Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Kategorie: Gedanken (Seite 11 von 11)

Gedanken zu verschiedenen Themen im Rahmen der Sexarbeit

Die Illusion von Anonymität

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Letzte Woche bin ich einen Tag zu Hause am Schreibtisch geblieben, u.a. um mich den neuen DSGVO-Regeln für meine Webseite zu beschäftigen. Im Internet hat es um die DSGVO in letzter Zeit einen ganz schönen Wirbel gegeben, und ein Freund riet mir, dringend entsprechende Klauseln ins Impressum einzufügen.

Ich will nicht behaupten, dass ich viel von dieser DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) verstanden hätte. So scheint es vielen Menschen zu gehen, denn nach dem Surfen über verschiedene Seiten habe ich viele unterschiedliche Versuche gesehen, den neuen Regeln gerecht zu werden. Im Endeffekt habe ich mich dafür entschieden, über einen Generator einen Text zu gestalten, und hoffe das reicht.

Viel mehr beschäftigt mich seitdem der Gedanke, dass bei Beteiligten im Sex-Gewerbe (Anbieterinnen und Kunden) der gedankliche Anspruch und die Realität von Diskretion und Anonymität weit auseinander geht.

Immer wieder führe ich hier bei KM oder auch am Telefon Diskussionen darüber, warum ich denn keine anonymen Termine vergeben würde. Ganz simpel: weil über 80% dieser Termine nicht kommen und mir da meine Zeit zu schade für ist. Wenn dann jemand diskutiert, dass das aber keiner wissen darf etc, denke ich immer: Der will mit mir Sex haben, aber vertraut mir nicht genug, um auf meine Diskretion zu vertrauen?! Dann eben nicht! Für solche Männer gibt es Laufhäuser & Co.

Diskretion von meiner Seite heißt, dass ich von mir aus niemanden anrufe, wenn ich nicht um Rückruf gebeten wurde. WEnn vor einem konkret vereinbarten (!) Termin etwas schiefgeht, schicke ich eine neutral formulierte SMS, z.B. „Muss den Termin um 14:00 leider absagen.“ Da knn dann jeder einen beliebigen Termin erfinden, falls es mal jemand anders liest. Mein Telefon ist nicht mit dem Internet verbunden, Nummern speichere ich also wirklich nur lokal und lösche sie nach einer bestimmten Zeit wieder. Es besteht also keine Möglichkeit, dass mir Daten gestohlen werden.

Umgekehrt nutzen ein Großteil meiner Kunden ihre Smartphones und gerne auch WhatsApp. Dass WhatsApp nicht sicher ist, ist kein Geheimnis. Aber die wenigsten fragen sich, was eigentlich mit den Bewegungsprotokollen passiert, die u.a. von Google erstellt werden – und die genau nachvollziehbar machen, wer sich wo wie lange aufgehalten hat. Ein Kunde von mir konnte letztens noch darüber lachen, als Google ihm vorschlug, bei Facebook zu teilen, wo er sich gerade aufhielt – die meisten finden das wohl nicht lustig!

Neue Bilder

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Neues Jahr, neue Bilder… na ja, nicht ganz, denn das Shooting war schon Mitte Dezember. Aber jetzt sind die Bilder fertig bearbeitet und bereit zum Hochladen.

Bilder sind ja immer so ein Thema. Keiner bezweifelt wie wichtig gute Bilder für Sexarbeiterinnen sind. Aber was genau sind „gute Bilder“?

Einige sind der Meinung, dass sie auf Bildern möglichst makellos aussehen sollten. Andererseits macht das manche Kunden eher misstrauisch, denn jeder weiß um die Möglichkeiten von Photoshop und schon so mancher hat dann beim Treffen eine böse Überraschung erlebt.

Wieviel zeigt frau auf den Bildern? Oben ohne oder gar FSK 18? Mit oder ohne Gesicht? Die zweite Frage beantworten viele schon von Anfang an ganz grundsätzlich und ziehen dass dann konsequent durch. Manch eine verbirgt ihr Gesicht in der Hoffnung nicht von Bekannten erkannt zu werden und dadurch ihr Privatleben und/ oder ihren Hauptjob zu schützen.

Die erste Frage spielt zusammen mit der Frage, wie frau sich generell darstellt. Da sollten Bilder und Text zueinander passen: Im Text Nobel-Escort und dazu Porno-Bilder passt nicht, ebenso wenig wie umgekehrt. Auch Blümchen-Bilder und im Text dominanter Service sind wohl keine so tolle Kombination.

Meine Bilder haben sich in den letzten Jahren ziemlich gewandelt. Ich zeige mehr, versuche aber dabei gleichzeitig meine natürliche Art rüberzubringen. Meine Bilder sind nicht gephotoshopt, aber natürlich machen wir bei einem Shooting mehrere hundert Bilder und ich suche dann die zehn schönsten raus – da sind garantiert nie die, auf denen gerade Speckröllchen zu sehen sind!

Sicherheit

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Vorgestern habe ich früh Feierabend gemacht und bin bei schönem Wetter gegen sechs mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Ein kurzes Stück durch Schrebergärten und durchs Industriegebiet, dann durch einen Park an der Bille lang, am Außenrand der Boberger Dünen und dann das letzte Stück durch den Wald. Anschließend habe ich ein zwei Bilder davon gepostet – ein Blick vom Park über eine Rasenfläche auf die Bille, und den breiten Schotterweg, der in den Wald führt.

Danach bekam ich eine Nachricht von einem Bekannten: „Alles recht grün. Hast du keine Bedenken?“ Bedenken? Wenn ich an einem Spätnachmittag durch ein Naherholungsgebiet fahre? Warum sollte ich?!?

In den letzten Jahren häufen sich solche Hinweise und Gespräche. Ob ich denn abends um zehn noch alleine nach Hause fahre? Ob ich alleine durchs Industriegebiet laufe? Ob ich Bus/ S-Bahn fahre? Ob ich arbeite wenn ich alleine im Appartement bin? Alles zu gefährlich, an der Grenze zum Leichtsinn!

Ehrlich gesagt mache ich mir über so was selten Gedanken. Ich war schon früh viel alleine unterwegs, auch nachts, und ich kann mich an keine bedrohliche Situation erinnern. Selbst die letzte blöde Anmache ist lange her.

Was sollte ich sonst machen? Zu Hause bleiben? Nicht mehr ohne männliche Begleitung unterwegs sein? Kann doch auch nicht sein… Ich habe nicht das Gefühl, dass es gefährlicher geworden ist als früher, und ich fühle mich weder von Einwanderern noch von gebürtigen Deutschen bedroht. Ausnahme: Ich bin am Wochenende nicht gerne auf der Reeperbahn, da sind mir zu viele Betrunkene. Aber selbst da habe ich mehr Angst, im Gedränge bestohlen zu werden, als vor Übergriffen.

Was meine Arbeit angeht: Ich bin seit 14 Jahren Sexarbeiterin und habe in der Zeit auch mal fast 9 Jahre alleine in einer Wohnung gearbeitet. Es gab eine Hand voll (!) unschönes Szenen, Termine die abgebrochen oder nie richtig angefangen wurden, was einen blöde Situation für alle Beteiligten ist. In keiner dieser Situationen habe ich mich bedroht gefühlt.

In meinem jetzigen Appartement ist meist noch eine Kollegin da. Bestimmte Termine mache ich nicht, wenn ich alleine bin, da kläre ich das vorher (v.a. Fesselspiele u.ä.) und achte darauf, dass die Kollegin im Nebenzimmer ist und nicht am andere Ende des Appartements. Aber einen Großteil der Termine würde ich auch bedenkenlos machen, wenn ich alleine bin. Meist sind meine Gäste eh deutlich nervöser als ich – und wenn man es genau bedenkt, gehen sie auch ein Risiko ein.

Trost finden

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


„Männer finden Trost im Schoß einer Frau.“

Zum ersten Mal habe ich diesen Satz vor einigen Jahren in einem Roman gelesen, in dem es um Kriegsheimkehrer ging. Vor einigen Wochen ist er mir dann wieder begegnet:

Wir saßen in einer engen Runde zusammen, vier Menschen, die sehr vertraut miteinander umgehen. Einer erzählte plötzlich, dass er auch schon häufiger zu Prostituierten gegangen sei und dass er generell das Gefühl habe, irgendwie zu viel im Sex zu suchen. Eine andere Frau reagierte dann mit diesem Satz: „Männer finden ja auch Trost im Schoß einer Frau – bei Unsicherheit, Fragen, Krisen…“

Seit einigen Tagen habe ich das Gefühl, eine Idee davon zu bekommen, was mit diesem Satz gemeint sein könnte. Es war nur wenige Tage nach den Geschehnissen in Paris, als mich ein Kunde anrief und kurzfristig nach einem Termin fragte. Wir kannten uns schon, und ich wusste, dass seine Freundin in Paris lebte. Als er zu mir kam, wirkte er unruhig und fahrig. Er erzählte, er würde am Wochenende nach Paris fahren; seiner Freundin ginge es gut, aber eine gemeinsame Bekannte sei ums Leben gekommen.

Nein, er war nicht zu mir gekommen, um zu reden oder zu kuscheln. Es ging um Sex, um viel Sex. Darum, im Sex Vergessen zu suchen – oder sich durch Sex zu beweisen, dass man lebendig ist. Ich denke seitdem viel über diesen Zusammenhang nach…

Attraktiv oder sexy

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Neulich sprach ich mit einer Freundin (von Beruf nicht Sexarbeiterin, sondern Sexualtherapeutin) darüber, worum es eigentlich geht, wenn wir mit jemandem ins Bett wollen. Wo ist der Punkt, an dem jemand sagt: Ja, genau auf den/ die bin ich scharf?

Ich stelle immer wieder fest, dass es dabei bei mir und auch bei vielen anderen nicht um klassische Attraktivität geht. Mit klassische Attraktivität meine ich das, was ein Modell ausmacht: eine schlanke, trainierte Figur, straffe Haut, ebenmäßige Gesichtszüge, gute Proportionen, lange Beine, etc. Solche Menschen (egal ob Männer oder Frauen) lassen mich häufig kalt.

Bei sexy denke ich an: geschmeidige Bewegungen, ausdrucksstarke Augen, ein verschmitztes Lächeln, schöne Hände …

Meine Freundin meinte, ob wir jemanden erotisch finden, hängt davon ab, wie sehr derjenige seinen Körper bewohnt. Häh? Na ja, ob sich jemand in seinem Körper wohlfühlt, sich ungezwungen bewegt, den eigenen Körper kennt… Das klickte bei mir: ja, genau das ist es!

Ich denke das immer wieder, wenn ich auf Tantra-Seminaren bin: so viele schöne Menschen! Nicht, weil die Menschen auf Tantra-Seminaren attraktiver sind als der Durchschnitt, sondern weil sie sich meist ihrer Körper deutlich bewusster sind, bewusst mit ihrer Körperlichkeit und ihrer Sexualität umgehen. Was ich viel attraktiver finde als perfekte Körper und wenig Kleidung.

Bei mir selber sehe ich das auch so: Ich bin durchschnittlich hübsch, hatte aber nie Modell-Maße. Aber ich arbeite viel mit meinem Körper, habe mein Körpergefühl durch Tanz und Tantra geschult, fühle mich einfach wohl in meinem Körper – und auch in meiner Sexualität. Ich kann Sex genießen, ohne dabei daran zu denken, wie ich aussehe oder wie ich auf den anderen wirke… einfach nur genießen! Und das ist verdammt sexy, für mich und für meinen Gegenüber.

Professionalität

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Prostitution ist meines Wissens nach der einzige Bereich, in dem der Begriff „Professionelle“ ein Schimpfwort ist. In jedem anderen Gewerbe erwarte ich von meinem Gegenüber Professionalität und bin genervt, wenn jemand unprofessionell agiert. Deswegen möchte ich an dieser Stelle etwas darüber schreiben, warum ich auch in diesem Gewerbe für mehr Professionalität und weniger „Wischiwaschi“ bin.

Was ich meine, wenn ich mich als professionelle Sexarbeiterin bezeichne:

Ich besitze Grundtugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit und bin vorbereitet und konzentriert, wenn ich in einen Termin gehe. Ich beantworte Mails und SMS kurzfristig und bin im vernünftigen Rahmen telefonisch erreichbar (wenn ich nicht gerade in einem Termin bin – da ist das Telefon selbstverständlich aus).

Bei einem Termin steht für mich mein Gast mit seinen Wünschen im Vordergrund. Ich ziehe meine Lust aus dem Geben und bin gut darin, auf den Wellen der Lust meines Gastes mitzuschwingen – meine Lust ergibt sich also fast immer von selbst.

Ich kenne meinen Körper sehr gut und weiß genau, was ich mir zumuten kann und was nicht geht (grundsätzlich oder nur heute gerade nicht); deswegen mache ich keine Zusagen, die ich nicht einhalten kann.

Die Techniken, die ich anbiete, beherrsche ich souverän. Mir ist bewusst, dass man auch Sex lernen kann (und sollte), und was ich professionell anbiete, habe ich erlebt und weiß damit umzugehen. Wenn ich etwas nur mal ausprobieren möchte, ohne meine eigenen Reaktionen abschätzen zu können und/ oder ohne genau zu wissen, wie es eigentlich funktioniert, tue ich dies in meinem Privatleben!

Ich kann mich auf eigentlich jeden Gast einstellen. Voraussetzung für ein Date sind für mich Gepflegtheit, hygienisches Verhalten (keine Diskussion ums Gummi o.ä.) und Respekt mir gegenüber (inkl. respektvoller Umgang mit meiner Zeit). Ich stelle keine Bedingungen bzgl. Alter, Aussehen oder bestimmten Eigenschaften, sondern bin in der Lage, jeden Menschen so anzunehmen, wie er ist, und mit Wertschätzung und liebevoller Zuwendung zu behandeln.

Last but not least: Ich ziehe eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben und projiziere keines meiner Bedürfnisse auf meinen Gast – seien es sexuelle Bedürfnisse, Nähe-Bedürfnisse oder gar der Wunsch nach einer Partnerschaft. All dies gehört in mein Privatleben und ich sorge dort dafür, dass ich diese Bedürfnisse erfüllt bekomme; in meiner Arbeit haben sie nichts zu suchen, dort geht es um die Bedürfnisse und Wünsche meines Gastes.

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