Sexarbeiter-Plattform erzählte von Ärger mit ihren Nachbarn, da ihr Auto mit Werbung bedruckt war. Wir haben natürlich ausgiebig über die Prüderie der Nachbarn gelacht. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass dieses Verhalten intolerant und falsch ist.

Trotzdem fühle ich mich mit den großen Plakatwänden und der zunehmenden Präsenz und Normalität von Sexarbeit nicht wohl. Es ist eine individuelle Entscheidung einer jeden Frau, diese Arbeit zu machen, und jedes Mannes, diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Sexualität bleibt etwas Privates und Intimes – auch davon lebt der Reiz des Rotlichts, diese Mischung aus Verruchtheit und Verletzlichkeit…

Ich finde nicht, dass Sexualität ein Thema ist, mit dem alle und jeder zu jederzeit konfrontiert werden sollten, und käuflicher Sex erst recht nicht. Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigenen Werte und Moralvorstellungen. Ich erhebe für mich den Anspruch, dass mein Verhalten toleriert wird. Da finde ich von meiner Seite ein gewisses Maß an Diskretion angebracht – und würde mir das auch vom Rest der Branche wünschen.

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