Traumfrau mit Nebenwirkungen

Blog von Tina, Sexarbeiterin aus Hamburg

Seite 45 von 57

Herbst und Erinnerungen

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


In den vergangenen Tagen ist das Wetter noch mal schön geworden, aber jetzt ist der Sommer eindeutig vorbei. Heute stürmt es hier in Hamburg, und es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis es regnen wird und die Temperaturen fallen. Auch die Bäume sind mittlerweile herbstlich, und ich habe schon große Schalen voll Kastanien gesammelt.

Ich bin gerade auf dem Weg nach Hamburg-Niendorf, um dort eine Kollegin von früher zu treffen. Ich habe viele Jahre in dieser Ecke von Hamburg gewohnt, und als ich vor vier Jahren wieder angefangen habe, erotische Dates anzubieten und nicht nur Massagen, war das in einem Appartement in Hamburg-Schnelsen. Dort habe ich mit dieser Kollegin zusammen gearbeitet, und ich habe sehr schöne Erinnerungen an dieses Jahr.

Irgendwann ist mir die Pendelei zu viel geworden, da ich ganz ans andere Ende von Hamburg gezogen war und so jeden Tag 2,5 Stunden in der Bahn verbracht habe. In meinem jetzigen Appartement bin ich jetzt auch schon seit fast drei Jahren, und mein Alltag ist seitdem ganz anders geworden.

Hach ja, Herbst macht irgendwie melancholisch!

Nur auf Termin!

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Heute hatte ich um 13:00 einen Termin. Als es also um 12:58 an der Tür klingelte, öffnete ich, begrüßte den vor mir stehenden Mann freundlich und führte ihn in mein Zimmer. Dort stellte er sich vor: „Hallo, ich bin XX. WIr hatten vor ein paar Tagen telefoniert, wegen eines Termins im Kerker.“ Ich war irritiert: „Aber du hast doch jetzt einen Termin für eine Massage gemacht, oder?“ – „Nein, ich habe keinen Termin. Ich bin einfach so vorbeigekommen und wollte mir dich und den Kerker angucken.“

In mir kochte sofort Wut hoch ob dieser Umverschämtheit. „Da hab ich überhaupt keine Zeit für jetzt, außerdem ist der Kerker nicht nutzbar, bevor da nicht gründlich aufgeräumt wurde.“ Ich habe dann noch gut fünf Minuten mit ihm rumdiskutiert: ob wir nicht wenigstens mal kurz runtergehen könnten (nein, konnten wir nicht); ob ich die roten High Heels von meinen Bildern da hätte (ja, aber weder Zeit noch Lust die jetzt rauszusuchen); usw. Ich bin dann pampig geworden und habe ihn mit den Worten, dass es keine gute Idee ist, einfach vorbeizukommen, hinauskomplementiert.

Wahrscheinlich wird er keinen Termin für eine Session machen, aber das ist mir auch recht. Wenn ich seine Nummer gespeichert hätte, wäre er auf meiner „schwarzen Liste“ gelandet!

Prostituierte oder Sexarbeiterin

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Der Begriff Sexarbeiterin ist relativ jung. Er ist entstanden mit der Bewegung, dass Prostituierte um die Anerkennung und Legalisierung ihrer Tätigkeit (und ihrer Existenz) kämpfen. Für viele ist diese Bezeichnung mit einer Aufwertung der Sexarbeit als Dienstleistung verbunden und mit einem neuen Selbstbewusstsein dieser Frauen, die sonst am untersten Rand der Gesellschaft lebten.

Abolitionist*innen spotten eher über die Bezeichnung Sexarbeiterin und vermuten dahinter eine Beschönigung der Prostitution, die sie per se als frauenverachtend und missbräuchlich betrachten. Auch bei Männern setzt sich der Begriff nur schwer durch, dort werden meist umgangssprachlichere Begriffe benutzt wie Hure oder (abwertend) Nutte.

Ich bezeichne mich gern als Sexarbeiterin. Darin schwingt für mich mit, dass es eben nicht nur um schnellen Sex geht, sondern um eine komplexe Dienstleistung, die neben dem klassischen Sex (GV, OV, AV) auch erotische Massagen, Fetische, SM, ja bis hin zur Sexualbegleitung und Surrogat enthalten kann.

Den Begriff Prostitution halte ich für verbrannt. Selbst ich denke dabei an Menschenhandel, Zuhälter und Frauen, die den Sex willenlos über sich ergehen lassen. Das ist das Bild, das viele Medien unter dem Begriff zeichnen und das sich in den Köpfen der meisten Menschen festgesetzt hat, die nichts mit dieser Szene zu tun haben.

Mädchen-WG

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Letzte Nacht habe ich im Appartement geschlafen, was ich sonst so gut wie nie tue. Aber ich hatte bis 22:00 einen Termin und musste heute Morgen um 10:00 wieder hier sein, da war es mir zu aufwendig, nach Hause zu fahren. Hier habe ich zwei Stunden mehr Schlaf gekriegt.

Sonst bin ich die einzige, die regelmäßig abends nach Hause fährt. Die Kolleginnen wohnen alle so weit weg, dass es sich unter der Woche nicht lohnt und sie nur am Wochenende nach Hause fahren. Dadurch herrscht bei uns eine Art WG-Stimmung: Wir kochen zusammen, sitzen zusammen und reden, planen Einkäufe und Kosmetik-Termine – leben halt Alltag zusammen.

Manchmal bin ich davon genervt und würde gerne mehr trennen zwischen Arbeit und Privat. Aber meist ist es es einfach schön. Ich fühle mich im Appartement auch zu Hause, es ist ein geschützter Raum, in dem ich mich ganz selbstverständlich bewege und viel von mir zeige.

Das kommt übrigens auch bei meinen Gästen an. Viele von ihnen freuen sich, wenn die Kolleginnen freundlich lächelnd grüßen, und bekommen genug von der gelösten Atmosphäre hier im Appartement mit, um das zu genießen.

Traurigkeit

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Vor ein paar Tagen haben wir uns von einer Kollegin getrennt. Sie war gut zwei Monate bei uns und die Situation war durchgängig schwierig. Ihr Auftreten war laut und unruhig und sie hatte Probleme, im Team mitzuarbeiten und sich einzufügen. Trotzdem haben wir uns immer wieder Mühe gegeben, sie zu integrieren. Sie reagierte auf jeden Hinweis mit Genervtheit und Arroganz, und Donnerstagabend ist es dann endgültig eskaliert.

Es ist wohl normal (und sehr menschlich), dass das in den folgenden Tagen noch Hauptthema unter uns Kolleginnen im Appartement war und wir auch ausgiebig geschimpft und gelästert haben. Doch hinter allem Groll zeigt sich bei mir ein Gefühl von Traurigkeit. Vielleicht ist es naiv von mir, aber mir tut es immer weh, wenn menschliches Miteinander so böse schiefgeht. Ich glaube an menschliche Tugenden wie Freundlichkeit, Rücksichtnahme und ein gewisses Maß an Nachsicht. Niemand ist perfekt, wir alle machen Fehler und haben Launen – aber warum muss es immer wieder so eskalieren?

Miteinander funktioniert nur, wenn alle Seiten sich bemühen, und es wird schwerer, je mehr kleine Unachtsamkeiten und Verletzungen sich angehäuft haben und je verhärteter die Fronten sind. Ich wünsche uns allen weniger Egoismus und mehr gegenseitige Rücksichtnahme; wenn das im Kleinen anfange würde, hätten wir wohl auch gesamtgesellschaftlich weit weniger Probleme.

Schreck am Montag

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Heute Mittag also nach neun Tagen Urlaub wieder zurück ins Appartement. Unten die Tür war abgeschlossen, ich war also noch alleine. Erst mal lüften: Ich riss vorne im Flur das Fenster auf, ging dann durch bis in mein Zimmer, zog den Vorhang zurück – und starrte in ein Männergesicht auf der anderen Seite der Fensterscheibe! Erschrocken stolperte ich einen Schritt zurück, wir waren schließlich im 1. Stock, gut sechs Meter über dem Boden!

Des Rätsels Lösung: Die Fassade wurde gestrichen, mit einer Hebebühne. Ich ließ das Fenster zu und machte meinen ersten Termin im Zimmer einer Kollegin, das nach vorne rausging, wo zum Glück keiner an der Fassade rumturnte.

Blogs und Kommentare

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich habe die Kommentar-Funktion zu meinen Blogs vor drei Jahren deaktiviert, nachdem eine Diskussion zu einem meiner Blogs völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Ich muss mich auf meinen eigenen Profil nicht abwerten und beschimpfen lassen!

Manchmal tut es mir leid, dass ich dadurch relativ wenig Feedback zu meinen Texten bekomme. (Einige Leser schreiben mir Nachrichten, worüber ich mich jedes Mal freue.) Andererseits lese ich ab und zu die Kommentare unter anderen Blogs. Dabei habe ich häufig das Gefühl, dass es nicht um einen Kommentar zum Text oder um einen konstruktiven Beitrag geht, sondern dass sich sehr häufig die immer selben Leute selbst loben und lautstark ihre eigene Meinung mitteilen und wie toll sie doch sind.

Für mich ist ein Blog nicht der Eröffnungsbeitrag zu einer Diskussion (für Spass gibt es Foren, da können alle gleichberechtigt diskutieren), sondern ein Text, in dem ich etwas erzähle, dass mich gerade beschäftigt. Als Autorin freue ich mich, wenn du etwas mit meinem Text anfangen kannst; wenn das nicht der Fall ist, ist das auch okay und du kannst einfach weiterklicken.

Last nur mit least: Ich mag kaufmich sehr gerne und genieße die Möglichkeiten, mich hier darzustellen und auch zu surfen und von anderen zu lesen. Aber in erster Linie bin ich hier, um Werbung für mich zu machen, und darauf sind natürlich auch meine Blogs in der ein oder anderen Form ausgerichtet.

Interesse oder Gleichgültigkeit

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Bezüglich meines letzten Postings, der Geschichte „Half a boy, half a man“, bekam ich mehrere Zuschriften, sowohl von Männern als auch von Frauen, die sich davon haben berühren lassen. Mit einem Mann ergab sich ein kurzer, netter Dialog, da mich eine seiner Aussagen getroffen hatte. Er schrieb: „Es ist aber wohl auch ein Indiz dafür, dass der ein oder andere Kunde ein gehöriges Päckchen zu tragen hat und solch ein Paysex-Date nicht immer nur die pure Freude ist. Kann und wird dir letztendlich egal sein und das ist auch gut nachvollziehbar.“ Ich möchte gerne meine Antwort an ihn und ein paar Gedanken dazu mit Euch teilen.

Ich widerspreche der Aussage, dass mir die Themen und Probleme meiner Kunden egal sind. Menschen sind mir nie egal! Ich lasse mich gerne von Geschichten und Schicksalen berühren und fände es sehr bedenklich, wenn das irgendwann nicht mehr so wäre. Andererseits bin ich keine Therapeutin. Ich kann Mitgefühl und Einfühlungsvermögen im Rahmen eines Dates bieten, aber ich mische mich nicht ungebeten in das Leben fremder Menschen ein. Selbst Therapeuten behandeln nur das, wofür sie einen Auftrag haben. Mein Auftrag im Rahmen eines Paysex-Dates sind Lust, Erotik, Sex, Nähe, Körperlichkeit.

Dem Kunden in der Geschichte habe ich einen Nachkontakt angeboten, den er aber abgelehnt hat. Das war sein gutes Recht, und demnach endete der Kontakt mit Ende des Dates. Es mag häufiger vorkommen dass ein Kunde mit anderen Themen als nur Erotik und Sex in ein Paysex-Date geht. Trotzdem begegnen sich hier erwachsene Menschen, die eigene Entscheidungen treffen und Erfahrungen machen – auch mal die falschen. Das gehört zum Leben dazu; im Idealfall lernt man etwas daraus und entwickelt sich weiter.

Geschichte: Half a boy, half a man

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


In den vergangenen Stunden hatte ich mich mehrfach gefragt, warum er zu mir gekommen war. Er war jung, gut 15 Jahren jünger als ich. Ein gutaussehender, sportlicher junger Mann, der gerade arg nervös war, aber ansonsten nicht übermäßig schüchtern wirkte. Versteht mich nicht falsch: Ich halte mich durchaus für attaktiv, sonst wäre ich nicht hier. Aber auch an meinem Körper hinterließ das älter werden Spuren – mit denen ich entspannt umging, die mich aber für einige Männer unattraktiv machten.

Doch seine Hände glitten über die Polster an meinem Hüften, als suche er nach etwas. Seine Arme umklammerten mich zeitweise so fest, dass es weh tat. Sein Körper suchte meine Nähe, doch die Sexualität wirkte aufgesetzt. Seine Bemühungen, mich zu erregen, waren geschickt, aber ziellos. Sein eigener Körper fügte sich nicht seinen Wünschen, seine Lust war flatterhaft, teilweise gezwungen. Ich mochte die Nähe seines Körpers; die Ungezwungenheit unseres Zusammenseins und die Art, wie wir in enger Umarmung kurz zur Ruhe kamen. Gesprochen haben wir dabei kein Wort, es gab nur kurze Blicke und leise Laute.

Auch hinterher sprachen wir kaum, saßen uns stumm gegenüber. Ich strich über seinen Arm, stellte ein letztes Mal Nähe her. Als es schon fast Zeit war zu gehen, griff er plötzlich heftig nach meiner Hand. Ich hielt ihn, bis er mit tränenfeuchten Augen zu mir aufsah. Dann ging er, und der Abschied war endgültig. Doch der Blick des verlorenen Jungen in seinen Augen begleitete mich auf dem Heimweg, und ich wünscht ihm, dass er woanders fand, was er so dringend suchte.


Geschichten unterliegen meinem Copyright und dürfen nicht kopiert und/ oder an anderer Stelle im Internet veröffentlicht werden!

Buchempfehlung: „Mein Huren-Manifest“

Dies ist eine Kopie, der Text wurde ursprünglich veröffenlicht auf meinem Profil „TraumfrauHH“ bei kaufmich.com.


Ich möchte Euch von einem Buch erzählen, das ich letzte Woche gelesen habe und von dem ich mir fast wünsche, ich hätte es geschrieben. (Na ja, falls ich einmal ein Buch schreibe, wird es wohl andere Schwerpunkte haben.) Es geht um das Buch „Mein Huren-Manifest“ von Undine de Riviere.

Undine de Riviere ist Bizzar-Lady in Hamburg, seit über 20 Jahren im Gewerbe – und eine der beeindruckensten Frauen, die ich je getroffen habe!

Nun hat sie ein Buch geschrieben, über die Realität von Sexarbeit aus ihrer eigenen Sicht, der Sicht von Kolleginnen, der Sicht von Kunden; über Probleme und Stigmatisierung, über den Unsinn des Prostitutionsschutzgesetzes, über Vorurteile, Politik, Menschenhandel und Arbeitsmigration, aber auch über die schönen Seiten: den Sex, die Freiheit, die Begegnungen, den Reiz des Verruchten.

Sie sagt selber, dass das Buch aus ihrer Sicht und ihren Erfahrungen geschrieben ist. An manchen Stellen hätte ich mir einen etwas genaueren Blick auf die Schattenseiten gewünscht. Andererseits gibt es mehr als genug negative Darstellungen, und dieses Buch ist eindeutig pro Sexarbeit, ja ein flammendes Plädoyer für sexuelle Selbstbestimmung und freie Berufswahl.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »