Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

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Prostitution als der einfachste Weg

Vor vielen Jahren habe ich mal in einem Buch folgende Aussage gelesen: „Frauen, die sich prostituieren, gehen den einfachsten Weg. Sie sind nicht bereit, sich den Problemen in ihrem Leben zu stellen und nach anderen Lösungen zu suchen.“ Damals habe ich mich über diese Aufgabe furchtbar aufgeregt; wer wird schon gerne als jemand gesehen, der sich dem Leben nicht richtig stellt?! Mittlerweile denke ich, dass in der Aussage doch etwas Wahrheit steckt.

Den meisten Menschen ist bewusst, dass Prostitution keine einfache Tätigkeit ist, sondern viel emotionale Stärke und Selbstsicherheit braucht. Trotzdem fangen einige Frauen ziemlich naiv mit Sexarbeit an, mit Gedanken wie „Ich kann das ja mal ausprobieren.“ Das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt von Prostitution: man kann relativ schnell und einfach einsteigen. (Theoretisch kann man genauso schnell und einfach wieder aussteigen. Warum das in der Praxis selten klappt, ist ein Thema für einen anderen Blog.)

Ich habe auch so angefangen. Nur nebenbei, eine handvoll Termine, dann habe ich erst mal wieder aufgehört. Selbst als ich später fünf Tage die Woche in einem Club gearbeitet habe, war das irgendwie „nebenbei“ und relativ locker. In manchen Bordellen gibt es nicht einmal Schichtpläne, sondern die Frauen können kommen und gehen wie sie wollen; wer da ist verdient Geld, wer nicht da ist eben nicht. Bei welcher anderen Tätigkeit gibt es diese Möglichkeit?

Das Problem dabei ist, dass man sich an diese Freiheit gewöhnt. Es wird einfach, nur so in den Tag hinein zu leben. Man arbeitet bis man genug Geld verdient hat, dann macht man frei bis man wieder Geld braucht. Keine Planung notwendig, man kann voll im Moment leben. Der Verdienst in der Prostitution ist meist hoch genug, dass das funktioniert, solange man den eigenen Lebensstandard nicht zu hoch schraubt (was manchen Anfängerinnen schwer fällt).

Wenn man einer normalen, angestellten Arbeit nachgeht, ist nicht nur ein hohes Maß an Disziplin und Zuverlässigkeit nötig (und vorab ein Bewerbungsprozess), sondern man muss auch seine Finanzen planen, da es halt nur ein Mal im Monat Gehalt gibt. Für viele Menschen mag diese Feststellung lächerlich klingen, da sie schon im frühen Erwachsenenalter gelernt haben, mit Geld umzugehen. Prostituierten fehlt diese Fähigkeit häufig. Sie sprechen von „Handgeld“ als das Geld, was sie für tägliche Ausgaben brauchen, und haben manchmal jemanden anders, der sich um den ganzen anderen Kram kümmert. (Auch das Zuhälter-Thema braucht einen eigenen Blog.) Viele Prostituierte leben sehr in den Tag hinein, gerade wenn sie jung sind.

Von dieser Perspektive aus betrachtet ist Prostitution durchaus der einfachste Weg – der leider auch in eine Sackgasse führen kann, wenn man sich auf diese Einfachheit verlässt und nicht irgendwann anfängt, Pläne für den Rest des Lebens zu machen.

Kannst du nicht doch…

In den letzten Wochen häufen sich die Anfragen nach kurzfristigen Treffen: „Ich weiss, du machst eigentlich nie Termine für denselben Tag, aber kann ich nicht vielleicht doch heute noch zu dir kommen?“ Häufig kommen diese Anfragen im Laufe des Abends, also nach 18:00. Ich kann verstehen, dass einige Männer dann alleine zu Hause oder im Hotel sitzen und sich nach Gesellschaft sehnen. Aber ich möchte Dir das gerne mal aus meiner Perspektive schildern:

Gehen wir mal davon aus, dass ich an dem Abend keinen Arbeitstermin habe, weder in Form eines Dates noch in einem meiner anderen Tätigkeiten. Ich arbeite theoretisch sieben Tage die Woche, und an diesem Abend habe ich eigentlich keine Verpflichtung und kann meine Zeit selber planen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich dann zu Hause sitze und hoffe, dass doch noch eine Anfrage kommt!

Die Realität ist eher, dass ich mir spätestens am frühen Nachmittag überlegt habe, wie ich den Abend verbringen möchte. Ich habe mich zu einer Yoga-Stunde angemeldet, mich mit einer Freundin verabredet oder fahre spät noch zu meinem Pferd. Dann kommt diese Anfrage, ob ich nicht doch Zeit für ein Date hätte. Ich gebe zu, es gab Zeiten in meinem Leben, da hätte ich mich jetzt vor dem Yogastudio umgedreht und wäre zurück in die Wohnung gefahren, hätte die Freundin angerufen und den Termin so kurzfristig abgesagt, hätte den Sattel wieder vom Pferd genommen und es einfach zurück in die Box gestellt. Ich bin froh, heute nicht mehr so rücksichtslos mit meinem Privatleben umzugehen!

Aber gehen wir mal davon aus, dass ich genau das mache. Ich breche ab, was auch immer ich zum Zeitpunkt der Anfrage gerade gemacht habe, und fahre in die Wohnung, sagen wir mal mit 30 Minuten Fahrzeit (was knapp geschätzt ist). Dort brauche ich ca 20 Minuten, um den Raum vorzubereiten; diesen nutze ich nämlich auch für andere Dinge. Ich muss also die Möbel umstellen, den Futon ausrollen und neu beziehen, die Heizung hochdrehen und mich ums Licht kümmern. Dann muss ich duschen, mich rasieren, meine Nägel lackieren, etwas MakeUp auflegen – noch mal mindestens 30 Minuten. Jetzt sind wir also bei einem Zeitrahmen von mindestens 1,5-2 Stunden zwischen Anfrage und frühestmöglichem Zeitpunkt des Treffens; bei einem Anruf um 19:00 macht das ein Treffen um 21:00. Die meisten Männer werden (zu Recht) sagen, dass ihnen das zu spät wird.

Gehen wir von dem ungewöhnlichen Fall aus, dass ich zum Zeitpunkt der Anfrage in der Wohnung bin. Dann geht es mir wie den meisten Menschen am Abend: Ich habe nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag jetzt den Feierabend eingeläutet und freue mich auf einen ruhigen Abend. Vielleicht sitze ich am Schreibtisch und schreibe, oder ich liege entspannt mit einem Buch in der Badewanne. Es geht mir dann bei plötzlichen Arbeitsanfragen wie den meisten Menschen: Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich mache sehr, sehr gerne Sexarbeit, aber Sexarbeit ist trotz allem Arbeit – siehe Vorbereitungen oben, und wenn mich jemand für Erotik bezahlt, erwartet er (zu Recht) Aufmerksamkeit und Motivation und keine Einstellung a la „okay, dann nehme ich das eben noch mit“.

Es wird also auch in Zukunft keine spontanen Treffen mit mir am Abend geben. Meist sind alle Anfragen für denselben Tag zu spontan. Selten bringe ich am Nachmittag ein spontanes Date unter, oder kann den Abend freihalten, wenn die Anfrage früh genug am Tag kommt. Für die spontane Lust am Abend sollte man sich aber bitte an Frauen wenden, die im Schichtdienst arbeiten und es gewohnt sind, sich spontan bereit zu halten (was keine Kritik an diesem System sein soll).

Vertrautes oder Neues

Ich mag Gewohnheiten. Ich freue mich immer wieder aufs Neue auf Treffen mit Stammkunden, die ich schon lange kenne und mit denen sich Vertrautheit entwickelt hat. Ich genieße es zu wissen, wie sich die Stimmung eines Treffens entwickeln wird, und dass wir die Vorlieben des anderen kennen und im Laufe der Zeit ein gemeinsames Spiel entwickelt haben.

Für manche Kunden geht es beim Besuch einer Sexarbeiterin darum, immer wieder etwas Neues zu erleben: eine andere Frau, eine neue Spielart, ein Versuch der Steigerung…

Bei Treffen mit mir ist das selten der Schwerpunkt. Es geht eher um Ruhe, Ausgleich, Nähe, sanfte Erotik. Manchmal kommen Kunden auch mit bestimmten Wünschen; Dingen, über die sie schon länger nachdenken und die sie nun endlich ausprobieren möchten, oder auch neuen Ideen, die sie gerade faszinieren.

Ich freue mich, wenn jemand mit neuen Ideen zu mir kommt, und setze diese gerne um – baue sie in ein schon vertrautes Spiel ein oder kreiere auch etwas völlig Neues. Das passt zu dem, was ich oben mit „ein gemeinsames Spiel entwickeln“ meine.

Ich bin jedoch meist ziemlich überfordert, wenn jemand von mir neue Ideen erwartet. Ich habe in meiner Sexualität schon sehr viel ausprobiert, und mir geht es mittlerweile mehr um Menschen und Begegnungen und nur noch selten um Techniken. Gerade in der Sexarbeit sehe ich es als meine Aufgabe, mich auf meinen Gegenüber einzustellen – da treten dann meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse häufig in den Hintergrund.

Wenn ich jemanden regelmäßig treffe, kommen mir manchmal neue Ideen, was demjenigen gefallen könnte. Dafür muss ich aber ein gutes Gefühl für die Person kriegen – mit regelmäßig meine ich also ein Mal im Monat, nicht zwei Mal im Jahr.

Mit „sag doch mal, was du gerne ausprobieren möchtest“ kann ich nichts anfangen. Es geht dabei selten wirklich um mich, sondern es wird von mir erwartet, eine Fantasie meines Gegenübers zu erraten. Das Risiko, dass ich das Treffen ruiniere, weil meine Wünsche und Fantasien halt zu weit von denen meines Kunden entfernt sind, ist ziemlich groß – und Gedanken lesen kann ich leider nicht.

Deswegen: Verrate mir einfach, wonach Dir ist, oder genieße das, was Du von mir kennst und Dir vertraut ist. Da haben wir beide am meisten von.

Logik des Geldes

Heute Morgen hatte ich mal wieder so einen Mail-Kontakt, der mich den Rest des Tages den Kopf schütteln ließ:

Er: „Hi würdest Du XXX machen? Würde es auch entsprechend bezahlen.“
Ich: „Kann ich nicht.“
Er: „Schade, würde echt gut zahlen.“

Wenn ich sage „Ich kann das nicht.“ kann das Unterschiedliches meinen:

– Es ist mir körperlich nicht möglich.
– Ich habe das nötige Wissen nicht.
– Es zählt zu meinen Tabus.

In allen drei Fällen macht es überhaupt keinen Sinn, mich mit mehr Geld überzeugen zu wollen. Falls ich mich darauf einlassen sollte, wäre das Ergebnis nämlich so:

– Ich sage etwas zu, was bei mir körperlich nicht funktioniert. Es wird nicht plötzlich funktionieren, nur weil ich mehr bezahlt kriege. Ich sage also etwas zu, bei dem mir klar ist, dass ich es dann nicht machen kann und der Kunde frustriert sein wird (zu Recht). Falls ich doch versuche, etwas zu erzwingen, gehe ich ein hohes gesundheitliches Risiko ein.
– Ich versuche mich an etwas, von dem ich keine Ahnung habe. Im besten Fall wird der Kunde frustriert, weil es nicht so wird wie er sich das vorgestellt hat. Im schlimmsten Fall setze ich den Kunden unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken aus.
– Ich mache etwas, das mir zuwider ist oder das ich für nicht verantwortbar halte, und verstoße dadurch gegen meine eigene Integrität. Damit füge ich mir selbst psychischen Schaden zu, der noch Zeit zum Heilen brauchen wird, wenn ich das verdiente Geld längst ausgegeben habe.

In allen drei Fällen sehe ich weder für mich noch für den Kunden einen Sinn darin. Ich muss also alle, die an einem Treffen mit mir interessiert sind, bitten, sich auf mein Urteil darüber zu verlassen, was ich kann und was nicht. Ist besser für beide!

Nachtrag:
Ich habe in den Jahren, in denen ich SDL bin, einige Male Kunden erlebt, denen es nicht wirklich um etwas Bestimmtes ging, sondern rein darum, mich dazu zu bringen, etwas zu tun das ich vorher abgelehnt habe. Das sind Machtspielchen. Das finde ich respektlos und breche den Kontakt sofort ab.

(Re-Post vom 16. Januar 2017)

Blog-Empfehlung

Vor ein paar Tagen bin ich über das Profil einer Autorin auf ihrer Homepage gelandet. Erster Eindruck: Oh, schick – und irgendwie vertraut. Lösung: sie benutzt dasselbe Programm und auch dieselbe Template-Vorlage wie ich für diesen Blog.

Dann habe ich etwas mehr gelesen und neben Werbung für ihre Bücher eine ganze Reihe von interessanten Blog-Artikeln gefunden und viele Literaturtipps. Deswegen möchte ich Euch diese Seite jetzt empfehlen.

Falls Ihr Euch für BDSM interessiert und nach spannenden Romanen oder Blog-Texten zu dem Thema sucht, schaut gerne mal hier vorbei:

https://margauxnavara.com/

Kommentare zu Blogs

Diesen Blog erstelle ich mit dem Programm WordPress und einem vorgegebenen Template, das ich lediglich mit meinen eigenen Texten fülle. Standardmässig hat diese Seite auch eine Kommentarfunktion, die ich bis jetzt nicht weiter beachtet habe.

Vor zwei Wochen hatte ich dann plötzlich eine Flut von Kommentaren, die meisten von einem einzigen Leser. Einige waren durchaus sinnvoll, aber vieles war die Darstellung einer eigenen Meinung und ein Kommentar sogar eine Anfrage nach einem Treffen (was ich so öffentlich ziemlich daneben finde).

Seitdem denke ich wieder darüber nach, wie ich mit Kommentaren zu meinen Blogs umgehen will. Da ich jeden Kommentar von Hand freischalten muss, kann ich theoretisch auch einfach alle Kommentare löschen. Oder mich doch mal damit beschäftigen, ob und ggf wie ich diese Funktion ausschalten kann.

Welchen Sinn haben Kommentare eigentlich? Meiner Meinung nach geht es darum, etwas zu dem jeweiligen Text zu sagen, z.B. einen Aspekt zu ergänzen oder auf andere Sichtweisen hinzuweisen. Viele nutzen Kommentare aber eher, um über eigene Vorlieben zu berichten – das nervt mich total! Auch Anmerkungen, die sich nicht auf den Text an sich, sondern auf mich als Person beziehen, empfinde ich häufig als übergriffig.

Ein Blog ist für mich etwas anderes als ein Forum. Mein Blog ist mein Bereich, und ich muss mich hier weder rechtfertigen noch alles tolerieren. Im Gegensatz dazu geht es in einem Forum darum, sich über ein Thema auszutauschen und gleichberechtigt zu diskutieren. Auf vielen Internetseiten vermischen sich die beiden Bereiche mittlerweile, aber hier möchte ich das nicht.


Weitere Texte von mir zu diesem Thema sind „Blogs und Kommentare“ vom 28. November 2018 und „Mobbing“ vom 23. Juni 2020.

Flüchtlinge und Zwangsprostitution

Bei den Flüchtlingen aus der Ukraine handelt es sich, im Gegensatz zur Flüchtlingswelle 2015, überwiegend um Frauen und Kinder. Vielen wird von Privatpersonen Hilfe angeboten, in Form von privaten Unterkünften, Hilfestellung bei Wohnungssuche, Anträgen, Kleidung und Gebrauchsgegenstände, etc. Die überwiegende Anzahl dieser Hilfsangebote ist zweifelsohne selbstlos, einfach ausgelöst durch das Leid direkt vor unserer Haustür.

In der letzten Woche gibt es aber auch Stimmen von Flüchtlingsorganisationen und -helfern, die geflüchtete Frauen zu mehr Vorsicht mahnen. Leider gibt es durchaus auch Menschen, die die Notlage dieser Frauen ausnutzen, um „Gefälligkeiten“ zu erzwingen oder Abhängigkeiten herzustellen. In diesem Zusammenhang steht auch schnell das Wort „Zwangsprostitution“ im Raum.

Für mich ist Zwangsprostitution ein schwieriges Thema. Ich möchte nicht abstreiten, dass es Zwangsprostitution in Deutschland gibt, sowohl in Form von Menschenhandel als auch (viel häufiger) in Form von Ausnutzung von Notlagen und Abhängigkeiten. Andererseits stellen viele Prostitutonsgegner es so hin, als wäre jede Form von Prostitution Zwangsprostitution oder zumindest sehr massiven wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Damit bringen sie mich und jede andere Frau, die dieser Tätigkeit freiwillig nachgeht, in die Position, höchst private und intime Entscheidungen und Geschichten darlegen und rechtfertigen zu müssen. Die Steigerung davon ist es, nicht nur diese Geschichten zu verdrehen, sondern auch die psychische Gesundheit und Entscheidungsfähigkeit von Frauen in der Prostitution in Frage zu stellen.

Ziemlich weit oben auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) liegt das Buch „Entmenschlicht“ von Huschke Mau, einer der führenden Prostitutionsgegnerinnen in Deutschland und Verfechterin des „Nordischen Models“. Sie vertritt ziemlich genau die gerade beschriebenen Auffassungen. Im Zusammenhang mit ihrer Geschichte kann ich das nachvollziehen und schätze durchaus auch viele ihrer Texte. Trotzdem finde ich ihren eingleisigen Blick und ihre Kompromisslosigkeit falsch. (Rezession des Buches folgt, sobald ich es gelesen habe.)

Zwangsprostitution und Sexarbeit (als Oberbegriff für freiwillige Prostitution in all ihren unterschiedlichen Aspekten) sind für mich zwei völlig unterschiedliche Dinge – so wie vielleicht der Unterschied zwischen Sklaverei und Lohnarbeit. Das eine gehört zu Recht bekämpft, das andere hat eine Funktion in der Gesellschaft.

Ruhe

Nach einer von mir gegebenen Yoga-Stunde sagte mal eine der Teilnehmerinnen: „Du hast eine richtige Yin-Persönlichkeit.“ Das ist bei mir hängen geblieben, und ich freue mich immer wieder, wenn ich daran denke.

Was heißt Yin? Viele kennen das Yin-Yang-Zeichen (das ich als Tattoo auf dem Handgelenk trage), in dem in einem Kreis eine helle und eine dunkle Seite ineinander fließen. Yin ist die dunkle Seite: ruhig, erdend, sanft, dunkel, nährend. Manchmal wird Yin auch als weiblich bezeichnet.

In meiner Arbeit, egal ob im Yoga oder in der Sexarbeit, ist es mir wichtig, diesen Aspekt zu verkörpern. Viele Menschen erleben ihren Alltag als angefüllt mit Stress und Hektik. Die Zeit mit mir soll da einen Ruhepol bilden, eine kleine Oase, in der Zeit ist zu entspannen und bei sich selbst anzukommen.

Gerade Männer erleben Sex erst mal als „Yang“: aufbrausend, kraftvoll, aktiv – „männlich“. In dieser Form ist Sex eine schnelle Form des Spannungsabbaus. Das führt natürlich auch zur Entspannung, aber diese ist meist kurzfristig. Ich möchte Raum bieten, mit anderen Wegen zu experimentieren. Sich darauf einzulassen, zur Ruhe zu kommen und Lust tiefer im Körper zu erleben.

In den letzten Jahrzehnten erfährt diese Art, Sexualität zu leben, mehr und mehr Aufmerksamkeit (häufig unter den Begriffen „Tantra“ oder „Slow Sex“). Für mich ist das eine sehr intuitive Art der Sexualität und ganz selbstverständlich mit dem Anspruch von Achtsamkeit verbunden – und etwas, das leider viel zu häufig von der herrschenden Porno-Kultur überschattet wird.

Klare Ansagen

In den letzten Wochen frage ich mich immer wieder, warum so viele Menschen nicht in der Lage sind, klare Ansagen zu machen und Absprachen zu treffen. Meine Branche ist da bekannt für, für ewiges hin und her schreiben und unklare Absprachen, aber auch im Rest meines Lebens erlebe ich das mehr und mehr.

Seit Anfang des Jahres versuche ich, für mein Pferd einen Sattler zu bekommen. Der erste Termin war problemlos, Termin telefonisch vereinbart und auch eingehalten. Der Sattler stellte fest, dass ich einen neuen Sattel bräuchte, und versprach, mich am nächsten Morgen anzurufen, um mir ein Angebot zu machen. Ich habe drei Tage auf den Anruf gewartet, dann versucht ihn anzurufen, um Rückruf gebeten, ein paar Tage später noch mal eine Nachricht geschrieben, nach einer Woche noch mal – und nie wieder etwas gehört. Was war denn so schwer daran, einfach zu sagen: „Tut mir leid, ich habe nichts Passendes.“?!

Termin mit einer neuen Sattlerin gemacht. Den hat sie dann zwei Stunden vorher abgesagt. Bis zum nächsten Termin habe ich sie drei Mal angeschrieben. Jetzt warte ich auf den zweiten Termin; zwischen den Antworten auf Nachrichten liegen jeweils 3-7 Tage…

Ähnliches erlebe ich bei meiner Arbeit. Anfragen mit „Hej, wie geht’s?“ sind ziemlich regelmäßig. Kontakte, die sich über Wochen hinziehen, ohne das irgendwas gesagt wird. Kurzfristige Anfragen, bei denen derjenige sich dann sofort wieder ausloggt und erst Tage später wieder online geht. Warum ruft man nicht einfach kurz an? Terminanfragen, die dann weder bestätigt und abgesagt werden.

Ausnahmen bestätigen die Regel, ich habe natürlich auch jede Menge zuverlässiger Stammkunden. Trotzdem gibt es Zeiten wie diese, in denen ich einfach nur genervt bin.

Rhythmen und Vorsätze

Als ich diesen Blog vor einem halben Jahr hierher überführt habe, hatte ich mir vorgenommen, so alle drei Tage einen Vortrag zu schreiben. Bei kaufmich habe ich in den letzten Jahren eher unregelmäßig geschrieben; geplant hatte ich einen Beitrag die Woche, aber manchmal habe ich auch mehrere Wochen gar nicht geschrieben, und manchmal drei Beiträge in einer Woche.

Jetzt bin ich gerade etwas aus dem Takt gekommen, ich habe seit elf Tagen nichts geschrieben. Deswegen gibt es heute einen Plauder-Blog, in dem ich einfach ein bisschen aus meinem Alltag erzähle.

Rhythmen sind sowieso immer ein Thema für mich. Ich freue mich darüber, in meiner Selbständigkeit meine Zeit fast ganz frei einteilen zu können. Manchmal führt das aber auch dazu, dass Chaos ausbricht und es mir nicht mehr gelingt, so etwas wie Struktur in meinen Alltag zu bringen.

Während Corona ist mein Tempo insgesamt heruntergefahren, ich habe mich daran gewöhnt wenig Termine und viel Zeit zu haben (so wie vorher manchmal in den Sommerferien). Jetzt kämpfe ich seit einigen Monaten darum, mein Grundtempo wieder hochzufahren, um mehr in meinem Tag unterzubringen.

Ein Schritt dazu ist, statt selbständig zu Hause Yoga zu machen, wieder morgens in eine Yogastudio zu gehen – dann habe ich mein Yoga schon mal erledigt und bin außerdem früh auf, wach und unterwegs. Klappt so mittelmäßig: die Yogastunden morgens sind toll, aber letzten Donnerstag ist die Nacht davor so kurz gewesen, dass ich mich danach noch mal hingelegt habe – und dann den Rest des Tages gar nichts mehr geschafft habe. Die letzten Tage liefen zum Glück besser.

Heute habe ich schon mal ein paar Themen für die nächsten Blogs aufgeschrieben. Es passiert so viel in der Welt, und auch in meinem eigenen Leben finde ich viel Inspiration. Demnächst also wieder mehr von mir!

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